Gängeleien 5 (10)

Beitragsfoto: Kreisverkehr | © Herbert Burkhardt

Wahlkampf war für mich schon immer eine schöne Zeit, man konnte sich mit seinen Mitbewerbern messen, mit diesen streiten und manchmal auch inhaltlich diskutieren. Am Ende bekam man für sein Engagement von den Bürgern die Quittung. Da ich schon immer nach der Maßgabe lebe, dass man sich besonders dann Gedanken machen sollte, wenn man plötzlich einer Mehrheitsmeinung anhängt, führte ich erst Wahlkämpfe für die damaligen Liberalen und heute für die Freien Wähler. Und ich bin weiterhin fest davon überzeugt, dass es nicht gut ist, wie ein Lemming allen anderen hinterherzurennen.

Was mich an diesem Wahlkampf allerdings gewaltig stört, ist, wie sich die Stadtverwaltung höchst einseitig gegen die Freien Wähler stellt. Ich meine dabei nicht getrieben von jenen Gemeinderäten, die dafür bekannt sind, die Plakate der Konkurrenz anzuschwärzen, aber wenn deren eigenen Plakate angemahnt werden zu wimmern anfangen, sondern explizit jene städtischen Mitarbeiter, die warum auch immer, sich voll und ganz auf die Freien Wähler eingeschossen haben und dabei den Rest der anderen Parteien und Wählergruppen völlig vergessen — frei nach dem Motto: „es gibt kein Recht im Unrecht“ und deshalb ohne jegliche Hemmungen auf uns Freie Wähler reinhauen.

Und so begann das Drama schon recht früh, nämlich mit einer Sitzung eines anonymen Hinterzimmergremiums, das die Regeln für den Wahlkampf festlegte, welche besonders für uns Freie Wähler von Nachteil sind. Leider hatten wir bereits vor Jahren angekündigt, dieses Mal und alleine schon aus Kostengründen den letzten Wahlkampf einfach zu wiederholen, wobei wir vier Sitze im Gemeinderat gewannen und knapp am fünften Sitz scheiterten.

Den Startschuss gab aber dann ein städtischer Mitarbeiter am 8. April 2024, als wir endlich einmal ein wenig Klarheit über den bevorstehenden Wahlkampf wollten. Unten stehend die Antwort auf unsere Anfrage, ob wir mehr als 300 Siegel bekommen könnten, da wir unsere Plakate während des Wahlkampfes ersetzen wollten.

Sehr geehrter Herr Burkhardt,
angehängt finden Sie den entsprechenden Antrag sowie das Merkblatt zur Kommunalwahl.

Bitte füllen Sie den Antrag vollständig aus und übermitteln diesen an: wahlplakate@heilbronn.de. Des Weiteren bitten wir darum, sich mit dem Merkblatt sorgfältig auseinander zu setzen. Aus diesem geht hervor, dass nur dann Nachbesserungssiegel vergeben werden, wenn ein Plakat verschmutzt oder beschädigt ist. Für jedes verschmutzte oder beschädigte Plakat muss ein Bildnachweis an: wahlplakate@Heilbronn.de übermittelt werden, erst dann erhalten die Antragsteller ein Nachbesserungssiegel um das betreffende Plakat auszutauschen.

Ein Austausch der Plakatmotive ab 11.05.2024, ohne dass es sich um beschädigte Plakate handelt, müssen wir somit ablehnen. Sobald Sie uns den Antrag ausgefüllt haben, beginnen wir mit der Erteilung der angefragten Sondernutzungserlaubnis für 300 Standorte/600 Werbetafeln.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
gez. Herr J. B.

E-MAil, 8. April 2024 um 09:54:24 MESZ

Auf unseren Einspruch kam es zu einer Erlaubnis, unsere Plakate zu wechseln, aber mit solch großen Hürden versehen, dass es praktisch unmöglich war, die Plakate zu tauschen. Die Begründung dafür einleuchtend: die anderen Parteien und Wählergruppen wollen ihre Plakate nicht tauschen — deswegen kann man den Freien Wählern ganz getrost das Leben schwer machen!

Sehr geehrter Herr Burkhardt,
leider mussten wir heute, den 08.04.2024 feststellen, dass unerlaubte Wahlwerbung im öffentlichen Raum in Heilbronn angebracht wurde, siehe Anhang!

Das Anbringen von Wahlwerbung ist nach den Bestimmungen des Straßengesetzes sowie der städtischen Sondernutzungssatzung erlaubnispflichtig. Ihnen wurde bislang keine Sondernutzungserlaubnis für Wahlwerbung erteilt. Weiterhin stellt unerlaubte Plakatierung im öffentlichen Raum ein Verstoß nach § 18 Abs. 1 Polizeiverordnung dar. Wir bitten Sie, das Bauzaunbanner unverzüglich, spätesten jedoch bis Dienstag, den 09.04.2024 – 12:00 Uhr zu entfernen und uns den Vollzug der Maßnahme mit Bildbeweisen (vorher/nachher Bild) über Mail an: wahlplakate@heilbronn.de. Diese Aufforderung gilt für sämtliche Wahlwerbung im Stadtgebiet Heilbronn, die ohne eine Sondernutzungserlaubnis angebracht wurde.

Sollten Sie dieser Aufforderung nicht fristgerecht nachkommen, werden wir die Beseitigung der Wahlwerbung kostenpflichtig nach §§1, 3 Polizeigesetz Baden-Württemberg anordnen. Wir weisen Sie darauf hin, dass Sie gemäß § 28 Landesverwaltungsverfahrensgesetz, nach Ablauf der o.g. Frist (ohne Tätigwerden) Gelegenheit zur Stellungnahme anhand einer Anhörung haben. Sollten Sie die Wahlwerbung auch auf diese Anordnung binnen der in der darin gesetzten Frist nicht entfernen, werden wir dies im Wege der Ersatzvornahme tun. Die dadurch entstehenden Kosten werden wir Ihnen in Rechnung stellen.

Bitte denken Sie zwingend an die Übermittlung der Bildbeweise, da wir ansonsten im Außendienst stichprobenartig kontrollieren werden und Ihnen die Kosten unseres Außendienstes sowie der Fotodokumentation in Höhe von 18 € je Viertelstunde Bearbeitungszeit in Rechnung stellen.

Ferner wird die Stadt Heilbronn ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen Sie einleiten, sollten wir von weiterer nicht genehmigter Wahlwerbung Kenntnis erlangen.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
gez. Herr J. B.

E-Mail, 8. April 2024 um 15:28:52 MESZ

Bereits vor dem offiziellen Wahlstart am 26. April 2024 hatten es sich manche Gemeinderäte erlaubt, bereits auf ihren Autos und an ihrem Eigentum Werbung für sich zu machen. Und auch Mitglieder von den Freien Wählern fingen an, ihre Privatgrundstücke für die Eigenwerbung zu nutzen. Jede Stadt könnte über so viel bürgerliches Engagement und gelebte Demokratie stolz sein — aber nicht Heilbronn!

Deswegen haben wir auf die obige E-Mail dahingehend geantwortet, dass viele Mitbürger bzw. Firmen und auch andere Mitbewerber bereits auf Privatgrund Werbung für sich oder für Ihre Partei machen. Selbstverständlich haben wir entsprechende Beweisfotos mit übersandt. Daraus entwickelte sich eine Auseinandersetzung, dass unsere Werbung, weil Wahlwerbung anders sei, zudem diese unsere Werbung in den öffentlichen Raum ausstrahlen würde, es kein Recht im Unrecht gäbe und wenn wir es darauf anlegen, alle Firmen in Heilbronn mit Hinweis auf uns Freie Wähler ihre Werbung abhängen müssten. — was wir Freien Wähler selbstverständlich nicht möchten!

Und schon ein paar Tage später ging es munter weiter.

Sehr geehrte Damen und Herren,
bei einer Kontrolle haben wir folgendes festgestellt:

Verstoß: Bahnhofstraße 8, vor dem Kolping Bildungszentrum, kein Anbringen von Plakatwerbung an oder vor öffentlichen Gebäuden (hier Eingang einer Schule).

Diese Aufforderung gilt auch für eventuelle weitere, uns bislang lediglich nicht bekannten Standorte.

Wir bitten um umgehende Entfernung der Verstöße bzw. um Nachbesserung.

Bitte übermitteln Sie uns einen Nachweis in Form einer vorher/nachher Bilddokumentation (1 Foto mit Verstoß + 1 Foto nach Behebung/Nachbesserung) an: Wahlplakate@Heilbronn.de 

Das Amt für Straßenwesen wünscht einen fairen und erfolgreichen Wahlkampf und bedankt sich für Ihre Kooperation!

Freundliche Grüße
Im Auftrag

gez. J. F.

E-Mail, 3. Mai 2024 um 11:46:30 MESZ

Ich habe darauf wie folgt geantwortet: „Sehr geehrte Frau F., wir haben die zwei Plakate (4 insgesamt) entfernt. Zwei davon waren bereits zerstört. Auch wenn wir es für falsch halten, dass man nicht vor genau den Schulen werben darf, wo die Schüler mindestens 16 Jahre alt und damit wahlberechtigt sind, sind wir Ihrer Aufforderung nachgekommen. Dennoch stören uns dabei zwei Dinge: 

1. Dass unsere Plakate auf der Straße und weg vom Eingang der Schule standen, jedoch ein Plakat einer Partei direkt gegenüber dem Eingang der Schule und damit für alle Schüler sehr prominent sichtbar ganz offensichtlich die Stadtverwaltung nicht stört. Dies aber nicht wegen des Plakates, sondern einzig und alleine wegen der Ungleichbehandlung, die den Freien Wählern seitens der Stadtverwaltung zuteilwird. 

2. Dass wir aufgefordert werden, unsere Plakate dann gleich mit zwei Fotos (davor und nachher) nachzuweisen. Diese Forderung wird h. E. von keinem uns bekannten Gesetz bzw. Erlass gestützt.“

Übrigens, bis heute stört sich die Stadtverwaltung nicht daran, dass Bündnis 90/Die Grünen, CDU, FDP, Die Linke und eine andere Wählergruppe selbst direkt vor Grundschulen massiv für sich werben.

Aber wir erhalten manchmal auch eher konstruktive Hinweise:

Sehr geehrte Damen und Herren,
bei einer Kontrolle haben wir folgendes festgestellt:

Verstoß: Carl-Zeiss-Straße in Kirchhausen, Plakat ist heruntergefallen und ist zerrissen.

Diese Aufforderung gilt auch für eventuelle weitere, uns bislang lediglich nicht bekannten Standorte.

Wir bitten um umgehende Entfernung der Verstöße bzw. um Nachbesserung.

Bitte übermitteln Sie uns einen Nachweis in Form einer vorher/nachher Bilddokumentation (1 Foto mit Verstoß + 1 Foto nach Behebung/Nachbesserung) an: Wahlplakate@Heilbronn.de

Das Amt für Straßenwesen wünscht einen fairen und erfolgreichen Wahlkampf und bedankt sich für Ihre Kooperation!

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
gez. S. S.

E-Mail, 2.5.2024, 9.19 Uhr

Dieses Plakat haben wir selbstverständlich repariert und dies an die Stadtverwaltung gemeldet, welche sich ganz offensichtlich nicht an einem anderen, dort ebenfalls heruntergerissenen Plakat störte, welches noch ein paar Tage später zu finden war.

Sehr geehrte Damen und Herren,
folgender Sachverhalt wurde uns gemeldet:

Verstoß: Dammstraße 54 in Heilbronn, Plakat hängt in unmittelbarer Nähe eines Fußgängerüberweges, somit wird die Sicht für Fußgänger oder Autofahrer beschränkt.

Diese Aufforderung gilt auch für eventuelle weitere, uns bislang lediglich nicht bekannten Standorte.

Wir bitten um umgehende Nachbesserung.

Bitte übermitteln Sie uns einen Nachweis in Form einer vorher/nachher Bilddokumentation (1 Foto mit Verstoß + 1 Foto nach Behebung/Nachbesserung) an: Wahlplakate@Heilbronn.de

Das Amt für Straßenwesen wünscht einen fairen und erfolgreichen Wahlkampf und bedankt sich für Ihre Kooperation!

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag

gez. C. S.

E-MAil, 30.4.2024, 10.55 Uhr

Ich fuhr sofort hin und stellte keinen Verstoß fest. Dumm dabei nur, dass ich gleich mehrere andere Fußgängerüberwege passierte, die mit Plakaten unserer Konkurrenz vollgepflastert waren und auch heute noch sind.

Heute meldete sich dann der Erstberufene vom 8. April 2024, ein Herr J. B., per Schreiben beim Kreisvorsitzenden der EUROPA-UNION Heilbronn und teilte mir mit: „Aufgrund der oben aufgeführten Verstöße wird die Stadt Heilbronn ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einleiten.“

Eine erste Prüfung der dort aufgeführten Vorwürfe ergab, dass eine ältere Dame wohl wahrscheinlich etwas vor 18.00 Uhr am 26. April 2024 ein paar Plakate aufgehängt hat und dabei auch noch zwei Plakate an Verkehrszeichen anbrachte. Zwar haben wir alle unsere Mitglieder über die Heilbronner Regularien und Besonderheiten ausführlich informiert, können dabei aber nicht sämtliche Aktivitäten überwachen. Und wer von uns möchte einem altgedienten Mitglied böse sein, wenn es beim ehrenamtlichen Plakatieren das eine oder andere Plakat etwas zu früh oder gar falsch aufstellt.

Jetzt muss ich nur noch klären, ob ich diese Ordnungswidrigkeitskosten im Falle, dass diese tatsächlich auch anfallen werden, einfach so vom Freie Wähler-Konto bezahlen kann oder ob die Stadt darauf besteht, dass die Mitglieder der EUROPA-UNION Heilbronn für diese Kosten aufzukommen haben — warum auch immer.

Als ich dann dachte, dass es heute nicht noch komischer werden kann, dann weit gefehlt! Schon bekam ich einen Anruf von Herbert Burkhardt, der eine Begegnung der unbekannten Art mit dem OB hatte, wobei ihm dieser die Falschplakatierungen der Freien Wähler u. a. in einem Kreisel vorwarf. Jetzt macht der Heilbronner OB bereits auf Boris Palmer. Was für mich wohl bedeutet, dass ich aufpassen muss, wenn ich dem OB persönlich begegne, nicht auch noch wegen der Plakate von ihm höchstselbst geschüttelt zu werden.

Die sofortige Prüfung des OB-Vorwurfs durch Herbert Burkhardt ergab, dass unser Bauzaunbanner in der Nähe des Kreisels steht, so wie von der Stadt auch vorgegeben. Aber — oh Wunder (!) — andere Plakate im Kreisel angebracht sind.

Mein Fazit in diesem Wahlkampf ist es schon jetzt, dass man uns Bürgern in Heilbronn die Demokratie mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln austreiben möchte! Einen ungestörten Wahlkampf sollen nur jene machen dürfen, die als Heilbronner Einheitspartei einen Eid auf den OB im Rathaus geschworen haben — und wie wir es inzwischen alle wissen sollten, dieser ist von Gott gewollt; somit ist jegliche Kritik reine Blasphemie!

Und wie es der OB jeden und alle bereits seit gestern wissen lässt, werden wir Freien Wähler maximal zwei Gemeinderäte stellen können. Dann bekommen auch die Verwaltungsmitarbeiter endlich u. a. ihre Luxusduschen, was deren Engagement in diesem Wahlkampf erklären könnte.


Screenshot

Wahlwerbung 4.6 (10)

Beitragsfoto: Screenshot von der Freien Wähler-Website

Wenn man schon ein eigenes Weblog besitzt, was ich übrigens allen Menschen empfehlen kann, dann nutze ich dieses auch einmal, um für mich bei der aktuellen Gemeinderatswahl etwas Werbung zu machen.

Inzwischen dürften auch alle Heilbronner ihre Wahlbenachrichtigung im Briefkasten vorgefunden haben. Wer als Heilbronner und Unionsbürger über 16 Jahre noch keine solche Wahlbenachrichtigung erhalten hat, der sollte sich in den kommenden Tagen beim Rathaus informieren, wie er noch in das Wählerverzeichnis der Stadt Heilbronn aufgenommen werden kann — das sollte eine sehr einfache Angelegenheit sein.

Und wer bereits die Wahlbenachrichtigung vorliegen hat, der kann jetzt seine Briefwahlunterlagen anfordern oder ganz einfach am Sonntag, den 9. Juni 2024 wählen gehen; das dafür vorgesehene Wahllokal steht auf der Wahlbenachrichtigung.

Am 9. Juni 2024 können wir Heilbronner gleich zweimal wählen, nämlich die 96 Abgeordneten des Europäischen Parlaments, die wir Deutschen ins Parlament nach Straßburg entsenden. Meine große Bitte hierbei: gehen Sie wählen und geben Sie einem Kandidaten der demokratischen Parteien Ihre Stimme! Wer sich dabei nicht ganz sicher ist, der darf sich gerne bei mir erkundigen.

Bei der zweiten Wahl wählen wird die 40 Gemeinderäte der Stadt Heilbronn. Für diese Wahl stehe ich auch als Kandidat zur Verfügung und möchte gerne auf der Liste der Freien Wähler als Stadtrat gewählt werden. Dafür benötige ich gut 7 000 Stimmen meiner Mitbürger! Schön wäre es, wenn ich von 7 000 Mitbürgern gleich drei Stimmen bekäme, dann wäre mir wohl der Einzug in den Heilbronner Gemeinderat sicher — man darf ab und zu doch noch träumen dürfen, oder?

Auf alle Fälle aber freue ich mich schon jetzt über jede Stimme, so wie schon etwas länger über jeden Leser! Und bin gespannt darauf, wie viele Heilbronner mir diese Mal ihr Vertrauen schenken.

Ich kann allen Heilbronnern versichern, dass ich mich als Gemeinderat für die Belange der Stadt Heilbronn und die meiner Mitbürger einsetzen werde und dies nach bestem Wissen und Gewissen!


Paella

5.5.02024 5 (9)

Beitragsfoto: Paella im Werden

Ausblick

Zum Abschluss des Wochenendes gab es einen entspannten Tanzabend. Morgen früh geht es wieder wie gewohnt weiter und am kommenden Wochenende steht ein Besuch an meiner Alma Mater an; ist schon eine ganze Weile her, dass ich dort war, und inzwischen steht bereits mein Ältester vor seinem Abschluss.

Und so hoffe ich, dass der Wahlkampf diese Woche etwas angenehmer als bisher wird. Erfreulicher wird es zumindest bei den beiden kommenden Stammtischen zugehen, ich bin einmal gespannt, ob auch andere Wahlkämpfer die Zeit finden werden, um dort vorbeizuschauen.

Schön, dass kommende Woche Christi Himmelfahrt und einer der beiden Europatage zusammenfallen, dies wird sicherlich für etwas Entspannung sorgen. Aber auch hierbei gilt, es wäre schön und gut gewesen, wenn es zumindest einer der beiden Europatage in den letzten Jahrzehnten selber zum Feiertag geschafft hätte. Auch dies ist wieder ein Beweis dafür, wie ernst es den politischen Entscheidungsträgern tatsächlich mit einem geeinten Europa ist — von einem Bundesstaat ganz zu schweigen.

Wochenende

Gleich zu Beginn des Wochenendes konnte ich mich mit Detlef Stern zu einem Käffchen treffen, dies bevor wir jeder als Vorlesepate in eine Klasse der Dammgrundschule gingen. Dies erinnerte mich wieder daran, wie man inzwischen in der Stadtverwaltung die Hausmeister der Schulen und weiteren öffentlichen Gebäuden verheizt, denn kurz zuvor hatten wir Freien Wähler eine Halle übernommen, die in einem grauenhaften Zustand war. U. a. die Küche musste von uns erst grundgereinigt werden, wobei wir feststellten, dass in der großen Kaffeemaschine noch der Kaffee vom letzten Fest schwamm. Zu unserer Unterstützung hat man dann den Hausmeister der Dammgrundschule geschickt.

Man muss schon sehr lange suchen, wenn man noch eine städtische Aufgabe finden möchte, die unsere Stadtverwaltung im Griff hat. Was keinen verwundert, da unsere städtischen Mitarbeiter vom OB hauptsächlich für die Weltraumforschung und die Erschließung künstlicher Intelligenz eingesetzt werden; ok, ab und zu verschenken sie auch noch Hunderttausende von Tulpen an Durchreisende.

Das Vorlesen selbst war entspannt, danach ging es zum nächsten Termin und kurz darauf durfte ich noch Orangen für unseren Wahlkampf besorgen. Der erste Informationsstand am Samstag war sehr angenehm, wir kamen mit Bürgern und den anderen Wahlkämpfern ins Gespräch. Nachmittags ging es noch zu einem Freie Wähler-Grillen nach Biberach. Artur Lorenz hatte sich so richtig ins Zeug gelegt und dafür gesorgt, dass es das beste gegrillte Fleisch seit Längerem gab. Meine bessere Hälfte und ich verglichen dies sofort und unisono mit einem ganz bestimmten argentinischen Restaurant, das wir eigentlich längst wieder einmal aufsuchen sollten! Zumindest was das Fleisch anbetraf, war an diesem Tag Biberach die erste Adresse, wer dafür in den Wertwiesenpark ging, ist selber schuld.

Abends entspannte ich mich noch bei einem Spieleabend und konnte einen richtig monströsen Sieg davon tragen. Einer meiner Jungs knabbert noch heute daran: wo es Sieger gibt, muss es auch Verlierer geben! Eine Erkenntnis, der wir uns allesamt wieder verstärkt bewusst werden sollten. Beim Spielen kann man das Verlieren in einem angenehmen Umfeld ertragen lernen und in den Wahlkämpfen in einem weniger angenehmen Umfeld üben. Im echten Leben sollte man aber möglichst dafür sorgen, dass man zu den Siegern gehört. Was mich an die aktuellen Studenten und an das Gespräch mit Detlef Stern erinnert: im Gegensatz zu Schülern sind die meisten Studenten bereits erwachsen und sollten deshalb um die Folgen ihres eigenen Handelns wissen und diese dann auch ertragen können.

Der heutige Tag steht nun voll und ganz im Zeichen einer Paella; was übrigens ganz gut zum heutigen Datum passt. Wer Paella kennt, der weiß, dass es jetzt nichts weiteres mehr zu berichten gibt. Über das Datum selbst habe ich bereits einige Blog-Beiträge und auch Bücher geschrieben.

Plakate

Was mich nun doch aufregt ist, dass ich vor Kurzem vier Plakate in der Nähe der Kolping Schule in der Bahnhofstraße auf Aufforderung der Stadtverwaltung entfernte. Denn als ich mit meiner Arbeit fertig war, stellt ich fest, dass eine Partei ihr Plakat direkt vor dem Eingangsbereich der Schule platziert hatte.

So richtig rege ich mit deswegen auf, weil in der städtischen Aufforderung von einem Plakat die Rede ist und ich nun befürchte, dass die städtischen Mitarbeiter wieder einmal nur die Parteien und Wählergruppen untereinander verwechselt haben und eigentlich die Partei mit dem sehr prominent platzierten Plakat meinten. Manche Mitstreiter reagieren auf städtische Aufforderungen schon gar nicht mehr, weil man diese kaum noch ernst nehmen könne — ich bin da leider noch etwas anders gestrickt und reg mich jetzt auf, aber mehr über mich selbst!

Vielleicht wäre es gar keine schlechte Idee, wenn wir die für den Wahlkampf verantwortlichen städtischen Angestellten einfach in den Urlaub schicken und wir Wahlkämpfer ganz entspannt wahlkämpfen.

Alternativ könnte der zuständige Bürgermeister mit seinem Stab und den vielen städtischen Plaketten und Genehmigungen bis zum 9. Juni 2024 zu einer Weiterbildung in Parteienkunde und Wahlplakateerkennung nach Malle reisen. Dabei könnten sie sich auch gleich über die Vorzüge und Nachteile unterschiedlicher Bäbber erkunden.