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Unterschiede

Vor Gott sind alle Menschen gleich und vor dem Gesetz sollten sie dies ebenfalls sein, zumindest steht es so in den Verfassungen der freien Welt.

Dabei aber sind es gerade wir Menschen, die die Unterschiede machen, sogar da, wo es offensichtlich gar keine gibt. Und selbst dort, wo wir das Gemeinsame suchen, schaffen wir im Ergebnis das Trennende, zumindest von den ganz anderen.

Unsere Wahrnehmung und die damit einhergehende Verarbeitung von Eindrücken aus der Außenwelt scheint nur aus dem beständigen Abgleich von Gleich oder Ungleich zu bestehen; ähnlich dem Binärcode von Rechenmaschinen.

So hangeln wir uns unser gesamtes Leben an solchen Abgleichen entlang und müssen wohl davon ausgehen, dass dies die Natur der Dinge, zumindest die der unsrigen ist.

Interessant ist es dabei für den Beobachter festzustellen, an welchen Unterschieden sich die einzelnen Menschen festziehen und auch an welchen sie sich kollektiv abarbeiten.

Denn damit schaffen wir Menschen unversehens sogar ganze Ethnien, Volksstämme bis hin zu Nationen. Aber auch Barbaren, „Untermenschen“ oder Behinderte.

Interessant für mich war der erste kollektive Unterschied während meiner Schulzeit. Dieser trennte nicht zwischen Jungs oder Mädchen, dumm oder dämlich, deutsch oder nichtdeutsch, sondern zwischen Schülern mit Geha-Füllern und jenen mit Pelikan-Füllern. Ich hatte übrigens eine Geha-Füller, weiß aber nicht mehr, ob das jetzt gut oder schlecht war.

Später dann unterschieden wir Schüler uns in Heilbronn darin, ob wir die Sommerfreizeit auf dem Gaffenberg oder im AWO-Waldheim verbrachten, und zum Ende unserer Schulzeit, wo wir den Tanzkurs besuchten.

Heutzutage werden bei den Schülern solche Unterschiede wohl eher an den gezeigten „Klamotten“ oder dem Mobiltelefon gemacht, was aber ebenso wenig aussagekräftig ist, wie es damals unsere Unterscheidungen waren.

Später im Leben sind es dann eher die körperlichen Eigenschaften, gezeigte Religionszugehörigkeit, die Muttersprache bzw. mangelnde Sprachkompetenz oder die bevorzugte Kultur, an welchen wir Menschen uns liebend gerne an den anderen abarbeiten.

Die Aussagekraft für uns selbst und unsere Umwelt wird eine ähnliche sein, wie jene zu unserer Schulzeit; aber ohne diese beständigen Abgleiche können wir wohl kaum durch unser eigenes Leben schreiten noch mit anderen Menschen kommunizieren.

Auf jeden Fall aber erspart es uns allen, nach Unterscheidungen zu suchen, die für uns selbst und auch für die anderen Menschen von tatsächlicher Bedeutung sind.

Letztendlich wäre dies der Unterschied, ob wir für die Umwelt und unsere Mitmenschen ein Gewinn waren oder doch nur eine Belastung; also der immer öfters diskutierte ökologische und gesellschaftliche Fußabdruck, den wir am Ende unserer Tage hinterlassen.

Genau diese Unterscheidung scheuen wir allesamt wohl am meisten, und deswegen hangeln wir uns weiterhin lieber an oben erwähnten Abgleichen, besser gesagt, an Nebensächlichkeiten entlang, als den Unterschied erstmals bei uns selbst zu machen und zu versuchen ein Gewinn zu sein.

„There are three classes of men: lovers of wisdom, lovers of honor, lovers of gain.“

Platon, Die Republik (ca. 380 v. Chr., Buch IX)

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