Ursula Schaffer: Weihnachten

Familienfrauen  aller  Länder,  vereinigt  Euch!  Ich  bin  es  so leid, und deshalb rufe ich Euch heute auf zum kol­lektiven Streik. Wir bestreiken das Weihnachts­fest. Wir machen einfach nicht mehr mit. Wir backen keine Plätzchen mehr, wir verwei­gern uns dem Wettbewerb um die schönste Weihnachtsdeko und das leckerste Weihnachtsmenü, wir nehmen an keiner Schul- oder Geschäftsweihnachtsfeier mehr teil. Wir kaufen auch keine Geschenke mehr, weder für die Familie, noch für Verwandte, Bekannte, Nachbarn und schon gar nicht für uns selbst. Ist es nicht schon so weit gekom­men, dass wir uns die Geschenke selber kaufen müssen, da sonst an Heiligabend die Familie ent­täuscht ist, weil der Weihnachtsmann ge­rade Mutti nichts ge­bracht hat? Und dabei liebe ich es so: die Adventszeit und das Weihnachtsfest. Der Duft der Plätzchen, die Vorfreude der Kin­der, die leuchtenden Augen an Heiligabend. Ich liebe es, den Kindern zu erzählen, warum wir Weihnachten feiern. Jesus ist an Weihnachten geboren und hat das Leben der Menschen verändert. Wird dieses schöne Fest nicht mit Füßen getreten, wenn Weihnach­ten nur noch als Familienfest bezeichnet wird, und viele gar nicht mehr wissen, was eigentlich Anlass der Fei­er ist? Geht nicht der Zauber verloren, wenn wir unseren Jüngsten er­klären müssen, dass sie bis Weihnachten noch ungefähr hundert Mal schlafen müssen, obwohl sie aus allen Ecken ein Weihnachtsmann anlächelt und die Verkäufer allerhand damit zu tun haben, Schokoweihnachts­männer vor der spätsommerlichen Sonne zu schützen? Uns wird schon Monate vor dem Fest Weihnachtsstimmung vorgegaukelt, und mit Weihnachtsmusik werden wir großzügig be­schallt. Um so größer ist die Enttäuschung, wenn sich in der Ad­ventszeit die Besinn­lichkeit nicht mehr einstellt. Wenn wir am Weihnachtsabend mit hängen­der Zunge unterm — natürlich nach neues­ten Trends — geschmückten Weihnachtsbaum sitzen. Wenn wir uns so gar nicht mehr freuen können über die freien Tage mit der Familie und die großartige Botschaft, dass Gott Mensch geworden ist. Deshalb fordere ich Euch noch­mals auf: Verweigert Euch!


Dieser Blog-Beitrag erschien erstmals am 13. und 14. Dezember 2003 in der Kolumne „Familienbande“ der Zeitung Trierischer Volksfreund, worin wechselnde Autoren den familiären Alltag glossierten.

Ursula Schaffer ist Lehrerin an der Realschule Plus Bleialf in Rheinland-Pfalz, wohnhaft in Bitburg und mehr noch, meine Lieblingsschwester. Sie schrieb u.a. mehrere Glossen für obige Kolumne. Diese gefielen mir so gut, dass ich sie bat, zumindest einige davon auch auf meinem Weblog zu veröffentlichen.

#Christmas #gifts #solidarity

Synagoge

Von 1877 bis 1940 stand an der südlichen Allee die alte Heilbronner Synagoge, welche nicht nur durch ihren neo-orientalischen Stil überregionale Bedeutung erlangte.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, der sogenannten „Reichskristallnacht“, zerstörten und schändeten Heilbronner die Synagoge, wobei sie auch nicht vor Mord und Totschlag an anderen Heilbronner Bürgern zurückschreckten.

Seit 1966 gibt es am Ende des Synagogenweges auf der Allee einen Gedenkstein, der am 5. Mai 1993 durch das Mahnmal „Kuppel“ der Künstlerin Bettina Bürkle ergänzt wurde.

Seit 2004 gibt es einen Freundeskreis Synagoge Heilbronn e.V., der einen Beitrag zur Begegnung von Juden und Nichtjuden in Heilbronn leisten möchte. Und seit 2009 gibt es auch eine Vorrichtung, um einen Chanukkaleuchter vor Ort aufzustellen.

Inzwischen sind mehr als 80 Jahre vergangen, und man könnte sich durchaus auch in Heilbronn darüber Gedanken machen, wieder eine eigene Heilbronner Synagoge zu errichten.

Es ist an der Zeit, dass wir Heilbronner darüber auch eine öffentliche Diskussion beginnen, wie und wo wir eine Synagoge für alle jüdischen Mitbürger und deren Besucher errichten. Zusätzlich könnte man dies auch mit einem entsprechenden Dokumentationszentrum verbinden, welches das dunkelste Kapitel unserer eigenen Geschichte weiter aufarbeitet und dabei auch zur interreligiösen Zusammenarbeit einlädt.

Auf jeden Fall müssen sich die Heilbronner schnell darin einig werden, wo sie eine neue Synagoge in Heilbronn haben möchten. Ich persönlich bin für den alten Standort am südlichen Ende der Alle.

Danach sollte die Diskussion darüber geführt werden, ob man die alte Synagoge zu neuem Leben erweckt oder ob man wie z.B. in Chemnitz (2002) und Ulm (2012) ganz neue und sehr markante Gebäude erstellt; bei beiden Eröffnungen durfte ich mit dabei sein und war sehr beeindruckt, was Architektur heute leisten kann.

Dabei kann man auch darüber diskutieren, ob man die neue Synagoge um ein eigenes Gemeindezentrum oder auch um ein Dokumentationszentrum ergänzt.

Zum Schluss bleibt dann noch die Diskussion darüber, wie man einen solchen Bau finanzieren kann, und wie und über welchen Zeitraum hinweg man letztendlich das Projekt „neue Synagoge“ in Heilbronn realisiert.

Ich bin fest davon überzeugt, dass man gerade in der heutigen Zeit, wo Dummheit, Rassismus und Intoleranz wieder neuen Höhepunkten entgegenstreben, eine solche in der gesamten Heilbronner Gesellschaft geführte Diskussion, wobei auch über Verantwortlichkeiten gesprochen wird, für den Zusammenhalt aller Heilbronner sehr wichtig ist.

Was dann letztendlich dabei herauskommt, steht alleine in den Sternen, aber zeigt dann auch, wo wir als Heilbronner stehen und was wir als Heilbronner noch gemeinsam auf die Beine stellen können.

Abzuwarten, bis es dafür Subventionen aus Europa oder vom Bund bzw. Land gibt, wäre wohl die falsche Wahl, denn wir Heilbronner könnten bestimmt weit mehr.

„Hope for a miracle. But don’t depend on one.“

Talmud