Wandkalender

Termine 5 (6)

Beitragsfoto: Wandkalender | © Pixabay

Terminkalender, ob auf Papier oder digital, gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Auch welche, die man nicht nur im Internet teilen, sondern auch gemeinsam verwalten kann.

In den letzten Jahren habe ich sehr viele davon selbst geführt und auch so einige auf den unterschiedlichsten Websites Interessierten zur Verfügung gestellt. Alle haben dabei eines gemeinsam, einer muss die notwenige Mindestarbeit leisten. Und zumindest in meinem ehrenamtlichen Bereich haben sich diese Kalender nicht bewährt, selbst die einfachsten Terminhinweise, die noch auf den Websites zu finden sind, werden so gut wie gar nicht von den Betroffenen wahrgenommen.

Auf der EUROPA-UNION Heilbronn Website ist es eigentlich nur ein Mitglied, das sich darüber informiert und von dem wir auch ein entsprechendes Feedback erhalten — letztendlich ist es einfacher und weniger zeitaufwändig, wenn ich das betreffende Mitglied einfach nur bei Terminen anrufe oder eine SMS sende.

Deshalb starte ich jetzt einmal einen ganz minimalistischen Ansatz, der zudem keine eigenen Ressourcen benötigt, indem ich einfach diesen Blog-Beitrag als Terminhinweis verwende.

Ich stelle hier zukünftig einfach jene Termine ein, die ich selbst für so wichtig erachte, dass es mir das Einstellen auch wert ist. Und wer möchte, der kann ab und zu nachschauen, ob sich auch etwas geändert hat — wer einen RSS-Reader sein eigen nennt, ist jetzt sogar etwas im Vorteil.

Und wer meinen jetzt gewählten Ansatz für völlig daneben hält oder gar diesem etwas abgewinnen kann, der kann dies gerne in der Kommentarfunktion kundtun. Bitte sehen Sie aber davon ab, mir jetzt Tipps für Kalender aller Art geben zu wollen, denn darum geht es doch gar nicht.

Nachtrag

Und kaum hatte ich alle über meine Entscheidung informiert, wurde ich auf einer Präsenzveranstaltung sehr nett gebeten, nochmals einen Versuch zu wagen. Deshalb findet man jetzt einen neuen Kalender hier auf diesem Weblog. Und jetzt bin ich sehr gespannt darauf, ob dieser dann auch von den Lesern genutzt werden wird.

Nachtrag 18.12.2023

Heute war es dann soweit und ich habe auch diesen Terminkalender endgültig gelöscht.

Nachtrag 25.6.2024

Heute habe ich einen Idee von Matt Webb aufgegriffen und meinen Lesern die Möglichkeit eröffnet, während meinen „Unoffice Hours“ jeweils 30 Minuten Gesprächszeit mit mir zu buchen.
[Am 13.12.2024 habe ich meine Unoffice Hours wieder stillgelegt.]

„Warum soll ich mich zum Sklaven von Terminen machen, wenn ich meine Selbständigkeit voll genießen und meine Rede überall hinlenken kann, wie es mir gefällt, nicht dem Urteil geringschätziger Zuhörer unterworfen, sondern als mein eigener Maßstab?“

Synesios von Kyrene, Dion Chrysostomos (403), übersetzt von Kurt Treu, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt (1959: 41)

Kuckucksuhr

Millennium-Bug 5 (3)

Vor Kurzem schrieb man noch das Jahr 1999, und viele von uns beschäftigten sich mit dem Jahr-2000-Problem, oder wie es die damaligen Nerds so schön nannten, mit dem Y2K-Bug.

Für die etwas später Geborenen nur ganz kurz zum Verständnis: bis zu diesem Jahr war es allgemein üblich, die Jahreszahlen nur zweistellig zu schreiben. Und da Speicherplatz schon damals nicht nur teuer, sondern auch selten war, nutzten die Programmentwickler der 1970 bis 1990er-Jahre die Gelegenheit und programmierten ihre Jahresdaten ebenfalls nur zweistellig. Hinzu kam wohl noch, dass man bis Ende 1999 das allseits bekannte „00“ als Begrifflichkeit für ungültige Dateninhalte benutzte.

Und so wurden alle, die damals schon mit Computern und Software zutun hatten, spätestens zum Jahresende 1999 — was übrigens zeitgleich auch ein neues Jahrtausend einläutete — etwas aktiver als sonst üblich. Und diese ungewöhnliche „Hyperaktivität“ von Computer-Fachleuten wirkte sich so langsam aber sicher auch auf die gesamte Gesellschaft aus. So war es nicht ganz verwunderlich, dass damals Horror-Szenarien in allen Medien zu lesen und zu hören waren und auch der allseits so beliebte Nostradamus wieder einmal ausgegraben wurde.

Auch ich blieb von dieser Thematik nicht ganz verschont, weil wir unsere damaligen NATO-Einsätze ohne Computer gar nicht mehr denken konnten und so langsam aber sicher selbst die Karten durch GPS ersetzten. Und so kam es, dass mich die damaligen Einsätze und der Millennium-Bug bei einem Heimatbesuch zur Überraschung meiner besseren Hälfte zu einem wahren Prepper werden ließen — sie benötigte wohl die gesamten Nullerjahre, um mich wieder zu resozialisieren.

Und dieser Prepper wusste seine kostbare Familienzeit zwischen zwei Einsätzen nicht besser zu nutzen, als der Familie eine analoge Uhr zu schenken, die ihr den Wechsel ins kommende Jahrtausend vereinfachen sollte. Und da die Familie jüngst auch erst in den Schwarzwald gezogen war, bot es sich an, dass die Uhr auch eine Kuckucksuhr ist.

Das ist jetzt gut 22 Jahre her, und die besagte Kuckucksuhr lief bis gestern gänzlich ohne Probleme, überlebte das Heranwachsen zweier Jungen und einen Hund sowie gleich mehrere Umzüge mit zum Teil sehr robusten Umzugshelfern. Auch machten ihr der ein oder andere Klimawechsel nichts aus.

Und jetzt ist sie futsch — sie möchte einfach nicht mehr. Vielleicht ist ihr das ruhigere Leben einfach nur zu langweilig geworden. So habe ich sie nun wohl das erste Mal geöffnet und auf das Uhrwerk geschaut. Dann habe ich mich aber dagegen entschieden, selbst das Basteln anzufangen. Die Herstellerfirma konnte ich schnell ermitteln und freute mich, dass es diese sogar noch gibt.

Die Rückfrage bei einem lokalen Uhrmacher ergab, dass wir wohl zwei bis drei Jahre warten müssen, um die Uhr repariert zu bekommen — das nur mal so zum Thema Fachkräftemangel.

Deshalb baue ich jetzt voll und ganz auf den Service eines renommierten Uhrenherstellers aus dem Schwarzwald. Heute habe ich ihn angeschrieben und ihm mein Problem geschildert.

Jetzt bin ich selber einmal gespannt, wie sich diese Angelegenheit weiterentwickelt. Übrigens, der Millennium-Bug war dann doch keiner und hat nur dazu geführt, dass wir uns alle auch ganz neue Computer kauften.

Ich hatte diesen Beitrag noch nicht fertiggestellt, da bekam ich bereits diese E-Mail:

„Sehr geehrter Herr Kümmerle, gerne können Sie die Uhr bei uns vorbeibringen. Einen Kostenvoranschlag können wir aber erst machen, wenn wir die Uhr genau geprüft haben. Bitte rufen Sie vorher an, bevor Sie kommen, da wir noch wegen der aktuellen Situation in Kurzarbeit sind.“

So, jetzt muss ich meine bessere Hälfte nur noch für eine Fahrt nach Titisee-Neustadt gewinnen können. Und ich bin bereits gespannt darauf, wie schnell die Kuckucksuhrenfirma Hönes meine Kuckucksuhr wieder hinbekommt.

Und hier findet man das glückliche Ende der Geschichte …

„You know what the fellow said – in Italy, for thirty years under the Borgias, they had warfare, terror, murder and bloodshed, but they produced Michelangelo, Leonardo da Vinci and the Renaissance. In Switzerland, they had brotherly love, they had five hundred years of democracy and peace – and what did that produce? The cuckoo clock.“

Orson Welles als Harry Lime in „The Third Man“ (1949)

Internetpräsenz

Never Change a Running System 4.8 (5)

Beitragsfoto: Beispielbild | © Gerd Altmann auf Pixabay

Dies ist ein altbekannter Grundsatz, dessen Befolgung mir sicherlich in den letzten Jahrzehnten viel Arbeit und noch mehr Nerven erspart hätte, aber für solch profane Hinweise war ich eigentlich noch nie zu haben.

Und so war es auch nicht wirklich überraschend, dass ich, nachdem ich erst vor Kurzem mein Weblog auf sehr gute Beine gestellt hatte, und dieses auch ohne Probleme und fast ganz von alleine lief, mit einer für mich neuen Idee konfrontiert wurde, nämlich der eines eher dezentralen Web-Systems. Diese Idee nennt sich IndieWeb und hat eine ganz interessante Anhängerschaft. Und so kam es, dass ich mich — noch bevor ich mich mit den Grundlagen so richtig selbst beschäftigt habe — dazu entschloss, dieses Weblog entsprechend und sofort umzubauen.

Was jetzt zur Folge hat, dass nicht nur die Blog-Leser hier immer wieder Neues oder gar Altbekanntes nicht mehr finden, sondern, dass auch ich jetzt ständig damit konfrontiert werde, was geht und was überhaupt noch nicht funktioniert.

Für mich war es dabei auch nicht sehr überraschend, dass Detlef Stern ebenfalls mit dieser Idee liebäugelt und entsprechend bereits 2016 einen eigenen Blog-Beitrag dazu schrieb — hätte ich diesen nur vorab gelesen!

Ich könnte jetzt einfach — dank der heutigen Technologie — auf den Reset-Button drücken und das letzte und ganz gut funktionierende System wiederherstellen, aber das wäre einfach nicht ich.

Ich könnte auch einmal damit beginnen mit Backups zu arbeiten, aber auch dies halte ich weiterhin für völlig übertrieben, und Detlef wartet bestimmt schon seit einigen Jahren darauf, dass mir mein ganzes, „selbst zusammengezimmertes“ System demnächst mal um die eigenen Ohren fliegt. Und inzwischen hat er die Wartezeit dazu genutzt, um mit seinem Zettelstore ein System anzubieten, was in seiner Einfach- und vor allem Übersichtlichkeit ganz besonders gut zu Bastlern wie mir passt.

Interessanter Weise konnte ich in anderen Blogs lesen, dass diese Ideen (HTML, IndieWeb und Einfachheit) ebenfalls schon andere Mitmenschen zuvor bewegt haben, und manche davon wieder, nach eigenen Versuchen, mit ihren Weblogs zu Word Press zurückkamen, weil es immer noch eines der am einfachsten zu bedienenden Systeme ist.

Ich kam ursprünglich selber aus einer ganz anderen Web 2.0 Ecke und blieb ebenfalls wegen seiner Einfachheit bei Word Press hängen; inzwischen dürften alle meine benutzten Vorgängersysteme ins digitale Nirvana abgewandert sein, und Detlef wird sicherlich anmerken wollen, dass ich deren Inhalte mit einem funktionierenden Backup auch mit in diese neue Zeit hinüberretten hätte können — hätte, hätte, Fahrradkette.

Auf jeden Fall warten nun auf mich wohl ganz spannende Wochen und dies nicht wegen den aktuellen Entwicklungen in unserer Welt oder auch nur um mich herum, sondern einfach nur deswegen, ob es mir jemals gelingen wird, mit diesem Weblog das IndieWeb-Konzept umzusetzen. Aber egal wie es auch ausgehen mag, zum Schluss der ganzen Aktion werde ich dann wohl wissen, was es genau mit diesem IndieWeb auf sich hat.

Neben dem Grundsatz „never change a running system“ gibt es auch den Versuchsaufbau des „trial and error“ und dies ganz im Sinne der Heuristik.

Und da wir schon bei Grund- und Vorsätzen sind, begrenze ich mich dieses Mal nur auf einen einzigen guten Vorsatz für das neue Jahr, nämlich dieses Weblog wieder so zum Laufen zu bekommen, dass mir seine Pflege und Bestückung möglichst einfach zur Hand geht und ich danach nicht mehr der Versuchung erliege, weitere grundlegende Veränderungen an diesem durchführen zu wollen. Denn auch ich komme so langsam in das Alter, in dem der Grundsatz „never change a running system“ durchaus nachvollziehbar wird.

Zum Schluss bleibt mir nur noch übrig, allen meinen Lesern einen erfreulichen Rutsch in das neue Jahr zu wünschen. Bitte bleiben Sie weiterhin gesund und munter sowie meinen Blog-Beiträgen gewogen!

„C’était l’explosion du nouvel an : chaos de boue et de neige, traversé de mille carrosses, étincelant de joujoux et de bonbons, grouillant de cupidités et de désespoirs, délire officiel d’une grande ville fait pour troubler le cerveau du solitaire le plus fort.
Au milieu de ce tohu-bohu et de ce vacarme, un âne trottait vivement, harcelé par un malotru armé d’un fouet. 
Comme l’âne allait tourner l’angle d’un trottoir, un beau monsieur ganté, verni, cruellement cravaté et emprisonné dans des habits tout neufs, s’inclina cérémonieusement devant l’humble bête, et lui dit, en ôtant son chapeau : “je vous la souhaite bonne et heureuse !” puis se retourna vers je ne sais quels camarades avec un air de fatuité, comme pour les prier d’ajouter leur approbation à son consentement.
L’âne ne vit pas ce beau plaisant, et continua de courir avec zèle où l’appelait son devoir. Pour moi, je fus pris subitement d’une incommensurable rage contre ce magnifique imbécile, qui me parut concentrer en lui tout l’esprit de la France.“

Charles Baudelaire, Le Spleen de Paris, Un plaisant (2021 [1869]: 10)