Mendelart

Philippes Sechzigster 5 (3)

Beitragsfoto: Galerie MendelArt 2022

Wir werden alle älter, und so war es auch nicht zu vermeiden, dass wir im Freundeskreis schon vor ein paar Jahren die ersten 60. Geburtstage feiern konnten. Aber dieses Jahr häuft es sich doch ein wenig. Den Anfang machte gestern Philippe Mendel, den wir mit seiner Familie 1998 im Zuge unseres Umzuges nach Müllheim kennenlernen durften.

Und so ließen wir es uns auch nicht nehmen, ihm an seinem Ehrentag ganz spontan einen Besuch abzustatten. Nicht überraschend war es, dass wir ihn in seiner Galerie vorfanden, wo er an, zumindest für mich, neuen Projekten arbeitete.

Für mich ist es einfach eine schöne Sache, einem Künstler über Jahre hinweg beobachten zu können und dabei mit anzusehen, wie er seine Fertigkeiten immer mehr verfeinert und dabei, über mehrere Phasen hinweg, zu einem ganz eigenen Stil findet.

Auch wenn ich immer wieder sehr und zwar positiv überrascht bin, mit welchen ganz neuen Ideen Philippe um die Ecke kommt, und mir diese auch meistens sehr gefallen, bin ich aber weiterhin immer noch sein größter Fan, wenn es mit um seine „Horizonte“ geht. Meine bessere Häfte schwärmt weiterhin von seinen Häuserbildern, die er unter „Catalunya“ zusammenfasst.

Natürlich aber stand zu seinem 60. der Künstler selber im Vordergrund, und so hatten Dorothea und Nastassja doch so einige Leckereien vorbereitet. Und da Philippe inzwischen auch Großvater ist, konnten wir gleich auch noch Amélie mit bewundern, deren Papa, Camille, wir schon etwas länger nicht mehr gesehen hatten. Der Rest der Familie war leider, beruflich oder COVID-19 bedingt, nicht mit anwesend, so dass wir wohl auf eine weitere Gelegenheit warten müssen, um wieder in Gänze auf dem Laufenden zu sein.

Heinrich, Bettina, Dorothea und Philippe | © Nastassja

Kurzer Einschub: 21 Jahre zuvor beim Abschied von Müllheim

Abschiedsabend am 9. Dezember 2000

Ich hatte es schon in meinem Beitrag über MendelArt erwähnt, dass ein Besuch dieser Galerie durchaus eine Reise in den Südschwarzwald wert ist. Um Ihnen diesen Besuch noch etwas schmackhafter zu machen, hat mir Philippe zugesichert, dass er Ihnen 10 % auf jedes Bild gibt, wenn Sie ihm mitteilen, dass Sie aufgrund meiner Empfehlung nach Müllheim gefahren sind.

Auf jeden Fall lädt seine Galerie zum Stöbern ein und ich finde, dass man nicht nur sehr überrascht darüber ist, mit welcher Vielfalt an Kunst Philippe aufwarten kann, sondern, dass man immer auch selber etwas findet, das man ruhigen Gewissens mit nach Hause nehmen kann.

Und wenn man ganz bestimmte Ideen oder Vorstellungen hat, dann kann man mit Philippe auch darüber sprechen, ob er diese umsetzen kann. So habe ich heute bei ihm ein Bild gefunden, das Angela Merkel als schwäbische Hausfrau im Schwarzwaldkostüm zeigt. Von wem dieser Auftrag stammt, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen.

Weit besser haben mir aber seine neuen Schwarzwaldlandschaften gefallen.

Sie können Ihren Besuch im Atelier MendelArt ganz einfach über E-Mail oder Telefon +49 7631 173259 avisieren.

„Ma définition d’une œuvre d’art serait, si je la formulais : Une œuvre d’art est un coin de la création vu à travers un tempérament. Que m’importe le reste. Je suis artiste, et je vous donne ma chair et mon sang, mon cœur et ma pensée.“

Émile Zola, Mes Haines (1893 [1866]:25)

Spain Rodriguez

Erfreuliches 5 (1)

Beitragsfoto: Spain Rodriguez’s depiction of Main and Fillmore in the mid-1950s | © The Buffalo News

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten. Eine solche ist, dass das Deutsche Buch- und Schriftmuseum in Leipzig zum Jahreswechsel die Sammlung Armin Abmeier mit US-amerikanischen Underground- und Independent-Comics erworben hat.

Die ersten Underground Comics sind wohl bereits in den 1950er-Jahren entstanden und inzwischen als Underground- und Independent-Comics zu einer eigenständigen Kunstform geworden. Die von Armin Abmeier seit den frühen 1960er-Jahren bis 2012 zusammengetragene Sammlung umfasst neben Comics auch Graphzines, Künstlerpublikationen, illustrierte Bücher, Zeitschriften und Sekundärliteratur sowie Schallplatten, Videos und weitere Objekte.

Da im Bereich der frühen Künstlercomics nur selten größere Konvolute auf den Markt kommen, kann es als Glücksfall gelten, dass die Erwerbung der einzigartigen Sammlung – mit dem Schwerpunkt auf namhaften Comics-Künstlern wie Art Spiegelman, Robert Crumb oder Mark Beyer – durch das Museum möglich wurde.

So ist es mehr als nachvollziehbar, dass das Deutsche Buch- und Schriftmuseum diesbezüglich bereits am 21. Dezember 2021 eine eigene Presseerklärung veröffentlicht hat.

Zu den ersten dieser Comics-Künstlern zählen Vaughn Bode, Robert Crumb, Harvey Kurtzman, Harvey Pekar, Spain Rodriguez, Gilbert Shelton und Basil Wolverton, die nicht nur aus Nordamerika, sondern auch aus Europa stammen und damit bezeugen, dass unsere beiden Kulturen zumindest eine große Gemeinsamkeit aufweisen.

Weitere bekanntere Künstler sind Peter Bagge, Los Bros, Dan Clowes, Kim Deitch, Steve Ditko, Bill Everett, Fletcher Hanks, Jack Kirby, Joe Kubert, Boody Rogers, Dave Sim, Joe Simon und Alex Toth.

So wird sich demnächst ein Besuch im Deutschen Buch- und Schriftmuseum in Leipzig lohnen, wenn man sich einen guten Überblick über Underground- und Independent-Comics verschaffen möchte.

Wer sich mehr für die frankophonen Comics interessiert, der findet im Belgischen Comic-Zentrum in Brüssel eine gute Anlaufstelle.

Beiden Museen ist eines gemeinsam, man muss wirklich einen Faible für diese Art von Kunst haben, ansonsten wird ein solcher Besuch eine sehr langweilige Sache.

„Underground comics had offered something new … unselfconsciously redefining what comics could be, by smashing formal and stylistic, as well as cultural and political, taboos. Then, somehow, what had seemed like a revolution simply deflated into a lifestyle. Underground comics were stereotyped as dealing only with Sex, Dope and Cheap Thrills. They got stuffed back into the closet, along with bong pipes and love beads, as Things Started To Get Uglier“.

Art Spiegelman zitiert in Sabin Roger, Comics, comix & graphic novels (1996: 122)

Filmausschnitt von Don't Look Up

Don’t Look Up 5 (4)

Beitragsfoto: Filmausschnitt aus Don’t Look Up | © Adam McKay

Heute habe ich nach längerer und wahrscheinlich vergeblicher Arbeit am Backend dieses Weblogs und der Aktualisierung meiner Kalender dann auch vergeblich auf die weiteren Europastammtischler im virtuellen Raum gewartet.

Kurz darauf hat mich Oliver Durst darauf aufmerksam gemacht, dass der Europastammtisch erst für die kommende Woche geplant ist. So war es dann wohl auch an der Zeit, dass ich mich für heute einmal etwas anderem widme.

Und so kamen wir auf die Idee Adam McKays neuen Film „Don’t Look Up“ anzuschauen. Der Film lief bereits am 9. und 10. Dezember 2021 an und ist inzwischen auch zum Streamen erhältlich. So konnten wir uns heute einen gemütlichen Abend machen — schwarzer Humor bietet sich dazu bestens an.

Die Handlung ist schnell erzählt. Wissenschaftler entdecken einen gut 10 Kilometer großen Meteoriten, der in gut sechs Monaten die Erde treffen wird. Bei ihrem Versuch, sowohl die Regierung als auch ihre Mitbürger zu erreichen und vielleicht noch zu möglichen Gegenmaßnahmen motivieren zu können, scheitern sie so großartig wie ich heute bei meinem Versuch, die „webmentions“ Funktion zum Laufen zu bekommen.

Und wer jetzt glaubt, das alles wäre viel zu übertrieben und könnte, wenn überhaupt nur in den Vereinigten Staaten von Amerika geschehen, der sollte sich mal etwas genauer bei uns umschauen.

George Monbiot schrieb dazu heute im Guardian „Watching Don’t Look Up made me see my whole life of campaigning flash before me (The Guardian, 04.01.2022). Er merkt dabei an, dass es kein Wunder sei, wenn Journalisten diesen Film schlecht machen. 

Ich glaube, es sind nicht nur die Journalisten, die sich diesen Schuh anziehen müssen — es sind wir, allesamt.

Aber vielleicht möchten Sie sich auch Ihre eigene Meinung bilden; dazu empfehle ich Ihnen, diesen Film selber einmal anzuschauen. Und so verstehen Sie vielleicht, warum manche meinen, dass dieser ganz gut zu der heutigen Problematik der Wissenschaftsfeindlichkeit, zum Klimawandel und der COVID-19 Pandemie passt.

Ich bin darüber hinaus davon überzeugt, dass dieser Film uns ganz gut vor Augen führt, was mit uns allen geschieht, wenn wir weiterhin das Dschungelcamp — stellvertretend für sämtliche Reality Shows und ihre populären Vertreter — dem mühsamen Weg einer guten Bildung vorziehen.

„This is The End; my only friend, The End.“

Jim Morrison, The End (4. Januar 1967)