Sinnierende Frau

Der soziale Kit bröckelt 5 (3)

Beitragsfoto: sinnierende Frau | © Pixabay

Die heutigen westlichen Gesellschaften funktionieren ganz gut, so lange alle nach den gleichen Regeln spielen und zudem bereit sind, notfalls für die anderen einzuspringen. Ob das nun auf rein freiwilliger Basis geschieht oder staatlicherseits gelenkt wird, spielt dabei eher eine untergeordnete Rolle.

Diese gegenseitige Unterstützung von Mitgliedern innerhalb einer Gesellschaft wird gerne als sozialer Kit bezeichnet, der von den Familien beginnend über die Kommunen hinweg ganze Staaten zusammenhält. Vor allem bei den Staaten begründet dieser soziale Kit also die Absicherung der einzelnen Mitglieder, deren Existenz.

Und wie beim Geld auch, müssen die Bürger davon überzeugt sein, dass das „System“ zumindest grundsätzlich funktioniert und andere — auch ganz persönliche — Erfahrungen die Ausnahme darstellen.

Von der Arbeitslosenversicherung bis hin zur sozialen Marktwirtschaft haben Staatenlenker vieles erschaffen, um diesen sozialen Kit nicht nur zu stärken, sondern gar bis hin zu einer „Vollkasko“ auszubauen.

Leider wird dies immer schwieriger, als es eigentlich sein müsste, vor allem seit unsere entsprechenden Kontroll- und Regulierungssysteme nicht mehr in der Lage sind, diese Versprechungen tatsächlich auch sicherstellen zu können.

Eine der Ursachen ist, dass wir alle in einer sehr mobilen Welt leben und die vorhandenen Systeme heute immer noch viel zu kleingliedrig sind, um für alle ihre Mitglieder noch Gültigkeit haben zu können. Eine andere und meines Erachtens viel schwerwiegendere Ursache ist, dass selbst die „Akteure“ innerhalb dieser Kontroll- und Regulierungssysteme sich selbst immer weniger daran halten oder gar zugunsten von sich selbst und anderen manipulieren.

Nachrichten wie der von heute, dass viele „Superreiche“ und nicht nur ihre Unternehmen kaum bis keine Steuern zahlen, zeigen auf, wie der soziale Kit innerhalb der westlichen Gesellschaften bröckelt. Und auch bei uns in Deutschland sind immer mehr Bürger davon überzeugt, dass unsere soziale Marktwirtschaft nicht mehr richtig funktioniert — die vielfältigen Bürgerproteste und Unmutsäußerungen in den sozialen Medien können dafür als Anhalt genommen werden und sind in meinen Augen nur die Vorboten von gravierenderen Verteilungskämpfen, da die meisten Bürger längst erkannt haben, dass das Geld insgesamt das eigene Ersparte und auch alle anderen Ressourcen für uns alle nicht mehr lange reichen werden.

Viele retten sich schon auf ihre eigene Insel (Vereinigtes Königreich) oder in abgelegene Bergregionen (Schweiz) und glauben, damit selbst dem „Untergang“ entkommen zu können — was für eine trügerische Schlussfolgerung! Der soziale Kit ist im Königreich schon längst aus allen Fugen gefallen und wird auch in der Schweiz langsam aber sicher zerbröseln.

Jede Gesellschaft zerbricht, wenn sie den sozialen Kit zwischen ihren Mitgliedern nicht mehr garantieren kann. Denn dann sitzen nicht mehr alle im selben Boot, und jeder einzelne ist berechtigt, ohne dabei auf die anderen Rücksicht nehmen zu müssen, nach seiner eigenen Fa­çon glücklich zu werden – man könnte das Endprodukt auch als Anarchie bezeichnen.

Beispiele, warum dies in unseren Gesellschaften nicht mehr so gut läuft, kennen wir alle sehr gut. Ich rufe die folgenden nochmals in Erinnerung:

  • Großkonzerne oder Hightech-Firmen agieren weltweit, sind damit global aktiv und selbst von sehr großen Staaten noch schwer zu kontrollieren;
  • Auch der Kapitalmarkt kann von einzelnen Staaten nicht mehr kontrolliert werden;
  • Das Gleichheitsprinzip, eine der Grundlagen aller demokratischen Gesellschaften, wird zunehmend ausgehebelt und durch das uralte Prinzip: „an der Quelle saß der Knabe“ ersetzt — Solidarität mutiert zum politischen Kampfbegriff.

Was müssen wir ändern?

Unsere staatlichen Strukturen müssen sicherstellen, dass

  • sie für alle in ihrem Bereich lebenden Menschen gültig und anwendbar sind; gleiches Recht für alle!
  • durch internationale Abkommen bis hin zu Zusammenschlüssen die Migration von Wissen, Geld und Menschen für alle Beteiligten geregelt und notfalls ausgeglichen wird.

Zudem müssen wir alle dafür Sorge tragen, dass

  • sich alle Mitglieder einer Gesellschaft geborgen fühlen und sich sicher sein können, dass man sie nicht unverschuldet im Regen stehen lässt;
  • wir uns nicht innerhalb derselben Gesellschaft weiter in Unter- bis hin zu Kleingruppen zerbröseln, denn damit gefährden wir selbst die letzten Reste von Solidarität untereinander; auch wir müssen unseren Teil dazu beitragen, dass ein für alle gleichermaßen geltendes (Rechte & Pflichten) Sozialsystem den sozialen Kit in unserer Gesellschaft wieder herstellt.

„Die multikulturelle Gesellschaft ist hart, schnell, grausam und wenig solidarisch, sie ist von beträchtlichen sozialen Ungleichgewichten geprägt und kennt Wanderungsgewinner ebenso wie Modernisierungsverlierer; sie hat die Tendenz, in eine Vielfalt von Gruppen und Gemeinschaften auseinanderzustreben und ihren Zusammenhalt sowie die Verbindlichkeit ihrer Werte einzubüßen.“

Daniel Cohn-Bendit und Thomas Schmid, Die Zeit (1991, Nr. 48)

Beitragsfoto: Rathaus Heilbronn | © Shutterstock

7.6.02021 5 (5)

Beitragsfoto: Rathaus Heilbronn | © Shutterstock

Qual der Wahl

Reiner Haseloff hat gezeigt, dass man mit Seriosität bei uns doch noch Wahlen gewinnen kann — was übrigens sehr erfreulich ist. Leider aber zeigen unsere Bundesminister, dass er in seiner Partei wohl zu den ganz wenigen gehört, die sich zumindest noch um Seriosität bemühen. Schon bei Armin Laschet muss man sich fragen, warum er unbedingt ein Enkel von Karl dem Großen sein möchte, und was für ein Demokratieverständnis dahinter steckt. Auch eine etwaige parteiliche Alternative, welche die B90/Grünen so gerne sein möchten, scheitert bereits an der ersten Kanzlerkandidatin, Annalena Baerbock, die sich selbst für so ungeeignet hält, dass ihre Partei den entsprechenden Lebenslauf fortwährend zu pimpen versucht — was inzwischen eine bewährte Tradition im Deutschen Bundestag ist, der, wie wir immer wieder erfahren müssen, parteiübergreifend Möchtegerns eine Bühne gibt. Weitere Kandidaten, wie Markus Söder und Olaf Scholz, sind bereits aus dem Rennen, wobei es letzterer noch nicht erkannt hat, und auch seine Kollegen wenig unternehmen, um dieser vielleicht zu alten Partei wieder einen Anschein von Seriosität zu verleihen. Oskar Lafontaine ist da wieder einmal etwas schneller und empfiehlt, seine neue Partei schon gar nicht mehr zu wählen. Und der letzte in der Runde, Christian Lindner, der sich beim letzten Mal so elegant aus der Verantwortung stahl, lässt jetzt alle wissen, dass er für jeden und alles zu haben ist.

Dieses Mal haben wir wirklich die Qual der Wahl; das einzig Gute daran ist, dass es sich noch um Demokraten handelt und selbst der schlechteste Demokrat immer noch besser als der allerbeste Diktator ist.

Menschenhaufen

Auf meinem Weg in die nördliche Innenstadt traf ich ein paar Stadträte, die ihre Masken vorbildlich und dies auch außerhalb der von der Stadt ausgewiesenen Zone trugen.

Sehr gefreut hat es mich, dass sich Herbert Burkhardt kurz für ein wenig Smalltalk Zeit nahm, dann aber, wie die anderen Stadträte auch, seinen Weg auf der Allee fortsetzte. Ich hingegen musste weiter durch die kleineren Gassen in die Sülmerstraße, nur um erneut festzustellen, dass die städtischen Lockerungen nicht nur die altbekannte Trinkerszene in der Fußgängerzone reaktiviert und für sehr hohen Publikumsverkehr gesorgt hat, sondern aufgrund mangelnder Kontrollen und fehlender öffentlicher Toilettenanlagen, dass ich erneut menschliche Haufen entsorgen durfte, und dies wohl zum großen Erstauen unserer Penner und Bettler, die es offensichtlich ganz gerne sehen, wenn andere arbeiten.

Wie groß muss die Not in Heilbronn nur sein, dass Menschen selbst vor jenen Häusern in der Fußgängerzone ihre Notdurft verrichten, die über keinerlei Sichtschutz verfügen!

Als ich dann beim Beseitigen der letzten Fäkalienreste mit einem Heilbronner Geschäftsmann ins Gespräch kam, konnte ich feststellen, dass ich nicht der einzige bin, der von unserer Stadtverwaltung immer weniger überzeugt ist.

Dabei wäre es so einfach, anstatt über weitere Attraktionen, wie Großtreppen oder ansprechende Trinkgelegenheiten nachzudenken, einmal dafür zu sorgen, dass Heilbronner und ihre Gäste in der Stadt auch auf’s Klo gehen können — nicht nur virtuell auf der Heilbronner Website, sondern in echt.

Geburtstage des Tages

Paul Gauguin, Dean Martin, Tom Jones und Prince


Maskerade

6.6.02021 5 (1)

Beitragsfoto: Maskerade | © Pixabay

Instagram

Nach längerer Abstinenz habe ich wieder Instagram aktiviert, da auch andere Blogger dieses Medium verwenden und Bilder oftmals mehr als Worte sagen. Ich kann mir zwar immer noch nicht vorstellen, wie man Blog und Fotoschau kombinieren kann, poste gerne selbst aber hin und wieder ein paar Snapshots. Und wenn diese dann dazu führen, dass sich der eine oder andere auf meinem Weblog wiederfindet, soll es mir nur recht sein.

Groko

Jahrelang haben sehr viele Mitbürger, darunter auch ich, immer wieder gepredigt, dass große Koalitionen eine Ausnahme sein müssen und nur einem einzigen Zweck dienen, nämlich als Gesetzgeber mit einer großen Mehrheit notwendige gesellschaftliche Veränderungen umzusetzen.

Trotz aller Warnungen haben es sich unsere Berufspolitiker seit längerem in einer „GroKo“ bequem gemacht, dabei nicht einmal zumindest maßgebliche Veränderungen eingeleitet, sondern den politischen und gesellschaftlichen Stillstand auf Jahre hinweg zementiert.

Und dies hat weitere gravierende Folgen, nämlich zum einen, dass, ohne politische Wechsel und entsprechenden Herausforderungen, sowohl die Qualität der Regierungsbeteiligten als auch die der GroKo-Abgeordneten an sich sehr schnell sinkt, aber dafür die Vetternwirtschaft sowie die Korruption ungeahnte Züge annimmt.

Und zum anderen stärkt eine GroKo vor alle die politischen Ränder und führt zugleich zu einem Demokratieverdruss innerhalb der Bevölkerung.

Wahlen

Heute werden wir wieder einmal die Folgen davon sehen können, wobei wir alle hoffen, dass in Sachsen-Anhalt die Anti-Demokraten (AfD und Linke) dort nicht bereits mehrheitsfähig werden.

Aber schon jetzt wissen wir um die Reaktionen der Berufspolitik: die Verantwortlichen werden sich im September 2021 in eine weitere große Koalition stürzen (Grün-Schwarz?), den Stillstand um weitere Jahrzehnte zementieren und dabei ihre Pfründe wie auch die einer Bananenrepublik ähnlichen Verhältnisse weiter sichern.

Das geht aber nur so lange gut, wie wir Bürger noch die Scheuers und Spahns der Berufspolitik finanzieren können oder aber bis die Bürger die Demokratie insgesamt wieder abwählen — ab 18.00 Uhr wird es richtig spannend werden!

Nachtrag

Am 12. September 2021 habe ich meine Instagram-Aktivitäten wieder eingestellt. In meinem Falle ist dieses Soziale Medium reine Zeitverschwendung.