20.4.02022

Affen als Musikanten | © Pixabay

dpd

Ich wundere mich noch, wer da vor der Haustüre herumkreucht, was man bei einer Glastüre gut sehen kann, und denke mir dabei, dass wenn er etwas von uns möchte, dann klingelt er.

Kurz darauf gehe ich zum Briefkasten und finde eine dpd-Karte „Ihr Paket ist da!“ und dem zusätzlichen freundlichen Hinweis, dass ich auch mein Abstell-Okay geben kann. Dies habe ich schon sehr lange erledigt, und manche dpd-Boten sind auch in der Lage, dies umzusetzen. Während ich diese Zeilen schreibe, konnte das ein Bote der Konkurrenz ohne Probleme machen. Er hat zusätzlich noch geklingelt und so konnte ich mich auch noch bei ihm bedanken.

So bleibt mir jetzt nur, im Internet nach dem „Pickup Paketshop“ von dpd zu forschen, der sicherlich am anderen Ende der Stadt liegt.

Dass dpd das wirklich Allerletzte ist, hatte ich schon einmal geschrieben. Und seither hat sich nicht viel verändert.

Jetzt habe ich doch gleich noch nach dem „Pickup Paketshop“ geforscht und erhalte zur Info, dass mein Paket in etwa einer Stunde zugestellt werden soll. Auch habe ich dort vier Änderungsoptionen, u.a. kann ich mein Abstell-Okay geben — leider stehen die „grau hinterlegten Änderungs-Optionen … nicht zur Verfügung.“

Jetzt weiß ich zumindest, um welches Paket es sich handelt und kann bei der Firma nachfragen, wie oft ich die Annahme bereits verweigert hätte. Aber warten wir nochmals die eine Stunde ab, es soll ja noch Wunder geben.


Nachtrag:

Kaum waren zwei Stunden vorüber, konnte ich nachlesen, dass ich das Paket in einem „Pickup Paketshop“ zu Pizzalieferservice-Zeiten abholen könne, ganze 10 Tage lang. Allerdings nur dann, wenn ich vom Adressaten auch eine Vollmacht besitze. Diese muss ich mir nun besorgen und danach spazieren gehen.

Renten

Unsere Umwelt verabschiedet sich so langsam aber sicher, und weil es bei uns weit populärere Themen gibt, auch ganz still und heimlich. Unsere Ressourcen gehen langsam zur Neige und — ich hatte dies schön öfters thematisiert — keinen interessiert es, so lange man selbst noch glaubt, bis zum eigenen Ableben alles geliefert zu bekommen.

Und so ist es nun auch kein Wunder mehr, dass man auch ohne größeres Murren akzeptiert, dass demnächst aus 2,3 Billionen Euro Staatsschulden gut 4 und gerne noch mehr werden — denn die Politik hat uns glaubhaft versichert, dass die Rückzahlung dieser Schulden frühestens die Enkelgeneration trifft.

Und selbst moralische Fragen wie die einer Kriegsschuld können wir locker dadurch entgehen, dass wir weiteres Geld ausgeben und dabei auch noch unsere Bundeswehr weiter zerstören. Jetzt darf diese auch noch ihre letzten funktionierenden Waffen der Industrie zur Verfügung stellen, damit diese sie gewinnbringend verkauft — alleine auf Kosten des Steuerzahlers versteht sich.

Unsere letzten Bedenken, dass solch eine Politik vielleicht nicht tragfähig sein könnte, werden jetzt dadurch zerstreut, indem Hubertus Heil mit einem neuen Rentenpaket langfristige Weichen für die Zukunft der Rente in Deutschland stellt. „Erstens: Wir sorgen dafür, dass das Rentenniveau stabil bei 48 Prozent bleibt, und zwar langfristig. Und zweitens: Wir stellen die Finanzierung der Rente auf eine breite Basis mit dem Aufbau eines Kapitalstocks.“ (Heilbronner Stimme, 20.4.2022: 1).

Dass diese Rente jetzt schon gut 400 Milliarden im Jahr, darunter gut 100 Milliarden an Steuergeldern kostet, ist bei uns völlig normal — wir haben uns dies als die letzten wirklichen Leistungsträger und menschliche Elite doch alle mehr als verdient. Das neue Rentenpaket wird nun sicherlich dafür sorgen, dass unsere Staatsausgaben mehrheitlich für den Verbrauch ausgegeben werden: da bleibt kein Geld mehr für Umwelt, Forschung, Bildung oder gar eine Bundeswehr übrig, die nicht einmal über 50 Milliarden Euro im Jahr verfügen darf, nicht einmal die Hälfte der Gelder, die wir völlig illegitim jährlich in die Rentenzahlungen stecken.

Und wie schon gesagt, der Weltuntergang interessiert uns nicht, Hauptsache unsere Renten sind sicher!

Volkszorn

Der Volkszorn ist heute digitalisiert und wird in den sozialen Medien zelebriert. Die Gefahr dabei ist, dass gerade jene Parteien, deren Programm von Opportunismus geprägt ist, damit immer schneller ihre eigene Richtung ändern und letztendlich selbst in der ein und derselben Partei kein Konsens mehr herzustellen ist.

Das „Problem“ mit dem Volkszorn ist dabei schon immer vorhanden gewesen und wird heute dank der Medien nur wesentlich besser instrumentalisiert. Und aus aktiven Minderheiten, wie z.B. den Ostermarschierern oder Querdenker-Spaziergängern, werden so sehr schnell vermeintliche Mehrheiten, denen man unbedingt folgen muss, nur um selbst noch akzeptiert zu bleiben.

Und wann dann aus einer Minderheitsmeinung plötzlich eine Mehrheitsstimmug wird, hängt immer mehr von Bots und Algorithmen ab, weniger noch von sehr professionellen und zugkräftigen Agitatoren. So liegt unsere letzte Hoffnung darin, dass sich die konkurrierenden „Mehrheitsmeinungen“ gegenseitig aufheben oder wenigstens etwas egalisieren. Und bereits der alte Goethe meinte:

„Nichts ist widerwärtiger als die Majorität; denn sie besteht aus wenigen kräftigen Vorgängern, aus Schelmen, die sich akkommodieren, aus Schwachen, die sich assimilieren, und der Masse, die nachtrollt, ohne im mindesten zu wissen, was sie will.“

Johann Wolfgang von Goethe, Maximen und Reflexionen (2013: 72)

Und so sollte man sich spätestens dann darüber doch so einige Gedanken machen, wenn man plötzlich merkt, dass man eine Mehrheitsmeinung vertritt.


Geburtstag des Tages

Joan Miró

2 thoughts on “20.4.02022

  1. Mit den Paketdiensten habe ich überwiegend negative Erfahrungen gemacht!

    Von dpd hatte ich mal eine Karte im Kasten mit der Handschrift „Dein (!) Paket befindet sich im Garten“. Es gibt hier keinen solchen und um welche Sendung es sich handelt ist bis heute ungeklärt. dpd heißt für mich „Deppendienst“.

    Es geht aber noch liederlicher: Der Billiganbieter „Hermes“ kommt immer, wenn ich nicht da bin. Ich leite die Sendungen daher um, für mich ist das ein Getränkemarkt in Sontheim. Noch nie (!) war die Sendung zum bestätigten Termin dort, es hat immer einen Tag mehr gedauert …

    Und seit Monaten treibt mich auch DHL zum Wahnsinn. Obwohl ich 2 Lidl und 1 Kaufland mit Paketstationen in Fußnähe habe, muss ich zur Filiale in die Weinsberger Straße.

    1. Da habe ich wohl mehr Glück. Bei mir ist es nur dpd, die eine Zustellung nicht auf die Reihe bekommen. So lässt sich vermuten, dass dies an den jeweiligen Postboten liegt, wie diese ihre Bezirke bestellen.

      Übrigens, der Pizzadienst, bei dem ich mein Paket abholen musste, nutzte die Gelegenheit, um Werbung für seinen Lieferservice zu machen. Meine Frage, ob sie nicht gleich auch Pakete zustellen können, stieß auf Unverständnis.

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