Blogger

23.4.02026 5 (5)

Beitragsfoto: Blogger | © Shutterstock

Vermischtes

Mit 94 Stundenkilometer in einer 40er-Zone erwischt, ggf. gibt es nun für diesen Raser ein Fahrverbot. Bei uns nimmt man solche Straftaten erst ab mindestens einem unschuldigen Toten etwas ernst. Hoffen wir nun einmal nicht, dass es der jüngst erwischte 13-Jährige mit seinem frisierten E-Scooter war.

Es gibt sie noch die guten Nachrichten. Die Bundeswehr darf jetzt doch wohl beim European Secure Software Definded Radio (ESSOR)-Programm mitspielen. Bereits seit mehreren Jahren wird an der Entwicklung von einheitlichen digitalen Wellenformen zur Übertragung von Sprache und Daten für den militärischen Einsatz in der EU und in der NATO gearbeitet — deutsche Firmen und Steuergelder waren von Anfang mit dabei.

Bisher wurden die Wellenformen von den Herstellern der nationalen militärischen Funkgeräte eigens für ihre jeweilige Technik entwickelt und behinderten damit die Kommunikation zwischen den verbündeten Streitkräften. Nun besteht durchaus Hoffnung, dass auch die Bundeswehr in ein paar Jahren digitale und kompatible Funkgeräte bekommt.

Hoffen wir einmal darauf, dass bis dahin kein bayerischer Hersteller von Baby-Telefonen in Schieflage gerät und die Bundeswehr dann dessen Technologie verwenden muss.

Gestern Abend gönnte ich mir noch den jüngsten Film von Mélanie AuffretLes Petites Victoires“ (2023). Julia Piaton gefiel mir dabei wesentlich besser als noch bei „Qu’est-ce qu’on a fait au Bon Dieu ?“ (2014) oder in „Qu’est-ce qu’on a encore fait au Bon Dieu ?“ (2019), zwei Filme, die hier schon einmal Thema waren.

Aber es war Michel Blanc, der mich als Emile begeisterte. Wer allerdings nach dem Film meint, dieser zeige, dass es sich lohnen würde ein netter Mensch zu sein, der dürfte den Film nicht so ganz richtig verstanden haben. Emile wird weiterhin auf seine große Liebe warten und Alice wird bestimmt irgendwo in Deutschland von einem Raser überfahren.

Nicht umsonst dürfte Mélanie Auffret mit dem Namen Emile auf das Buch „Émile ou De l’éducation“ (1762) von Jean-Jacques Rousseau angespielt haben.

Rundschreiben

Bereits heute habe ich mein monatliches Rundschreiben verschickt. Im Mai gibt es gleich zwei Europatage und inzwischen gleich sogar mehrere Europawochen — die Inflation lässt auch hierbei grüßen.

Die Leserzahlen nehmen weiterhin ab, was aber ganz gut ist, da ich ansonsten zu einem Bezahlmodell wechseln müsste. Und auch hier gilt, es kommt nicht auf die Quantität, sondern auf die Qualität der eigenen Leserschaft an. Wer nun erwartet, dass ich den Inhalt des Rundschreibens hier wieder mit einstelle oder zumindest auf das Rundschreiben verlinke, der wird nun vielleicht ein klein wenig enttäuscht sein.

Meine Aufräumaktion entwickelt sich so langsam aber sicher zu einem ganzheitlichen Erlebnis; wer das Rundschreiben lesen möchte, der kann es gerne abonnieren — zumindest so lange wie ich kein entsprechendes Bezahlmodell benötige.

Schwerpunkt des heutigen Rundschreibens ist der Europa-Ball, für den ich nochmals zu werben versuche. Interessant dabei, dass ich bereits schon zwei telefonische Abmeldungen vom Ball bekam — das Rundschreiben wird gelesen.

In den letzten Wochen war der Europa-Ball vereinsintern ein Thema, wobei wir feststellten, dass Heilbronn für einen Tanzball entweder eine viel zu kleine Stadt ist oder einfach nicht über eine entsprechende Bürgerschaft verfügt — Letzteres korreliert ganz gut mit dem Bildungsstand und den Wahlergebnissen.

Was ich sehr bedauere, aber nicht ändern kann. Und was man nicht ändern kann, das sollte man mit der entsprechenden Gelassenheit hinnehmen. Auf alle Fälle aber werden die Ballteilnehmer erneut einen wunderbaren Abend verbringen können — wohl zum letzten Mal in Heilbronn.

Aufräumen

Aufräumarbeiten haben für mich durchaus etwas Entspannendes. Heute ein wenig im Garten für Ordnung gesorgt und seit gestern auch wieder hier im Blog. Seit ich meine Blogroll entschlacke und meinen RSS-Reader ausmiste, wird es etwas ruhiger um mich herum.

Sowohl gute als auch schlechte Nachrichten erreichen mich weiterhin früh genug. Und die unzähligen Nichtnachrichten aus den Medien werden damit verstärkt ausgefiltert. Diesbezüglich hörte ich gestern einen guten Meinungsbeitrag im Deutschlandfunk. Der Beitragende wies korrekt darauf hin, dass die Neuigkeit, es gibt keine Neuigkeiten über den Ostseewal, nicht wirklich eine Neuigkeit sei und schon gar keine nennenswerte Information.

Auch ich muss mir dabei an die eigene Nase fassen, denn ich müsste es eigentlich wissen, dass man auch echte Informationen nicht einfach nur so weiterleitet und schon gar nicht retweetet oder gar -trötet; das nennt man gerne digitalen Lärm.

Aber was macht man nicht alles, um berühmt zu werden. Meist wurde schon alles gesagt, aber nicht von jedem. Und so müssen sehr viele einfach zu allem ihren eigenen Senf dazugeben, am liebsten dabei zu jenen Dingen, von denen sie völlig ahnungslos sind. Und im Falle, dass sie selbst erkennen, dass sie keine Kenntnis vom Thema haben und schon gar keine eigene Meinung, dann gibt es zumindest aber immer noch ein Like oder eine Weiterleitung. Und hierbei helfen die Social Media am allerbesten, deswegen wohl deren große Beliebtheit.

Die Weblogs sind da noch eine völlig entspanntere Art und Weise, um ins Internet zu schreiben, allerdings nur dann, wenn man zuerst für sich selber schreibt und dabei auch der Versuchung widersteht, die eigenen Blog-Beiträge wie Tweets ins Internet zu lärmen — an entsprechenden Hilfsmitteln dürfte es nicht mehr fehlen.

Blogs sollten wie Pflanzen im Garten sein. Man geht dort zwanglos spazieren und bleibt ggf. an einer einen ansprechenden Blume, Strauch oder Baum stehen. Wenn einem das, was man sieht gefällt, guckt man beim nächsten Spaziergang wieder einmal vorbei oder auch nicht. Den Pflanzen dürfte beides egal sein.

Im Falle, dass man aus seinem Blog eine Nutzpflanze machen möchte, dann sollte man diesen richtiger Weise in eine Zeitung, ein Magazin oder gleich in ein Radio- oder Fernsehprogramm umwandeln — dann aber mit allem, was dazugehört.

Im Falle, dass man mit seinem Blog in allen Gärten wildert, sollte man nicht böse darüber sein, wenn manche zu der Auffassung gelangen, dass es sich dabei nur um Unkraut handelt.

Nachtrag 24.4.2026

Heinz Wittenbrink machte mich auf auf das Rundschreiben „Own Your Web – Issue 18: Curators“ (23.4.2026) von Matthias Ott aufmerksam. Passt wie Faust auf Auge.

„Sanabilibus aegrotamus malis; ipsaque nos in rectum genitos natura, si emendari velimus, juvat.“

Seneca, De ira (Buch II, Kap. XIII)

Pflanzen

21.4.02026 5 (5)

Beitragsfoto: Pflanzen & Blüten

Vermischtes

Mal etwas Positives. Mein nächster Florenz-Aufenthalt ist durchgeplant und -gebucht. Zum ersten Mal rein privat — auch ich bin lernfähig. In einer asozialen Welt sozial zu sein ist einfach eine blöde Idee — Christentum und Humanismus waren gestern, wenn überhaupt jemals.

Inzwischen bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass Fachvorträge nur für Fachpersonal sein dürfen. Und wenn jemand daran teilnehmen möchte, dieser vorab zwingend ein Minimum an Kenntnissen nachgewiesen haben muss. Als Ausnahme lasse ich weiterhin die Politik gelten — dort ist einzig und alleine das Gewähltwerden ausschlaggebend.

Wegen technischer und Umstellungsproblemen, Leseschwierigkeiten aber auch sonstigen Herausforderungen warte ich weiterhin auf eine nötige Zuarbeit von städtischen Behörden und Institutionen. Die Heilbronner Lösung ist dabei einfach: wir schaffen weitere Behörden und Strukturen. Was aber auch etwas Positives für unsere Stadt haben wird, denn in ein paar Jahren besteht die gesamte Kernstadt nur noch aus Behörden, Banken und Versicherungen. Die dort verbliebenen Kindergärten und Lokale dienen dann nur noch der reinen Selbstversorgung.

Gestern habe ich kurz entschlossen versucht einen Baum zu fällen. Dieser besitzt eine erstaunliche Standfestigkeit und überlebte sogar die letzte Nacht. Heute gilt es nun, ihn zu Fall zu bringen. Die folgenden Aufräumarbeiten werden mich sicherlich eine Weile auf andere Gedanken bringen.

Bloggen

Warum noch bloggen, das fragen sich immer mehr Blogger in meinem Umfeld — wieder einmal. Und auch Detlef Stern überlegt aktuell, ob er nun seine lange Woche einstellt oder nicht.

Aber auch ich werde immer skeptischer, vor allem weil die Blogs, die ich bereits seit Jahren gerne lese, immer professioneller werden. Ok, auch ich habe früher meine Rechtschreibung via Duden etwas korrigieren lassen — eine Unart, die ich noch aus meinem Berufsleben übernommen hatte. Heute korrigiere ich meine Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler nur noch, wenn mich ein Leser darauf aufmerksam macht oder ich es später dann doch noch selber feststelle.

Ich lehne es aber vehement ab, mir durch andere oder auch nur durch eine künstliche Intelligenz beim Denken und Schreiben helfen zu lassen. Und schon gar nicht möchte ich Produkte lesen, die nicht zu 100 % vom Autoren stammen, dafür ist mir meine Zeit einfach zu schade. Was wohl nun alles in allem zu einer neuen Skepsis führt — vielleicht aber zeichnet sich nur ein Generationenwechsel bei uns Bloggern ab.

Da für mich selbst das Bloggen Teil meines Denkprozesses ist, werde ich damit sicherlich weitermachen. Die Frage ist nur, ob noch in dieser Art und Weise. Hätte ich die technische Kompetenz von Detlef, wäre mein Blog schon längst in meinen Zettelkasten oder eine andere Art von digitalem System abgewandert. So bleibe ich wohl beim Bisherigen, aber reduziere dabei die Austausch- und Kommunikationsmöglichkeiten weiter.

Aktuell denke ich darüber nach, auch meine allerletzten Social Media — sogar das Anti-Social Medium — nach Nirwana zu schicken und selbst darüber, die Kommentarfunktion stillzulegen. Die letzten Blogger meiner Generation sollten sich nach all den Jahren über ihre jeweiligen Blogs hinweg austauschen können — dafür gibt es sogar gleich mehrere Plug-ins.

Und auch die „Meta-Blogs“, die die Beiträge anderer Blogs sammeln und weitergeben, sind für mich nicht das Gelbe vom Ei — zwar sehr bequem und sicherlich Reichweite fördernd, stehen sie dennoch im vollen Gegensatz zur ursprünglichen Blog-Idee.

Wie heißt es so schön in einer Werbung für die kommenden Blogger: „Du denkst Dir Deinen Blog und Deine Software und wir machen für Dich den Rest. Danach musst Du nur noch die Millionen-Euro monatlichen Gewinn einstecken.“

Studieren

Heute kamen gut 30 Studenten zur Vorlesung, maximal finden sich bis zu 40 Studenten in meinen Vorlesungen ein. Eigentlich nichts besonderes. Heute haben zwei Studenten Fragen gestellt, einer bezüglich des Inhaltes und einer hatte eine organisatorische Frage. Was mich nun aber doch etwas erstaunt ist, dass sich zur kommenden Klausur gleich 100 Studenten angemeldet haben.

Da es sich bei meinen Vorlesungen weder um Raketenwissenschaft oder gar um neuzeitliche Philosophie handelt, dürfte diese Diskrepanz auch völlig in Ordnung gehen, denn die Studenten müssen in der Klausur nur nachweisen, dass sie von der Thematik schon einmal etwas gehört, besser noch darüber schon einmal etwas gelesen haben.

Was nun doch etwas für meine Vorlesungen spricht, ist die Tatsache, dass jene, die mich regelmäßig hören eine höhere Bestehensquote bei der Klausur haben und dies über die vergangenen Semester hinweg.

Was mich dabei stört ist eher die Tatsache, dass ich völlig unnötiger Weise schlechte Klausuren mit korrigieren muss. Mit etwas mehr studentischem Willen liefen mir die Korrekturen viel einfacher von der Hand. Schlechte Klausuren kosten mich gut doppelten Aufwand, was den Studenten allerdings völlig egal sein dürfte.

Und da es keine Fachgespräche mit den Studenten gibt, freue ich mich immer wieder über den Austausch mit Detlef Stern. Dieser fragt sich schon etwas länger, warum Studenten heute überhaupt noch studieren wollen.

Wer glaubt sich über YouTube-Videos und LLM Wissen aneignen zu können, der glaubt auch an Globuli und den Nürnberger Trichter.

Vorlesungen sind ein Angebot, um mit „Wissenden“ ins Gespräch zu kommen und über den Austausch mit diesen Unterstützung und ggf. auch Hinweise für das eigene Lernen zu erhalten. Vorlesungen sind nur Hilfestellungen, um das eigene Lernen zu verbessern. Wissen und Erfahrung muss sich jeder selbst aneignen.

Das Problem unserer Welt ist dabei, dass die Masse der Menschen kein eigenes Wissen und keine eigene Erfahrung mehr benötigt, um als Verbraucher ein glückliches Leben führen zu können. Was allerdings bei viel zu vielen zu einer Art Hybris führt.

Heute sind die meisten davon überzeugt, dass, wenn sie auch nur einen Computer anschalten können, sie der kommende Bill Gates sind. Besser noch, wenn sie in ein heutiges Auto steigen, das eigentlich keinen Fahrer mehr benötigt, sie mindestens Formel-1-Rennfahrer seien.

Und so dürfte es sich inzwischen um ein gesamtgesellschaftliches Problem handeln.


Schnappschuss

28.3.02026 5 (3)

Beitragsfoto: Schnappschuss

Vermischtes

Gestern kurz noch geshreddert, was für ein entspannendes Erlebnis! Am Abend dann ganz gemütlich gekegelt. Was möchte Mensch mehr?

Erfreulich, dass manche Mitblogger auf den einen oder anderen Beitrag von mir reagieren. Jetzt muss ich nur noch herausfinden, warum sich manche Blogger untereinander als Kollegen bezeichnen. Ich schreibe auf alle Fälle nur aus Spaß an der Sache! Und um meine eigenen Gedanken ein klein wenig zu sortieren. Wenn es dann dem einen oder andern Lesern etwas hilft, zumindest diese ein wenig unterhält, ist dies auch ganz nett. Ob sich daraus dann aber ein vertiefter Gedankenaustausch entwickelt, das darf bezweifelt werden. Dafür sind Blogs weniger gut geeignet.

Ich suche zum Gedankenaustausch das persönliche Gespräch, nutze Stammtische gerne für das Brainstorming und versuche weitere vertiefende Gedankenaustausche etwas formaler und regelrecht zu „institutionalisieren“. Das mit den Foren hat dabei nicht so gut geklappt, eher funktioniert hier noch die gute alte E-Mail, wobei ich inzwischen nach all den Jahrzehnten das direkte Gespräch eindeutig bevorzuge — könnte auch an meiner Generation liegen, welche allerdings die Alternativen selbst erst möglich gemacht hat.

Aber auch heute gilt noch, dass der nachhaltige Gedankenaustausch über Bücher und ggf. noch über längere Schriftstücke stattfindet. Hierbei könnten Blogs vielleicht dann doch eine Rolle spielen, die dürften dann aber nicht wie mein eigenes Blog eine Art von Tagebuch- oder Gedanken-Blog sein, sondern müssten sich thematisch einschränken lassen.

Ich für mich lese Blogs auf alle Fälle nur aus reiner Neugierde am jeweiligen Blogger, versuche mich dabei hemmungslos an seinen Gedankengängen zu bereichern, Neues zu erfahren und Bedenkenswertes mitzunehmen — wie schon geschrieben, Blogs sind für mich Teile eines digitalen Stammtisches. Die etwas tieferen Gedankengänge kommen dann ggf. etwas später und in anderen Runden.

Wahrscheinlich muss sich die digitale Welt auch noch nach gut 30 Jahren erst noch ein wenig schütteln, um für die meisten Menschen zu einem wertvollen Werkzeug werden zu können. Bis dahin gibt es die Social Media und die KI.

Lernfähig

Was intelligente Lebensformen von dummen Lebensformen unterscheidet, dürfte die Lernfähigkeit sein. Individuen lernen, wenn sie z. B. die eigene Hand auf die Herdplatte legen. Die etwas intelligenteren Exemplare lernen durch Beobachtung anderer, ganze Gesellschaften aus den Erfahrungen der Vergangenheit — so dürfte man es meinen.

Inzwischen hat die Enkelgeneration Adolf Hitlers nicht nur die Russische Föderation, China, Nordkorea, den Iran, die Türkei oder Ungarn übernommen, sondern bereits auch schon die Vereinigten Staaten von Amerika. Und was machen die Reste der sogenannten Freien Welt? Wir gucken wie damals in der Sowjetunion, in Spanien, in Italien und in Deutschland auch einfach weg und sind dabei noch fest davon überzeugt, dass sich alles von ganz alleine einrenken wird.

Aktuell gucken wir nicht nur zu wie unsere Nachbarn die Hand auf die Herdplatte legen, einer nach dem anderen, sondern können uns dabei selbst erwischen, wie wir darüber nachdenken, ob es nicht vielleicht doch eine gute Sache wäre, auch die eigene Hand auf die Herdplatte zu legen.

Das mit dem Lernen wird heutzutage völlig überschätzt! Man benötigt einfach nur eine ausreichende Anzahl dummer Menschen und alles geht wie von alleine.

Wer erinnert sich noch an die Ölkrise der 1970er-Jahre oder vielleicht zumindest noch an die autofreien Sonntage? Ok, man könnte sich vielleicht noch daran erinnern, warum wir (fast) alle in der Welt vor ganz Kurzem noch von Öl und Gas loskommen wollten? Nein, wir erinnern uns nicht mehr!

Öl und Gas, vielleicht auch noch Atom sind wieder der letzte Scheiß! Verbrennermotoren werden mit der Größe des Hubraums immer besser und ab 16 Zylindern ist deren Säuseln einfach nur noch aphrodisisch!

Inzwischen wissen gut 20 % von uns Deutschen wieder ganz genau, dass Adolf Hitler die Autobahnen gebaut hat und uns nur wegen der Juden die uns zustehende Weltherrschaft verwehrt wurde. Weitere gut 20 % sind inzwischen davon überzeugt, dass man es doch zumindest wieder einmal probieren könnte.

Auf alle Fälle aber haben die Enkel von Adolf Hitler nichts gegen Öl und Gas und schon gar nichts dagegen, dass man selber aus Fehlern klug werden darf — die lieben einfach die Freiheit!

Milliarden von Fliegen fressen Scheiße, lassen Sie es uns doch auch einmal probieren — wird schon nicht weht tun!

Fotoapparat

Mein erstes Gerät war ein kleiner schwarzer Kasten aus Plastik mit einer Glaslinse, groß genug, um eine Standardfilmrolle aufzunehmen. Diese gab es meist in schwarz-weiß, weil Farbfilm noch zu teuer und dies dazu noch in zwei Größen, um, so glaube ich mich zu erinnern, bis zu zwölf oder gar bis zu 24 Aufnahmen machen zu können.

War die Filmrolle vermeintlich voll, spulte man das Ganze zurück und brachte die Rolle zum Fotografen, der sie, wenn er meinte, dass die Aufnahmen etwas geworden seien, entwickelte und Papierauszüge in der gewünschten Anzahl lieferte. Eine ziemlich teure Angelegenheit, die einen normalen Menschen vorab überlegen ließ, ob man nun auf den Auslöser drückt oder nicht. Ich möchte gar nicht daran denken, wie viele Aufnahmen der Menschheit alleine damit erspart blieben!

Vergesslich wie ich schon immer war — eigentlich eine gute Eigenschaft — kam es vor, dass ich Filme gleich zweimal entwickelte und ein mangelhafter Qualitätscheck des Fotografen einmal dafür sorgte, dass ich kleine Kunstwerke abholen durfte.

Und so war es für mich an der Zeit, dass ich mit Nichtaufnahmen zu experimentieren begann, einfach auf den Auslöser drückte ohne ein Motiv vor der Linse zu haben — inzwischen dürfte dies allgemein State of the Art sein. Mein Experiment ließ ich mir zwei ganze Filmrollen kosten, eine davon in Farbe. Ich erinnere mich noch daran, wie die Qualitätskontrolle des befreundeten Fotografen funktionierte und er mir mit Bedauern mitteilte, dass gleich zwei meiner Filme nichts geworden seien. Er weigerte sich, wohl in seiner Standesehre gekränkt, mir kleinem Jungen meine Filme zu entwickeln.

Passend, dass es an meiner Schule ein verstaubtes Fotolabor gab, das wohl aber nur schwarz-weiß-tauglich war. So war ich kurz versucht, eine künstlerische Karriere einzuschlagen. Dann aber fing ich zum Leidwesen meiner Eltern damit an, mir einmal die Seifenproduktion etwas näher anzuschauen, denn dafür langte das Bad und die Küche. Nach meiner weniger erfolgreichen Kerzenproduktion einigten wir uns darauf, dass meine künftigen Experimente nicht mehr zu Hause stattfinden.

Heute, da ein Termin zumindest für mich völlig überraschend geplatzt ist, legte ich mein Mobiltelefon wieder auf den Tisch zurück und fragte mich dabei, was eigentlich, wenn ich jetzt den Auslöser des Foto-Icons drücke?

Das Ergebnis habe ich einmal ganz ungefiltert als Beitragsbild festgehalten. Wer benötigt schon eine KI, um kreativ oder produktiv zu sein?

P. S.

Übrigens, den oben erwähnten Fotoladen gibt es noch heute, inzwischen in der dritten oder gar vierten Generation. Und die netten Menschen dort machen auch heute noch viel bessere Aufnahmen als ich.


Fediverse Reactions