Parlamentsgebäude in Wien

Europatag 2017 5 (2)

Beitragsfoto: Parlamentsgebäude in Wien | © Neugiernase auf Pixabay

„Wir sind zu unserem Glück vereint“, heißt es noch in der Berliner Erklärung der EU-Staats- und Regierungschefs zum 50. Jahrestag der Unterzeichnung der Römischen Verträge im Jahr 2007. Ich schrieb damals an dieser Stelle, „die europäische Erfolgsgeschichte geht weiter. … Frieden und Freiheit sind damit für uns Europäer schon lange zu Selbstverständlichkeiten geworden.“

Solche Wortwahlen bringen in diesem Jahr, einem Jahr gleich mehrerer europäischer Schicksalswahlen, in einer Zeit unablässiger Angriffe einer russischen Präsidialdiktatur auf die freie Welt und des Abdriftens befreundeter Nachbarstaaten in den Totalitarismus sowie darüber hinaus noch einer zu erwartenden vierjährigen „Kopflosigkeit“ unseres wichtigsten Verbündeten und Partners, wohl niemand mehr über die Lippen oder gar zu Papier!

Dennoch behalten folgende Fakten weiterhin ihre Gültigkeit: Die Ressourcen unserer Welt sind endlich und sie sind meist außerhalb Europas zu finden. Der Anteil Europas an der Weltbevölkerung wird immer weiter zurückgehen und bald unter 5 % liegen. Der in Europa angehäufte Wohlstand und die immer noch vorbildliche Infrastruktur bewegen viele Besitz- und Hoffnungslose aus aller Welt dazu, in Europa ihr Glück zu suchen. Die technologische Kompetenz und Innovation hingegen wandert langsam aber sicher aus Europa ab und in Regionen, die den leistungsstarken und –willigen Menschen dort bessere Lebensbedingungen bieten wollen und auch können.

Populismus, Nationalismus und Totalitarismus sind dabei keine Konzepte, die den oben aufgeführten Herausforderungen gerecht werden noch tragbare Lösungen bieten können, um den europäischen Völkern und Staaten zumindest eine Zukunft und dazu möglichst noch in Freiheit, Frieden und Wohlstand zu sichern.

Deshalb fordere ich alle mündigen Bürger, Demokraten und Europäische Föderalisten auf, den Putins, Trumps und Le Pens dieser Welt eine klare Absage zu erteilen und sich verstärkt in die demokratischen und gesellschaftlichen Strukturen und Prozesse unseres gemeinsamen Europas einzubringen. Wenn nicht jetzt, wann dann?!

Die EUROPA-UNION Heilbronn und auch unsere Jugendorganisation, die Jungen Europäer – JEF Heilbronn, bieten hierzu viele Möglichkeiten des Engagements. Bitte nutzen Sie diese und dies, bevor es für uns alle zu spät ist! Kommen Sie zu unseren Veranstaltungen und Aktionen, lesen Sie unsere Aufrufe und Erklärungen und wenn möglich, werden Sie bei uns Mitglied – Mitglied in der größten Bürgerbewegung für ein freies, friedliches, geeintes, demokratisches, föderales und erfolgreiches Europa.

Wir alle wissen: Engagement ist Arbeit und kostet Zeit. Dass Ihr Engagement aber auch sehr positive persönliche Erfahrungen hervorbringen kann, zeigen wir unter anderem am Samstag, 13. Mai 2017, auf dem Kiliansplatz in Heilbronn, wo wir mit Zehntausenden Heilbronnern und ihren Gästen den inzwischen 28. Treffpunkt Europa feiern und dabei unser Bekenntnis für ein Europa in Vielfalt geeint und damit für die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder ablegen!

„Every person takes the limits of their own field of vision for the limits of the world.“

Arthur Schopenhauer,  Psychological Observations (Studies in Pessimism)

Adventsgedanken

Gedanken zum Jahreswechsel 5 (3)

Beitragsfoto: Beispielbild | © Pixabay

Die jüngsten Wahlen in den Vereinigten Staaten und der Republik Österreich sowie der Ausgang des italienischen Referendums lassen uns auch zum Jahresende nicht aus dem Staunen herauskommen. Man darf wohl nunmehr davon ausgehen, dass jetzt auch die westliche Welt immer mehr aus den Fugen gerät, denn keine Bürgerschaft scheint mehr in der Lage zu sein, die richtigen Antworten auf den immer stärker werdenden Populismus und die damit einhergehende Renaissance von Nationalismus und Totalitarismus zu finden.

Eigentlich sollte es allen doch bekannt sein, dass Demokratie zwar die schwierigste, komplexeste und auch arbeitsintensivste Regierungsform überhaupt ist, aber auch und dies ohne Frage die erfolgreichste und einzige, die jedem Menschen die Möglichkeit zur eigenen Partizipation und zum persönlichen Erfolg gibt.

Deswegen ist zu klären, warum immer mehr unserer Mitbürger vermeintlich einfacheren Lösungen den Vorzug geben möchten und zudem die etablierten demokratischen Strukturen immer mehr in Frage stellen. Auch wird dabei oftmals ein vermeintlicher Vertrauensverlust in die bestehenden Strukturen als Begründung mit aufgeführt – man glaubt scheinbar nicht mehr, dass das „System“ für den einzelnen Bürger arbeitet und vergisst dabei ganz, dass wir Bürger allesamt das „System“ sind!

Diese so zweifelnden Mitbürger möchte ich ganz plakativ drei Kategorien zuordnen:

  1. die „ewig Gestrigen“, die sich seit 1945/1989 nur weggeduckt hatten;
  2. politisch sehr rührige Mitbürger, die es aber über Jahrzehnte hinweg nie geschafft haben, ihre Meinungen und Ideen mehrheitsfähig zu bekommen und nun, völlig frustriert, den Fehler in einer vermeintlich falschen Demokratie sehen möchten und
  3. sehr bequeme oder gesellschaftlich völlig desinteressierte Menschen, die sich erst bei einer für sie persönlich ganz relevanten Angelegenheit oder zum Ende ihres sehr privaten Lebens plötzlich für die Gesellschaft und Demokratie zu interessieren beginnen und mangels Erfahrung und Kenntnis deren Funktionsweisen nicht wirklich verstehen können.

Aber auch den Parteien und manchen Politikern muss man durchaus eine Art Mitschuld an der derzeitigen Situation attestieren. Erstere scheinen immer weniger in der Lage zu sein, den Wählern überzeugende Kandidaten zu präsentieren und letztere glauben, durch Blenden und Täuschen der Sisyphusarbeit des demokratischen Alltags entfliehen und sich dafür z. B. in Talkshows ins rechte Licht setzen zu können.

Damit spielen sie zum einen den enttäuschten oder weniger gut informierten Bürgern in die Hände und begeben sich zum anderen auf ein Terrain, welches durch Populisten und Totalitaristen viel besser bespielt werden kann.

Ich glaube, dass wir Bürger gegenüber der erstgenannten Gruppe von Mitbürgern ziemlich machtlos sind. Denn diese Gruppe akzeptiert weder Fakten noch Argumente und verweigert sich zudem einer demokratischen Auseinandersetzung. Deswegen ist hier die Exekutive und besonders die Jurisdiktion gefordert, um alle Demokratiefeinde ohne Wenn und Aber in ihre Schranken zu verweisen!

Bei der zweitgenannten Gruppe sehe ich besonders unsere Berufspolitiker gefordert, die zum einen den Minderheitenschutz und die -rechte achten und zum anderen diesen Mitbürgern immer wieder Brücken bauen müssen, damit sie dem gesellschaftlichen Diskurs auch weiterhin und durchaus zum Wohle aller erhalten bleiben.

Bei der drittgenannten Gruppe hingegen sind wir als mündige Bürger gefordert, um diese Mitmenschen wieder in die gesellschaftlichen Prozesse besser einzubinden und ihnen dabei helfen, ihre fehlende Erfahrungen und ihr mangelndes Wissen kompensieren zu können.

„I believe in human beings, but my faith is without sentimentality. I know that in environments of uncertainty, fear, and hunger, the human being is dwarfed and shaped without his being aware of it, just as the plant struggling under a stone does not know its own condition.“

Pearl S. Buck, Roll Away the Stone (22. Januar 2010)