Caspar David Friedrich 4.7 (14)

Beitragsfoto: Zwei Männer in Betrachtung des Mondes | Caspar David Friedrich (1819/20)

Das erste Mal hörte ich von Caspar David Friedrich, als unser Kunstlehrer uns aufforderte, ein Zitat von Friedrich bis zur kommenden Woche als Bild zu präsentieren.

Da ich dann dafür eine für meine Verhältnisse ganz akzeptable Note erhielt, blieb mir Caspar David Friedrich in guter Erinnerung. Sehr viel später stieß ich dann wieder auf genau dieses Zitat, welches im Original wie folgt lautet:

„Jedem offenbart sich der Geist der Natur anders, darum darf auch keiner dem andern seine Lehren und Regeln als untrügliches Gesetz aufbürden. Keiner ist der Maßstab für alle, jeder nur Maßstab für sich und für die mehr oder weniger ihm verwandten Gemüter.”

Caspar David Friedrich, Caspar David Friedrich in Briefen und Bekenntnissen (1984)

Caspar David Friedrich war ein Maler der Frühromantik und bestimmt jeder hat schon einmal ein Bild von ihm gesehen.

Und auch für Kunstlehrer hat Friedrich einen gut gemeinten Ratschlag:

„Nicht alles läßt sich lehren, nicht alles erlernen und durch bloßes totes Einüben erlangen; denn was eigentlich rein geistiger Natur in der Kunst genannt werden kann, liegt über die engen Schranken des Handwerks hinaus. Darum, ihr Lehrer der Kunst, die ihr euch dünket so viel mit eurem Wissen und Können, hütet euch sehr, daß ihr nicht einem jeden tyrannisch aufbürdet eure Lehren und Regeln; denn dadurch könnt ihr leichtlich zerknicken die zarten Blumen, zerstören den Tempel der Eigentümlichkeit, ohne den der Mensch nichts Großes vermag.“

Caspar David Friedrich, Caspar David Friedrich in Briefen und Bekenntnissen (1984)

Friedrichs Bild „Zwei Männer in Betrachtung des Mondes“, welches diesem Beitrag vorgestellt ist, soll übrigens Samuel Beckett während einer Reise durch Deutschland im Jahr 1936 zu „Waiting for Godot“ inspiriert haben.

Auch Beckett empfehle ich gerne, vor allem deshalb, weil er ebenfalls mit guten Ratschlägen aufwarten kann. Gerne zitiere ich das Folgende:

„All of old. Nothing else ever. Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.“

Samuel Beckett, Nohhow On (1989: 77)

Und da ich gerade schon bei Samuel Beckett bin, gleich hier noch ein Gedicht von ihm aus dem Jahr 1934.

Gnome

Spend the years of learning squandering
Courage for the years of wandering
Through a world politely turning
From the loutishness of learning

Samuel Beckett

„Nothing is more real than nothing.“

Samuel Beckett, Malone Dies (2009 [1951]: 168)

Prärie

Sophies Entscheidung 5 (5)

Beitragsfoto: Prärie | © ykaiavu auf Pixabay 

Nicht erst seit dem Film „Sophies Entscheidung“ von Alan J. Pakula, der 1982 den gleichnamigen Roman „Sophie’s Choice“ von William Styron verfilmte, ist Emily Dickinsons Gedicht „Ample make this bed“ aus dem Jahr 1891 sehr bekannt.

Ample make this bed.
Make this bed with awe;
In it wait till judgment break
Excellent and fair.

Be its mattress straight,
Be its pillow round;
Let no sunrise’ yellow noise
Interrupt this ground.

Emily Dickinson, 1891
Peter MacNicol alias Stingo liest das Gedicht Ample Make This Bed.

Amerikas bekannteste Dichterin Emily Dickinson empfing nur wenige Besucher, galt als menschenscheu und verbrachte die meiste Zeit in ihrem Zimmer.

Gedicht rezitiert von Derek Michael Sheldon.

Dennoch war ihre Schaffenskraft bewundernswert und ihre Gedichte sind trotz oder gerade wegen ihres begrenzten Horizonts von einer sehr großen Vorstellungskraft geprägt, die bezeugt, wie wenig man eigentlich benötigt, um einen großen Eindruck hinterlassen zu können.

To make a prairie it takes a clover and one bee, 
One clover, and a bee. 
And revery. 
The revery alone will do, 
If bees are few.

Emily Dickinson

Schlacht bei Arras

Schlacht bei Arras 5 (5)

Beitragsfoto: britischer Reservegraben während der Schlacht bei Arras | © Tilloy (10. April 1917)

Robert Frosts Gedichte gehören meines Erachtens mit zu den besten der Dichtkunst. Das hier folgende Gedicht wurde 1915 verfasst und soll an gemeinsame Spaziergänge mit dem Dichterkollegen Edward Thomas erinnern, wobei Frost sich wohl auch auf dessen Gedicht „Roads“ bezieht, welches aber erst 1916 veröffentlicht wurde.

Auch wenn Frost beabsichtigte, sich über die gemeinsamen Spaziergänge mit Thomas „lustig zu machen“, so wurde das Gedicht von Anfang an sowohl von den Lesern als auch von Thomas selbst als sehr ernst gemeint aufgefasst und zudem sehr schnell in Zusammenhang mit den aktuellen politischen Ereignissen gebracht. Thomas entschied sich für den Wehrdienst und fiel 1917 bei Arras in Frankreich.

The road not taken

Two roads diverged in a yellow wood,
And sorry I could not travel both
And be one traveler, long I stood
And looked down one as far as I could
To where it bent in the undergrowth;

Then took the other, as just as fair,
And having perhaps the better claim
Because it was grassy and wanted wear,
Though as for that the passing there
Had worn them really about the same,

And both that morning equally lay
In leaves no step had trodden black.
Oh, I marked the first for another day!
Yet knowing how way leads on to way
I doubted if I should ever come back.

I shall be telling this with a sigh
Somewhere ages and ages hence:
Two roads diverged in a wood, and I,
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.

Robert Frost

Zwei Dinge folgere ich daraus: erstens man darf die Wirkung von Gedichten nie unterschätzen und zweitens bekommt jedes Gedicht abhängig vom jeweiligen Leser ein Eigenleben.

„If you come to a fork in the road, take it.“

Yogi Berra, The New York Times (23. September 2015)