2.8.02021

Heilbronn ist erneut Meister — Inzidenzmeister mit einer Inzidenz von 41,1! — einfach eine „starke Stadt“, so der Oberbürgermeister. Zum Vergleich: Baden-Württemberg liegt heute bei einem Inzidenzwert von 15.

Es sind aber nicht anonyme, heimliche oder gar „ausländische“ Bewohner Heilbronns, die für diese Inzidenzen verantwortlich zu machen sind! Auch nicht die Sangria-geschwängerten „Malle-Rückkehrer“.

Wir alle sind es, da wir uns seit Monaten als Stadtbevölkerung kaum bis gar nicht an die notwendigen Einschränkungen oder Verhaltensregeln halten. Man merke sich, Einzelfälle machen keine Pandemie, da müssen sich schon weit mehr daran beteiligen.

Und wie schon gesagt, eine Pandemie ist eine Krisensituation, so wie die Folgen von Überschwemmungen, Erdbeben oder Orkanen auch. Und genau für solche Krisensituationen haben wir Bürgermeister, Verwaltungen und weitere Institutionen, die uns dabei helfen, diese Situationen so schnell wie möglich wieder in den Griff zu bekommen.

Gäbe es nur Schönwetter, könnten wir uns diese Strukturen zum großen Teil sparen. Und sobald eine Krisensituation auftritt, müssen wir feststellen, ob wir wollen oder nicht, wie gut unsere Bürgermeister, Verwaltungen und sonstige Institutionen aufgestellt sind.

So können wir in Heilbronn ganz froh sein, dass es „nur“ eine Pandemie ist, und wir vom Land sowie auch vom Bund weiterhin unterstützt werden.

Übrigens, nur mit Schönreden und Facebook-Posts lassen sich Inzidenzen kaum senken.

Uwe Sunde von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat es heute so schön auf den Punkt gebracht, indem er seinen Beitrag mit „Land der Verdränger“ überschrieb. In mehreren eigenen Blogbeiträgen hatte ich dieses Thema bereits aufgegriffen und gemahnt, dass man der Realität nicht lange entkommen werden kann. Selbst einem Honecker gelang dies nur ein paar Jahrzehnte lang und dies nicht nur auf Kosten der Ostzone, sondern Gesamtdeutschlands.

Auch wenn wir alle heute noch unter dieser wirklich famosen Realitätsverweigerung leiden, hält es unsere Politik nicht davon ab, dieses bewährte „Erfolgsrezept“ auf unser gesamtes Land auszuweiten. Dabei wird die Politik vom Motto „Nach uns die Sintflut“ geleitet, und, wie bereits mehrfach erwähnt, wir alle machen lustig mit, bis auf diejenigen, die so langsam erkennen müssen, dass für sie die Sintflut etwas zu früh kommen wird.

Das wirklich Schlimme daran ist aber, dass es am Sonntag, 26. September 2021 — Tag der Bundestagswahl — keine einzige Partei geben wird, die sich überhaupt der Realität stellen möchte. Es wird weiterhin für den eigenen Wahlsieg geblendet, gelogen und betrogen, einen „Sieg“, der unser Land zwar weiter an den Abgrund rückt, aber dem Wähler weiterhin seine Leistungsrente sichert.

Die nördliche Innenstadt wird heute erneut mit Versprechungen abgespeist, anstatt, wie in prominenteren Stadtteilen auch, einfach ein paar neue Zebrastreifen in der Gerberstraße und der Lammgasse aufzumalen. Schon alleine das würde bereits helfen.

Zusätzlich könnte man die Kontrollen seitens der Stadt verstärken und den knappen Parkraum überwachen; dann käme es nicht mehr vor, dass abgemeldete Fahrzeuge dort wochenlang Parkplätze blockieren. Auch könnten sich Strafzettel für notorische Parkhausverweigerer, oder „Auswärtige“, die in der Innenstadt arbeiten oder shoppen und deshalb wild parken, bereits kurzfristig positiv auswirken.

Das weitere Hinhalten bis 2028 ist schon pure Verhöhnung der Anwohner und wird bestimmt noch dadurch übertroffen werden, indem sowohl die Lammgasse als auch die Gerberstraße zukünftig zu wichtigen Heilbronner Verkehrsachsen erklärt werden, um die Verkehrsbelastung für den Neckarbogen auf ein Minimum zu bringen.

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