Schwarze Katze

Nostalgie 4.8 (6)

Beitragsfoto: Schwarze Katze |  © Михаил Прокопенко from Pixabay

Dieser Beitrag ist alleine dem Prokrastinieren geschuldet, denn eigentlich sollte ich meine morgige Vorlesung vorbereiten, nur für den Fall, dass Valentin Weber erneut kurzfristig andere Pläne hat.

Den Nachmittag verbrachte ich bei bestem Wetter mit Schnipseln, was dazu führte, dass ich nun ein paar Arbeitstage mit der Entsorgung von Schnittgut in sämtlichen Größen zu tun haben werde. Und so kam meine bessere Hälfte auf die Idee, dass ich mir doch ein Kristallweizen gönnen könnte. Seit ein paar Jahrzehnten trinke ich eigentlich und dies meiner Münchner Zeit geschuldet, Weißbier hell oder dunkel, aber stets mit Hefe.

Challenge accepted! Jüngst bekam ich in einer Heilbronner Lokalität ein solches Getränk und vermisste dabei nicht nur die Zitrone, sondern auch noch das obligatorische Reiskorn. Das kann ich selbst noch besser und genieße nun mein Weizen … und schwelge in Erinnerungen.

Ich hätte nie daran gedacht, dass ich einmal an der Hochschule in Heilbronn Vorlesungen gebe, auch wenn ich über Jahrzehnte hinweg mit Walter Dörr befreundet war, doch so einige Professoren von damals™ ganz gut kannte und aktuell ein wenig ins Grübeln komme, weil jüngst Gerhard Peter, nicht nur wie Walter ehemaliger Rektor der Hochschule, sondern auch noch langjähriges Mitglied in der EUROPA-UNION verstorben ist. Was mich zu der Frage führt (@ Du weißt schon), warum kaum noch jüngere Professoren an der Universität bzw. Hochschule Heilbronn, Mitglied bei der EUROPA-UNION werden.

Aber zurück zu meinem Weizen, die Weißbier genossen meine Kameraden und ich am liebsten im Restaurant gleich neben der Tartanbahn, wo die weniger Fitten ihre Runden zogen und dabei versuchten, die obligatorischen 5 000 Meter in höchstens 23 Minuten herunterzuspulen. Jede einzelne Runde prosteten wir diesen „Spitzensportlern“ zu; zumindest uns hat es gefallen. Heute würden wir wohl wegen Mobbing angefeindet, damals™ erkannten die betroffenen Kameraden, dass es wohl besser wäre, zumindest die Mindestanforderungen für ihren selbst gewählten Beruf zu erfüllen. Leider aber gab es schon damals™ für Inkompetenz keine Konsequenzen mehr. Selbst wer das Studium schmiss, durfte bleiben.

Mein erstes Kristallweizen trank ich als Schüler im „Schwarzen Kater“ in der Lammgasse, damals™ ein beliebter Schülertreff. Studenten gab es nur auf der Durchreise oder hinterm Tresen, zum Studieren mussten wir mindestens nach Heidelberg, Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim, Würzburg oder Tübingen ausweichen.

Es gab noch das eine oder andere Kristallweizen im „Schwarzen Kater“, manchmal gab es sogar eine Mitfahrt mit einem klapprigen R4.

Ab 1984 trank ich mein Weißbier in München, später wurden es dann Kölsch in Köln und weitere Biere im Rest der Welt.

Aber ab und zu, wenn ich heute noch durch die Lammgasse schlendere, denke ich an diese kleine Kneipe um die Ecke. So habe ich diesbezüglich gleich mal bei Thomas Aurich nachgefragt, denn er hatte wohl Ende 1980 dort angefangen, und während ich diese Zeilen schreibe, eine Antwort von ihm erhalten. Wir dürften uns damals™ bereits begegnet sein, ohne uns aber schon zu kennen.

Seine Erinnerung: Witzige Kneipe. Eröffnet von Konny Freyer und Reinhold Munz. Davor war es die Weinstub der Familie Störzbach, die „Schwarze Katz“. Als er dort begann, war aber nur noch Reinhold Munz der Pächter. Alles voll mit Antiquitäten. Drei Zielgruppen auf 60 Quadratmetern, heute undenkbar. Am Tresen Studenten, am Stammtisch Aborigines, im Gastraum Schüler. Nach 14 Tagen war er dort Geschäftsführer. Ende 1981 ging er bereits aber ins Praxissemester nach Korsika. 

Als er von dort zurückkam, war der „Schwarze Kater“ an Ede Wolf verpachtet. Sein damaliger Chef Reinhold Munz wollte mit ihm als Partner die Altstadt in Angriff nehmen. 

Das Haus in der Lammgasse wurde kurz darauf verkauft, wobei der neue Besitzer die Pacht mehr als verdoppelte. Alle Nachpächter hatten kein Glück und so wurde der „Schwarze Kater“ ein Teil der Heilbronner Geschichte.

Ich trinke jetzt doch noch ein Kristallweizen auf diese kleine Kneipe und bin einmal gespannt darauf, ob meine Leser sich ebenfalls daran erinnern können.


Beitragsfoto: Rathaus Heilbronn | © Shutterstock

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Beitragsfoto: Rathaus Heilbronn | © Shutterstock

Ausverkauf

Der Angriffskrieg auf die Ukraine wird klammheimlich dazu genutzt, um wohl in einer ersten Stufe Ungarn, Polen, Rumänien und Bulgarien in lupenreine Diktaturen umzubauen.

Unter der Schirmherrschaft von Ursula von der Leyen wurde gestern Ungarn zur Diktatur.

Heute können wir erfahren, dass der rumänische Staatspräsident Klaus Iohannis bereits am Freitag ein Gesetz unterzeichnete, das den Kampf gegen Korruption und organisierte Kriminalität erschwert.

Und Polen hat nun ganz offiziell (10. März 2022) die Europäische Menschenrechtskonvention abgelehnt, so wie die Russische Föderation auch.

Vom Europäischen Parlament oder von der Bundesregierung ist dazu nichts mehr zu hören. Und im Falle, dass sich das ungarische Modell bewährt, werden wir bald auch bei uns die ersten entsprechenden Änderungsvorschläge hören können.

Wegducker

Es ist schon erstaunlich, was bei uns in Deutschland geschieht, wenn man Massenmorde, Massenvergewaltigungen und andere Kriegsverbrechen „unserer Waffenbrüder“ aus dem Osten nicht mehr nur ignorieren kann. Wenn es sich hingegen und auch nur um vermeintliche Schandtaten der US-Amerikaner oder gar der Bundeswehr handeln würde, ja dann zöge die „Friedensbewegung“ zusammen mit der Linken, den Grünen, der SPD und den Gewerkschaften durch sämtliche Städte, und die restlichen Parteien würden zumindest Untersuchungen und schwerwiegende Konsequenzen ankündigen.

Heute ist es so, dass wir alle über YouTube und andere Kanäle fast in Echtzeit an den Kriegsverbrechen der Russischen Föderation und ihrer Verbündeten teilhaben können.

Und der beste Putin-Freund alle Zeiten, Gerhard Schröder, duckt sich weg. Die letzte Kanzlerin, Angela Merkel, ist unbekannt verzogen. Bundespräsident und Bundeskanzler wollen sich nicht mehr daran erinnern, dass sie beide noch bis vor Kurzem die besten Beziehungen in die Russische Föderation oder zu russischen Oligarchen unterhielten, so wie auch einige Ministerpräsidenten und Parteivorsitzende der anderen Parteien.

Das politische Deutschland duckt sich insgesamt weg! Einzig ein paar Städtepartnerschaften und andere offizielle Freundschaften werden etwas ruhen gelassen.

Ganz nebenbei signalisiert man Vladimir Putin, dass das auch nur vorübergehend sei, und dass das mit der Sanierung der Bundeswehr eh nicht ernstgemeint war, ganz zu schweigen davon, dass man sich zukünftig tatsächlich um Alternativen für seine Rohstoffe kümmern möchte.

So hofft jetzt das politische Deutschland darauf, dass bald irgendwo in der Welt ein US-Amerikaner bei einem Einsatz einen groben Fehler macht: dann ziehen wir wieder allesamt durch die Straßen und Talk-Shows und verdammen den US-Kapitalismus bis aufs Schärfste!

Bis dahin wirbt das politische Deutschland um Verständnis für die angespannte Situation im Osten, weist behutsam auf die Fehler des Westens und insbesondere des Kapitalismus hin, die — wie wir doch alle wissen — die eigentlichen Verursacher allen Übels sind, und demontiert weiterhin, langsam aber sicher, sowohl die NATO als auch die EU. Die Gründe dafür sind zweigeteilt: die einen möchten damit wieder unser doch so erfolgreiches Großdeutschland herstellen und die anderen endlich dem Sozialismus zum Endsieg verhelfen.

Freiheit und Demokratie spielen dabei überhaupt keine Rolle. Menschenrechte, was ist das überhaupt?!

Hätte das politische Deutschland daran tatsächlich Interesse, würden wir heute darüber lesen können, wie Viktor Orbán die Demokratie in der EU zerlegt hat, und wie jetzt unsere Politiker die restliche EU retten wollen, bevor Vladimir Putin sein erstes Etappenziel bei der Eroberung Gesamteuropas erreichen kann.

Turmstraße

Seit meiner Kindheit in den 1960er-Jahren — wahrscheinlich auch schon davor — will die Stadt die Turmstraße verschönern, vor ein paar Jahrzehnten hatte man dazu sogar gute Ideen und uns u. a. die Hebung der Pfühlbachs versprochen. Da aber bis heute weder ein Bürgermeister noch ein Stadtrat persönliche Interessen an der Turmstraße hat, ist auch nichts passiert.

Jetzt schreiben wir das Jahr 2022 und das Land (!) hat tatsächlich viel Geld zum Umbau der Turmstraße bereitgestellt. Jetzt soll tatsächlich etwas geschehen — bis 2029 könnte es dieses Mal dann soweit sein. Nach weit mehr als 70 Jahren kann man die Stadtverwaltung dafür sicherlich nicht mehr loben!

Leider ist inzwischen auch der Baum verschwunden, den wir noch als Kinder in einer ehrenamtlichen Aktion etwas gepflegt hatten, so wie auch ein Baum ein paar Hundert Meter weiter, der den persönlichen Interessen eines Stadtrates von den Grünen (Karl-Heinz Kimmerle) entgegenstand.

Und so muss ich mich wohl auch nicht mehr darüber wundern, wenn jetzt die Grünen (Heilbronner Stimme, 4.4.2022: 30) sich dafür stark machen, dass die Autos nicht aus der Turmstraße entfernt werden. Man kann noch damit leben, dass die Autos, die aus der Lammgasse kommen und jene am Ende bei der Gerberstraße die Turmstraße queren, dann allerdings nur auf sehr breiten Zebrastreifen, die den Fußgängern den Vortritt einräumen. Alles andere ist für die Turmstraße aber nicht mehr zu vertreten.

Und das Gute daran ist, man könnte das schon heute ohne jegliche zusätzliche Kosten umsetzen! Aber so werden wohl die Autos weiterhin, und bis weit in die 2030er-Jahre hinein, dort den absoluten Vorrang haben. Und dies, obwohl nach Aussagen der Stadt gleich bei zwei öffentlichen Parkgaragen, je eine am jeweiligen Ende der Turmstraße, mehr als genügend Parkplätze zur Verfügung stehen und unnötige Kosten verursachen.

Apropos Kosten. Ob es am Ende des Turmstraßenumbaus auch eine Kostenaufstellung gibt, die aufzeigt, wie viel Geld tatsächlich in den Umbau und wieviel Geld für die, den Umbau begleitende Maßnahmen, Experten und Berater, geflossen ist?

Geburtstag des Tages

Bettina von Arnim


Beitragsfoto: Allee | © Shutterstock

2.2.02022 5 (4)

Beitragsfoto: Allee | © Shutterstock

Anfragen

Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll, denn seit kurzem mehren sich die Anfragen, wann denn die erste vorbereitende Sitzung, oder an welchem Tag denn der Treffpunkt Europa stattfindet.

Da man in Heilbronn wirklich für alles Geld hat, außer für die Bürger — vor allem dann nicht, wenn diese einen Migrationshintergrund haben — vor Ort, konnten wir bereits die letzten Treffpunkte Europa nur noch bedingt veranstalten und zogen dann entnervt die Reißleine. Ich hatte darüber schon mehrfach hier in diesem Blog berichtet; deshalb erspare ich mir auch eine weitere Verlinkung.

Sobald sich die Wogen der OB-Wahl geglättet haben, und die Stadtverwaltung wieder ihre gewohnte Routine — man den Aussagen dann auch mehr Glauben schenken kann — aufgenommen hat, wird die EUROPA-UNION, wie angekündigt, erstmals mit ihren Partnervereinen Verbindung aufnehmen und dann gemeinsam prüfen, ob es überhaupt noch Sinn macht, um unter den gegebenen Umständen über einen weiteren Treffpunkt Europa nachzudenken.

Sollte dies dann doch der Fall sein, muss man weiter prüfen und so weiter und so fort … wie bereits mehrfach erwähnt, es ist nicht einfach, Dinge zu reaktivieren, die erst einmal weggefallen sind.

Deshalb sollten verantwortungsvolle Politiker, ob Stadtrat oder Bürgermeister, lieber zweimal darüber nachdenken, bevor sie Bürgerfeste aus rein persönlichen Gründen heraus kaputtmachen.

Neckarbogen

Eine sehr gute Idee vom damaligen Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach, die mit ihren ursprünglichen Zielen auch eine Bereicherung für alle Heilbronner und die Gesamtstadt geworden wäre. Dann aber musste unter seinem Nachfolger aus einer durchaus vernünftigen Stadtentwicklung etwas ganz besonderes für noch besondere Menschen werden.

Und so blieb wohl als erstes die Idee einer neuen Kranenstraße auf der Strecke, die den neuen Stadtteil tatsächlich besser an die Gesamtstadt angebunden und insgesamt die städtische Infrastruktur weit vorangebracht hätte. Aber zumindest die Kernstadt-Heilbronner verließen sich bis zuletzt auf die Versprechen des Gemeinderats und der Stadtverwaltung, nämlich, dass durch den, für alle notwendigen Ausbau der Paula-Fuchs-Alle, der Neckarbogen nicht nur gut an die Reststadt angebunden wird, sondern damit auch die nördliche Innenstadt eine signifikante Verkehrsentlastung erfährt.

Wie wir seit längerem lesen dürfen, diskutieren Gemeinderat und Stadtverwaltung darüber, dass aus der Paula-Fuchs-Alle eine Susanne-Bay-Sackgasse wird, und damit auch die Verkehre des Neckarbogens über die Gerberstraße und die Lammgasse geführt werden müssen.

Dafür spendiert die Stadt den besonderen Menschen im Neckarbogen, die diesen mit erwartungsgemäß gut 6 000 Autos (für 4 000 Anwohner und 1 000 Beschäftigte sowie deren Besucher und weitere Fremdparker) teilen werden, eine Quartiersgarage. Und da die Stadtbusse wohl kaum in eine Sackgasse einfahren werden, ist auch eine Anbindung des Neckarbogens mit öffentlichen Verkehrsmitteln illusorisch. Genau so wie die Nutzung des Blitzes durch Radfahrer — ich sehe schon wie Hunderte Radfahrer sich zu Schulbeginn um die Aufzüge der Brücke balgen.

Dafür können wir dann jeden Morgen und jeweils zu Schulschluss eine Karawane, welche mit bis zu 1 000 Müttern in bis zu 1 000 SUV ihre bis zu 1 000 Kinder über die Bleichinselbrücke transportiert, bewundern. Zu meiner Schulzeit fand das Schaulaufen noch in der Rollschuhhalle gleich daneben statt.

Da wir in Heilbronn aber auch die kommenden Jahre so weitermachen werden, genau so wie bisher, werden auch noch weitere wundersame Entwicklungen zu beobachten sein. Was mir aber als Heilbronner so richtig weh tut, weil ich zusehen muss, wie man eine an sich gut aufgestellte Stadt so hemmungslos herunterwirtschaftet — Potemkinsche Universitäten, Stadtteile oder Forschungszentren helfen da auch nicht viel weiter.

Verkehrsclub Deutschland zieht Bilanz zur Mobilitätspolitik des OB in HN

Am 31. Januar 2022 veröffentlichte der Regionalverband Hall-Heilbronn-Hohenlohe des Verkehrsclub Deutschland (VCD) seine Bilanz zur Mobilitätspolitik des Heilbronner OB seit 2014. Erwartungsgemäß fällt auch diese nicht sehr positiv aus.

VCD-Vorstand Hans-Martin Sauter zeigt sich sehr enttäuscht: „Harry Mergel lobt sich vor allem für die Ausweisung von Gewerbegebieten und den Ausbau der A6. Beim Öffentlichen Verkehr gab es jedoch nur marginale Verbesserungen, der Radwegeausbau erfolgt nur schleppend. Bei allen Themen, die die Verkehrswende und den Klimaschutz voranbringen könnten, hat Harry Mergel leider keinerlei großes Engagement gezeigtMan habe eher den Eindruck gewonnen, dass der OB im Zweifelsfall seine Hand schützend über die Autofahrer halte und so zum Beispiel auch eine Verkehrsberuhigung der nördlichen Innenstadt verhindere.”

Auch wenn ich selbst nicht mit allen Zielen oder Analysen des Beitrags übereinstimme, ist diese wieder ein Beispiel dafür, wie man in der Heilbronner Politik Stillstand und Rückschritt als fortschrittlich verkauft. Und der Heilbronner OB ist dafür die Galionsfigur, die seit Jahrzehnten für uns Heilbronner nicht wirklich Erfolgreiches vollbracht hat und deshalb gerade zu prädestiniert für das „Weiter so“ ist.

Das Einzige, was mich deshalb erstaunt ist, dass der VCD noch 2014 „große Erwartungen in Harry Mergel gesetzt, nachdem dieser angekündigt hatte, dass das Thema ‚Mobilität‘ ganz oben auf seiner Agenda stehen würde.“  

Nur kommt diese Ernüchterung etwas zu spät, denn der OB wird am 6. Februar 2022 erneut ins Amt gehoben, und das nur „Weiter so!“ wird dann acht lange Jahre gefeiert und zelebriert werden. Sollte es danach einen OB geben, der tatsächlich etwas zum Positiven verändern möchte, dann habe ich jetzt schon mit diesem mehr als Mitleid.

Geburtstag des Tages

James Joyce