Reality

Informationsverarbeitung 4 (3)

Beitragsfoto: Beispielbild | © Pixabay

Anlass

Motiviert von einem Tweet, der aus einer sehr interessanten Chat-Runde resultiert, in der ich das Glück habe, jener Teilnehmer zu sein, der von allen anderen noch etwas lernen kann, habe ich mich spontan dazu entschlossen, einmal etwas über die Vertrauenswürdigkeit einer Information zu schreiben und wie ich selbst Informationen einschätze.

Notwendigkeit

Gerade in Situationen, die sehr komplex, absolut unübersichtlich und zudem existentiell bedrohend sind, kommt es ganz besonders darauf an, wie man mit Informationen umgeht — also diese verarbeitet.

Deshalb haben gerade die Streitkräfte weltweit Systeme entwickelt, wie man Informationen einschätzen, bewerten, kennzeichnen und verarbeiten muss. Solche Systeme sind allerdings für unsere „heile Welt“ zu komplex und würden zudem die meisten Nutzer überfordern.

So habe ich für mich und meinen persönlichen Gebrauch ein einfaches Farbsystem entwickelt, mit dem ich bisher ganz gut zurecht kam. Jetzt, da es gilt, dieses ggf. auch in ein digitales Zettelkastenumfeld zu integrieren, habe ich es nochmals geringfügig überarbeitet.

Drei Dinge halte ich an einer Information für wichtig, (1) ihre Relevanz für mich, (2) die Qualität der Information an sich und (3) die Vertrauenswürdigkeit der Quelle. Diese drei Kriterien fasse ich wie folgt zusammen: von AA1 bis zu CC3.

Relevanz

A = Need-to-know

B = Nice-to-know

C = Small Talk

Qualität

A = überprüft und durch mindestens einer weiteren Quelle bestätigt

B = überprüft

C = ungeprüft

Vertrauenswürdigkeit

1 = Quelle vertrauenswürdig

2 = Quelle bekannt

3 = Quelle nicht vertrauenswürdig

Bei der Bewertung ist allerdings folgendes zu beachten:

  • die Relevanz ist beim persönlichen Gebrauch eine eigene Entscheidung, unterliegt aber im beruflichen Umfeld meist bestimmten Vorgaben. Auch kann sich diese Einschätzung ändern;
  • bei der Qualität ist darauf zu achten, dass die „weitere Quelle“ nicht einfach nur eine Kopie der ersten ist. Beispiel: ein Zeitungsartikel, anderer Zeitungsartikel und DPA als deren gemeinsamer Quelle –> damit ist die Information nicht von weiteren Quellen bestätigt!
  • die Vertrauenswürdigkeit der Quelle hängt nicht von der persönlichen Sympathie ab, sondern alleine davon, welche Qualität die bereits erhaltenen Informationen hatten.

Jetzt schaue ich einmal, wie meine Kurzbeschreibung vom Zettelstore-Erfinder angenommen und vielleicht sogar implementiert wird.

Auf jeden Fall aber empfehle ich allen, die Informationen erhalten und bewerten, dass sie grundsätzlich darauf achten, diese von mindestens einer weiteren Quelle bestätigt zu bekommen, bevor sie entsprechende Maßnahmen ergreifen, vor allem dann, wenn man diese später nicht mehr rückgängig machen kann.

„When we hear news we should always wait for the sacrament of confirmation.“

Voltaire, Brief an den Comte d’Argental (28. August 1760)

Beitragsfoto: Affenmusik | © Pixabay

26.5.02021 5 (1)

Beitragsfoto: Affenmusik | © Pixabay

Abzocker

Die Zeiten, in denen man noch behaupten konnte, dass unsere Abgeordneten unterbezahlt seien, sind längst vorbei — wenn es diese überhaupt jemals gab. So können wir zumindest heutzutage ganz beruhigt sein, denn unsere Abgeordneten werden für ihre „Volksvertretung“ sehr gut alimentiert, wobei sie letztendlich nicht einmal dazu verpflichtet sind, diese Tätigkeit auch wahrzunehmen.

Hinzu kommt noch, dass es ihnen immer erlaubt ist, ihren Beruf oder andere Aufgaben weiterhin vollumfänglich wahrzunehmen. Und um das Ganze noch abzurunden, dürfen sie sich für ihre ureigene Abgeordnetentätigkeit, wie zum Beispiel „reden“ oder daraus resultierende Mandate, zusätzliche Einkünfte sichern. Dabei spielt es nicht einmal eine Rolle, wenn die Diäten eines Abgeordneten für diesen dabei nur noch die Qualität von Portogeld haben.

Deshalb ist es völlig unverständlich, wenn unsere Abgeordneten einzelne Einkünfte nicht mit angeben oder gar dem Finanzamt vorenthalten und sich darüber hinaus weitere geldwerte Vorteile verschaffen — und das, wie wir jetzt wissen, über alle Parteigrenzen hinweg!

Zettelstore

Nicht nur, dass ich mich seit einiger Zeit mit dem Zettelstore auseinandersetze und meine Gedanken damit etwas besser sortiere, gibt es jetzt dazu eine monatliche Chat-Runde, die zusätzliche Anregungen und Hinweise bietet. So freue ich mich, heute wieder daran teilnehmen zu dürfen.

Stadtverwaltung

Es soll Städte geben, da kann man als Bürger tatsächlich noch Anfragen, Anträge oder gar Bitten stellen und bekommt dabei nicht nur innerhalb von vier Wochen eine Eingangsbestätigung, sondern auch eine qualifizierte Antwort.

Es soll sogar vorkommen, dass dabei die Bürgeranliegen auch im Interesse der Bürger bearbeitet und umgesetzt werden. Mein jüngstes positives Beispiel ist eine Spielwiese neben einem Sportzentrum in Ulm, welche von Ortskundigen gerne als Umfahrungsstraße genutzt wurde. Ca. eine Woche nach meinem entsprechenden Anliegen wurden bereits Findlinge gesetzt, und nach einem weiteren Hinweis, diese auch bitte so zu platzieren, dass die ganz unbelehrbaren Mitbürger nicht einfach drumherum fahren, auch entsprechend nachgesteuert.

Die negativen Beispiele aus den letzten sieben Jahren erspare ich mir, da jene Mitbürger, die in einer Stadt nicht nur ihren Wohnsitz haben oder diese nur als sogenannte Schlafstadt nutzen, sicherlich mit eigenen Beispielen aufwarten können. Und wenn Sie ganz aktuelle Beispiele möchten, dann empfehle ich ein Gespräch mit einem Ihrer Bezirksbeiräte — oder einem Anwohner der Gerberstraße.


Fliegende Umschläge

E-Mail-Konten 5 (3)

Beitragsfoto: Fliegende Umschläge | © Gerd Altmann auf Pixabay

Bereits Mitte der 1990er-Jahre dürften die meisten Erwachsenen in der westlichen Welt ein eigenes E-Mail-Konto besessen haben, was von den ursprünglichen Entwicklern so eigentlich nie beabsichtigt war. Heute bekommen die Nutzer diese Konten meist von ihrem Arbeitgeber oder ihrer Telefongesellschaft gestellt, manche, vor allem jüngere Menschen, nutzten auch ganz einfach die internetbasierten Angebote, und ehe man sich versieht, hat man mehr eigene E-Mail-Konten, als man tatsächlich auch sinnvoll nutzen kann.

Sehr schnell nutzten vor allem internetaffine Menschen zusätzlich noch eigene Domains und damit auch ganz eigene E-Mail-Konten und bereicherten damit die E-Mail-Welt ganz gewaltig. Hinzu kommen noch Dienste, die für jede x-beliebige Gelegenheit den Nutzern temporäre E-Mail-Adressen anbieten.

Aber darum soll es in diesem Beitrag gar nicht gehen, sondern darum, wie die E-Mail von Anfang an missbraucht wurden, indem man die E-Mail-Konten und -Programme immer mehr für eine E-Mail-Verwaltung und -Ablage nutzte, was heute sogar dazu führt, dass mancher Provider extra Services anbietet, wie die einer automatischen und angeblich „juristisch“ korrekten „ewigen“ Speicherung aller jemals empfangenen und gesendeten E-Mail — was einzig und alleine eine gewaltige Ressourcen- und Energieverschwendung zum Ergebnis hat.

Dabei sollte man sich doch nochmals daran erinnern, was man mit seinen erhaltenen Briefen, Telegrammen oder Telefaxen früher — und vielleicht auch heute noch — gemacht hat. Die wenigsten unter uns haben dafür ein Ablagesystem entwickelt und über Jahre hinweg unterhalten. Meist dürften es Liebesbriefe gewesen sein, die gebündelt in Schubladen verschwanden und Jahrzehnte später bei den Erben für ein Schmunzeln auf den Lippen sorgten. Manche dieser gesammelten Briefwechsel schafften es gar in Literaturarchive, wie zum Beispiel in das in Marbach am Neckar.

Also, warum soll oder muss man heute jede gesendete oder erhaltene E-Mail — manche speichern sogar die nie versendeten Entwürfe — in seinem Postfach speichern und für die Ewigkeit sichern wollen? Die für eine normales Postfach reservierten 2 GB an Speicherplatz reichen bereits jetzt kaum noch aus, und so werden inzwischen bereits Speicherplätze vorgehalten, die jedes nur erdenkliches Maß weit überschritten haben. Ursache dafür könnte sein, dass viele ihre E-Mail-Programme als Eier legende Wollmilchsäue verwenden und diesbezüglich auch keine Bedenken bei der Speicherung und Weitergabe ihrer ganz persönlichen Daten oder weiterer Geheimnisse und ureigener Ideen ganz zu schweigen von Betriebsgeheimnissen haben.

Dabei wäre es doch so einfach, versandte wie auch erhaltene E-Mail auf ihre Relevanz zu überprüfen und ggf. als eigene Datei in einem Zettelkasten oder einer anderen entsprechenden Ablage zu sichern. Und wenn man dann noch den Mut aufbringt, irrelevante E-Mail auch gleich zu löschen, könnte es durchaus geschehen, dass die eigene Arbeit viel entspannter und vor allem auch besser organisiert ablaufen kann. Ich bin fest davon überzeugt, dass mit einem entsprechenden persönlichen Informationsmanagement die eigene Arbeit viel effizienter und letztendlich auch effektiver vonstattengeht. Durch diesen kleinen Trick spart man sich zudem den ein oder anderen Berater und den Kauf unzähliger Management-Bücher oder online Kurse.

„You are going to be doing a lot of writing. Do it well. Phone calls and Hangouts don’t scale. Face-to-face is expensive for distributed groups and therefore rare. Real-time tools like IRC and Slack disadvantage people in minority timezones. And so, in an online community, your main way to communicate is likely going to be email. Which means you need to be good at it. Take the time to write carefully, fully and precisely. And since text is going to do so much of your communicative heavy lifting, consider being a little more explicit about emotional signal-sending than you might be otherwise. (“I am happy …”, “it is sad …”, “I am grateful.”).“

Sue Gardner, A little guide to working with online communities (21. März 2016)