Fachzeitschriften

Fachzeitschriften 5 (3)

Beitragsfoto: Fachzeitschriften

Die tägliche Zeitungslektüre gehört wohl zu einer Gewohnheit, welche nach meiner Generation an Bedeutung verlieren wird. Im Vergleich zum Buch, dem älteren Medium, dürften den Zeitungen weit mehr Leser verloren gehen als bisher gedacht. Vielleicht aber wird es den Zeitungen auch gelingen, sich als digitale Medien neu zu erfinden und weiterhin einen hinreichenden Leserkreis zu finden.

Meine Empfehlungen für eine Zeitungslektüre habe ich bereits in einem vorherigen Beitrag aufgeführt, stelle dabei schon jetzt aber fest, dass auch ich schneller von der gewöhnlichen Zeitungslektüre Abstand nehme, als ich es jemals selbst vermutet hätte.

Dies beobachtend, stelle ich zudem fest, dass sich mein eigener Schwerpunkt inzwischen eher zu den Fachzeitschriften verlegt. Auch diese sind inzwischen immer mehr in digitaler Form erhältlich, haben aber immer noch in Papierform ihren ganz besonderen Charme. Auch greift man dann eher zu ihnen, wenn sie zwischen den, noch zu lesenden, Büchern liegen und mit einem Griff zur Lektüre bereit sind.

Zwar gibt es bei mir noch eine alte Zeitungsablage, dort fristen die Tageszeitungen aber nur noch ihr Dasein, bis sie ins Altpapier wandern — so schnell ändert sich bereits während einer Generation die Zeit. Und Zeitungsausschnitte werden von mir nur noch vereinzelt für Vereinszwecke gesammelt, wobei jeder Archivar gerne bestätigt, dass auch dies kaum Sinn macht, da die Zeitungen ihre eigenen Archive haben und diese gerne auch allen interessierten Lesern verfügbar machen.

Da ich gerade über Fachzeitschriften schreibe, möchte ich es nicht versäumen, jene vorzustellen, die ich selber gerne lese:

Lesen heißt mit einem fremden Kopfe, statt des eigenen, denken.“

Arthur Schopenhauer, Parerga und Paralipomena II (2018 [1851]: 6 – §261)
Schwäbische Tomatensuppe

Schwäbische Tomatensuppe 4.6 (52)

Für eine echte und authentische schwäbische Tomatensuppe kommt es ganz besonders auf die richtigen Zutaten an. Darüber hinaus ist die Zubereitung, wie auch das spätere Servieren von sehr großer Bedeutung.

Fangen wir mit den Zutaten an. Man leihe sich Petersilie, ich gehe dazu gerne zu meinem Nachbarn, da dieser seit der BUGA seine Petersilie in, von der Stadt bereitgestellten, Blumentrögen selbst anbaut. Die Straßenlage und vor allem die Innenstadtnähe verleihen der Petersilie eine ganz besondere Note. Solch eine Qualität bekommt man weder im Supermarkt, noch im Bio-Laden um die Ecke.

Mit der Zubereitung der Petersilie sollte man dann aber auch rechtzeitig beginnen, um nicht in unnötige Hetze verfallen zu müssen. Ein Blatt der Petersilie zieht man am besten nicht zu schnell und vor allem auch nicht zu heftig durch Regenwasser, damit die Vitamine möglichst erhalten bleiben. Jeder schwäbische Haushalt hat dazu eine Regentonne vor dem Haus, auf dem Balkon oder, in einer etwas praktikableren Größe, auf dem Fensterbrett der eigenen Wohnung.

Ist die Zubereitung der Zutaten abgeschlossen, nehme man Leitungswasser — ein Schwabe lässt sich beim Essen nicht lumpen — und erwärmt dies am besten in der Sonne. Vor dem Servieren kann man es noch auf dem Herd, in einem Wasserkocher oder in der Mikrowelle kurz erhitzen, damit die Suppe auch die gewünschte Temperatur erhält.

Manche — Neureiche halt — ziehen zusätzlich an Festtagen oder zu ganz besonderen Anlässen, kurz vor dem Servieren, noch eine Tomate durch das bereits erhitzte Leitungswasser. Ich halte dies allerdings für übertrieben und geschmacklich weit überdimensioniert! Denn es reicht voll und ganz aus, wenn sich eine Tomate im Haushalt befindet; ich habe für solche Gelegenheiten immer eine Tomate im Gemüsekorb der Küche liegen.

Abschließend gießt man das zubereitete Leitungswasser in einen bereitgestellten roten Teller — dieser darf gerne auch etwas vorgewärmt sein; dazu bietet sich ebenfalls natürliches Sonnenlicht bestens an — und garniere das Ganze mit dem bereits zubereiteten Petersilienblatt. Damit sollte man allerdings vorsichtig umgehen und lieber etwas sparen, denn sonst dominiert der Petersiliengeschmack die schwäbische Tomatensuppe allzu stark.

Ich wünsche Ihnen beim Nachkochen viel Spaß und beim anschließenden Essen einen guten Appetit!

Und sollte das Essen nicht in ein Gelage ausgeartet sein, dann ist bestimmt auch die Petersilie noch übrig. Diese kann man dann nach dem Abwasch an den Entleiher zurückgeben, denn sie eignet sich immer noch ganz hervorragend für ein Schwäbisches Eintopfgericht.

Schwäbische Tomatensuppe à la Henri

„Man nach dem Ausspruch eines alten Weltweisen ißt, um zu leben, und nicht lebt, um zu essen.“

 Molière, L’Avare ou l’École du mensonge | Der Geizige (2016 [1668]: 37)

Fediverse reactions
Kaffeegenuss

Mach’s wie Herr Asmus 5 (3)

Beitragsfoto: Kaffeegenuss | © Pixabay

Heinrich Seidels Gedichte sind immer wieder lesenswert. Das folgende Gedicht von ihm, welches im „Neuen Glockenspiel“ aus dem Jahr 1894 zu finden ist, führe ich hier gleich als Appetithappen auf.

Mach’s wie Herr Asmus

Folge dem Stern in deiner Brust 
Und lass die andern reden, 
Denn niemals weisst du, was du musst, 
Wenn du hören willst auf Jeden.

Oder mach’s, wie Herr Asmus that, 
Der wusste, was er sollte; 
Der fragte jedermann um Rath 
Und that doch, was er wollte.

Heinrich Seidel, 1894

Das Besondere an Heinrich Seidel ist wohl, dass er ein sehr erfolgreicher Bauingenieur war, der sich erst ab 1880 vollständig der Schriftstellerei widmete. Noch heute ist er allen Ingenieuren durch die folgende Aussage bekannt:

 „Dem Ingenieur ist nichts zu schwere“ 

Heinrich Seidel, Ingenieurlied (1871)

Auch ich habe diesen Spruch seit frühster Jugend in Erinnerung, da mein Vater diesen immer gebrauchte, sobald ihm etwas gelungen war, z. B. die Reparatur eines Radios, eines Rollers oder gar einer Waschmaschine.

All jene, die keinen Ingenieur auch nur im Bekanntenkreise haben, können das Ingenieurlied auch hier finden:

Dem Ingenieur ist nichts zu schwere

Er lacht und spricht: „Wenn dieses nicht, so geht doch das!“

Er überbrückt die Flüsse und die Meere,

Die Berge unverfroren zu durchbohren ist ihm Spass.

Er thürmt die Bogen in die Luft,

Er wühlt als Maulwurf in der Gruft,

Kein Hinderniss ist ihm zu gross

Er geht drauf los!

Den Riesen macht er sich zum Knechte,

Dess’ wilder Muth, durch Feuersgluth aus Wasserfluth befreit,

Zum Segen wird dem menschlichen Geschlechte

Und ruhlos schafft mit Riesenkraft am Werk der neuen Zeit.

Er fängt den Blitz und schickt ihn fort

Mit schnellem Wort von Ort zu Ort,

Von Pol zu Pol im Augenblick

Am Eisenstrick!

Was heut sich regt mit hunderttausend Rädern,

In Lüften schwebt, in Grüften gräbt und stampft und dampft und glüht,

Was sich bewegt mit Riemen und mit Federn,

Und Lasten hebt, ohn’ Rasten’ webt und locht und pocht und sprüht,

Was durch die Länder donnernd saust

Und durch die fernen Meere braust,

Das Alles schafft und noch viel mehr

Der Ingenieur!

Die Ingenieure sollen leben!

In ihnen kreist der wahre Geist der allerneusten Zeit!

Dem Fortschritt ist ihr Herz ergeben,

Dem Frieden ist hienieden ihre Kraft und Zeit geweiht!

Der Arbeit Segen fort und fort,

Ihn breitet aus von Ort zu Ort,

Von Land zu Land, von Meer zu Meer

Der Ingenieur!

Heinrich Seidel

Detlef Stern wird jetzt sicherlich ergänzen wollen, dass diese Worte eigentlich Daniel Düsentrieb zuzuschreiben sind: „Dem Ingeniör ist nichts zu schwör.“ Dabei hat aber ganz offensichtlich Erika Fuchs ein wenig nachgeholfen — zumindest bei der deutschen Übersetzung dieser bekannten Comic-Reihe.

Ich meine übrigens, dass wir alle besser dastünden, wenn vor allem unsere heutigen Entscheidungsträger mehr Mut hätten und ab und zu auch Herrn Asmuses Rat folgen würden; dazu gehört aber auch eine ganze Menge an Verantwortungsbewusstsein.

Und da es sich langsam aber sicher abzeichnet, dass wir mindestens so lange mit Ausgangs- und anderen Beschränkungen rechnen müssen, bis die meisten schon gar nicht mehr wissen, wie man überhaupt ohne größere Bevormundung leben kann, bietet es sich auch hier ganz gut an, auf Heinrich Seidel zurückzugreifen. Dabei verweise ich auf die Lektüre von Leberecht Hühnchen, ein Buch, das zwischen 1880 und 1893 entstanden ist, und die Kunst des Glücklichseins anschaulich begreifbar macht — gerade in der aktuellen Situation sehr passend — und am Ende ebenso verstörend.

Leberecht Hühnchen gehörte zu den Bevorzugten, denen eine gütige Fee, die Kunst glücklich zu sein, auf die Wiege legte; er besaß die Gabe, aus allen Blumen, selbst aus den giftigen, Honig zu saugen.

Heinrich Seidel, Leberecht Hühnchen (2017: 4)