Trauerbeflaggung vor dem Landgericht Heilbronn

Heuchelei 5 (2)

Beitragsfoto: Trauerbeflaggung vor dem Landgericht Heilbronn

Was immer mehr Bürger immer weniger ertragen können, ist die Heuchelei, mit der viel zu viele unserer Politiker heutzutage unterwegs sind.

Jüngste Beispiele gab es wieder beim Volkstrauertag und beim öffentlichen Gelöbnis der Bundeswehr in Berlin.

Ersteres nannte ein mir nicht näher bekannter Kommentator nur noch „Kranzabwurfgelegenheit“, wobei sich der besagte ‚Abwerfer‘ nicht einmal mehr die Mühe machte, auf dem Kranz nachzulesen, warum er überhaupt vor Ort war.

Und als er dabei ertappt wurde, bekannte er nicht einfach nur:
a) weil es zu seinem Job gehört und b) weil er wieder gewählt werden möchte — offensichtlich traut er seinen Wählern so viel Ehrlichkeit schon gar nicht mehr zu —, sondern er hetzte einem Opfer verfehlter deutscher Bildungspolitik noch die Polizei und die Staatsanwaltschaft auf den Hals.

Ein solch erbärmliches Verhalten fügt dem Volkstrauertag einen ganz neues Aspekt hinzu.

Ist es aber schon traurig genug miterleben zu müssen, wie Krokodilstränen beim Volkstrauertag vergossen werden, so wird das Ganze inzwischen von einer weiteren Gelegenheit für „politisches Schaulaufen“ übertroffen, nämlich bei den öffentlichen Gelöbnissen und Vereidigungen deutscher Soldaten.

Oftmals findet man dort neuerdings gerade jene, die sich selbst nicht nur um Wehrpflicht oder Ersatzdienst gedrückt haben, sondern jahrzehntelang ganz offen kundtaten, dass das nur etwas für Deppen und „Zivilversager“ sei.

Und auch dieses Verhalten kann man noch um eine weitere Erbärmlichkeit steigern, nämlich indem sich anerkannte Kriegsdienstverweiger oder „professionelle“ Drückeberger, ihre politischen Verbindungen nutzend, im Nachhinein zu Offizieren der Bundeswehr ernennen lassen, mit ihrer neuen Uniform wie „Westentaschenbokassas“ durch die Medien stolzieren und den jungen ‚Kameraden‘ dann im kleinen Kreis mit großen Worten erklären, dass es an der Zeit sei, um wieder „das Sterben zu lernen.“

„I was fortunate that I could devote myself to my duty in my young and vigorous years.“

Hiroo Onoda, in der New York Times (17. Januar 2014)

Militärlager in Bosnien

Aus der Bundeswehr 5 (3)

Beitragsfoto: Militärlager in Bosnien

Hier finden Sie zwei idealtypische Lebensläufe aus zwei unterschiedlichen Epochen der Bundeswehr, zum einen aus der Bonner Republik und zum anderen aus der Berliner Republik, welche unter dem Titel „Der Bund ist an allem Schuld“ vor Kurzem zusammengefasst und im World Wide Web veröffentlicht wurden.

Ich persönlich finde beide so passend, dass ich diese Geschichte selber gerne auf meinen Websites geteilt habe. Anhand der Reaktionen, nicht nur aus meinem Kameradenkreis, ist zu entnehmen, dass beide eindeutig für ihre damalige Zeit sprechen und demzufolge auch außerhalb der Bundeswehr in ähnlicher Weise zu finden waren bzw. immer noch sind.

Lage 

Robert M. aus H. ist Wehrdienstleistender. Robert verschläft und kommt verspätet zum Dienst.

Damals, 1973

Sein Spieß befiehlt ihn zu sich. Er lässt ihn stillstehen und belehrt ihn mit lauter Stimme über seine Pflichten. Robert muss einen Gefreiter vom Dienst (GvD)-Zusatzdienst leisten. Seine Kameraden lachen.

Robert leistet den GvD-Dienst. Zukünftig ist er pünktlich, um vor seinen Kameraden besser dazustehen. Einen solchen „Anschiss“ vom Spieß möchte er nicht nochmal erleben.

Nach Ende der Wehrdienstzeit ist sein späterer Arbeitgeber von der Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit Roberts beeindruckt. Er bekommt eine Vertrauensstellung und eine Gehaltserhöhung.

Robert erzählt allen, dass er in seiner Bundeswehrzeit viel Gutes gelernt hat.

Heute, 2011

Roberts Spieß meldet den Sachverhalt an den Kompaniechef. Dieser informiert die Vertrauensperson, die Gleichstellungsbeauftragte, den Militärpfarrer und den Sozialdienst. Die Meldung eines BV (Besonderes Vorkommnis) unmittelbar an den BM (Bundesminister) wird geprüft. Die Vorgesetzten werden wegen möglicher Verfehlungen vernommen. Der Spieß wird zu seinem Schutz abberufen, weil er möglicherweise seine Dienstpflichten verletzt hat. Die Dienstpläne der letzten zehn Jahre werden überprüft.

Der Befehlshaber des Heeresführungskommandos (HFüKdo) lässt die Notwendigkeit eines pünktlichen Dienstbeginns im Friedensbetrieb untersuchen. Eine Befragung durch den dienstaufsichtsführenden Inspekteur scheitert, weil Robert an diesem Tag wieder zu spät kommt. Der Bataillonskommandeur wird versetzt. Der Kompaniechef wird nicht Berufssoldat. Der Spieß wird mit Depressionssymptomen in die FU 6 (Abteilung für Psychiatrie) eingewiesen. Mitarbeiter des Wehrbeauftragten sind vor Ort. Der Verteidigungsausschuss befasst sich mit der Angelegenheit. Die Untersuchung ist noch immer nicht abgeschlossen.

Robert hat mittlerweile als einer der letzten seiner Art die Wehrpflicht absolviert und ist entlassen.

Die Bild-Zeitung berichtet über Führungsschwächen in der Bundeswehr.

Robert meint, verschlafen ist doch nicht schlimm. Er verschläft auch mehrfach bei seinem neuen Arbeitgeber. Dieser entlässt ihn daraufhin.

Robert ist heute HARTZ IV-Empfänger.

Robert erzählt allen, die Bundeswehr wäre schuld daran.

Mein Fazit

Noch heute habe ich die alltägliche Grußformel eines meiner Kompaniefeldwebel in bester Erinnerung:

„Guten Morgen Männer und Nichtspringer!“

Ein Spieß der Bundeswehr

Als eine Art Zugabe führe ich nachstehend noch die drei wichtigsten und auch weltweit gültigen militärischen Regeln auf:

  1. If we don’t know what we are doing, the enemy certainly can’t anticipate our future actions!
  2. The beatings will continue until morale improves.
  3. If you are not used to succeed at your first try … never skydive.

„Supreme excellence consists in breaking the enemy’s resistance without fighting.“

Sunzi, Die Kunst des Krieges

Mann beim Ausfüllen eines Formulars

Zeitungsartikel 5 (2)

Beitragsfoto: Mann beim Ausfüllen eines Formulars | © Pixabay

Raphael Thelen schrieb den Beitrag in der Zeit | aktualisiert am 5. Februar 2012, 7:53 Uhr

Soldaten für den Chaosstaat

In Somalia herrschen Banden und Milizen. Deutsche Soldaten bilden daher in Uganda somalische Rekruten aus, sie sollen ihren Staat einmal schützen.

“Lass beim Schießen verdammt noch mal die Augen offen! Du hast die Zielscheibe null Mal getroffen! Null, Null, Null!” Der französische Ausbilder brüllt über den Schießplatz – sein somalischer Rekrut lächelt nur, halb verlegen, halb verständnislos. Der Franzose arbeitet in Uganda für die European Training Mission Somalia, innerhalb derer 16 europäische Staaten seit April somalische Rekruten ausbilden. Auch die deutsche Bundeswehr macht mit.

Die Mission ist nicht frei von Missverständnissen, es treffen zwei verschiedene Welten aufeinander. Auf der einen Seite die gut ausgebildeten, disziplinierten Soldaten der Europäischen Union, auf der anderen die bunt zusammengewürfelte Truppe der somalischen Rekruten. Sie lernen Strammstehen, Marschieren und Schießen. Doch die meisten wirken verloren in ihren zu großen Uniformen und abgewetzten Rucksäcken. Statt Leder tragen viele Gummistiefel, die wenigsten von ihnen können lesen und schreiben.

In Kooperation mit der ugandischen Armee sollen aus den Rekruten bis Mai 2011 Soldaten werden. In zwei Durchgängen werden insgesamt 2000 Somalis ausgebildet. Die EU-Staaten übernehmen beim Trainingsprogramm in Uganda die Offiziers- und Unteroffiziersausbildung, sowie die Schulung im Häuserkampf, in der Minenabwehr und der Ersten Hilfe für knapp ein Zehntel der Rekruten.

Die Somalis sollen zukünftig ihre Übergangsregierung in Mogadischu unterstützen, die im Kampf gegen die islamistische al-Shabab Miliz auf so gut wie verlorenem Posten steht. Die al-Qaida nahestehende al-Shabab hatte in den vergangenen Wochen erneut Offensiven gestartet, um die von der internationalen Gemeinschaft unterstützte Übergangsregierung zu vertreiben. Die somalische Regierung wird von 8000 Soldaten der Afrikanischen Union geschützt, der Großteil der Truppen kommt aus Uganda. Dennoch kontrolliert die Regierung nur wenige Straßenzüge in Mogadischu, sowie den See- und Flughafen. Al-Shabab hingegen beherrscht fast den gesamten Süden des Landes.

Die neun deutschen Ausbilder der Gruppe “Kommunikation” trainieren 25 Rekruten in der Verwendung von Funkgeräten. “Die meisten Kämpfer in Mogadischu verwenden Handys zur Kommunikation”, erklärt Oberleutnant Stefan Wizisk, der das deutsche Team leitet. “Die Rekruten sollen lernen, eine Kommunikation nach militärischen Richtlinien durchzuführen. Sie sollen sich gegen Überwachung und Einmischung wehren können, es geht um Abhörsicherheit.”

Aus diesem Grund üben die Rekruten, was für jede reguläre Armee unerlässlich ist: In kurzen, präzisen Sätzen Informationen über ihren Standort, Feindkontakt und sonstige Vorkommnisse durchzugeben. Dazu sitzen die Somalis im Schatten unter einem Baum und bellen reihum kurze Sätze in ihr Funkgerät. Der deutsche Ausbilder steht daneben und überprüft penibel, ob auch alles stimmt. Die Ausbildung ist im Vergleich zur Vorgehensweise in Deutschland sehr praktisch angelegt. Neu gelerntes wird ständig wiederholt.

Konzentriert starren die Rekruten auf die kleinen Zettel mit den Kommandos und Codes. Wirklich sicher wirken die wenigsten. Noch drei Wochen bleiben den Deutschen, um die Defizite auszugleichen. “Die Rekruten haben eine sehr hohe Lernbereitschaft und sind sehr motiviert”, sagt Major Ralf Kossman, der sich für die Mission freiwillig gemeldet hat, “sie erkennen die Ausbildung als Chance für eine bessere Zukunft”. Auch die deutschen Ausbilder sind überwiegend vom Nutzen der Mission überzeugt.

Heimweh scheinen die Kameraden aus Deutschland nicht zu verspüren. Die meisten telefonieren zwar fast täglich mit Angehörigen und Freunden zu Haus. Die Stimmung in der Mittagspause ist gut: “Es ist klar, an welchem Tisch die Deutschen sitzen, oder?”, fragt einer der Bundeswehrmänner lachend und zeigt auf eine überdimensionale Maggi-Flasche.

Unterdessen trainieren portugiesische Ausbilder mit ihren Schützlingen den Häuserkampf. Auch eine Somalierin hat es in diesen Teil der Ausbildung geschafft. An der Spitze eines Vierertrupps nimmt sie ein kleines Haus ein: Tür eintreten, reinstürmen, den Raum nach Feinden absuchen, Blick hinter die Tür, Meldungmachen. “Room clear!”

Eine Gruppe nach der anderen durchläuft dieses Prozedere, während der Rest zuschaut. Und dennoch muss der Ausbilder immer wieder auf Dinge hinweisen, die schon lange bekannt sein sollten: “Stiefel zubinden! Gewehrkolben an die Schulter pressen! Tragegurt richtig umhängen!”

Die EU hatte ursprünglich vorgesehen, die gesamte Ausbildung in sechs Wochen durchzuführen. Die ugandische Armee erhob Einspruch, da sie nicht sah, wie man in sechs Wochen einen Soldaten ausbilden kann. Man einigte sich schließlich auf sechs Monate. Angesichts des Hintergrunds, den viele Rekruten haben, scheint das immer noch kurz – vielen sieht man an, dass in ihrer Heimat seit 20 Jahren Bürgerkrieg herrscht, kaum einer ist länger als drei Jahre zur Schule gegangen.

Zusätzlich zu der militärischen Ausbildung belegen die Rekruten Kurse zu Themen wie Menschen- und Frauenrechte, sowie Kriegsrecht. “Wir versuchen hier nicht nur Soldaten auszubilden, sondern somalische Bürger”, sagt der italienische Leiter des Trainings, Alessandro Fiori. Dies dürfte einer der wichtigsten und gleichzeitig schwierigsten Teile der Mission sein, denn in Somalia gilt die Loyalität normalerweise erst dem eigenen Stamm, und dann dem Zentralstaat.

In der Vergangenheit haben bis zu 80 Prozent der vom Westen ausgebildeten somalischen Soldaten die Armee nach ihrer Rückkehr nach Mogadischu verlassen. Entweder haben sie ihre Waffe verkauft und sind zu ihren Familien zurückgekehrt, oder sie haben sich in den Dienst der am besten zahlenden Miliz gestellt – mitunter war das al-Shabaab. Oberstleutnant Kümmerle, der im Hauptquartier in Kampala arbeitet, ist trotzdem zuversichtlich: “Wenn die Soldaten vernünftig bezahlt und verpflegt werden, warum sollten die dann von der Fahne gehen?”