Figaros Hochzeit

Figaros Hochzeit 4.8 (9)

Beitragsfoto: The Met live

Aktuell sind im Familienkreise eher die Beerdigungen angesagt. Kommenden Monat gibt es wieder einmal eine Hochzeit und so traf es sich ganz gut, dass die Metropolitan Opera auch mal wieder den Figaro gibt.

Bei meinem letzten Figarobesuch in Stuttgart hatte ich schon darüber berichtet, was ich grundsätzlich von dieser Oper halte. Und da die Stuttgarter Aufführung damals hoffen ließ, dass man auch noch aus verstaubten Opern künftig etwas machen kann, war ich schon etwas gespannt darauf, was die Met aus dieser Oper machen wird.

Ohne Frage, die New Yorker spielen in der ersten Liga, was Opern angeht und mit „The Met: Live in HD“ haben sie ein Format entwickelt, das weltweit einzigartig ist. Zudem erspart es Menschen, die in Städten ohne eigenes Opernhaus leben, den Weg in die etwas größeren Städte. Auch dürften viele Kinos, die dieses Format bedienen, viel bequemer als die meisten Opern sein. Mit gut 2 Milliarden Euro Steuergelder sollten die Stuttgarter künftig zumindest bei der Bequemlichkeit die Kinos hinter sich lassen müssen.

Und die Moderatoren von „The Met: Live in HD“ weisen jedes Mal pflichtbewusst darauf hin, dass man auch in die Oper um die Ecke und wenn möglich in die Metropolitan Opera gehen sollte.

Meine bessere Hälfte und ich fanden erneut gute Plätze im Arthaus Kino Heilbronn, bekamen zuvor noch ein Gläschen Sekt und freuten uns auf einen entspannten Abend — größere Überraschungen ausgeschlossen. Ich denke jedes Mal, wenn ich dort sitze, an meine Tante, weitere Verwandte und Freunde, die zeitgleich aber an den unterschiedlichsten Orten der kommenden Oper lauschen werden.

Dieses Mal saß gleich rechts neben mir eine etwas ältere Dame und wir kannten uns. Sie fragte mich, woher und ich antwortete, dass ich einer ihrer Schüler war. Sie erinnerte mich nun daran, dass das noch die Grundschule war — eine ganze Weile her.

Aber nun zu „Le nozze di Figaro“. Joana Mallwitz debutierte als Dirigentin an der Met, zuvor gab sie den Figaro bereits in Heidelberg.

Für das Bühnenbild und die Kostüme ist Rob Howell verantwortlich. Für mich beides immer noch zu altbacken, aber die Idee (Richard Eyre) mit der Drehbühne lobenswert und es erinnerte ganz passend an ein Karussell. Zudem machte es die Aufführung etwas kurzweiliger. Dennoch geht dieser Punkt eindeutig nach Stuttgart.

Joshua Hopkins gab den Grafen und Federica Lombardi die Gräfin. Letztere war für mich eindeutig die beste Stimme des Abends. Olga Kulchynska als Susanna und Michael Sumuel als Figaro folgten danach.

Sun-Ly Pierce überzeugte mich als Cherubino überhaupt nicht, sie war einfach eine Nummer zu kindisch.

Normaler Weise finden sich in Met-Aufführungen zuhauf Anspielungen; dieses Mal konnte ich keine einzige entdecken. Ganz nett die Idee des Einfrierens der beiden Fotosessions. Alles in allem aber zu wenig, um diese Met-Aufführung zu etwas Besonderen zu machen. Der Applaus zum Schluss entsprechend.

Apropos „Ius primae noctis“, die alternativen Fakten waren schon zu Mozarts Zeiten altbacken.


Stuttgart 21

Lichtaugen 4.9 (8)

Beitragsfoto: Zeitungsausschnitt

Bereits seit Jahren verfolge ich das Projekt Stuttgart 21, früher aus persönlichem Interesse, weil ich damals hoffte, schneller an den Flughafen zu gelangen und heute eher, um gute Beispiele für meine eigenen Vorlesungen zu bekommen. Dabei hätte ich es schon damals™ wissen müssen, dass ich höchstens in meinen Spätjahren und dies auch nur ggf. in den Genuss eines Schienenausbaus kommen werde.

Heute wissen wir es ganz genau, dass das mit der Gäubahn erst in Jahrzehnten etwas werden wird, deren Fortführung, die Frankenbahn, nicht einmal mehr und dies trotz aller politischen Versprechungen der letzten Jahrzehnte angedacht ist und eine zeitgemäße Anbindung Heilbronns an den Flughafen in Stuttgart schon alleine mangels Interesse meiner Heilbronner Mitbürger ebenfalls nicht kommen wird.

Und ob das mit der den Ausbau begründenden europäischen Magistrale etwas werden wird, wage ich inzwischen zu bezweifeln, weil die Bayern daran mit beteiligt sind und dort Schienenprojekte nur gelingen, wenn sich Regierungsmitglieder dabei gesund stoßen dürfen. Auf den Nordzulauf des Brenners werden noch unsere Urenkel vergeblich warten, wobei nicht einmal die Weiterführung der Strecke von Ulm nach Augsburg gesichert ist.

Und selbst wenn in ein paar Jahrzehnten der Streckenausbau gelingen wird, steht es in den Sternen, ob die Bahn das mit dem Deutschlandtakt überhaupt hinbekommen wird. Leider dient die Bahn weiterhin nur dazu, um ein paar „systemrelevante Mitbürger“ der Deutschland AG reich zu machen — und so sind die Fahrgastzahlen auch nur dann von Interesse, wenn diese die variablen Vergütungen der Bahnvorstände erhöhen.

Dies alles schmälert mein Interesse am Projekt Stuttgart 21 aber nicht und ich gucke regelmäßig nach dessen Fortschritten. Wer nicht selbst Baustellenführungen mitmachen kann, der findet gleich zwei von mir gerne empfohlene YouTube-Kanäle, das S21Bau.TV und das Bahnprojekt Stuttgart–Ulm.

Inzwischen befinden sich die sogenannten Lichtaugen des Tiefbahnhofs in ihrer Fertigstellung und spätestens jetzt stellt sich mir die Frage, wie die Stadt Stuttgart oder gar die Bahn sicherstellen wollen, dass keine Wilden diese Lichtaugen zu Sonnendecks umfunktionieren, die Glasscheiben zertrümmern oder gar Gegenstände durch die Lüftungsschlitze auf die Bahnsteige werfen?

Wie wir es auch hier sehen werden, wenn eine Projektplanung von Anfang an schief läuft, dann wird das Projekt bis zu seinem Abriss (Neudeutsch: Rückbau) in ein paar Jahren allen Beteiligten weiterhin sehr viel Spiel, Spaß und Spannung bereiten. Ganz nach dem bekannten Werbemotto: „Ein bisschen Spaß ist immer drin. Lass Dich überraschen. Gemacht, um die Welt zu überraschen.

Wer jetzt an Ostern denkt, der kennt meinen Humor bereits ein wenig.


14.4.02025 4.7 (7)

Beitragsfoto: Großtransport

Kurzgedicht

Wer kennt ihn noch Angelus Silesius? In seinem Werk „Cherubinischer Wandersmann“ veröffentlichte Johannes Scheffler Epigramme. Z. B. jenes:

Die Ros’ ist ohn warum, sie blühet, weil sie blühet,
Sie acht nicht ihrer selbst, fragt nicht, ob man sie siehet.

Angelus Silesius

Selbst Martin Heidegger hat sich damit beschäftigt und das Ganze auch noch mit dem Principium reddendae rationis verknüpft. Ich sehe dies eher als eine Aufforderung, nicht mehr länger zu versuchen, mein Blog weiter zu optimieren. Auf den Punkt gebracht, Angelus Silesius würde jegliches SEO von tiefstem Herzen heraus ablehnen. Und ich sollte mich deshalb nicht einmal fragen, warum und schon gar nicht für wen ich mein Blog schreibe.

Zölle

Das mit den Zöllen treibt mich nun doch mehr um als noch zu Trumps erster Präsidentschaft. Anscheinend steckt da dieses Mal etwas mehr Substanz dahinter. Wäre schon die Absicht, ein paar Milliardären noch schneller zu noch mehr Geld zu verhelfen, schlimm genug, so ist die Idee damit das gesamte Weltwirtschaftssystem aus den Fugen zu heben, diabolisch.

Joeri Schasfoort hat diesbezüglich ein interessantes Video auf YouTube veröffentlicht.

Rampengespräch

Heute war bei meiner Fahrt mit dem meseno-Bus irgendwie der Wurm drin. Staus, wo keiner wusste, warum, und zum Schluss war dann mehr Zeit verschwunden als geplant.

So blieb aber auch Zeit, um die Fahrkünste des einen oder anderen Fahrers zu bewundern. Als ein Fahrer seinen Boliden auf den Millimeter genau und dies in einem Schwung an die Nachbarrampe manövrierte, ließ ich es mir nicht nehmen und bemerkte, ‚gekonnt ist halt gekonnt‘. Er darauf: „Ne, bloß ‘ne Rückfahrkamera.“ [Ich rangiere weiterhin meine Laster nach Gehör, so wie vor über vierzig Jahren bei der Bundeswehr gelernt.]

Kurz darauf er, er hatte denselben Lademeister wie ich: „Wenn ich was nicht brauche, dann sind das missgelaunte Menschen. Ich antwortete, dass ich diesen in neun von zehn Fällen so erlebe. Er stieg in seinen Truck und sagte lapidar: „Ich ihn in elf von zehn!“ — Zwei zu Null für meinen unbekannten Kollegen.

Vor einer anderen Rampe aus konnte ich gleich auch noch einen waschechten Großtransport bewundern, welchen ich im obigen Bild festgehalten habe. Auch ohne gültigen zusätzlichen Befähigungsnachweis fiel mir auf, dass dieser Transport bei einer Kontrolle so nicht durchgehen wird — mangelhafte Ladungssicherung.

Die beschauliche Fahrt durch den Norden unseres Landkreises nutzte ich zudem, um nochmals meine morgige Vorlesung durchzugehen; nach den Terminen und Pufferzeiten werden nun die Kosten etwas genauer betrachtet.

Meine nächste Fahrt führte mich heute nach Stuttgart. Dort konnte ich einen angenehmen Nachmittag verbringen, einer Besprechung lauschen und sogar etwas shoppen. Zum Abschluss erhielt ich dann auch noch meinen letzten Transportauftrag des Tages: ein Paar Socken für Semin Bristina.