Kaiserstraße | © Shutterstock

12.6.02021 5 (2)

Kaiserstraße | © Shutterstock

Amüsement

Mein Gang durch die Innenstadt sorgt auch hin und wieder für ganz nette Erinnerungen. Vor allem bei gutem Wetter gibt es jüngst eine Heilbronner Kneipe, vor der sich verstärkt gebrauchte Nobelkarossen versammeln und deren vermeintliche Besitzer amüsiert zuschauen, wie sich Fußgänger, Rad- und Rollerfahrer sowie Kinderwägen abmühen, um nicht auf die Straßenbahnschienen ausweichen zu müssen.

Bereits in den 1980er-Jahren gab es eine Münchner Kneipe namens Extrablatt, in der sich die Nobelkarossenbesitzer dabei amüsierten, für jeden Strafzettel oder gar ein abgeschlepptes Auto eine Flasche MOËT & CHANDON springen zu lassen.

Der Unterschied zu Heilbronn ist, dass es sich in München um sehr attraktive Neuwagen mit sehr spendablen Besitzern handelte, und auch das Ordnungsamt täglich vorbeischaute und Strafzettel verteilte.

Das Münchner Spektakel erfreute damals die Passanten, die Gäste, den Kneipenbesitzer, das Champagnerhaus und uns Steuerzahler, die Heilbronner Kopie außer mir — der an eine schöne Zeit erinnert wird — wohl nur die Kneipengäste, welche ganz offensichtlich zu geizig sind, um Parkgebühren zu zahlen.

Gestern Nachmittag — ich kann es mir einfach nicht verkneifen und muss es erwähnen — haben wir beim Spazieren das Ordnungsamt gesehen. Sie waren dieses Mal im Auto unterwegs, und in der Zeit, wo wir sie einsehen konnten, haben die „Beamten“ gut 10 Ordnungswidrigkeiten, wie parken in der Fußgängerzone, blockieren von Gehwegen und fehlende Masken, übersehen. Man kann vermuten, dass sie eine Prämie für jedes Mal wegschauen erhalten, und deshalb, mit dem Auto unterwegs, ihre Quote erhöhen.

Aufreger

Manche Menschen sind einfach gleicher als die anderen, und das wird wohl schon immer so gewesen sein — überall auf der Welt und auch bei uns hier in Heilbronn. Regelmäßig wird es auch publik und eine kleine Aufregungswelle rollt durch das Land. Ein oder zwei Aufreger in der Zeitung und alles geht wieder seinen gewohnten Gang.

Rentner

Heute startet mein Schwager Dan Schaffer einen neuen Lebensabschnitt, nämlich den eines Rentners. Dabei erinnere ich mich noch ganz genau daran, wie er mir einst sein Mobile home, das irgendwo in der Pampa Ohios stand, vorführte. Nur ein paar Jahrzehnte und etliche Veränderungen später, ist er nun in der Eifel heimisch, wobei diese getrost ebenfalls als Pampa bezeichnet werden darf. Der große Vorteil für mich ist dabei, dass man anstatt des Flugzeugs nun die Bahn oder das Auto nutzen kann.

Und da er weiterhin den Pfadfindern sehr verbunden ist, wird es ihm bestimmt nicht langweilig werden.

„Old age ain’t no place for sissies.“

Bette Davis, an ihrem 70. Geburtstag (Nachruf in der Newsweek 1989)

Beitragsfoto: Schachfiguren | © Pixabay

11.6.02021 5 (1)

Beitragsbild: Schachfiguren | © Pixabay

Sauberkeit

Im Echo24 konnte ich heute lesen, dass sich auch andere Mitbürger über die mangelnde Ordnung und Sauberkeit in Heilbronn beschweren, was, wie man lesen kann, nicht einfach ist. Zuerst muss man im Dschungel der städtischen Website den richtigen Ansprechpartner finden und bekommt dann vielleicht auch einmal auf eine Anfrage eine Antwort — ich rede dabei schon gar nicht mehr von einer fundierten.

Der Vorteil des obigen Beschwerdeführers ist aber, dass er nicht aus der Innenstadt oder einem anderen vernachlässigten Stadtteil kommt, sondern aus einem Stadtteil, das zurzeit im persönlichen Interessenschwerpunkt von so manchem Stadtrat oder städtischen Angestellten liegt.

COVID-19

COVID-19 hat uns Bürgern ein für allemal aufgezeigt, wie wir uns selbst sehen und sein möchten: wir wollen alle mit möglichst wenig Aufwand eine Vollkasko-Gesellschaft, die von irgendwem störungsfrei betrieben wird. Und so lange wir essen & trinken gehen sowie regelmäßig urlauben können, ist die Welt für uns auch in Ordnung.

Es hat uns aber auch gezeigt, wie wir werden, wenn uns jemand die Illusion einer heilen Welt raubt, dann werden wir zu Wutbürgern, Querdenken, Totalitaristen oder gar wieder zu Nationalsozialisten — die wenigsten von uns aber zu Demokraten.

BREXIT

Dass die EU so langsam an die Wand fährt, hätte man sich mit der Inthronisation von Ursula von der Leyen bereits denken können, da diese ein bewährter Garant für Scherbenhaufen und verbrannte Erde ist — welch ein Signal an unsere europäischen Nachbarn!

So war auch klar, dass die Verhandlungen mit der Schweiz scheitern werden, so wie der BREXIT jetzt zu einer unendlichen Geschichte des Leidens mutiert; dies sogar mit Ansage sowie mit einem völlig unausgegorenen Vertrag, der übrigens im Nachhinein (!) vom Europäischen Parlament nur noch durchgewunken worden war.

Was den BREXIT anbelangt, richten sich ab heute alle Hoffnungen auf den G7-Gipfel, wobei mit Joe Biden wieder einmal ein US-Amerikanischer Präsident Europa retten soll. In über 70 Jahren haben es die europäischen Provinzfürstchen — auch die mit gut 80 Millionen Untertanen — nicht geschafft, einen eigenen Bundesstaat auf die Beine zu stellen, oder wenigstens eine EU, die in der Lage wäre, mit ihren Nachbarn konstruktive Verträge zu schließen und diese dann auch umzusetzen.

So trifft Joe Biden auf ein Europa, das nicht einmal mehr für Rechtssicherheit geschweige denn für Menschenrechte eintritt. Ein Europa, das unisono von den USA alles verlangen wird und zeitgleich mit totalitären Regimen wie das von Wladimir Putin oder Xi Jinping kuschelt.


Beitragsfoto: Schachfiguren | © Pixabay

9.6.02021 5 (1)

Busspur

Dieses Mal flanierte ich die Wilhelmstraße entlang stadtauswärts. Gemäß der unzähligen Verkehrszeichen gibt es dort eine Busspur, welche anhand weiterer Verkehrszeichen auch für Taxen freigegeben ist. Was aber alle anderen Verkehrsteilnehmer offensichtlich nicht davon abhält, genau diese Busspur ebenfalls zu nutzen. Ein Taxifahrer, der durch hupen auf sein Nutzungsrecht aufmerksam machen wollte, wurde ebenso ignoriert, wie der Stadtbusfahrer, der in der Straßenmitte mit dem normalen Verkehr mit schwamm und versuchte zumindest in Höhe der nächsten Bushaltestelle auf die Busspur zu gelangen.

Mein Tipp an die zuständigen Mitbürger: wenn man die gesamte Stadt mit immer mehr Verkehrszeichen, bunten Spuren und sonstigen Gadgets ausstattet, wobei kaum einer noch den Sinn oder Nutzen nachvollziehen kann, braucht man sich nicht wundern, wenn jeder zum Schluss macht, was er will — in Fachkreisen nennt man so etwas Überregulierung.

Verkehrsachsen

Straßen wie die Saarlandstraße oder die Sontheimer Straße sind Verkehrsachsen, die eine Stadt ab einer bestimmten Bevölkerungszahl einfach benötigt, und ganz besonders dann, wenn durch die Stadt hindurch auch Bundesstraßen führen. Nicht zuletzt dienen sie dem Durchgangsverkehr und sind zudem städtische Erschließungsstraßen, die den Verkehr in die Stadt hinein lenken, verteilen und wieder hinaus führen. Insbesondere jene Verkehre, die der Versorgung der Stadt an sich dienen und meist mit Lastkraftwagen in allen Größen bestritten werden. Hinzu kommen die Entsorgungs- und öffentlichen Nahverkehre — manche Großstädte verstärken solche Verkehrsachsen zudem mit Straßenbahnen.

Absolut notwendig sind solche Verkehrsachsen für die Rettungsdienste, wie Feuerwehr und Samariter, die über solche Verkehrsachsen schneller von einem Stadtteil zum anderen gelangen und sich nicht durch die Staus von einer verkehrsberuhigten Zone in die andere quälen müssen.

Selbst dann, wenn man Heilbronn zur verkehrsberuhigten, autofreien und radfahrfreundlichen Stadt erklärt, muss man diese Verkehrsachsen weiterhin vorhalten und mit zunehmender Einwohnerzahl auch weiter ausbauen (siehe Saarlandstraße). Ein Autobahnring, Lieferdrohnen oder gar unterirdische Verteilersysteme werden in den nächsten 500 Jahren für unsere Stadt wohl nicht in Frage kommen.

Deswegen ist es mir völlig unverständlich, dass man den Ausbau bzw. die Erweiterung der Saarlandstraße seit gut 50 Jahren verhindert — welche u. a. auch der Erschließung des einzigen Krankenhauses dient –, oder wie heute in der Heilbronner Stimme, die Sontheimer Straße verkehrsberuhigen möchte.

Zukunft

Heute durfte ich Verhandlungen beiwohnen, deren Gültigkeit über das Jahr 2050 hinausgehen soll, was mir jetzt im Anschluss doch ein wenig zu denken gibt. Zumindest ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass ich das Endergebnis selbst noch erleben werde. Man darf dabei getrost behaupten, dass alle Beteiligten zukunftsorientiert denken.