Beitragsfoto: Allee | © Shutterstock

19.10.02021 5 (2)

Beitragsfoto: Allee | © Shutterstock

Kirchhöfle

Wenn die Heilbronner Stimme über mein Heimatviertel schreibt, dann bin ich, aus sehr negativer Erfahrung heraus, grundsätzlich erst einmal sehr skeptisch.

Gerne verwenden — wie heute auch — die Redakteure das Wort Brennpunkt. Und zitieren dann auch Menschen, die von all dem Lärm und potentieller Gewalt völlig aus dem Häuschen, wenn nicht gar absolut überfordert sind. Was bin ich froh darüber, dass diese nicht mehr über mich, der mit all seinen Freunden dort noch richtig Krach gemacht hat, schreiben können. Kein Garagentor war vor uns sicher und die Autos oder Passanten mussten nicht nur den Bällen ausweichen — ok, um 19.00 Uhr war bei uns dann auch Schluss, denn da kam das Sandmännchen.

Eigentlich müssten wir doch froh darüber sein, dass sich unsere Jugend noch aus dem Haus traut und nicht vor den Computern und Spielkonsolen völlig versauert. Und wo Kinder und Jugendliche toben, ist es schon immer ein wenig lauter. Deshalb sollte es — gerade in einer Großstadt — möglich sein, dass unsere Jugend bis 22.00 Uhr einmal auch Kind sein darf.

Und was den Müll angeht, den findet man überall in Heilbronn schön und ausgiebig verteilt, außer vielleicht vor den Haustüren unserer höher dotierten Verwaltungsmitarbeiter, Gemeinderäte oder in einem selbsternannten Edelviertel.

Wie man dieses tatsächliche Problem lösen könnte, habe ich schon mehrfach geschrieben. Und anstatt von „Problemvierteln“ in Heilbronn, wäre es wohl angebrachter von den Problemen der Stadtverwaltung zu schreiben, mit den ureigenen Aufgaben fertig zu werden.

Stadtbücherei

Der Ausbau unserer städtischen Bibliothek ist schon längst überfällig. Ob er aber dazu führt, dass diese „universitäre“ Qualitäten erreicht, zweifle selbst ich als „Fan“ stark an, denn dazu benötigt man nicht nur eine adäquate Leserschaft, sondern auch sehr gut qualifiziertes Personal — und das ist bekanntlich sehr, wahrscheinlich uns auch zu teuer.

Ich würde mich schon alleine darüber freuen, wenn unsere Bücherei möglichst viele unserer ganz normalen Mitbürger anzieht und dabei vor allem die Kinder und Schüler der umliegenden Stadtteile.

Unsere Stadtbücherei — muss bei allen, durchaus auch nachzuvollziehenden, „Fimmeln“ von einzelnen Personen — in erster Linie und schwerpunktmäßig Teil der städtischen Grundversorgung sowie der Weiterbildung aller Mitbürger werden. Damit wäre schon sehr viel erreicht.

Vortrag

Heute war ich Gast der Grafenbergschule in Schorndorf. Die Klasse um Lehrerin Justine Kalb beschäftigte sich mit der Europäischen Union und hatte im Vorfeld meines Vortrages bereits Anliegen an die EU formuliert sowie Fragen über die EU zusammengestellt.

Das Überraschende für mich war, dass sich sämtliche Anliegen und Fragen erübrigt hätten, wenn es bereits einen europäischen Bundesstaat gäbe. Auf jeden Fall aber ist diese Schülergeneration in ihrem Denken und Fühlen schon wesentlich weiter als es meine eigene Generation jemals sein könnte.

So ist mein Fazit des Tages: Europa wächst zusammen, ob es manche wollen oder nicht.

Und auf morgen freue ich mich auch, denn da darf ich wieder in meiner alten Grundschule vorlesen.

Geburtstag des Tages

Philip Pullman


Hasen

11.10.02021 5 (3)

Freundeskreis

Heute Abend hat sich der Freundeskreis der Stadtbibliothek Heilbronn zur jährlichen Mitgliederversammlung getroffen, und wir haben nicht nur den Vorstand verjüngt, sondern auch weiblicher gemacht.

Wir konnten auch erfahren, dass sich unsere Stadtbibliothek während der Pandemie ganz gut geschlagen hat, und nun alle Mitarbeiter auf die Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen gespannt sind, die im August 2022 anlaufen sollen. Bis dahin ist dann wohl auch geklärt, ob der Gemeinderat die zusätzlichen Kosten — hat sich doch alles um fünf Jahre verzögert — mittragen wird. Ich kann diese Investition in Bildung nur empfehlen.

Unabhängig davon freue ich mich darauf, auch dieses Schuljahr wieder in meiner alten Grundschule vorlesen zu dürfen, dieses Mal entdecke ich zusammen mit Viertklässlern neue Kinder- und Jugendbücher.

Shopping

Das Einkaufen ist zwar nicht meine Lieblingsbeschäftigung, sondern eher eine Notwendigkeit, die ich gerne auf ein Minimum begrenze, aber auch mir gefallen gut und interessant gestaltete Läden sehr. Und wenn diese noch freundliche und fachkundige Mitarbeiter haben, dann könnte ich mir durchaus vorstellen, dort auch einmal mehr als unbedingt notwendig vorbeizuschauen.

So gibt es in der Sülmerstraße „meinen“ Optiker, bei dem ich, seit ich eine Brille — leider schon seit der Grundschulzeit — benötige, diese Brillen erwerbe. Wohl zum Leidwesen des Optikers, war dies bisher nur so alle zehn Jahre einmal der Fall — damit lässt sich wohl kaum Geld verdienen.

Was mir aber ganz besonders an diesem Brillengeschäft gefällt und dies schon seit etlichen Jahren, das ist die, sich regelmäßig ändernde, Schaufenstergestaltung und -dekoration, die immer wieder überrascht und mir meistens auch sehr gut gefällt.

Wenn es einen Preis für die beste Schaufenstergestaltung — das könnte sich das Heilbronn Marketing doch einmal zu Herzen nehmen — gäbe, dann wäre Optik Fickarzt mein absoluter Favorit.

Aber zurück zum Shopping am verkaufsoffenen Sonntag unter dem Motto Jazz und Einkauf, der bei sehr gutem Wetter — auch meine bessere Hälfte und ich gingen spazieren — in der Innenstadt sehr erfolgreich war. Solche „Events“ benötigen Städte und Märkte einfach, und das war schon so, seit es die ersten Städte und Märkte gibt. Die Gaukler und Musikanten zogen schon immer Kunden an und sorgten mit dafür, dass die Umsätze stimmten.

Unabhängig davon stellt sich mir die Frage, warum wir in Deutschland noch daran festhalten, dass die Sonntage auch Ruhetage sind. Zum einen betrifft es eigentlich schon lange nicht mehr den überwiegenden Teil der Bevölkerung, da sehr viele schon heutzutage auch sonntags arbeiten müssen, und zum anderen weiß der Großteil unserer Bevölkerung schon gar nicht mehr, warum die Sonntage Ruhetage sind, geschweige denn, dass sie diese entsprechend nutzen.

Und selbst in jenen Ländern, die von sich behaupten, dass die Bevölkerungsmehrheit katholisch sei und sich dementsprechend verhielte, haben die Geschäfte, wie z. B. in Polen, seit Jahrzehnten nur noch an einer Handvoll Sonntagen, wie Ostern und Weihnachten, geschlossen. Shopping und Kirchgang können von den Menschen vor Ort sehr gut miteinander kombiniert werden, was mich an ein Motto für den nächsten Event denken lässt: „Beten & Shoppen“.

Wochenstart

Mein Start in diese Woche begann mit einem Anruf aus der Vergangenheit. Den Jürgen hatte ich Anfang der 1980er-Jahre das letzte Mal gesehen und gesprochen. Sonntagabend rief er nun ganz unerwartet an und heute Vormittag kommt er schon vorbei.

Das ist ein Wochenbeginn, genau so wie ich ihn liebe — gut, dass ich meine Termine weiterhin voll und ganz im Griff habe; eine entsprechende Umplanung war noch vor Wochenbeginn abgeschlossen.

Blog des Tages

Heute schreibt Detlef Stern in seinem Weblog übers Fahrradfahren in Heilbronn und seine Bemühungen, ihm anvertraute Studenten bestmöglich zu betreuen.

Geburtstag des Tages

Eleanor Roosevelt


Beitragsfoto: Rathaus Heilbronn | © Shutterstock

20.8.02021 5 (2)

Beitragsfoto: Rathaus Heilbronn | © Shutterstock

Stillstand

Ohne Frage, wir lieben den Stillstand, und jeder, der uns diesen weiter verspricht, ist unser Mann, ob Oberbürgermeister oder Bundeskanzler. Dabei dreht sich das Karussell der verpassten Chancen stetig weiter und führt uns langsam aber sicher an jene Grenze, wo wir mit einem Realitätsverlust nicht mehr weiterkommen.

Nicht nur das Wollhaus bröckelt so schön vor sich hin, inzwischen bröckelt es an allen Ecken. Einzig und alleine an Parties und Feiern fehlt es nicht, denn da lassen wir uns nicht lumpen.

Bald aber wird für uns alle eine Zeit anbrechen, die den meisten von uns die Augen öffnen wird, da sich die US-Amerikaner langsam aber sicher auf ihre eigenen Interessen und Herausforderungen besinnen und Europa, dabei vor allem Deutschland als bevölkerungsreichstes Land, in die Pflicht nehmen werden.

Wenn wir nur eine klitzekleine Chance haben wollen, dass wir uns in der „neuen Realität“ behaupten können, dann benötigen wir Volksvertreter, die sich dieser stellen und Ideen und Konzepte haben, wie wir unsere Welt gestalten können. Politiker, die nur in Talkshows sitzen und ansonsten nach Nebenerwerbstätigkeiten suchen, oder sich nur selbst beweihräuchern, werden uns demnächst über den Abgrund stürzen.

Bigotterie

Wenn wir etwas können, dann ist es nicht nur andere zu belehren, sondern auch diesen alles Mögliche aufzubürden und abzuverlangen. So dürfen Menschen außerhalb Deutschlands am besten keine Wälder mehr zerstören, keine Wildtiere töten und sollen alles unterlassen, was nur annähernd umweltschädlich sei kann.

Hingegen gibt es bei uns schon lange keine echten Wälder mehr und wo sie angelegt werden, werden sie auch gleich wieder unserer Erholung und dem Spaß geopfert. Noch schlimmer geht es nur noch den Wildtieren, diese werden sofort als Problemtiere wieder der Natur „entnommen“.

Und was die weitere Umweltzerstörung angeht, ist diese bei uns dem Export geschuldet, also als völlig opportun. So werden unsere Kohlekraftwerke und neuen Gaskraftwerke für den Export weiterhin so lange wie möglich dampfen, die Böden und das Wasser ebenfalls für den Export geopfert. Und selbst unsere eigene Gesundheit opfern wir bereitwillig auf dem Altar des „Exportweltmeisters“. Vielleicht wäre etwas weniger von unserem Luxus tatsächlich etwas mehr für uns alle. Und vielleicht wäre es besser, wenn wir erst einmal vor unseren eigenen Haustüren kehren, bevor wir anderen vorschreiben, was diese zu tun und zu lassen haben.

Literaturhaus

Neben dem schleichenden Ausbau unserer städtischen Bücherei, haben wir jetzt auch ein eigenes Literaturhaus. Sehen wir dies positiv als Ergänzung der Bibliothek und Teil eines Gesamtkonzeptes, welches sich, wie auch einmal angekündigt, an der Konzeption der New York Public Library ausrichtet.

Was nicht geschehen sollte ist, dass die „Bessergestellten“, oder die sich als solche fühlen, ins Literaturhaus pilgern und alle anderen sich mit der städtischen Bibliothek, in welcher Ausbaustufe auch immer, abfinden lassen müssen.

Besser wäre es, dass man Kompetenzen bündelt, um effizienter und auch effektiver seine Ziele erreichen zu können. Diesen Anspruch sollte jeder Verantwortliche haben, der mit Steuergeldern wirtschaftet.

Geburtstag des Tages

Howard Phillips Lovecraft