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Heilbronn

Sülmerstraße

Bei Heilbronn trafen sich bereits in der Vorzeit uralte Fernwege, die dort den Neckar, einem damals noch sehr wilden und kaum überwindbaren Fluss, überquerten, oder von den Alpen kommend, weiter an ihm entlang in die norddeutsche Tiefebene führten.

Wie bereits die Kelten zuvor, siedelten auch die Römer in der Gegend, um sowohl Übergang als auch Straßen zu nutzen und zu sichern. Letztere erkannten zudem, dass sich die dortigen Hügel rechts des Neckars gut für den Weinbau eignen.

Erstmals wird Heilbronn schriftlich als villa Helibrunna in einer auf das Jahr 741 datierten Schenkung erwähnt. Der Name deutet auf einen Brunnen bzw. eine Quelle hin und gibt damit der Siedlung seinen heutigen Namen. Man vermutet, dass es sich dabei um einen fränkischen Königshof handelte, der am Neckarübergang des fränkischen Königswegs, der als „Alte Hällische Straße“ bezeichnet wurde, lag und nach Schwäbisch Hall führte.

Und schon zu dieser Zeit kann man die zukünftige Sülmerstraße als einen Abschnitt eines Fernwegs am Neckar entlang definieren, und zwar genau von diesem besagten Brunnen in Richtung Norden bis hin zum Übergang des Pfühlbachs, der kurz darauf beim heutigen Bollwerksturm in den Neckar fließt. Ihren Namen bekam die Straße, weil sie als nächstes nach Sulm, dem heutigen Neckarsulm, führt.

Bereits 1050 wird ein Markt in Heilbronn bestätigt, was man durchaus als ersten Schritt in Richtung Großstadt betrachten kann, und 1140 wird auch bereits der Hafen erwähnt, was zeigt, dass man in Heilbronn nicht nur die Landwege genutzt hat. Als 1225 dann Heilbronn erstmals als Oppidum, eine befestigte Stadt, bezeichnet wird, ist die Sülmerstraße nun auch ein fester Bestandteil der Stadt, vermutlich an der ersten Stadtbefestigung gelegen, später aber jener Teil der Handelsstraße, welche sich als Nord-Südachse durch ganz Heilbronn zieht, am Sülmertor beginnt, bis zur heutigen Kilianskirche reicht und dort dann als Fleinerstraße bis hin zum Fleinertor fortgesetzt wird. Eine heute wie selbstverständlich dazugehörende West-Ostachse, die Kaiserstraße, gab es damals nicht, sondern es führte nur die Kramgasse von der Kilianskirche in Richtung Westen bis zu einem befestigten Neckarübergang, einschließlich eines eigenen Stadttors. Erst 1776 wurde die damalige Kramgasse zur Chaussee ausgebaut und 1897 in Kaiserstraße umbenannt. Die Kaiserstraße markiert noch heute die Trennungslinie zwischen zwei verschiedenen Teilen der einstigen Heilbronner Altstadt.

Interessant dabei, dass anfangs der etwas höher gelegene südliche Stadtteil mit den Liegenschaften des Deutschordens, der Kilianskirche und dem dortigen ersten Rathaus den städtischen Schwerpunkt bildete. Der nördliche Teil kam wohl erst um 1200 herum als bewusste Stadterweiterung mit hinzu und war von Anfang an eher dem Handwerk, dem Handel und den jüdischen Mitbürgern vorbehalten. Erst 1535, als das Rathaus beim Kirchbrunnen abbrannte, verlegte man das Rathaus samt Marktplatz in den nördlichen Teil der Stadt, der sich über die Jahrhunderte hinweg immer mehr um die Sülmerstraße herum entwickelte.

Um 1333 ziehen dort noch die Altböckinger hinzu, die zuvor ihr eigenes Dorf verlassen hatten. Diese nutzten dann wohl auch die Kapelle St. Nikolaus, die heutige Nikolaikirche, welche 1351 erstmals Erwähnung findet, als ihr eigenes Gotteshaus; dieses wird damals noch als sogenannte Filialkirche zur bereits bestehenden Kilianskirche, welche bereits 741 und nochmals 889 urkundlich nachgewiesen ist, betrieben. Die an der Sülmerstraße liegende Nikolaikirche wird 1525 übrigens die erste Reformationskirche Heilbronns und in der Folgezeit u.a. auch Zeughaus, schlichtes Waffenlager und Turnhalle, je nach dem derzeitigen Bedarf der Heilbronner. Momentan wird sie erneut umgebaut und einer weiteren Bestimmung zugeführt.

Der an die Sülmerstraße angrenzende Kieselmarkt war im späten Mittelalter mit der Synagoge aus dem Jahr 1357, den rituellen Bädern und einem eigenen Friedhof das Zentrum der jüdischen Gemeinde in Heilbronn, das mit der Lamm- und der Judengasse, der heutigen Lohtorstraße, eigene Hauptachsen hatte. Nach dem Stadtverbot für Juden im späten 15. Jahrhundert wurde das gesamte Gelände überbaut.

Der heute noch existierende Hafenmarktplatz entstand 1593 an der Stelle eines alten Friedhofs und erhielt einen Brunnen, der anfangs vom Cäcilienbrunnen und zuletzt vom Pfühlbrunnen aus gespeist wurde und damit die Wasserversorgung der dortigen Bewohner sicherstellte. Der 1955 am alten Platz neu geschaffene Hafenmarktbrunnen diente uns Kindern neben den beiden Brunnen des Berliner Platzes nicht nur zur sommerlichen Erfrischung, sondern hatte im Gegensatz zu den beiden anderen Brunnen auch im Winter spielerischen Wert.

Bereits aber 1487 sollen in unmittelbarer Nähe (Kieselmarkt?) zum Hafenmarkt Töpferwaren verkauft worden sein.

Der heutige Hafenmarktturm erinnert an das ehemalige Franziskanerkloster, dessen 1314 geweihte Marienkirche 1688 niederbrannte; nur der besagte Turm wurde spendenfinanziert zwischen 1698 und 1727 wieder aufgebaut. Bereits 1544 war das Kloster aufgehoben worden, nachdem es die Heilbronner geschafft hatten, die letzten Mönche von dort zu vergraulen. Aus dem Klostergebäude wurde eine Lateinschule, dann das Karlsgymnasium, das heutige Theodor-Heuss-Gymnasium, welches aber nicht mehr an der Sülmerstraße, sondern nunmehr an der Karlstraße liegt.

Nördlich der Sülmerstraße, am Pfühlbach in der Nähe des Sülmertors und außerhalb der Stadtmauern gab es Ende des 13. Jahrhunderts zudem die erste nachweisbare Heilbronner Einrichtung zur Krankenpflege, nämlich das Sondersiechenhaus bei St. Jakobus am Graben mit eigener Kapelle und Friedhof. Sein Vorratshaus und die Verwaltung befanden sich in der Jakobsgasse innerhalb der Stadtmauern. 

Die Sülmerstraße selbst war von Anfang an eine sehr geschäftige Straße und hatte über die Jahrhunderte hinweg auch so einiges zu bieten; durch sie führte sogar einmal eine Straßenbahn. Ihr wohl heute noch bekanntester Bewohner dürfte der Arzt Robert Mayer gewesen sein, der von 1842 bis zu seinem Tod 1878 im Kirchhöfle arbeitete und lebte.

Der Ritterkanton Kraichgau hatte sein Archiv in der Sülmerstraße 40, dem Standort der ehemaligen Roßmühle. Die Standortwahl der Ritterschaft lag vielleicht auch daran, dass der bekannteste Heilbronner Gasthof im 18. Jahrhundert, nämlich das Gasthaus zur Sonne, nicht unweit in der Sülmerstraße 52 ansässig war; selbst Johann Wolfgang von Goethe war dort zu Gast.

Nicht unerwähnt darf bleiben, dass bereits Anfang des 20. Jahrhunderts in der Sülmerstraße 54 die Südfrüchtehandlung Lidl & Co. ansässig war, welche heute als Schwarz-Gruppe weltweit mit zu den führenden Lebensmittelhändlern zählt, sich aber aus der Sülmerstraße von der Konkurrenz hat vertreiben lassen.

Vom heutigen Nordende der Sülmerstraße, dem Berliner Platz, ist heute kaum noch etwas zu sehen, inzwischen dominiert das K3 mit Kino, Stadtbibliothek, Musikschule, Komödienhaus, Restaurants und Läden den ehemaligen Torplatz; auch seine beiden Brunnen wurden entfernt und durch einen Theaterbrunnen vor dem neuen Stadttheater ersetzt. Einzig die Turmstraße hin zum Bollwerksturm lässt weiterhin auf eine Sanierung warten — die ehemals avisierte Freilegung des Pfühlbachs dürfte allerdings inzwischen vom Tisch sein.

Noch heute steht aber das Gebäude „Heilbronner Hof“ in der Sülmerstraße 57, welches mein Großvater an der Ecke zur Turmstraße 1952 / 1953 errichten ließ; zuvor hatte er gleich nach dem Krieg die Gaststätte „Sülmertor“ errichtet und betrieben. Der Heilbronner Hof sorgte später als Roxy in Heilbronn für Furore und war für viele Heilbronner offensichtlich zuviel des Guten.

Ich selber wuchs in den 1960er Jahren in einem später daneben stehendem Geschäfts- und Wohnhaus in der Sülmerstraße auf und erinnere mich noch heute gerne an deren Vielfalt und Geschäftigkeit zurück.

Später dann hat die Sülmerstraße als „Sülmer City“ ihren eigenen Markenkern entwickelt und mit vielfältigen Aktionen versucht, dem weltweit zu beobachtenden Attraktionsschwund der Innenstädte zu begegnen.

Inzwischen hat die Sülmerstraße mit der Unteren Neckarstraße, die sich als Teil der Neckarmeile vermarktet und der aufgehübschten Allee zwei Parallelen erhalten, die ebenfalls versuchen, sich neu zu erfinden. Dies kann meiner Überzeugung nach aber nur gemeinsam gelingen und muss deshalb als GesamtkonzeptNördliche Innenstadt“ neu gedacht und vor allem auch tatsächlich umgesetzt werden.

„Treulos ist, wer Lebewohl sagt, wenn die Straße dunkel wird.“

J. R. R. Tolkien, Der Herr der Ringe
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Neckarmeile

Jüngst hat man in Heilbronn die gut 500 Meter vom Bollwerksturm bis hin zum Götzenturm zur Neckarmeile erkoren, und wenn man die vielfältigen und oftmals auch exzellenten Angebote entlang des Neckars nutzt, kann es einem schon so vorkommen als ob es eine Meile wäre.

Auf jeden Fall aber haben sich die untere und die obere Neckarstraße in den letzten Jahren zu einem gut frequentierten Heilbronner Treffpunkt, einer echten Neckarpromenade, entwickelt, die man ohne Weiteres sehr empfehlen kann, welche auch die Heilbronner Innenstadt insgesamt aufwertet und mit dem Neckar bis hin zum Wertwiesenpark auf der einen oder bis zum Neckarbogen auf der anderen Seite weiteres Entwicklungspotential in sich birgt. Wenn man dann noch die Gegend um den Kaiser-Friedrich-Platz bis hin zum Hauptbahnhof oder gar den Europaplatz mit seinem angrenzenden Bildungscampus mit einbezieht, dann wird Heilbronn mit einem Angebot aufwarten können, das ohne Probleme auch mit den Angeboten weit größerer Städte mithalten kann.

Die Potentiale sind auf jeden Fall vorhanden und versprechen den kommenden Generationen zumindest eine rosige kulturelle, gesellige und damit lebenswerte Zukunft in Heilbronn.

Bis dahin gilt es das bereits Geschaffene zu schätzen aber vor allem auch zu nutzen und zu unterhalten. Hierzu habe ich gleich zwei Vorschläge:

Beschilderung und Ausschilderung

Man könnte ohne Weiteres damit anfangen, in Heilbronn Dinge auszuschildern, welche es auch bereits tatsächlich gibt. Neben der Sülmer City — diese Schilder gab es sogar schon einmal — kann man ganz gut die Neckarmeile ausschildern und damit allen Besuchern und Gästen sowie auch den Heilbronnern selbst zeigen, in welchem Heilbronner Teilbereich man sich gerade aufhält.

Dazu passt auch ganz gut, dass man den Europaplatz in Heilbronn wieder als solchen kenntlich macht.

Wenn jetzt noch Wegweiser hinzukommen, die dem Fußgänger und gerne auch dem Radfahrer die Wege dorthin zeigen, wäre bereits ohne große Mühen und Kosten ein guter Anfang gemacht.

Wunderbar wäre es, wenn man zudem noch die prominentesten Heilbronner Bäume zumindest in dieser Gegend gleich mit kennzeichnet.

Wasserspiel

Seit Längerem hat Heilbronn im Neckar gleich bei der Neckarbühne ein eigenes Wasserspiel. Sehr verwunderlich ist nur, dass dieses nicht genutzt wird. Schlimmer noch, dass es selbst während der heissesten Tage im Jahr, wo es sogar für die Stadtbevölkerung und auch für die Tierwelt insgesamt gesundheitlich von Vorteil wäre, ausgeschaltet bleibt.

Zwei Vorschläge, die sicherlich auch von weiteren Heilbronnern an die Stadtverwaltung herangetragen wurden, welche sehr leicht und ohne großen Aufwand seitens der Verantwortlichen umgesetzt werden könnten.

Das Einschalten des Wasserspiels sollte dabei sogar ohne die Beauftragung von externen Experten oder Werbeagenturen möglich sein. Der Gemeinderat und die Verwaltungsspitze könnte das Ganze sogar mit einer Reise nach Genf kombinieren, um sich vor Ort das Einschalten und den Betrieb eines Wasserspiels erklären zu lassen.


Wasserspiel im Neckar
Geht doch!

Am 7. August 2020 war es dann soweit, und die Verantwortlichen konnten in einer konzertierten Aktion das Wasserspiel wieder zum Leben erwecken.

Als meine bessere Hälfte und ich vorbeikamen, erlebten wir, wie ein kleines Mädchen, klatschend und lachend zugleich, dem Wasserspiel entgegenlief — schöner kann ein Spätnachmittag am Neckar wohl kaum verlaufen.

Weniger gut geht es dem Wassernebel, den die Stadt Heilbronn für die BUGA in der Kranenstraße installieren ließ. Ich meinte anfangs, dass diese Aktion völlig unnötig und auch überteuert sei, gewöhnte mich langsam und fand zum Schluss sogar Gefallen daran.

Wenn man heute die Kranenstraße entlang läuft, findet man genau diese Wassernebelanlage stillgelegt und mit vertrockneten Pflanzen garniert. Eine Schande sowohl für die Verantwortlichen als auch für die sogenannten BUGA-Freunde, die offensichtlich neue Prioritäten gesetzt haben.

Den Verantwortlichen möchte ich gerne in Erinnerung rufen, dass es nicht ausreicht, Infrastruktur einfach nur erstellen zu lassen, sondern, dass man diese unterhalten und gegebenenfalls auch erneuern muss. Zudem ist der erhoffte Gewinn der BUGA schnell wieder verflogen, wenn man hinterher und für alle erlebbar Teile davon vergammeln lässt — eine BUGA verpflichtet, auch nach 2019.

„Und am Ufer steh‘ ich lange Tage, das Land der Griechen mit der Seele suchend.“

Johann Wolfgang von Goethe, Iphigenie auf Tauris (1787)