Drache

Gibt es eine „Gelbe Gefahr“? 5 (3)

Beitragsfoto: Drache | © Pixabay

Noch heute gilt die Aussage von Albert Einstein, dass „der Nationalismus eine Kinderkrankheit [ist], sozusagen die Masern der Menschheit.“ Nach all diesen Jahren, selbst nach zwei Weltkriegen und unzähligen Toten ist es der Menschheit nicht gelungen, die tödlichste aller Krankheiten auszurotten.

Selbst in Deutschland kann man noch heute mit einem einzigen „Sieg Heil“ gut 20 % der Wählerstimmen erreichen. Allen Nationalisten ist dabei eines gemeinsam, sie gehen davon aus — egal, ob sie lesen, schreiben können oder ihre Muttersprache nur halbwegs beherrschen –, dass sie alleine aufgrund ihrer Geburt besser sind als der Rest der Welt. Deswegen meinen sie auch, dass sie am meisten, härtesten und besten arbeiten, die intelligentesten Wesen auf Gottes Erdboden sind und ihnen deshalb alles zuerst zusteht; der Rest der Menschheit ist menschlicher Müll. Deshalb gebiert der Nationalismus immer auch Imperialismus bis hin zum Wunsch der Weltherrschaft.

Inzwischen rollt die xte Nationalismuswelle über unseren Planeten hinweg und hat dabei die bevölkerungsreichsten Länder erreicht, darunter vor allem auch die Volksrepublik China unter ihrem Führer Xi Jinping. Dieser stellt sich voll und ganz in die Tradition der größten bekannten Nationalisten und möchte China zur größten, wenn nicht gar alleinigen Weltmacht machen. Damit bricht er mit einer uralten chinesische Tradition, die sich noch damit zufrieden gab, das Reich der Mitte zu sein und der „Peripherie“ weiterhin eigenständige Leben ermöglichte.

Die ersten Folgen dieses chinesischen Nationalismus sind gut innerhalb Chinas zu beobachten, wo Minderheiten immer stärker konzentriert, wenn nicht gar reduziert werden; diese zu beobachtenden Maßnahmen sind nicht alleine dem Totalitarismus geschuldet, welcher ganz vorbehaltlos gegen alle Regimekritiker vorginge.

China hat aber aus den Versuchen anderer Nationalisten gelernt und seine Hausaufgaben gemacht. Man möchte nicht alles auf einmal erreichen, man setzt auch nicht alles auf eine Karte, sondern begibt sich erneut auf einen „langen Marsch“ und schont sich selbst auch nicht dabei. Nach erreichen der Autonomie, versucht man nun die Autarkie zu erreichen und erlaubt sich zudem erste Machtansprüche als künftiger Hegemon, denn Nationalismus lässt sich nie lange verstecken. Und so sind die Ziele offiziell gesetzt und werden auch gerne der interessierten Öffentlichkeit kundgetan: darunter die Ablösung der USA als erste Wirtschafts- und Militärmacht, Sicherung aller Weltressourcen und Kontrolle sämtlicher Verkehrswege, sowie eine Dominanz im Weltraum.

Nationalismus verbindet sich gerne auch mit Größenwahn und so hat Xi Jinping nicht nur davon Abstand genommen die Taiwan-Frage ausschließlich friedlich lösen zu wollen, sondern fataler Weise gleich auch eine verbindliche Deadline dafür gesetzt – nämlich noch innerhalb seiner eigenen Regentschaft. Da Chinesen nur ungern ihr Gesicht verlieren, müssen wir nun davon ausgehen, dass dies nicht nur bloße Rhetorik oder nur ein weiterer chinesischer Einschüchterungsversuch ist. Zudem müssen wir davon ausgehen, dass die Taiwanern kaum mit friedlichen Mitteln zurück in Reich zu bewegen sein werden, vor allem weil Xi Jinping der gesamten Welt unzweideutig klar macht, was mit Andersdenkenden geschieht und ihn dabei weder Menschenrechte noch internationale Absprachen interessieren, was man an Hongkong oder den Uiguren sehr gut mitverfolgen kann.

Deshalb muss die Welt nun ganz genau die chinesischen Alternativen mit betrachten, denn es wird nicht davon auszugehen sein, dass ca. 1,5 Milliarden Chinesen einen ähnlichen Größenwahn entwickeln, wie gut 70 Millionen selbsternannte Arier — sie werden die Rechnung vorab kalkulieren, wobei diese durchaus Rundungsfehler in Höhe von plus minus Einhundert Millionen Toten aufweisen darf.

Der erklärte Gegner Chinas sind die USA, mit denen sie seit Jahren wirtschaftlich konkurrieren und ihnen jetzt auch noch ihre pazifischen Interessen streitig machen. Dazu kommt, dass China unumwunden versucht, die Gegenküste der USA im Pazifik zu okkupieren. Taiwan dürfte nur der erste Schritt sein, Südkorea und Japan werden folgen. China ist sich indessen bewusst, dass die USA auch in den kommenden Jahrzehnten fähig bleiben werden, diesen Schritt zu verhindern und ihre Gegenküste im Pazifik weiterhin sichern zu können, es sei denn, sie werden gezwungen, in Europa ihre atlantische Gegenküste sichern zu müssen.

Aber auch hier drängen die Chinesen wirtschaftlich und inzwischen auch mit ersten militärischen Fühlern weiter vor. Als besonders gelungen dürften es die Chinesen ansehen — und sicherlich auch richtig genießen –, dass sie die Reste ihres ehemaligen großen Bruders nun zu ihrem kleinen Bruder machen und mit der Russischen Föderation einen „Partner“ gewinnen konnten, der den Druck auf Europa zunehmend erhöht und prüft, in wieweit Europa oder gar die USA zu Zugeständnissen bereit sind. Besonders die europäischen Nationalisten reagieren bereits und sind sich noch nicht sicher, für welche Seite sie sich letztendlich einvernehmen lassen werden. Die USA prüfen dabei schon lange, ob die britischen Inseln zum Schutz der atlantischen Gegenküste temporär ausreichen werden, und die Europäer wären darin gut beraten zu überlegen, was die Chinesen bei Erfolg nicht nur aus der Russischen Föderation machen werden, sondern ob und wie sie selbst unter dem Einfluss Chinas weiter prosperieren können.

Die größere Herausforderung für China dürfte bei diesen Überlegungen sein, vor allem, weil die Chinesen sich selbst auch kaum einen Zweifrontenkrieg leisten können werden, wie sich die Republik Indien mit gut 1,5 Milliarden Menschen verhalten wird. Zumal Indien mit Narendra Modi ebenfalls einen Nationalisten an der Macht hat und in Folge davon eigene Ansprüche in Asien anmeldet, die kaum mit denen Chinas vereinbar sein werden. Hier können wir gut mitverfolgen, wie China diese Frage bereits auch wieder mit militärischen Mitteln austestet. Zum großen Glück Chinas ist das nationalistische Indien durch sein eigenes „Muslimproblem“ geschwächt und wird den Vorteil, seine gut 150 Millionen Muslime und damit auch weitere Hunderte Millionen von Muslimen angrenzender Länder für sich zu gewinnen, so schnell nicht ausspielen können, was China einen Zweifrontenkrieg zumindest erstmals ersparen könnte.

Damit wäre die Gelegenheit inzwischen gut, dass China nach dem endgültigen Gleichschalten Hongkongs, die Bereitschaft Europas und weiterer Teile des Westens, Ländergewinne Chinas in Ostasien analog Hitlers Besetzung des Sudetenlandes und Österreichs 1938 oder Putins Besetzung der Krim und der Ostukraine 2014 zu akzeptieren, nutzt, um sich Taiwan als nächstes Zwischenziel — wie bereits angekündigt — anzueignen.

Die dafür notwendigen militärischen Voraussetzungen sind langsam aber sicher auch erfüllt: die chinesische Flotte wird die Flotten der USA, Japan und Südkoreas so binden können, dass eine Invasion Taiwans möglich sein wird.

Durch sein Raumfahrtprogramm hat China ebenfalls in Kürze den Punkt erreicht, wo sie zumindest im Weltraum mitmischen können, was seit ein paar Jahrzehnten eine unabdingbare Voraussetzung für einen zeitgemäß geführten Krieg ist.

Die unzähligen Hackerangriffe zeigen ebenfalls, dass China in der Lage sein wird, die Kommunikationsräume zu dominieren, vor allem dann, wenn sämtliche Kommunikationswege und -mittel von chinesischer Technik abhängig sind.

Selbst im sogenannten Information Warfare wird China bestehen können. Und sollte der Konflikt eine nukleare Komponente erhalten, dafür Sorge tragen können, dass dies rein auf taktische Nuklearschläge auf Hoher See oder im Weltraum begrenzt bleiben wird.

Die notwendigen Ressourcen, um einen Krieg führen zu können, hat sich China gesichert und wird aufgrund eines regionalen Krieges vom Rest der Welt nicht isoliert werden. Es ist eher davon auszugehen, dass China vielfältige Unterstützung erhalten wird.

So scheint einer Invasion Taiwans eigentlich nichts mehr im Wege zu stehen, und ich sehe schon die Zeitungsartikel und Reportagen vor meinen Augen, die dies mit der Deutschen Wiedervereinigung vergleichen werden.

Wenn man den Klassikern der Kriegskunst folgt — die die Chinesen ganz gut kennen und zudem einige davon in deren eigener Muttersprache lesen können –, wäre eine solche militärische Aktion, nämlich die Republik Taiwan (ca. 25 Millionen Einwohner) zu erobern, mit weiteren Unwägbarkeiten versehen und könnte sich in eine Länge ziehen, die den Rest der Welt letztendlich doch zu Gegenreaktionen verleitet. An entsprechenden Vorbildern in der jüngeren Geschichte mangelt es nicht.

Deshalb ist es auch nicht auszuschließen, dass die Chinesen bereits einen Schritt weiter gegangen sind und die Annexion Taiwans mit einem Erstschlag mit Biokampfstoffen kombinieren werden, was rein aus militärischer Sicht sehr vernünftig wäre und aus nationalistischer Sichtweise heraus auch überhaupt kein Problem darstellt.

Dieser Einsatz von Biokampfstoffen würde zumindest eine potentielle indische Front langfristig lähmen und die Westliche Welt vorerst mit sich selbst beschäftigen — der Charme dabei: die eigene Bevölkerung, Verbündete und Länder, die sich neutral verhalten, bekommen das Gegenmittel geliefert, der Rest muss Ressourcen für die Entwicklung und Distribution des Gegenmittels einsetzen, und hat, wenn dann alles vorüber ist, vielleicht gar kein Interesse mehr, sich um eine einzelne Insel und um das Schicksal deren Bewohner zu kümmern — zumal immer neue Biokampfstoffe sehr einfach zu verbreiten sind.

Dies alles betrachtend, könnte man sich durchaus fragen, ob COVID-19 ein entsprechender Test war oder nur ein tragischer Unfall während der Versuche, Xi Jinpings Terminvorgaben zu erfüllen.

Und um abschließend meine Frage selbst zu beantworten, jeglicher Nationalismus ist eine Gefahr für uns alle und es kommt nicht darauf an, woher er stammt.

„Nationalism is power hunger tempered by self-deception.“

George Orwell, Notes on Nationalism (1945)

Taschenuhr

Zum heutigen Tage 5 (6)

Beitragsfoto: Taschenuhr auf Landkarte mit Sand | © Pixabay

Jetzt, wo gerade wieder ganz aktuell bei uns darüber diskutiert wird, was schlechter ist: ein bekennender Nazi oder ein bekennender Stalinist? sollten wir uns alle daran erinnern, dass man tatsächlich nur zwischen Demokraten und Anti-Demokraten unterscheiden sollte und auch kann. Letztere nenne ich gerne allesamt, und dies frei nach Hannah Arendt, Karl Popper oder George Orwell, Totalitaristen.

Und ich kann nicht umhin, ein Gedicht zu zitieren, welches uns Schülern bereits ein Deutschlehrer in den 1970er-Jahren empfohlen hat. Das Gedicht stammt von Ernst Jandl.

lichtung

manche meinen
lechts und rinks
kann man nicht velwechsern
werch ein illtum

Ernst Jandl

Zumindest in meiner Schulzeit hat man noch fürs Leben gelernt, obwohl auch hier bereits ein großer Irrtum vorlag, denn Seneca muss richtiger Weise wie folgt zitiert werden:

„Quemadmodum omnium rerum, sic litterarum quoque intemperantia laboramus: non vitae sed scholae discimus.“

Seneca, Epistulae morales ad Lucilium, CVI. SENECA LVCILIO SVO SALVTEM: 12

Man stellt fest, weder das Leben oder die Schule, noch die große Politik sind einfach zu verstehen.

Besonders unsere heutigen und besonders erfolgreichen Demokratien haben immer mehr darunter zu leiden, denn viele ihrer Bewohner sind längst keine Bürger, geschweige denn Demokraten mehr, denn auch für diese gibt es seit den alten Griechen Minimalanforderungen, um überhaupt Demokratie entstehen zu lassen oder aufrechterhalten zu können.

Die alten Griechen haben damals die Menschheit nicht nur in Griechen und Barbaren unterteilt, sondern das Menschsein generell seit Aristoteles auf den Zoon politikon reduziert, ergo den Mensch als soziales, politisches Wesen gesehen. Und gingen dabei sogar soweit, jenen, die sich der Gesellschaft und der Politik entzogen haben, das Menschsein an sich abzusprechen.

Ca. 2 000 Jahre später muss man konstatieren, dass Demokratien alleine von Demokraten leben, und Demokraten sind Bürger, die sich nicht nur zur Demokratie bekennen, sondern diese auch mit Leben erfüllen, also mitmachen, anstatt nur zu meckern!

Wer sich den ganzen Tag über nur um sich selber und seine eigenen Vorteile kümmert und nur dann aufmerksam wird, sobald er befürchten muss, dass man ihm etwas vorenthält oder er einmal etwas findet, wo er gerade Lust dazu hat, um sich moralisch zu entrüsten, und auch nur dann von der Politik Änderungen und diese sofort einfordert und noch dazu diese sofortigen Änderungen ganz alleine zu seinen Gunsten oder nach seinen aktuellen Moralvorstellungen einklagt, der ist kein Bürger und schon gar kein Demokrat! Auch hat er die Funktionsweise von Demokratie eindeutig nicht verstanden!

Und dieser Mangel an Demokraten, oder, wie ich es in mehreren Beiträgen bereits schon formulierte, das mehrheitliche Vorhandensein „gekaufter Demokraten“ oder von Spesendemokraten ist es, der Demokratien von innen heraus aushöhlt und langsam aber sicher auch abschafft; die Weimarer Republik war ein sehr gutes Beispiel dafür.

Der schleichende, aus der Ostzone kommende Zerfall der Berliner Republik wird ein weiteres Beispiel dafür werden. Weder hätte man einer Nachfolgeorganisation eines Unrechtsstaates gestatten dürfen, vorübergehend ein demokratisches Mäntelchen umzulegen, noch darf man als demokratischer Volksvertreter mit bekennenden Totalitaristen, schlimmer noch mit stolzen Rassisten gemeinsame Sache machen!

Genau diese faulen Kompromisse sind es, die letztendlich immer wieder unsere Welt zerstören, egal von wem oder wo und wann sie getätigt werden.

Deshalb empfehle ich dringend allen unseren demokratischen Volksvertretern das Buch „On Compromise and Rotten Compromise“ von Avishai Margalit zu lesen. Keine 200 Seiten wären zu lesen gewesen, und wir alle hätten uns das jämmerliche Schauspiel gestern in Thüringen erspart.

Gesunder Menschenverstand hätte es vielleicht auch getan, aber der ist den meisten unserer dort handelnden Politiker wohl längst schon abhandengekommen.

Auch wenn aufgrund der teilweise heftigen Reaktionen aus dem Rest der Bundesrepublik heute bereits darüber nachgedacht wird, Neuwahlen anzustreben, bleibt das Wahlergebnis 2019 weiterhin bestehen, welche dem linken und rechten Rand, bei dem jeweils die demokratische Gesinnung zumindest stark bezweifelt bis gänzlich abgesprochen werden kann, eine Stimmenmehrheit von über 54 % beschert.

Diese Problematik ist seit dem Wahlabend bekannt, und viele spekulierten wohl darauf, dass man letztendlich den größten Wahlsieger, Die Linke, eine Minderheitsregierung bilden lässt.

Diese wäre damit erstmals von allen demokratischen Parteien, auch der CDU, als legitime demokratische Kraft anerkannt worden. Zumindest einige von den Volksvertretern der bürgerlichen Parteien hätten dabei einen faulen Kompromiss eingehen müssen, den andere bereits schon vor Jahren eingegangen sind und nunmehr mit der Wahl in Thüringen 2019 zu dieser ersten tragischen Situation in der Berliner Republik geführt hat.

Durch die jetzt erfolgte Wahl eines FDP-Abgeordneten zum Ministerpräsidenten einer Minderheitsregierung haben letztendlich die oben angesprochenen Abgeordneten einen faulen Kompromiss durch einen anderen faulen Kompromiss ersetzt, was nunmehr erstmals nach 1945 wieder Nationalsozialisten als vollwertig demokratisch legitimierte.

Damit ist das Kind in der Berliner Republik bereits zum zweiten Mal in den Brunnen gefallen, wobei beide extreme Ränder in den Parlamenten als vollwertig demokratisch anerkannt werden. Damit wurden Totalitaristen nicht nur legalisiert, sondern durch allseitige Anerkennung auch legitimiert.

Von Anfang an war der Linken als auch der AfD — leider den anderen Parteien offensichtlich nicht — klar, dass es sich für die beiden benannten Parteien um eine klassische Win-Win Situation handelt.

Und wie sich jetzt herausstellt, ist es den demokratischen Parteien auch gelungen, sowohl Die Linke als auch die AfD in eine typische Opferrolle zu schubsen, in die beide Parteien frei nach Goethe mehr sanken, als gezogen wurden.

Das Einzige, was jetzt noch zur Komplettierung des Wahlerfolgs beider Ränder fehlt, ist eine Neuwahl, die diese Parteien ihre neu gewonnene Opferrolle voll ausschöpfen lässt und beide dabei sicherlich in neue Höhen schleudert.

Eingedenk dieser Tatsache wäre es notwendig, dass die CDU, welche meines Erachtens in Thüringen deswegen so schwach abschnitt, weil sie dort in ihren eigenen Reihen eher dem rechten Rand als ihrer demokratischen Grundgesinnung huldigt, jetzt und sofort die Notbremse zieht und das Folgende veranlasst:

  • Mit der FDP Thüringen spricht und den Ministerpräsidenten zum Rücktritt bewegt;
  • Mit der Linken spricht — dabei lieber einen faulen Kompromiss zwei faulen Kompromissen vorzieht — und erstmals ganz offiziell eine linke Minderheitsregierung billigt. Dies allerdings nur eingedenk der Tatsache, dass sie diesen ersten faulen Kompromiss nicht selbst zu vertreten hat, sondern rein aus demokratischer Verantwortung heraus nun auslöffelt.

Ich wage zu behaupten, dass durch diese Maßnahme die CDU in Thüringen wieder an Profil gewinnt und in Folge einer konstruktiven Oppositionsarbeit auch wieder Wahlen gewinnen wird.

„You want to know something? We are still in the Dark Ages. The Dark Ages — they haven’t ended yet.“

Kurt Vonnegut, Deadeye Dick (1982)

Rassemblement National

Alte Verhaltensmuster 5 (1)

Beitragsfoto:  Rassemblement National | © Grégory ROOSE auf Pixabay

Gerade weil es nach dem Zweiten Weltkrieg staatstragende Politiker tatsächlich geschafft haben, alte Verhaltensmuster zu durchbrechen und neue Wege zu gehen, ist es uns Europäern jenseits und diesseits des Atlantiks gelungen, zumindest die westliche Welt zu befrieden und insgesamt für einen vorher noch nie erreichten Wohlstand für die meisten von uns zu sorgen.

Harry S. Truman, Dwight D. Eisenhower, Winston Churchill, Charles de Gaulles, Konrad Adenauer, Alcide De Gasperi, Paul-Henri Spaak, Joseph Bech, Robert Schuman, Jean Monnet und Altiero Spinelli sind dabei ganz besonders zu erwähnen, denn ohne sie gäbe es weder die NATO noch den Europarat oder gar die Europäische Union.

Nur aufgrund dieses für uns heutzutage und darüber hinaus auch für die Weltgeschichte sehr bedeutenden Ereignisses leben wir in einer Zeit der noch nie dagewesenen Möglichkeiten.

Aber weil nachfolgende Politikergenerationen fast ausnahmslos weder den Mut noch den Weitblick dieser oben genannten Männer hatten, auch mit Herausforderungen bis hin zu Problemen, die wir als Menschheit ebenfalls noch nie hatten.

Verstärkt kommt jüngst aber noch hinzu, dass heutige Politiker entweder den Gesamtzusammenhang nicht erkennend oder aber einfach nur unfähig, sich und ihren Mitbürgern notwendig gewordene Änderungen abzuverlangen, wieder genau in diese totgeglaubten Verhaltensmuster zurückfallen.

Zum heutigen Arsenal der „Europapolitik“ gehören wieder, auch wenn teilweise noch anders benannt: Kriege, Kolonialismus, Reparationszahlungen, Pakte, Nationalismus, Rassismus, Totalitarismus, Umsiedlungen, Mauern und Vormachtsstreben.

Das jüngste nachhaltige Ergebnis wird wohl der Austritt des Vereinigten Königreiches aus der Europäischen Union sein, gefolgt von einem Rückzug der Vereinigten Staaten aus der Weltpolitik und aufflammender Kämpfe halbstarker Nationen um die Scherben derselben.

Dabei müssten wir alle es doch besser wissen — und auch können!

„La politique fut d’abord l’art d’empêcher les gens de se mêler de ce qui les regarde. À une époque suivante, on y adjoignit l’art de contraindre les gens à décider sur ce qu’ils n’entendent pas.“

Paul Valéry, Œuvres II (1960: 947, Des partis)