S-Bahn vor Hauptbahnhof

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Beitragsfoto: S-Bahn vor Hauptbahnhof | © Bettina Kümmerle

Nachbereitung

Auch Dozenten bereiten ihre Vorlesungen nach, was ich allerdings im heutigen Fall gleich im Außenbecken des Stadtbads erledigt habe. Die entsprechenden Notizen erfolgten etwas später; wobei ich der Idee von Internet-Terminals am Beckenrand durchaus etwas abgewinnen könnte.

Meine Nachbereitung dürfte etwas anders aussehen als die „meiner“ Studenten, die hätten heute bereits drei potentielle Klausuraufgaben festhalten können, ganz zu schweigen von den Goldkörnchen, die ich gerne und kostenfrei auslege. Und schon muss ich ein Lob auf unser — wenn auch etwas marode — Bildungssystem aussprechen, denn wo sonst bekommt man eine gute Bildung bzw. Ausbildung völlig kostenfrei oder wird gar dafür noch „entlohnt“? Die Studenten an der Heilbronner Hochschule bekommen, wenn sie dies nur möchten, eine fundierte Schulung im Projektmanagement. Das Drollige dabei, viel zu viele nehmen das Angebot nicht wahr und bezahlen später — zumindest aber deren künftige Arbeitgeber — Unsummen an entsprechende Firmen, um Zertifikate zu erhalten, die das Papier nicht wert sind, auf das sie gedruckt werden. Und so wie Firmen und Parteien spätestens alle zwei Jahre ein neues Corporate Design erhalten, wird das Projektmanagement immer wieder neu erfunden — ein Markt der sich von ganz alleine trägt, niemandem wirklich weiterhilft, aber auf alle Fälle nur so vor Innovation und Agilität strotzt. Übrigens, die Werte die man dabei jüngst ins Zentrum eines jeden Managements stellt, sind genau jene, die man beständig selber mit Füßen tritt.

Auf alle Fälle aber war ich zwar nicht mit der Anzahl der Teilnehmer ganz zufrieden — ich hatte 80 % erwartet — aber dafür lassen die anwesenden Teilnehmer durchaus hoffen. Und so bin ich freudig gespannt, wie sich das Ganze in den kommenden Wochen weiter entwickeln wird. Luft nach oben ist noch und vielleicht gelingt es mir doch noch, eine weitere „fixe Idee“ aus meiner imaginären Bucket-List zu streichen.

Eine Einsicht konnte ich aber schon jetzt gewinnen, das „Apfelkuchenmotiv“ ist nach all den Jahrhunderten nicht mehr wirklich vermittelbar, so wie wohl der Protestantismus insgesamt als Motor einer Gesellschaft im allgemeinen und des Projektmanagements (Stichwort: u. a. Verschriftlichung) im besonderen ausgedient hat. Und so bleibt mir nur noch für all jene, die damit nicht allzu viel anzufangen wissen, der Hinweis auf einen Film aus dem Jahr 2005, wo meines Wissens letztmals ein Apfelkuchen zumindest als Projekt eine tragende Rolle spielt.

Bahnen

Die aktuell thematisierte Gäubahn war hier bereits schon öfters Thema. Eine völlig verfehlte Bahnpolitik in Baden-Württemberg hat nicht nur dafür gesorgt, dass man die Linie Berlin — Mailand über Heilbronn schon länger stilllegte, sondern jetzt auch die letzten noch funktionierenden Teilstücke ausschlachtet; die Gäubahn ist eines davon. Von der Frankenbahn müssen wir erst gar nicht mehr sprechen. Dabei wären beide Bahnen als eine Magistrale für Heilbronn das, was die Strecke Paris — Budapest für Stuttgart ist.

Wenigstens hat sich nun aber der Landkreis für die Bottwartalbahn stark gemacht. Diese soll erneut über Talheim, Ilsfeld und Beilstein führen und auch in Heilbronn wieder Sontheim besser anbinden. Vor vier Jahrzehnten stillgelegt, soll nun fast die alte Trasse reaktiviert werden – in der Stadt Heilbronn werden dies dann wohl Busse sicherstellen.

Wenn wir allerdings davon ausgehen, dass nach dieser gestrigen Weichenstellung des Landkreises noch gut zwei Jahrzehnte ins Land ziehen werden, bis die ersten Bahnen rollen, dann hat bis dahin vielleicht auch die Stadt Heilbronn ihre Hausaufgaben gemacht.

Klare Kante

Heute können wir in der Heilbronner Stimme (19.3.2024: 7) lesen, dass Reinhold Würth klar gegen sämtliche extremistischen Bestrebungen in Deutschland im allgemeinen und ganz besonders gegen die AfD Stellung bezieht: Wählt nicht die AfD!

„Bloß wegen ein bisschen Spaß an der Freude Rabatz zu machen und aus Unmut über die Ampelregierung die AfD zu wählen, ist einfach zu wenig.“

Reinhold Würth, Mitarbeiterbrief März 2024

Ich konnte Reinhold Würth bereits als überzeugten Europäer kennenlernen und so ist es nur folgerichtig, dass er sich nun auch klar und deutlich für unsere Demokratie ausspricht.

Chapeau, Herr Würth!

In diesen nicht nur für unser Land sehr schwierigen Zeiten, hätte ich es mir sehr gewünscht, wenn heute nicht nur Reinhold Würth in der Heilbronner Stimme für unsere freiheitlich demokratische Grundordnung so vehement eingetreten wäre, sondern auch unsere Parteienvertreter mehr Mut zu klarer Kante aufbrächten — eine antidemokratische Partei wird nicht dadurch demokratisch, weil sie von Antidemokraten in ein Parlament gewählt wird!

Und so können wir nur hoffen, dass wenigstens Reinhold Würths 27  128 Mitarbeiter in Deutschland ihm vertrauen und auch folgen werden.


Plakat am Lerchenberg

Lerchenbergtunnel 4.7 (6)

Beitragsfoto: alte Bahntrasse (2021)

Auch wenn ich es selbst lieber gesehen hätte, dass man die seit Jahrzehnten stillgelegte Bottwartalbahn reaktiviert, und dieses Mal normalspurig über den ehemaligen Südbahnhof, den ehemaligen Karlstorbahnhof und den Sülmertorbahnhof bis hin zum Heilbronner Hauptbahnhof weiterführt, so unterstütze ich nunmehr das Vorhaben, den Lerchenbergtunnel als eine Art Erlebnisweg für Fahrradfahrer und Fußgänger herzurichten.

Entsprechend der Vision des Heilbronner Vereins „Erlebnisweg Lerchenbergtunnel e. V.“ soll die ehemalige „Verbindungsbahn“ – die Bahntrasse vom ehemaligen Südbahnhof (Endstation der Bottwartalbahn) in Richtung Heilbronner Hauptbahnhof (Abzweig Pfühlpark) – in einen innerstädtischen Fuß- und Radweg umgestaltet werden. Auch der erste Teilabschnitt der Bottwartalbahn vom jetzigen Wohngebiet Südbahnhof zur Sontheimer Landwehr. Damit wären auch das Schulzentrum, Sontheim-Ost und der Neckarradweg vernetzt.

Dabei ist es weiterhin sehr bedauerlich, wie in Heilbronn grundsätzlich Verkehrsinfrastrukturflächen, vor allem die innerstädtischen, aufgegeben oder weiter reduziert werden, obwohl man zeitgleich Heilbronn nachverdichtet und zusätzlich weitere Neubaugebiete erschließt.

Damit hat man nämlich für weitere Jahrzehnte den Ausbau eines tragfähigen Straßenbahnnetzes oder auch den einst in den 1950er-Jahren geplanten Ausbau der Straßeninfrastruktur verzögert.

Die Bottwartalbahn, welche gerne auch als „Entenmörder“ bezeichnet wurde, war eine Schmalspurbahn und knapp 35 Kilometer lang. Sie führte seit Ende 1900 von Marbach am Neckar entlang der Murr, der Bottwar und der Schozach über Sontheim nach Heilbronn (Südbahnhof) hinein. Auf Druck einiger in der Südstadt angesiedelter Firmen (z. B. Knorr) wurde 1901 der Lerchenbergtunnel gebaut und machte damit eine direkte Schienenverbindung zum Hauptbahnhof möglich, welche allerdings in Normalspur ausgebaut wurde und nur dem Güterverkehr diente. Deshalb hatte der Südbahnhof umfangreiche Gleisanlagen in Normal- und Schmalspur. Im Jahr 2000 wurde der letzte Abschnitt der Bottwartalbahn stillgelegt, und dabei auch die Bemühungen, die Bahn insgesamt wieder zu reaktivieren, aufgegeben.

Der aber immer noch unter dem Heilbronner Hauptfriedhof durchführende und gut 350 Meter lange Lerchenbergtunnel könnte nun, wenn die obige Petition erfolgreich ist, zu einem Fußgänger- und Fahrradfahrertunnel werden, der wenigstens diesen eine neue und bestimmt auch sehr attraktive Verbindung innerhalb Heilbronns ermöglicht; das Herrichten der Trasse beim ehemaligen Südbahnhof zeigt, dass dies durchaus im Bereich des Möglichen liegt.

„Though we see the same world, we see it through different eyes. Any help we can give you must be different from that you can give yourselves, and perhaps the value of that help may lie in the fact of that difference.“

Virginia Woolf, Three Guineas (1938: 18)