Hasen

27.4.02021 5 (2)

Aufbaugilde

Dass wir alle älter werden, das ist hinlänglich bekannt, und der eine oder andere findet sich auch damit ab. Aber, dass Hannes Finkbeiner die Stellung als Geschäftsführer bei der Aufbaugilde aufgibt, hat mich dann doch ein wenig überrascht. Sufi und er sind eigentlich nicht aus der Aufbaugilde wegzudenken.

Zu den Ergebnissen der gestrigen Haushaltsberatungen sage ich hier jetzt mal nichts, schon alleine der Stimme-Artikel darüber lässt mehr als staunen, außer vielleicht, dass sich keiner der Beteiligten mit Ruhm bekleckert hat, und sich die angerichteten Schäden erst später bemerkbar machen werden.

Dafür war der heutige Europastammtisch wieder sehr informativ und die Beteiligten hatten auch Spaß dabei.

Privatschule

Sehr erfreulich war auch der nunmehr offizielle Baustart der Privatschule im Neckarbogen, das wird ganz bestimmt eine gut ausgestattete Schule werden – aber wohl eher für die Besserverdienenden unter uns. Zielführender wäre es natürlich gewesen, wenn die Verantwortlichen zumindest versucht hätten, die öffentlichen Schulen in Heilbronn in einen halbwegs akzeptablen Zustand zu bekommen, was übrigens eine städtische Aufgabe ist.

Koalitionsverhandlungen

Und mit den ersten verlautbarten Ergebnissen aus den Koalitionsverhandlungen auf Landesebene, wo man offenbar Bildung und Digitalisierung um weitere Jahrzehnte verschleppen möchte, wird damit wohl auch die letzte Hoffnung begraben werden, um in Heilbronn noch gut funktionierende öffentliche Schulen zu erhalten, denn ganz ohne Lehrer oder adäquaten Internet-Anschluss machen heutzutage auch moderne Schulen kaum Sinn.


Beitragsfoto: Affenmusik | © Pixabay

15.4.02021 4.3 (3)

Hochschule

Gerade bin ich an einer Hochschule vorbeigeschlendert und habe dort, als ich im Schaufenster den Spruch „Where management meets technology“ las, vor lauter Neugierde mal in den entsprechenden Unterrichtsraum hineingespickt. Dort stand ganz prominent ein Flipchart. 

Schwimmen

Jüngst macht man sich sogar Gedanken darüber, was mit Kindern geschieht, wenn man jahrelang die Schwimmbäder sperrt. Man könnte diesen doch — ganz ausnahmsweise und analog zum Schulabschluss — einfach ein Schwimmdiplom zuerkennen.


Duden-Website

Ein Abgesang 5 (1)

Foto: Duden-Website-Ausschnitt | © Duden

Kennen Sie noch den Duden, ich meine damit das eine verlässliche Werk zur Verbesserung der deutschen Sprache, welches in jedem vernünftigen Haushalt zumindest einmal vorhanden war?

Konrad Duden schuf 1872 das heute nach ihm benannte Rechtschreibwörterbuch und beeinflusste damit maßgeblich die Entwicklung einer einheitlichen Rechtschreibung im deutschen Sprachraum.

Da ich meine eigene Schulzeit mit einer vermeintlichen Lese- und Schreibschwäche begann, wobei ich davon überzeugt bin, dass es nur den damaligen sprachlichen Umerziehungsbemühungen junger Lehrer aus dem norddeutschen Sprachraum geschuldet war, die uns mit Brachialgewalt das Westfränkische — unsere eigentliche Muttersprache — austrieben, gaben mir meine Eltern bereits sehr früh einen Duden zur Hand. Mehr Erfolg hatten sie dann, als sie einen Lesezirkel für uns Kinder organisierten.

Auf jeden Fall war meine Neugierde geweckt und ich suchte in den Bücheregalen stets nach dem ältesten dort vorhandenen Duden, wobei ich ganz nebenbei auch die Sütterlinschrift kennenlernte.

Zu Anfang meiner Berufszeit, welche noch in der Bonner Republik begann, war der Duden „Gesetz“ in allen Bundesbehörden, und die Dudenredaktion lies es sich auch nicht nehmen, die deutsche Sprache mit einer eigenen „Hotline“ zu fördern. Gerne erinnere ich mich diesbezüglich an die Telefonate mit ehrenamtlich tätigen Sprachwissenschaftlern zurück, die auch die feinste Sprachnuance, und in meinem Falle meist eine korrekte Kommasetzung, erklärten.

Gerne erinnere ich mich auch an die sehr strittigen Diskussionen mit meiner Schwester zurück, die zu dieser Zeit Germanistik studierte, und mir erklärte, dass sich Sprache beständig ändert und nicht zementiert werden könne; dies ließ sich auch in den Duden verschiedener Ausgaben nachweisen.

Wohl dank der umfänglichen sprachlichen Umerziehungsversuche an den deutschen Schulen, und der politischen Erkenntnis, dass eine Überqualifikation der Bürger nicht nur für die Industrie von Nachteil ist, kam es seit den 1970er-Jahren zu einer zunehmenden sprachlichen Verarmung in unseren Ländern, wobei auch der Dativ und der Genitiv dem nunmehr Beliebigen zum Opfer fielen.

Mit der 1996 durch die Berliner Republik vollzogenen und seither beständig korrigierten Rechtschreibreform glitt die deutsche Sprache vollends ins Unverbindliche, wobei sich die Politik dabei nur von der Idee der Vereinfachung leiten lies, um der sprachlichen auch eine geistige Armut folgen zu lassen, denn „nur die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber.“

Wer nun aber glaubte, dass man diese rein politisch motivierten Eingriffe in unsere Sprache, welche übrigens das „Betriebssystem“ unserer Gesellschaft ist, nicht mehr steigern könne, hat seinen George Orwell nicht gelesen, der bereits 1949 vor dem Neusprech warnte.

Dieser Neusprech wird seit ein paar Jahren von den größeren politischen Parteien unisono gefordert und gefördert und wurde nunmehr auch vom Duden nachvollzogen, wobei dieser nicht nur die Sprachwissenschaft verlässt, sondern auch den emsigsten Parteiideologen vorauseilt.

Aus einem von Konrad Duden entwickelten Werk zur Stärkung und Mündigmachung unsere Gesellschaft wurde nun ein ideologisches Hilfsmittel zur Schaffung einer neuen Welt — die deutsche Sprache wird dies sicherlich überleben, der Duden aber wurde damit völlig überflüssig.

„Wer ist überhaupt dieser Herr Konrad Duden? Irgendein Sesselfurzer!“

Hans Magnus Enzensberger, So überflüssig wie ein Kropf (14.10.1996)