Bücherregal

Über Gott und die Welt 5 (3)

Beitragsfoto: Lesendes Mädchen | Bücherregal | S. Hermann & F. Richter | © Pixabay 

Bücher anderen Menschen zu empfehlen ist nicht leicht, vor allem dann, wenn man denjenigen selber dafür nicht gut genug kennt.

Das von mir heute empfohlene Buch trägt den Titel „Über Gott und die Welt: eine Autobiografie in Gesprächen“ und stammt vom Philosophen Robert Spaemann aus dem Jahre 2012.

Spaemann lernte ich erstmals während meines Studiums kennen, als ich mich mit seinem Werk „Zur Kritik der politischen Utopie“ etwas näher auseinandersetzte.

Als ich 2012 überraschend für ein paar Monate abkommandiert und in einem Hotel untergebracht wurde, griff ich nach seinem jüngsten Werk, um mir die Abende etwas zu versüßen.

Als dann noch das Hotelzimmer eine Badewanne hatte, die zu längerem Verweilen einlud, gab es kein Halten mehr.

Robert Spaemanns Autobiographie hat mich dabei von Anfang an in Bann gezogen und ich konnte es einfach nicht mehr aus der Hand legen. Eingepackt in sein eigenes Leben, siniert er über Gott und die Welt und eröffnet dabei dem geneigten Leser durchaus neue Perspektiven.

Ich empfehle die Lektüre seiner Autobiographie besonders an Winterabenden, wie gerade den jetzigen, und habe mir selbst vorgenommen, dieses Buch nochmals zu lesen, sobald der Bücherstapel auf meinem Schreibtisch etwas überschaubarer geworden ist.

„Die Aufgabe der Philosophie besteht darin, über das Selbstverständliche nachzudenken.“

Robert Spaemann, Über Gott und die Welt (2012)

Tom Sharpe

Tom Sharpe 5 (1)

Beitragsfoto: Tom Sharpe | © dpa

Bereits zu Schulzeiten nutzte ich die Bücher von Tom Sharpe, um vorhandene Dellen in meiner guten Laune wieder auszubügeln. Sharpes Bücher liest man allerdings am Besten in der Originalsprache, damit man ja keine, auch noch so kleine, Anspielung verpasst.

In den Folgejahren waren dann Sharpes Bücher bei mir Pflichtlektüre, und, da er auch nur insgesamt sechzehn Bücher veröffentlichte, eine überschaubare Herausforderung.

Bis heute gehören Riotous Assembly (1971) und Indecent Exposure (1973) zu meinen Favoriten, gleich gefolgt von Wilt (1976) und The Wilt Alternative (1979), welches bei uns besser als „Trabbel für Henry“ bekannt ist. Letztere beiden Bücher kann man aber wohl erst dann richtig genießen, wenn man auch über etwas Eheerfahrung verfügt.

Ein paar seiner Bücher wurden sogar verfilmt, ich rate aber davon ab, da man Sharpe am besten genießt, wenn man dabei die eigene Fantasie mit ins Spiel bringt.

Der Vollständigkeit halber führe ich seine Bücher unten stehend auf:

Piemburg (Südafrika) Reihe

Riotous Assembly (1971) und Indecent Exposure (1973);

Porterhouse Blue Reihe

Porterhouse Blue (1974) und Grantchester Grind (1995);

Wilt Reihe

Wilt (1976), The Wilt Alternative (1979), Wilt On High (1984), Wilt in Nowhere (2004) und The Wilt Inheritance (2010);

Weitere Bücher

Blott on the Landscape (1975), The Great Pursuit (1977), The Throwback (1978), Ancestral Vices (1980), Vintage Stuff (1982), The Midden (1996) und The Gropes (2009).

„As usual, Wilt’s thoughts were dark and mysterious and made the more so by the fact that he didn’t understand why he had them.“

Tom Sharpe, The Wilt Alternative (1979: 1)
Foto Umberto Ecos in der la Repubblica

Gute Bücher 5 (2)

Beitragsfoto: Foto und Zitat von Umberto Eco | © La Repubblica

Alljährlich werden viel zu viele Bücher veröffentlicht, und inzwischen meinen sehr, sehr viele Mitmenschen auch, selbst ein Buch schreiben zu müssen; ich möchte mich davon nicht ausnehmen. Meine Feststellung ist wahrscheinlich aber bereits so alt, wie der Buchdruck selbst, so dass es immer wieder auch Ratschläge gibt, wie man am besten mit dieser Bücherschwemme zurechtkommt. Schon George Macaulay Trevelyan stellte hierzu fest:

„Education … has produced a vast population able to read but unable to distinguish what is worth reading.“

George Macaulay Trevelyan, English Social History (1942)

Ralph Waldo Emerson schrieb dazu 1860:

Never read any book that is not a year old, always read well known-books, and always read topics that one enjoys.

Ralph Waldo Emerson, In Praise of Books

Haruki Murakami, den ich erst vor Kurzem hier zur Lektüre empfohlen habe, meint hingegen

If you only read the books that everyone else is reading, you can only think what everyone else is thinking.

Haruki Murakami, Norwegian Wood (2000: 31)

Ray Bradbury ist davon überzeugt, dass Bücher auf alle Fälle jedem Menschen helfen.

„The things you’re looking for … are in the world, but the only way the average chap will ever see ninety-nine percent of them is in a book.“

Ray Bradbury, Fahrenheit 451 (2012 [1953]: 82)

Interessant ist dabei auch die Sichtweise von Kathy Acker, die im Vorwort von Samuel R. Delanys Trouble on Triton (1996 [1976]) schrieb:

„Every book, remember, is dead until a reader activates it by reading. Every time that you read you are walking among the dead, and, if you are listening, you just might hear prophecies. Aeneas did. Odysseus did. …“

Kathy Acker

Unabhängig davon, welche Bücher man nun liest, meint Romain Rolland, dass man dabei eigentlich nie das Buch an sich liest, sondern eher sich selber.

„No one ever reads a book. He reads himself through books, either to discover or to control himself. And the most objective books are the most deceptive. The greatest book is not the one whose message engraves itself on the brain, as a telegraphic message engraves itself on the ticker-tape, but the one whose vital impact opens up other viewpoints, and from writer to reader spreads the fire that is fed by the various essences, until it becomes a vast conflagration leaping from forest to forest.“

Romain Rolland, Journey Within (2004 [1947]: 19f)

Diego Urbina empfiehlt aus seiner eigenen und sehr profunden Erfahrung als Astronaut heraus, auf jeden Fall Bücher zu lesen. Er ist davon überzeugt, dass diese ein gutes Werkzeug sind, um die eigene Existenz zu bewältigen.

„In the end, what you are doing, it’s really cold, really repetitive. You need to stay in touch with your humanity. Books are a really good tool for that.“

Diego Urbina, in The New Yorker (28. Juni 2013, 520 days of solitude)

Ebenfalls sehr nüchtern betrachtet Eldred D. Jones den eigentlichen Zweck von Büchern.

„Legends die hard in the popular minds, while facts tend to languish in books.“

Eldred D. Jones, zitiert in John Reader, Africa – A Biography of the Continent (1997: 328)

Und Francis Bacon gab dabei bereits den Hinweis, wie man Bücher am Besten lesen sollte.

„Some books are to be tasted, others to be swallowed, and some few to be chewed and digested; that is, some books are to be read only in parts; others to be read, but not curiously; and some few to be read wholly, and with diligence and attention.“

Francis Bacon, Essays (1625, Of Studies)

Und er führt weiter aus

„Read not to contradict and confute; nor to believe and take for granted; nor to find talk and discourse; but to weigh and consider.“

Francis Bacon, Essays (1625, Of Studies)

Meine eigene Erfahrung lässt mich behaupten, dass man gute Bücher mindestens dreimal im Leben gelesen haben sollte. Ich empfehle dabei, dass man ein gutes Buch zum ersten Mal möglichst bereits in der Jugend zur Hand nimmt, dann ein zweites Mal, sobald man mitten im Leben, und zuletzt, wenn man im letzten Abschnitt des eigenen Lebens steht. Denn gute Bücher begleiten einen Menschen das ganze Leben hindurch, vorausgesetzt, man liest sie auch.

Um meine Behauptung etwas zu verdeutlichen, greife ich auf ein Beispiel aus der Musik zurück und empfehle zuerst die Einspielung der Goldberg Variationen von Glenn Gould aus dem Jahre 1955 und zum Schluss die aus dem Jahr 1981 anzuhören. Johann Sebastian Bachs Noten haben sich in all den Jahren nicht verändert, sondern nur die Sichtweise Goulds – und dies kann man klar und deutlich hören!

Zum Schluss lasse ich gerne nochmals Umberto Eco zu Wort kommen, welcher bereits oben im Beitrag zu sehen ist.

„Wer nicht liest, hat mit 70 ein Leben gelebt, wer liest, wird 5 000 Jahre erlebt haben.“

Umberto Eco, in einem Interview mit la Repubblica

„From the moment I picked up your book until I laid it down, I was convulsed with laughter. Some day I intend reading it.“

Dieses Aussage wird allgemein Groucho Marx zugeschrieben.