8.7.02021

Heute durfte ich wieder doch so einiges an Inhalten in unsere Foren stellen, z.B. die EU-Informationen von Jan Bergmann, welche sehr umfangreich aber auch sehr informativ sind und einen guten Überblick über die Entwicklungen im Europarat und in der EU, aus einer juristischer Sichtweise heraus, geben. Und auch Hans Müller war wieder sehr fleissig und stellte gleich vier Artikel zur Geschichte der EU ein; diese sind zwar bereits etwas älter, aber immer noch sehr interessant und lehrreich.

Ist es bereits eine gute Sache, in Schulen vorzulesen, was übrigens bisher noch — zumindest bei uns — auf Grundschulen begrenzt ist, so kann man das Ganze noch toppen, indem man an schulischen Preisverleihungen teilnimmt, bei denen die Jüngsten für ihre ersten Erfolge ausgezeichnet werden. Schon der Anblick der strahlenden Sieger ist Motivation genug. So darf ich auch dieses Jahr wieder, zusammen mit meiner besseren Hälfte, Preise des Europäischen Wettbewerbs aushändigen. Und auch ich lerne noch dazu, denn jetzt weiß ich auch, was ein Twister Tuch ist.

Einen Bundestagsabgeordneten kenne ich heute noch persönlich, der tatsächlich darum bemüht ist, seine Aufgaben als Abgeordneter wahrzunehmen!

Leider sind die Zeiten, in denen Abgeordnete zusammen mit einer Sekretärin Deutschland und Europa bewegten und selbst spontan fundierte Fachvorträge halten konnten, längst vorbei — Hans August Lücker hatte dies bereits 2009 ebenso gesehen.

Das Phänomen Bundestag ist heute ein ganz anderes, denn es gebiert anscheinend „Übermenschen“. Ich spreche schon gar nicht davon, dass Abgeordnete bei ihrem ganz normalen Reise- und Arbeitsalltag, nach eigenen Bekundungen, mehrfach im Jahr erfolgreich Marathons bestreiten, denn es könnten durchaus auch richtige Laufwunder darunter sein. Drollig hingegen finde ich es, wie jemand mit mangelnden eigenen Sprachkenntnissen sich, kaum im Bundestag angekommen, als zur Bildungs- und Leistungselite unseres Landes zugehörig fühlt.

Das könnte aber dem universitären Eigenleben des Bundestages geschuldet sein, denn es wird immer häufiger bekannt, dass man als Abgeordneter nicht nur erfolgreich im Bundestag studieren kann und dort auch einen ersten qualifizierten Bildungsabschluss erhält, sondern immer öfters dort auch promoviert, was Normalsterbliche gut drei bis vier Jahre voll und ganz in Anspruch nimmt und diese oder auch ihre Familien zudem finanziell stark fordert. Unsere entsprechenden Abgeordneten sind aber so leistungsstark und vielversprechend, dass sie sogar bereits bei ihren Bundestags-Promotionsversuchen von Stiftungen zusätzliche Leistungen erhalten.

So ist es auch kein Wunder mehr, dass man im Bundestag auch habilitieren — für Normalsterbliche gut fünf Jahre Vollstress — kann oder gar als Honorarprofessor die künftige Elite Deutschlands mit ausbildet — ich hatte unsere Professoren dabei schon immer im Verdacht, dass sie nicht ganz ausgelastet sind, und einige unsere Abgeordneten bestätigen dies nun auch, indem sie diese wichtige Aufgabe so ganz nebenbei erledigen.

Das Phänomen Bundestag macht manchen Abgeordneten sogar zum Übervater, der sich äußerst liebevoll neben seinem Mandat gleich um zwei Familien kümmern kann; in den Gefilden des Bundestags ist selbst Polygamie kein Fremdwort mehr, denn in intellektuellen Kreisen galten schon immer andere Gesetze.

Und wer sich im Bundestag nicht wissenschaftlich austoben kann oder möchte, der legt zum Beispiel umfangreiche Sammlungen — zwei Fälle sind mir bekannt — von Kinderpornographie an. Es ist dabei nicht ausgeschlossen, dass wir auch noch von anderen, weit unspektakuläreren, Sammelleidenschaften hören werden, wie Geld zum Beispiel.

Manchen Abgeordneten ist es sogar gelungen, was die Wissenschaft außerhalb des Bundestags noch heute herausfordert, an zwei Orten gleichzeitig zu sein, denn sie tingeln sieben Tage die Woche durch sämtliche Fernsehshows und sind gleichzeitig maßgeblich bei der Erstellung von Gesetzen im Bundestag mit dabei.

Der Deutsche Bundestag muss ohne Wenn und Aber das schon lange gesuchte Elysium — die „Insel der Seligen“ — sein. Ein Ort, wo man zudem als junger unfertiger, manchmal auch als völlig un(aus)gebildeter Mensch hinkommt und diesen bereits ein paar Jahre später wieder als höchst gebildeter, mit allen Titeln und Ehren versehener, sowie als „gemachter Mann“, verlässt.

Deshalb ist es auch kein Wunder, dass unser Bundestag von Legislatur zu Legislatur immer größer wird.

Besser wäre noch, wir schicken möglichst viele junge Menschen, alle vier Jahre wechselnd, in den Bundestag und machen ihn so zur Elite-Schule der Nation. Damit können wir wieder zu der Nation der Dichter und Denker werden, die wir wahrscheinlich niemals waren.


Website des Tages:

Deutscher Bundestag

Die Gesetzgebung ist die Aufgabe des Parlaments; der Deutsche Bundestag ist somit das wichtigste Organ der Legislative. Er beschließt – unter Beteiligung des Bundesrates – alle Gesetze, die in den Kompetenzbereich des Bundes fallen. Die Abgeordneten und Fraktionen des Bundestages können – genau wie der Bundesrat und die Bundesregierung – neue oder überarbeitete Gesetze als Entwürfe in den Bundestag einbringen. Hier findet nach einem festgelegten Ablauf die Debatte, Beratung und Abstimmung über den Gesetzentwurf statt.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.