Jammern

19.4.02026 5 (9)

Beitragsfoto: Schnappschuss

Jugendwahn

Angeregt von ein paar Diskussionen der letzten Tage, wobei ich sowohl mit alten Herren wie auch mit jüngeren Menschen sprach, komme ich wieder auf ein unschönes Thema zu sprechen: politische Jugendorganisationen. Die meisten Menschen unterliegen einem Jugendwahn. Menschen, die älter als ich sind, versuchen mit allen Mitteln, jugendlich zu sein und machen sich dabei selbst zum Narren. In Florenz konnte ich über 70-Jährige schmunzeln, die wie Zwanzigjährige gekleidet, in Begleitung von 30-jährigen Damen in oder aus Autos stiegen, die selbst Teenagern Probleme bereiten würden. Aber jeder so, wie er es möchte.

Echte Probleme bereiten mir die Mittelalten in „meinem“ Verband, die auf Teufel komm raus als Jugendliche gelten wollen. Auch wenn ich Verständnis dafür habe, dass sie unbedingt Karriere machen möchten, so habe ich kein Verständnis dafür, dass sie dies auf Kosten anderer versuchen.

Inzwischen mehren sich die Aussagen von Mitgliedern unter 35 Jahren, dass sie keine Angehörigen unserer „Jugendorganisation“ sein möchten. Was ich sehr gut verstehen kann, denn auch ich wollte spätestens als 19-Jähriger voll und ganz zu den Erwachsenen zählen. Inzwischen dürfen 16-Jährige wählen und zählen damit politisch betrachtet ganz offiziell zu den Erwachsenen. Leider gibt es aber in meinem Verantwortungsbereich schon lange keine Jugendlichen mehr. Für potenzielle Mitglieder zwischen 14 und 21 Jahren stellen wir aber sehr gerne einen Jugendbeauftragten zur Verfügung; wobei meine Erfahrung zeigt, dass dieser nicht älter als 34 Jahre sein darf.

Was aber das Problem unserer Mitglieder unter 35 Jahren nicht löst, die schon immer inklusiv denken und als vollwertige Mitglieder handeln und agieren. Denn unser Verband sieht für diese ganz automatisch eine Zwangsmitgliedschaft bei den JEF vor.

Wie wir inzwischen sehen können, hilft diese Zwangsmitgliedschaft unserem Verband nicht mehr so richtig, sie dient einzig und allein nur noch dazu, um Karrieristen auf Kosten anderer Mitglieder ein Podium zu bieten. Unser Jugendwahn hat schon längst dafür gesorgt, dass die echte Jugend unter den Tisch gekehrt wurde oder verständlicherweise mit alten Menschen, die sich als Jugendliche gerieren, einfach nichts anzufangen weiß — sich wahrscheinlich sogar vor diesen ekelt.

Wir müssen dringend unseren Jugendwahn beenden — das wäre inklusiv gedacht (!) — und uns dafür wieder mehr um unsere eigene Jugend kümmern! Selbstverständlich auch bereits zuvor um unsere Kinder!

Durch dieses Kümmern werden diese Menschen zu engagierten Erwachsenen, die es überhaupt nicht nötig haben als Mittdreißiger auf der Jugendwelle zu reiten und schon gar nicht, um sich später mit Ende 50 an 20-Jährige heranzuwanzen.

Vermischtes

Gestern durfte ich ein paar guten Gesprächen beiwohnen, wobei ich aber, wenn ich näher darüber nachdenke, bei der einen oder anderen Diskussion völlig anderer Meinung bin. Wer in Gremien mitarbeiten möchte, der muss auch Verantwortung übernehmen! Die jüngst angedachte Lösung, Verantwortung auf möglichst viele Schultern zu verteilen, um selber keine mehr übernehmen zu müssen, ist ein Holzweg! Entscheidungen haben immer Konsequenzen, auch für einen selbst. Wer dies verneint, der soll und darf keine Entscheidungen treffen.

Im Anschluss noch kurz entschlossen die Enkeltochter besucht. Heute geht es dann wieder an die Vorbereitung der kommenden Vorlesung.

Erfreulich, dass es inzwischen auch mit den Koalitionsverhandlungen vorangeht. Spannend ist für mich dabei, wie man Europa im Koalitionsvertrag verankern möchte.

Gratulation

Als ich gestern Abend wieder von einer spontanen Tour de Pfalz zurück war, fand ich einen Blog-Beitrag mit dem Titel „20 Jahre“ von Detlef Stern in meiner Timeline. Die Zeit fliegt, so sagt man zumindest; es könnte aber auch sein, dass es diese gar nicht gibt und wir mit diesem Konstrukt nur Ordnung in unsere eigenen Gedanken und Vorstellungen bekommen möchten.

Gedanken in Blogs zu fassen, dürfte auch noch künftig eine gute Sache sein, zumindest so lange es noch die eigenen Gedanken sind. Manche Blogger haben bereits selbst das eigene Denken einer sogenannten KI überlassen.

Sehr schade wäre es, wenn es keine lange Woche mehr gäbe; von mir aus darf es gerne auch eine kurze (kleiner Insider) sein. Darüber, warum Effizienz das Denken töten soll, könnte man bestimmt einen Blog-Beitrag schreiben. Einig dürften wir uns aber darin sein, dass künstliche Intelligenz das Denken gerade jener tötet, die schon lange mit dem Denken aufgehört haben, vorausgesetzt, dass diese Menschen jemals damit begonnen haben.

Die Auffassung einiger Blogger, dass KI einfach nur ein weiteres Tool sei, kann ich auf alle Fälle nicht teilen.


Kleinkunst

17.4.02026 5 (5)

Beitragsfoto: Kleinkunst

Kommunalismus

Victor Orban ist weg, zumindest für eine kleine Weile. Nun gibt es für unsere Politiker eine Entschuldigung weniger, um endlich das Europa anzugehen, das wir mündigen Bürger bereits seit Ende des Zweiten Weltkriegs fordern. Nur ein politisch geeintes, möglichst dabei ein demokratisches und föderales Europa, ergo ein Bundesstaat wird unsere europäische Kultur und unsere Rechtsstaatlichkeit auf Dauer retten können. Das wissen wir bereits seit spätestens Mitte des letzten Krieges!

Dann aber gibt es uns Menschen, wo jeder an und für sich arbeitet, vielleicht noch für die eigene engere Familie. Und es gibt auch die weniger guten und netten Menschen, die nur von der Ausbeutung und Ausnutzung ihrer Mitbürger leben und existieren können. Um das alles unter einen Hut zu bringen, hat man sich bereits 1947 für einen Kommunalismus stark gemacht, der die Verantwortung dort belässt, wo sie hingehört und nur das auf der nächsten Ebene regelt, was man nicht selber regeln kann. Wo jeder die jeweiligen Entscheidungsträger kennt und keiner sich auf Dauer aus seiner Verantwortung stehlen kann.

Damit hätten wir fast eine heile Welt, zumindest aber eine in der man Probleme und Herausforderungen noch annimmt und zu lösen versucht. Eine Welt in der Tunichtgute, Möchtegerne, Schlümpfe, Halsabschneider und bloße Populisten auf alle Fälle einen schweren Stand haben.

Und das ist genau der Grund, warum wir seit spätestens 1947 diesen europäischen Bundesstaat nicht bekommen. Denn jene Politiker, die gerade von einer beständigen „Nach- wie Vorkriegssituation“ leben und selbst die kleinsten Probleme nur durch Geldgeschenke übertünchen können, die möchten keine funktionierenden Systeme — man würde ihre eigene Inkompetenz erkennen können.

Nun gibt es zwar einen Antieuropäer weniger, aber dennoch keinen einzigen Europäer mehr! Man wird unser Europa weiterhin zu verhindern wissen!

Ca. 1 % der Europäer lebt damit sehr gut! Und die restlichen gut 98 % interessieren sich viel zu wenig für die Welt um sie herum oder sind alleine nur damit beschäftigt, um jeden Tag aufs Neue über die Runden zu kommen.

Nachtrag 19.4.2026

Apropos Ungarn, zu meinen, die Ungarn hätten nun die Demokratie gewählt, dürfte eine Fehlinterpretation sein. Orban konnte ihnen wegen fehlender EU-Gelder nicht mehr den Luxus bieten, den sie für sich in Anspruch nehmen. Jetzt soll es ein anderer richten. Demokratie in Ungarn, völlig fehl am Platz. Auch die Ostdeutschen wollten nur die Mark und Urlaub in fernen Ländern.

Vermischtes

Die letzten ein paar Tage hatte ich mir eine kleine Auszeit vom Bloggen und vom Blog-lesen genommen. Und das war auch gut so. Heute war meine Timeline so voll, dass ich nach ein paar Minuten einfach auf „Delete“ gedrückt habe. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nun sehr viel Spannendes und Interessantes niemals erfahren werde, damit kann ich aber ganz gut leben.

Leider aber lassen sich manche Dinge einfach nicht nur so wegdrücken oder gar löschen. Ob ich es möchte oder auch nicht, ich muss eine unschöne Angelegenheit nach der anderen abarbeiten und dabei versuchen, diese möglichst in meinem Sinne zu regeln — das nennt man wohl umgangssprachlich Leben.

Die Fahrtnachbereitung und ein paar unschöne Dinge haben mir heute das Käffchen mit Detlef Stern verwehrt — er wird es wohl besser verschmerzen können als ich.

Was mich aber noch mehr schmerzt ist, dass wir im 21. Jahrhundert weiterhin Kriminelle zu unseren Führern küren, die wie in den Jahrtausenden zuvor auch, ganze Völker völlig sinnlos in Kriege und den Untergang führen, einzig und alleine nur wegen persönlicher Zwecke. Schlimmer dabei ist nur noch, dass gerade diese Politiker und dies noch anders als vor ein paar Jahrhunderten nun dafür sorgen, dass kein einziges eigenes Familienmitglied oder gar sie selber dabei geopfert werden.

Als ich noch selber meinen Kopf für Fahnenflüchtige und Drückeberger hinhalten musste, war das mein Berufsproblem, meine ganz persönliche Entscheidung. Nun, da mein Ältester entgegen meines Ratschlages eine alte Familientradition weiterführt, sieht es aber anders aus. Nun denke ich eher als Familienvater, Opa und einfacher Bürger — und was ich da so sehe und höre lässt mich so richtig gruseln!

Bücher

Die unschönen Entwicklungen in den USA beginnen sich nun auch auf mich auszuwirken, wobei ich mich darüber sogar etwas freue. Mein Buch „We Are All Part of Europe!“ wird dort nicht nur verstärkt zur Kenntnis genommen, sondern erfreulicher Weise auch gekauft. Ob dies nun eher Kanadier sind oder doch US-Amerikaner kann ich dabei allerdings nicht sagen.

Und vielleicht führt dies dazu, dass auch mein Buch „Europa ist für alle da!“ wieder mehr gekauft wird. Mein drittes Buch „EUROPA-UNION“ dämmert weiterhin ein wenig vor sich hin, auch wenn es aktuell sehr prominent am European University Institute ausgestellt wird — was wohl am dortigen Europatagfest liegen dürfte.

Alle meine Bücher sind weder kleine Kunstwerke noch Bestseller, es sind bloß auf Papier gedruckte Aufrufe zum selber Nachdenken und zur Diskussion. Und so bin ich nun einmal gespannt darauf, ob ich demnächst vom nordamerikanischen Kontinent Feedback erhalte.


Dom

Florenz 5 (6)

Beitragsfoto: Domblick

Florenz ist immer eine Reise wert. Das meinen zumindest täglich bis zu 70 000 Touristen, die durch die Innenstadt pilgern. Städte stehen und sterben mit ihren Besuchern von außerhalb, das dürfte schon immer so gewesen sein. Die Florentiner haben sich ganz gut mit ihren Besuchern arrangiert und dürften dabei auch noch den einen oder anderen Euro verdienen.

Dieses Mal bestand unsere Reisegruppe aus sieben Personen wobei die An- und Abreise von sechs erneut mit einem Bus absolviert wurde und die siebte Person den Luftweg wählte; Getrennt marschieren, gemeinsam schlagen (Moltke). Wir nutzten dabei erneut die Gelegenheit, um einen Kleinbus auf Herz und Nieren zu prüfen. Dieses Mal kam er aus Südkorea und überraschte auf ganzer Linie positiv. Die Ausstattung sehr zeitgemäß, die verbaute Technologie mir fast etwas zu schulmeisterlich. Das Nageln des Motors brachte dafür etwas Nostalgie zurück. In Florenz fanden wir dann heraus, dass es das gleiche Modell auch als E-Auto gibt. Unser Diesel musste je einmal zwischengetankt werden, was beim 2022 verwendeten Fahrzeug nicht nötig war. Interessant wäre zu wissen, ob beim E-Auto eine Tankfüllung gelangt hätte.

Die Alpenüberquerung dieses Mal ohne Schnörkel und der Aufenthalt in Florenz ohne weitere Abstecher, einmal vom traditionellen Fiesolebesuch abgesehen. Dafür gab es drei Tage lang Florenz pur, zu Fuß, mit dem Auto, mit dem Bus und mit der Straßenbahn.

Der Hintergrund unserer Fahrt war allerdings wieder ein ehrenamtlicher, denn wir transportieren Dokumente ins Archiv und trafen dort auf gute alte Bekannte. Da unsere diesjährige Gruppe noch nicht in Gänze das Archiv kannte, ergriff Dieter Schlenker die Gelegenheit und führte die Gruppe durch das Archiv und seine Gebäude. Erfreulich, dass Ruth Meyer die Gelegenheit nutzte und uns im Archiv traf.

Die Anfahrt zum Archiv etwas abenteuerlich. Wir nutzten die Fahrzeugnavigation und gaben dieses Mal die Adresse des offiziellen Eingangs ein. Der Navigation waren die Ausmaßes unseres Busses wohl nicht so ganz geläufig, aber wir kamen dann doch am richtigen Eingang an; die Jahre zuvor nutzten wir noch den alten Eingang, was uns immer eine Fahrt durch den Park ermöglichte.

Auf dem Gelände der Villa angekommen, bog ich einmal falsch ab und wir kamen fast bis in die Kantine. Die letzte Biegung hätte ich mit ein klein wenig Rangieren auch noch geschafft, allerdings waren die Türen dann doch für den Bus nicht breit genug.

Die Historischen Archive der Europäischen Union sind immer einen Besuch wert und dieses Jahr ganz besonders, weil das European University Institute sein 50-jähriges Bestehen feiert. Hierzu gibt es am 8. Mai 2026 einen Tag der offenen Tür, der es allen Interessierten ermöglicht, um auch einmal einen Blick hinter die Kulissen werfen zu können.

Zum Abschluss gab es dann noch eine Tour nach Fiesole, wo wir auf etruskischen, griechischen, römischen und langobardischen Spuren wandelten. Die Krönung der Abschluss in meiner Lieblingskneipe, wo wir auch den Sieg von Peter Magyar feierten.

Da unsere Gruppe ganz neu zusammengestellt war, u. a. mit Leonhard Reinwald und Semin Bristina, verließen wir ab dem folgenden Tag meine ausgetretenen Wege und fanden zumindest für mich doch noch Neues in Florenz, darunter eine Dachterrasse, die vielleicht noch mehr Charme hat als jene von den Uffizien — das Essen dürfte auf alle Fälle aber besser sein.

Da Florenz für jeden Geschmack etwas bieten kann, wurde es keinem Gruppenmitglied langweilig. Da mein für meine bessere Hälfte und mich geplanter Museumsaufenthalt sprichwörtlich ins Wasser fiel („geschlossene Gesellschaft“, was ich so auch noch nicht kannte), improvisierten Semin und ich ein wenig und besuchten ein anderes Museum, während meine bessere Hälfte ein paar Läden unsicher machte.

Von Semin inspiriert reaktivierte ich meine Google-Rezensionen und versuchte so ganz nebenbei mit ihm Schritt zu halten — ein vergebliches Unterfangen.

Neu für mich auch, dass unsere gemeinsamen Frühstücke immer damit begannen, was Donald Trump so in der letzten Nacht von sich gegeben hat. Erstaunlicher Weise schafft es dieser Mensch, sich jeden Tag erneut unterbieten zu können. Im Negativen scheint unsere Welt grenzenlos und unendlich zu sein. Wenn es ihn so oder so dereinst nicht mehr gibt, wird sich dies wohl wie das Ende der Truman Show (1998) anfühlen.

Jedem der Mitfahrer fiel und dies ganz ungefragt auf, wie sauber die gesamte Stadt ist. Die Florentiner haben erkannt, dass dies nicht nur für sie selbst viel angenehmer ist, sondern auch mit zum guten Renommee der Stadt beiträgt. Für uns Deutsche wohl unverständlich: Städte müssen nicht dreckig sein.

Auch bemerkenswert wie man den öffentlichen Nahverkehr für alle, ob Einheimische oder Fremde, sehr bequem gestaltet hat. Man steigt in den Bus oder die Straßenbahn und hält seine Debit- oder Kreditkarte an einen kleinen Automaten und das war es schon. Gäbe es das bei uns, würde ich auch ab und zu mit dem Bus fahren.

Noch besser, einfach nur Google aufmachen und man weiß, wann der benötigte Bus kommt, wo er gerade fährt und welchen Bus oder welche Bahn man als nächstes besteigen muss — keine einzige App oder sonstigen Programme sind vonnöten.


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