16.5.02026

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Beitragsfoto: Krematorium Heilbronn

Nur mal so

Heilbronn ist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass man sich Bildung, Kultur und Wissen nicht erkaufen kann; diese Dinge muss man sich weiterhin erarbeiten.

Ich hatte darauf gehofft, dass bei uns dennoch wenigstens ein paar attraktive Gebäude, vielleicht sogar ganze Stadtteile entstehen werden. Meine Ansprüche waren dabei von Anfang an sehr begrenzt: solide Langeweile bis hin zum modernen Zweckbau.

Nun erfüllen nicht einmal die vermeintlichen Zweckbauten ihren Zweck. Und im Falle, dass doch einmal ein halbwegs attraktives Gebäude erstellt wird, ist es reiner Zufall — meist hat sich dabei ein Mittelständler im Architekten vergriffen.

Vermischtes

Mit dem Buckelwal ist genau das geschehen, was ich von Anfang an gesagt hatte. Man hat ihn zum Sterben aus der Sichtweite unserer Journalie geschleppt. Was ich nicht vorhergesehen hatte, dass sich auch herbei unsere sogenannten Experten dumm und dämlich verdient haben. So lange es bei uns kaum möglich ist, Menschen zu quälen, müssen die Tiere herhalten. Und so gibt es bei uns bestimmt bald auch einen BA als staatlich geprüfter Tierquäler; hört sich auf alle Fälle besser an als Mauerschütze oder KZ-Turmwächter.

Ein klein wenig Gartenarbeit hat mir den Tag versüsst und mich vergessen lassen, dass das Kegeln gestern wenig erfolgreich war.

Ein Freund aus Finnland hat seinen Ruhestand angekündigt. Da er immer gerne von den Nordlichtern schwärmt, gehe ich einmal davon aus, dass es ihn nun nicht mehr nach Heilbronn ziehen wird. Ein Mitkegler verbringt seine Sommer schon etwas länger im hohen Norden — mir wäre es dort zu dunkel und zu kalt.

Mein Käffchen mit Detlef Stern musste gestern ausfallen, war leider anderweitig gebunden. Was mir wieder einmal zeigte, dass man seine Präferenzen doch nicht immer selber festlegen kann. Wobei ich mir selber attestieren darf, dass ich mir selten Termine diktieren lassen muss — meine bessere Hälfte mal außen vorgelassen.

Die New York Times schreibt heute über Claudine Longet. Mich haben Menschen schon immer fasziniert, die einfach mit wirklich allem davonkommen. Und wenn man sich das Ganze etwas näher anschaut, dann war dies eigentlich schon immer so und ist folglich keine Erfindung der Neuzeit.

Das eigentliche Problem dabei ist, dass man solch ein asoziales Verhalten nicht einfach auf den Großteil von uns Menschen übertragen kann, denn dies wäre unser aller Untergang. Und so bleibt es das alleinige Recht der systemrelevanten Personen asozial sein zu dürfen, wir anderen bekommen dafür Religion, Recht und Gesetz. Was ist übrigens das Gegenteil eines ruhigen Gewissens? Gar kein Gewissen.

Gestern gelang es mir noch mit einem Rundschreiben für die kommenden Termine der EUROPA-UNION zu werben. Bis heute werden diese von über 50 % der Adressaten geöffnet. Was mir dennoch ein wenig zu denken gibt, denn wenn ich mich selbst dabei erwische, dass ich ein abonniertes Rundschreiben kaum bis gar nicht mehr lese, dann beende ich das Abonnement.

Und da ich mich bei der Abonnentenzahl entlang des kostenfreien Limits bewege, wäre es doch für alle von Vorteil, wenn die Nichtleser meines Rundschreibens dieses wieder abbestellen.

Nichtleser von Rundschreiben sind wie Studenten, die nur so in den Vorlesungen sitzen. Vielleicht ist es aber auch nur eine Auswirkung des allgemeinen gesehen werden Wollens.

Staats-Zeitung

Die etwas älteren Kalifornier mit deutscher Zuzugsgeschichte dürften die Staats-Zeitung kennen. Ich lese sie regelmäßig bei meinen dortigen Aufenthalten; meine Tante hat sie heute noch abonniert.

Die Ausgabe Nr. 18 vom 2.5.2026 hat mich nun aber doch überrascht. Katrin Lehn, die mir selbst nicht bekannt ist, hat darin auf zwei Seiten einen Artikel über Heilbronn verfasst. Der Artikelinhalt könnte auch von einer KI oder der Pressestelle im Rathaus stammen. Ich gehe aber einmal davon aus, dass sie meint, was sie schreibt und stimme mit ihr darin überein, dass viele echte Heilbronner „eine ausgeprägte Hass-Liebe zu ihrer Stadt pflegen“.

Das ist aber nicht das Problem von Heilbronn, denn das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern die Gleichgültigkeit. Und das bringt es nun auf den Punkt: den Heilbronner Stadtverantwortlichen ist unsere Stadt völlig gleichgültig, sie bestreiten mit ihr ihren Lebensunterhalt und machen sich zugleich damit auch noch ein möglichst schönes Leben. Zum Shoppen gehen diese systemrelevanten Personen mindestens nach Stuttgart, gerne Mailand oder gar bis nach New York. Gefeiert wird in München oder — kleiner Geheimtipp — auf der Heilbronner Hütte. Ihre Wochenenden verbringen diese Menschen gerne auf ihren Landsitzen möglichst weit weg — Spanien, Südfrankreich oder Italien, zumindest aber im Allgäu.

Und wenn sie schon einen Absacker in der Stadt nehmen (müssen), dann eher beim Hasenmahl oder anderen Gelegenheiten, die sie auch möglichst nichts kosten: Heilbronn ist für diese Damen und Herren einzig und alleine zum Geld verdienen da.

Während ich diese Zeilen schreibe, trinken sich ein paar Heilbronner Freunde in einem Besen um die Ecke unsere Stadt schön und träumen dabei vom kommenden Urlaub — möglichst weit weg.

Da ich aber selber immer gerne lese, wie schön meine Heimatstadt eigentlich ist, möchte ich meinen Lesern den besagten Artikel in der Staats-Zeitung nicht vorenthalten. Übrigens, Katrin Lehn empfehle ich, einmal zu lesen, was Wolfgang von Goethe tatsächlich über unsere Stadt geschrieben hat — er kam auf alle Fälle nie wieder in die Stadt. Und ob Heinrich von Kleist jemals in Heilbronn war, das dürfte stark bezweifelt werden. Verbrieft ist allerdings der Aufenthalt von Götz von Berlichingen — ebenso wie sein diesbezüglicher Kraftausdruck, … war wohl eher von einem unserer Ex-Oberbürgermeister.


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