Bierdeckel

Ärgernis 5 (11)

Beitragsfoto: alte Bierdeckel für einen neuen Wahlkampf | © Herbert Burkhardt

Kaum habe ich mich damit abgefunden, dass die Wahrnehmung des passiven Wahlrechts bei uns in Heilbronn eher eine Glaubensfrage als eine korrekte Auslegung des Wahlrechts ist, kommt nun ein weiteres Ärgernis auf mich zu.

Dazu muss man wissen, dass alle unsere Parteien, ob demokratisch oder auch nicht, sehr üppig mit Steuergeldern ausgestattet werden. Dies soll u. a. dazu dienen, dass diese genügend Mittel haben, um während der Wahlkämpfe für sich und ihre Kandidaten werben zu können. Wahrscheinlich fließen diese Mittel zum größten Teil in den Unterhalt pompöser Parteiorganisationen und eher weniger in den Wahlkampf. Und so dürften die vorhandenen Mittel, auch wenn mit Groß- und Kleinspenden zusätzlich angefettet, für den Wahlkampf begrenzt sein. Wir Freien Wähler erhalten als Wählergemeinschaft keine Steuergelder und finanzieren uns ausschließlich von Mitgliedsbeiträgen und Spenden, die sich, wenn man etwas Glück hat, über die Wahlperiode hinweg zusammenläppern.

Unser Vorteil ist dabei, dass es keine störenden Apparate und Fürsten gibt, die den jeweiligen Kandidaten vorschreiben, wann, wo und wie sie ihren Wahlkampf zu bestreiten haben. Man versucht sich zwar untereinander abzusprechen, aber der ganze Wahlkampf ist weiterhin rein ehrenamtlich und amateurhaft aufgebaut.

Ein weiterer Vorteil, dass jeder Kandidat und deren Unterstützer immer wieder auf ganz neue und auch uralte Ideen kommen, mit denen sie in den Wahlkampf ziehen möchten. Der große Charme dabei, es handelt sich meist um einen Trial and Error-Wahlkampf. Beim letzten Mal hatten wir Freien Wähler mit unserem Wahlkampf großes Glück und beschlossen, alleine aus Kostengründen, dieses Mal einfach den Wahlkampf 2019 zu wiederholen. Der großer Fehler dabei, wir haben dies auch so im Vorfeld kundgetan!

Und jetzt stellen wir fest, dass alles das, was uns beim letzten Mal selbst gefallen und sich auch bewährt hat, nun sämtlich von der Stadt Heilbronn verboten wurde. Wir müssen nun jeden einzelnen Punkt bei der Stadtverwaltung einklagen und durchsetzen oder unseren Wahlkampf 2024 einfach wieder beenden, bevor er so richtig begonnen hat.

Unsere Stadtverwaltung hat, anstatt sich um ihre ureigenen Aufgaben zu kümmern, sich ganz besonders auf den Wahlkampf vorbereitet. Kaum steht ein Plakat von einem unserer Kandidaten, ist auch schon jemand vor Ort, erstellt eine kostenpflichtige Foto-Dokumentation und wir erhalten kurz darauf die entsprechenden behördlichen Aufforderungen und Androhungen — da kommt sehr schnell ein Wahlkampf-Feeling wie zu DDR-Zeiten in Dunkeldeutschland auf!

Wie würde ich es mir wünschen, wenn unsere städtischen Mitarbeiter immer so fleißig wären — Heilbronn könnte die ordentlichste und sauberste Stadt der Welt sein!

Das Ganze nimmt inzwischen aber bereits totalitaristische Züge an, man hat von der neuen Partnerstadt und deren Gewaltherrschern sehr schnell gelernt.

So ist es z. B. erlaubt, dass man in der Fußgängerzone mit Lastkraftwagen kreuz und quer fährt oder Auto-Ausstellungen betreibt, wir durften aber unseren kleinen Wahlkampftraktor, der kleiner als jedes heutige Auto ist, nicht für unsere Infostände verwenden. Erst nach einem gewaltigen Schriftverkehr wurde uns dies zumindest vorläufig gestattet.

Auch wurde uns, erst an jedem Gesetz vorbei, verboten, dass wir unsere Wahlkampfplakate nach zwei Wochen wechseln. Nach einem heftigen Schriftverkehr ist uns dies nun halbwegs gestattet. Die Stadtverwaltung legt uns aber weiterhin sehr große Steine in den Weg. Wir erhalten für die erlaubte Anzahl an Plakaten jeweils eine Plakette. Wenn wir unsere Plakate nun wechseln wollen, müssen wir diese zuerst abnehmen, an einen Sammelort verfrachten, dort die Plaketten fachmännisch von den Plakaten entfernen und diese dann dem Rathaus zur Kontrolle vorlegen. Eine Kommission tritt daraufhin zusammen und prüft die Echtheit wie Anzahl der Plaketten. Danach erhalten wir ggf. neue Plaketten. Mit diesen neuen Plaketten dürfen wir dann unsere Wechselplakate ausstatten und neu aufstellen — wenn dann die alten Plätze noch frei sind, was bezweifelt werden darf.

Aber auch an den Austausch beschädigter Plakate ist gedacht, denn dafür gibt es eine begrenzte Anzahl an weiteren Plaketten. Sobald wir feststellen, dass ein Plakat verschmutzt oder beschädigt ist, müssen wir dies mit einer Foto-Dokumentation festhalten und diese der Stadtverwaltung vorlegen. Auch in diesem Fall prüft eine Kommission, ob der Beschädigungs- bzw. Verschmutzungsgrad des Plakates ausreichend ist, um eine Ersatzplakette zu erhalten. Was zumindest mir noch nicht so ganz klar ist, ob ich danach von den beschädigten Plakaten ebenfalls die Plaketten entfernen und der Kommission zur Prüfung und Entscheidung vorlegen muss?

Was mich aber so richtig verärgert ist, dass man nun auch Grundbesitzer für den Wahlkampf einfach so mir nichts dir nichts enteignet. Man darf keine Wahlkampfplakate ohne Genehmigung der Stadt auf seinem eigenen Grund und Boden aufstellen!

Die beiden linken Plakate sind verboten, aber die beiden rechten Plakate erlaubt. Bei allen vier Plakaten handelt es sich offensichtlich um Werbung. Begründung für das Verbot der Plakate: die Plakate im linken Bild wären vom öffentlichen Raum aus zu sehen.

Es wundert mich inzwischen überhaupt nicht mehr, dass sich die AfD in Heilbronn so richtig pudelwohl fühlt! Dafür wundern sich Berufspolitiker und Presseleute unisono, warum ihre Mitbürger keine Lust mehr auf Lokalpolitik und Wahlen haben — sie müssen selber auch nicht Wahlplakate hängen oder Prospekte austeilen.


Heilbronner Rathaus in Acryl von Wolfgang Loesche

Seilschaften 5 (15)

Beitragsfoto: Heilbronner Rathaus in Acryl von Wolfgang Loesche

Sehr erfreulich, dass nun das traurige Thema der „Heldenverehrung“ im Heilbronner Rathaus auch von der Rhein-Neckar Zeitung (3.4.2024: 7) aufgegriffen wird. Wie von mir bereits geschrieben, wurde es Ende letzten Jahres offiziell, dass der ehemalige SPD-OB Dr. Hans Hoffmann nicht nur ein Nazi der ersten Stunde war, sondern als SS-Mann auch noch ein Mitglied einer weiteren kriminellen Organisation. Ergo, nicht nur bis 1945 ein sehr übler Mensch, sondern bis zu seinem eigenen Ende ein Lügner und Betrüger.

Und sofort hat der amtierende SPD-OB seine Hand schützend über den Genossen gehalten und verhindert, dass dessen Porträt abgehängt wird. Er sorgte dafür, dass ein gewöhnlich sehr willfähriger Gemeinderat zustimmte, weiterhin alle demokratisch veranlagten Heilbronner und ganz besonders die Opfer des Nationalsozialismus und deren Angehörige durch die sehr prominente Zurschaustellung eines Nazis gegenüber dem kleinen Ratssaal und gleich im Eingangsbereich des Rathauses zu beleidigen, wenn nicht gar sich über diese lustig zu machen!

Die letzten Wochen war ich wie Brigitte Fritz-Kador, die Autorin des oben genannten Artikels, im Rathaus unterwegs und darüber erstaunt, dass der vom Gemeinderat beschlossene Hinweis auf die Untaten dieses SPD-OB neben seinem Großporträt noch nicht zu sehen ist.

Und so war dies auch Thema bei der heutigen Sitzung im Zuge der kommenden Gemeinderatswahl, zumindest bei den demokratischer veranlagten Teilnehmern. Ich durfte dabei erfahren, dass das Namensschild von Hans Hoffmann wohl seit Anfang März 2024 mit einem QR-Code versehen sein soll, der auf einen Hinweistext des Stadtarchivs hinweisen würde. Ein QR-Code, den ich mehrfach — trotz meiner unbändigen Begeisterung für QR-Codes — und gerade auch heute wohl übersehen habe. Kann aber auch sein, dass die Stadtverwaltung einen QR-Code mit den altbekannten Mikrofiches verwechselt, die man bekanntlich ohne ein entsprechendes Lesegerät nicht entziffern kann.

Auf alle Fälle darf man sich fragen, ob überhaupt jemand diesen Hinweis findet, wenn schon jene ihn nicht finden können, die extra danach suchen!

Ich gehe weiterhin nicht davon aus, dass wir in Heilbronn weder mehrheitlich eine naziaffine Stadtspitze noch einen solchen Gemeinderat — diese sind dort noch in der Minderheit — haben, sondern vermute nun immer stärker, dass die berühmt berüchtigte Heilbronner Hasenmahlseilschaft nicht nur über Parteigrenzen hinweg ganz gut funktioniert, sondern deren Angehörige selbst über die Demokratie und den Tod hinaus treu zusammenstehen — „den Führer würde es freuen“ und Hans Hoffmann sicherlich lächeln.

Da unsere Gemeinderäte ganz offensichtlich keinen Hintern in der Hose haben, um zumindest ein Feigenblättchen eines Hinweises an ein Nazi-Porträt zu hängen, kann die Forderung unserer Heilbronner Bürgerschaft nur noch lauten: Hängt Hans Hoffmann nicht auf, sondern ab!

In letzter Zeit machen sich bei uns sehr erfreulich viele Bürger und ganz besonders Gemeinderäte dafür stark, dass man Demokratie fördern und unterstützen und dabei vor allem jeglichen antidemokratischen Bestrebungen entgegentreten muss.

Hic Rhodus, hic salta! — liebe Gemeinderäte: nicht schwätzen, sondern machen!


Ballon-Plakat

Gemeinderatswahlkampf 5 (5)

Beitragsfoto: Ballon-Plakat | © FWV

Auch wenn ich dieses Mal als Vorsitzender der Freien Wähler in Heilbronn eine „eigene“ Wahlkampfseite betreue, möchte ich nicht darauf verzichten und wie bereits 2019 auch hier auf dem Blog ein wenig Werbung für mich als Kandidat für den Heilbronner Gemeinderat zu machen.

Angefangen hat das Ganze, als ich 2015 nach Rückkehr nach Heilbronn erstmals von meinem passiven Wahlrecht Gebrauch machen konnte — leider war die Gemeinderatswahl 2014 bereits Geschichte und so visierte ich damals die Wahl 2019 an. Erfreulicher Weise meinten auch andere Heilbronner, dass ich es einmal versuchen sollte.

Eigentlich völlig chancenlos stürzte ich mich in den Wahlkampf und wenn mich meine bessere Hälfte nicht unterstützt hätte, wäre es ein sehr einsamer Wahlkampf geworden. Einzig zum Plakatieren der Bauzaunbanner und ein paar Informationsständen in der Fleiner Straße fanden wenigstens ein paar Kandidaten und weitere Helfer zusammen. Und so blieb — wie es bei den Freien Wähler ganz offensichtlich zumindest in Heilbronn Tradition ist — der Wahlkampf am damaligen Vorsitzenden Stefan Fiebig und Stadtrat Herbert Burkhardt hängen; auf jeden Fall aber waren es die beiden, die ich beim Plakatieren und Prospekte austeilen immer wieder sah.

Trotz aller meiner damaligen Bemühungen schaffte ich es nicht, mein Mindestziel zu erreichen, aber alles in allem hatte mir der Wahlkampf Spaß gemacht — Erinnerungen an meine Kinder- und Jugendzeit wurden geweckt — und so beschloss ich schon nach der Wahl, auch 2024 wieder zur Verfügung zu stehen.

Unglückliche Umstände führten dann dazu, dass ich 2022 Vorsitzender der Freien Wähler wurde und nun für den gesamten Wahlkampf Verantwortung trage. Dabei ist es mein erstes Ziel, ein paar mehr Wahlkämpfer als 2019 motivieren zu können. Und als Kandidat ist es weiterhin mein Ziel, dass ich auch gewählt werde, auf alle Fälle aber würde ich mich riesig darüber freuen, wenn ich dieses Mal wenigstens meinen Listenplatz verteidigen könnte.

Inzwischen haben wir unseren digitalen Wahlkampfauftritt online und die Masse der Plakate ist bestellt. Noch ein paar Nachbestellungen und der Druck unserer Broschüre, dann kann auch der Straßenwahlkampf beginnen. Jene Mitstreiter, für die Informationsstände und Wahlveranstaltungen nicht so richtig das Gelbe vom Ei sind, was ich durchaus verstehen kann, da ich dies selbst nur für gut finde, weil ich damit aufgewachsen bin, können problemlos von den digitalen Angeboten Gebrauch machen und diese wie wild in den Social Media und auf anderen Kanälen teilen.

Das Plakatieren und der Abbau nach der Wahl werden dabei wieder die großen Herausforderungen werden und so ist es ganz gut, dass wir mit Herbert Burkhardt einen gestählten Wahlkämpfer weiterhin mit im Boot haben. Das wirklich Spannende für mich dabei ist es, wie viele der Kandidaten auch noch nach der Wahl für die notwendigen Arbeiten zur Verfügung stehen werden, insbesondere wird es für mich der Lackmustest, ob ich noch dazu in der Lage bin, um genügend Mitstreiter bis zum abschließenden Ende des Wahlkampfes mit an Bord zu halten — für „meine“ Studenten kann dies als ein gutes Beispiel für das Thema „Projektabschluss“ dienen.

Und wie bereits 2019 steht schon jetzt der Termin für meine Wahlkampfparty fest, egal ob ich gewinne oder verliere, denn egal wie die Wahl für uns Freie Wähler oder auch für mich ausgehen mag, es wird der Abschluss eines weiteren Projektes sein, und letztendlich — in diesem ganz besonderen Fall übernehme ich ausnahmsweise einmal die Ansicht eines agilen Projektmanagers — zählt doch, mit dabei gewesen zu sein und zudem Spaß gehabt zu haben.