Handschlag

Verlässlichkeit 5 (16)

Beitragsfoto: Handschlag | © olia danilevich auf Pexels

Zivilisationen werden in erster Linie auf der Verlässlichkeit ihrer Bewohner aufgebaut. Ohne Verlässlichkeit zerfallen sie auch allesamt wieder. Unsere Geschichte bietet dafür genügend Beispiele. Man behauptet dann gerne, dass diese oder jene Kultur sich einfach überlebt hat und Neuem Platz schuf. Manche führen für diese Niedergänge externe Faktoren wie Umweltveränderungen oder Völkerwanderungen ins Spiel, wobei die innere Ursache in beiden Fällen gerne ausgeblendet oder einfach nur unter einem Zerfall der Moral und sämtlicher guter Sitten subsumiert wird.

Dabei ist es immer wieder die Verlässlichkeit, mit der jede Gemeinschaft steht und fällt. Die banalste Form der Verlässlichkeit ist dabei die Pünktlichkeit, eine Eigenschaft, die sich selbst der dümmste Mitbürger zu eigen machen könnte.

Verlässlichkeit führt zur Zuverlässigkeit, zur Vertrauenswürdigkeit, zur Glaubwürdigkeit und last but not least zur Funktionstüchtigkeit einer ganzen Gesellschaft.

Längst sind bei uns die Zeiten Vergangenheit, in denen man jede Angelegenheit mit einem Handschlag besiegeln konnte und der Schriftkram nur eine sinnvolle Ergänzung (ein einfaches Mittel gegen die Vergesslichkeit, die auch den Willigsten unter uns zuteilwerden kann) des Ganzen war.

Schlimmer noch, die Pünktlichkeit wurde bei uns bereits so weit degradiert, dass man diese nur noch von Bittstellern erwartet. Und kaum wird ein Mensch ein klein wenig von seinen Mitbürgern herausgehoben, signalisiert er dies, indem er hinfort alle anderen warten lässt. Und je höher sich diese Menschen erhoben fühlen, umso länger muss man auf sie warten — man kann bereits die Uhren danach stellen.

Am schlimmsten aber ist inzwischen die selbst auf Bundesregierungs-, Ministerpräsidenten- und Ministerebene grassierende Unzuverlässigkeit, die unser gesamtes Land fest im Griff hat: „Die, was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“-Politik.

In Deutschland wurde die Unzuverlässigkeit zur einzigen Maxime erhoben, die wir noch haben. Und dies ist wohl das einzig Verlässliche, was es bei uns noch gibt!

Und darauf sind wir allesamt so richtig stolz! Das einzige Gesetz, das bei uns noch universelle Gültigkeit hat, ist, dass jedes deutsche Gesetz mit der Bekanntgabe sofort wieder ungültig ist — wenn es nicht bloß noch zum Heulen wäre, könnte ich sogar darüber lachen.


Kaffeegenuss

Zeit für ein Gedicht 5 (6)

Beitragsfoto: Kaffeegenuss | © Pixabay

Rainer Maria Rilke war schon öfters hier auf dem Blog „zu Gast“, denn seine Gedichte sind selbst nach über 100 Jahren immer noch ein Genuss und haben oftmals nicht an Aktualität verloren. Das unten stehende Gedicht ist vielleicht weniger bekannt, aber eine Zeile davon hat es in den allgemeinen Sprachgebrauch geschafft, nämlich: „Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.“ — zumindest bei uns im Südwesten ist dieser Satz noch heute gang und gäbe.

Sein 1905 erschienenes Stundenbuch dürfte bekannter sein, welches in drei Bänden mit insgesamt 134 Gedichten aufwarten kann. Der große Vorteil dabei ist, kein Herbsttag kann so lange andauern, dass man sämtliche dieser Gedichte auch lesen kann. Dennoch ist es immer wieder eine feine Sache, sich ein Gedicht von Rilke herauszusuchen und sich ein klein wenig damit zu beschäftigen.

Und so habe ich mir heute dieses Gedicht aus dem Gedichtband „Das Buch der Bilder“ herausgesucht, welches auch ganz gut zum heutigen Wind und Wetter passt. Und da es das Internet gibt, kann man zudem sehr schnell weitere schöne Gedichte oder — noch besser — zusätzliche Informationen über das gerade gelesene Gedicht finden.

Ich bin immer wieder sehr erstaunt darüber, was man alles in drei Strophen packen kann, im Falle, dass man ein guter Dichter oder Schriftsteller ist. Aber selbst das kann man noch verbessern, vorausgesetzt natürlich, man hat das entsprechende Können: die japanischen Haiku sind ein sehr gutes Beispiel dafür. Mein diesbezügliches Lieblingsgedicht über eine alten Teich findet sich ebenfalls hier im Weblog.

Die drei Strophen von Rainer Maria Rilke haben mir aber heute bereits genügend Stoff zum Nachdenken gegeben. Und sobald etwas mehr Sonne zu sehen ist, werde ich diese Gedanken bei einem Spaziergang weiter vertiefen. Sollten Sie jetzt ein wenig Lust auf das unten stehende Gedicht haben, dann schauen Sie auch einmal, was so alles in diesen zwölf Zeilen zu lesen und zu verstehen ist.

Herbsttag

Herr: Es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
Und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
Gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
Dränge sie zur Vollendung hin und jage
Die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
Wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
Und wird in den Alleen hin und her
Unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke, Das Buch der Bilder (1902)

Übrigens, unsere Welt wäre viel besser und liebenswerter, wenn die meisten Menschen anstatt in den Social Media herumzulungern oder gar herumzupöbeln, sich ein Gedicht heraussuchen und sich darin vertiefen.

Noch besser wäre sie, wenn sich die Menschen danach untereinander über das gelesene Gedicht auch austauschen.


Freie Wähler-Website

4.11.02023 5 (5)

Beitragsfoto: Screenshot Freie Wähler-Website

Galerien

Und da ich schon einmal beim Basteln war, habe ich gleich noch die Galerien hier im Blog neu geordnet. Die meisten sind weiterhin nicht öffentlich zugänglich und werden zudem auch nicht direkt verlinkt.

Dies einfach nur deshalb weil die dort hinterlegten Fotos außer mir keinen Leser wirklich interessieren dürften und ich diese für mich als eine Art Stockfotos für künftige Blog-Beiträge auf Halde gelegt habe.

Spielen

Da es mit dem Tanzen derzeit einfach nicht klappen soll, gab es wieder einmal einen sehr spannenden Spieleabend mit Rummikub. Danach etwas Schach und ein wenig Recherche über ein Gadget, das ich heute bei der Besprechung gesehen habe. Ich benötige es tatsächlich nicht mehr, da die Zeiten mit sehr vielen Vorträgen und noch mehr Besprechungen längst hinter mir liegen, aber dann komme ich doch wieder ins Schwärmen, nämlich darüber was ich mit solch einem Gadget noch vor Kurzem hätte anfangen können.

Und so muss ich jetzt wohl sehr tapfer sein, denn das wirklich Gefährliche an solchen Gadgets ist doch, dass man sie tatsächlich nicht benötigt aber dennoch einfach nur haben möchte. Und so gucke ich jetzt erst einmal etwas genauer nach, ob dieses neue potentielle Spielzeug auch meine Kriterien von „Langlebigkeit“ erfüllt. Auf jeden Fall aber ist es so klein, dass es nicht wie meine letzte Erwerbung zu viel Platz weg nehmen würde.

Besprechung

Heute waren die Freien Wähler in Reutlingen unterwegs, denn der Landesverband hatte gerufen. Es handelte sich dabei um ein regelmäßiges Treffen der Freien Wähler, welche aus den größeren Städten Baden-Württembergs kommen. Neben dem Wahlkampfkonzept, einer gemeinsamen Corporate Identity und der bereits etwas nervigen Auseinandersetzung mit der Partei der „Freien Wähler“ sowie weiteren Abspaltungen konnten sich die Freien Wähler über die Herausforderungen von Städten mit mehr als 100 000 Einwohner austauschen.

Eigentlich nicht überraschend dabei war, dass die Herausforderungen in den Städten zumindest ähnlich sind. Ob diese dann auch zu waschechten Problemen werden, liegt eindeutig an der Qualität der jeweiligen Verwaltungen und an den Mehrheiten in den Gemeinderäten. Alle Teilnehmer waren sich darin einig, dass man deswegen die mannigfaltigen Parteiinteressen besser aus den Gemeinderäten heraushält. Und dazu benötigen wir in Baden-Württemberg starke Freie Wähler-Fraktionen vor Ort.

Zurück in Heilbronn, begann ich sogleich eine Zusage an den Landesverband umzusetzen und die Website der Freien Wähler etwas an das Layout der anderen Freie Wähler-Vereine anzupassen, denn man muss dem Landesverband darin recht geben, dass dort „wo Freie Wähler-DNA drin ist, auch besser Freie Wähler draufsteht“. Jetzt bin ich einmal gespannt darauf, wie die Heilbronner Freien Wähler darauf reagieren werden.