Schlaraffenland

7.10.02022 5 (3)

Beitragsfoto: Schlaraffenland | © Shutterstock

Erfreuliches

Unsere deutschen „Monsterparlamente“ waren schon des öfteren Thema hier auf diesem Weblog; selbst wenn man das mit China oder Indien vergleicht, sind wir schon längst Weltmeister bei der Anzahl von Volksvertretern. Wobei ich befürchte, dass wir bald auch mehr Volksvertreter (Bundestag & Landtage) haben werden als die gut 1,3 Milliarden Chinesen (2 980 Abgeordnete).

Ohne Frage ist der Bundestag ganz offiziell das größte demokratisch gewählte Parlament der Welt (736 Abgeordnete) — das Europäische Parlament (705 Abgeordnete) kommt erst an zweiter Stelle. Indien hat 545 Abgeordnete und die USA haben 435 Abgeordnete. Die gesamte Schweiz hat übrigens 200 Abgeordnete.

Deshalb freut es mich nun, dass die Landes-FDP versucht, wenigstens die Anzahl der Wahlkreise in Baden-Württemberg zu verringern und damit dem hemmungslosen Größenwachstum des Landtags begegnen möchte: anstatt von 70 soll es künftig nur noch 38 Wahlkreise geben. Schon heute hat der Landtag mit 154 Abgeordneten 34 Abgeordnete mehr, als er eigentlich haben sollte.

Durch die erst im Frühjahr von den Grünen, der CDU und der SPD beschlossene Wahlrechtsreform befürchten alle eine weitere Zunahme der Abgeordnetenzahl — ich gehe davon aus, dass wir bei der kommenden Wahl locker die Schweiz überholen werden.

Wenn man dann noch das heute ganz normale Gefolge eines jeden Abgeordneten berücksichtigt, dann haben wir hier eine Berufsgruppe, die schon längst eine eigene Gewerkschaft haben müsste. Und ich befürchte, dass wir uns diesen immensen Politik- und Verwaltungsapparat nicht mehr lange leisten werden können. Zudem laufen wir Gefahr, dass wir zu dessen alleiniger personeller Unterhaltung bald auch noch entsprechende Fachleute aus Nordkorea (687), Kuba (605), Türkei (584) oder der Volksrepublik China anwerben müssen, jenen Ländern, die noch über solche Fachleute verfügen.

Globuli

Eine weitere Möglichkeit, um uns Steuerzahler und die Solidargemeinschaft auszubeuten, hat bei uns das Globuli-Kartell entdeckt. Bereits heute fließen Millionen von hart verdienten Geldern in eine höchst zwielichtige „Berufsgruppe“ ab. Und weil man diesen Menschen noch keine vorsätzliche Tötung von kranken Mitmenschen nachweisen konnte, und die von ihnen verkauften Globuli auch keine Wirkung, ergo auch keine negative, erzielen, dürfen diese ihre Tätigkeiten weiter ausbauen.

Zudem kommt hinzu, dass man „Hokuspokus“ viel bequemer und weniger anstrengend studieren kann, als z. B. Humanmedizin, und zudem mit dem Verkauf von Globuli gutes Geld verdient wird. So wundert es keinen, dass dies gerade bei uns ein Markt mit Zukunft ist. Wohl aber auch nur deshalb, weil dieser Markt zusätzlich von uns Steuerzahlern subventioniert wird.

Man könnte meinen, und dies auch aus gutem Grund. Denn, wenn wir uns bald keine echten Krankenhäuser mit entsprechend geschultem Personal mehr leisten können, werden wir von den Krankenkassen Globuli und Warzenbesprecher verschrieben bekommen — wohl die Zukunft des deutschen Gesundheitssystems.

Die ganz normalen Ärzte stehen dann nur noch für Privatpatienten zur Verfügung, oder für jene Mitbürger, die sich das noch leisten möchten und auch können.

Deshalb wird auch der gestrige Vorstoß unseres Bundesgesundheitsministers Karl Lauterbach, nämlich, dass homöopathische Arzneimittel künftig nicht mehr von den Krankenkassen übernommen werden, kläglich scheitern; er hat als gewöhnlicher Arzt unser Gesundheitssystem einfach noch nicht so richtig verstanden.

Schlaraffenland

Man muss sich nicht wundern, wenn Menschen aus der ganzen Welt zu uns kommen und sich dann darüber enttäuscht zeigen, dass ihnen die Würste nicht von alleine in den Mund wachsen. Denn in den letzten Jahrzehnten hat unser Sozialstaat Auswüchse angenommen, die weder finanziert werden können, noch den tatsächlich Bedürftigen eine adäquate Hilfe bieten.

Einzig und alleine hat unser Sozialstaat dafür gesorgt, dass viel zu vielen Menschen nun, und ganz besonders wir Einheimischen, davon ausgehen, dass man selber überhaupt nichts mehr dazu beitragen braucht, um ein mehr als angenehmes Leben fristen zu können.

Schlimmer noch, dies wird von einer ganz neuen Gesellschaftsschicht propagiert und vehement „vom Staat“ eingeklagt; dies sind gerade jene Menschen, die einzig und alleine davon leben, uns allen glauben zu machen, dass uns alles zusteht ohne jemals auch nur selber etwas machen zu müssen. Und da man immer auch das glaubt, was man selber sieht, sehen wir ganz gut, wie diese Menschen bestens von und mit dieser Propagandalüge leben.

Und da diese Menschen umso besser leben, je mehr Bedürftige vorhanden sind, für die sie sich einzusetzen vorgeben, wird alles das bekämpft, was Menschen zu eigener Verantwortung und ganz besonders zum eigenen Handeln verführen könnte.

Letztendlich führt das dann dazu, dass all jene, die noch leistungsbereit und -fähig sind, entweder abwandern werden oder, völlig skrupellos, sich selbst an die „Spitze des Fortschritts“ setzen — zumindest so lange, wie man noch andere Menschen findet, die dieses Schlaraffenland finanzieren, z. B. die noch zu gebärenden künftigen Generationen.

Dazu gleich zwei Anmerkungen: erstens, diese müsste man dann auch produzieren und zweitens, warum sollten diese neuen jungen Menschen dann überhaupt damit beginnen wollen, jemals selbst etwas zu leisten?

Bleibt zu hoffen, dass Elon Musk Wort hält und wir in zehn Jahren Roboter haben, die auch wirklich alles für uns machen werden. Wie lange die das dann auch tun werden, bleibt abzuwarten. Die künstliche Intelligenz könnte tatsächlich schlauer sein als es uns allen lieb sein wird.

Mailingliste

Da ich für Spielereien eigentlich immer zu haben bin, habe ich nun auch eine eigene Mailingliste für dieses Weblog eingerichtet. Interessierte finden den Zugang gleich hier im Forum. Alle die sich in diese Mailingliste eintragen, können sich auch dort über dieses Weblog austauschen.

Und im Falle, dass dieses Tool auch genutzt werden wird, kann ich weitere Mailinglisten für ganz bestimmte Themen oder Gruppen einrichten. Für all jene, die mit dem Begriff „Mailingliste“ auf die Schnelle nichts anfangen können, habe ich im Forum einen entsprechenden Beitrag eingestellt.

Und für alle jene, die nun wohl zurecht fragen, warum ich so etwas jetzt auch noch mache, gleich hier die Antwort: Ganz einfach, weil ich es kann.

Nachtrag 15.4.2023

Da meine Leser keine Mailinglisten benötigten, habe ich diese wieder stillgelegt. Derzeit konzentriere ich mich dafür auf Threema — ein Vorteil dabei, ich muss selber nicht administrieren.

Nuklearwaffeneinsatz


Transparenz

6.9.02022 5 (1)

Beitragsfoto: Transparenz | Shutterstock

Stammtische

Zwar sind die Begegnungen auf der Straße mit Nachbarn oder alten Bekannten immer wieder eine gute Quelle für Neuigkeiten und auch neue Ideen, dennoch sind die regelmäßigen Treffen in der Form von Stammtischen die bessere Möglichkeit, um sich miteinander auszutauschen und dabei auch so manche Angelegenheit ganz nebenbei auf dem „kleinen Dienstweg“ zu erledigen.

So war ich bis noch vor ein paar Jahren sehr gerne bei den wöchentlichen DLRG-Stammtischen und nutze noch heute die monatlichen Europastammtische oder die Monatsrunden der Freien Wähler zum regelmäßigen Gedankenaustausch. Gerne nehme ich auch an den dt.-afrikanischen Treffen, die allerdings unter der Pandemie etwas gelitten haben, und von Zeit zu Zeit noch — eher aus nostalgischen Gründen — auch an den gelegentlichen britischen oder französischen Gesprächsrunden teil.

2018 und 2019 hatte ich im Vorfeld der Gemeinderatswahl den Heilbronnern ein zusätzliches Gesprächsangebot gemacht, wobei ich heute der Überzeugung bin, dass die bereits vorhandenen Gesprächskreise ausreichend sein müssten, um mit mir ins Gespräch zu kommen. Und wer doch darüber hinaus ein Gespräch sucht, der kann sich gerne zu den virtuellen Stammtischen hinzuschalten, die hier ebenfalls unter „Termine“ zu finden sind.

Detlef Stern hat wiederum einen anderen Weg gewählt, und so treffen wir uns unregelmäßig aber umso lieber zu einem Tässchen Kaffee.

Egal, welchen Weg man auch für ein Gespräch sucht, es ist immer besser miteinander zu reden als übereinander! Und wer möchte, kann gleich heute Abend um 19.00 Uhr zum Europastammtisch kommen.

Transparenz

Mein jahrelanger Versuch etwas mehr Transparenz in die Heilbronner Stadtverwaltung zu bekommen, zeigt erste Früchte. Zum einen plotten die Freien Wähler jetzt auf ihrer Website seit Juli 2022 mit, welche Anträge sie wann stellen und ob und wie die Stadtverwaltung reagiert und zum anderen haken die Freien Wähler nunmehr verstärkt nach, was aus den Beschlüssen des Gemeinderats dann auch tatsächlich wird.

Und so freut es mich sehr, dass jetzt auch Thomas Aurich von der CDU-Fraktion des Heilbronner Gemeinderats zu Protokoll gibt, dass die Verwaltungsabläufe transparenter werden müssen. In einem Interview mit der Heilbronner Stimme (6.9.2022, online) gesteht er ein: „Wir haben den Überblick verloren, wer wann was angefragt hat und wie es beantwortet wurde.“ Und fügt richtiger Weise hinzu, dass dies „aufgrund unseres schon vorhandenen Gemeinderatsinformationssystems … ja kein großer Aufwand für die Verwaltung sein [kann].“

Die Freien Wähler sind mit ihrer für alle transparenten Auflistung dabei zwar schon einen großen Schritt weiter, trotzdem ist es insgesamt ein erster Schritt in die richtige Richtung. Jetzt bleibt abzuwarten, ob die anderen Fraktionen im Heilbronner Gemeinderat und vor allem die Heilbronner Stadtverwaltung weiterhin nur mauern und dabei an ihrer altbewährten Politik der Hinterzimmer festhalten, oder doch den Schritt hin zu mehr Bürgernähe und Offenheit wagen werden.


Markthalle in Rotterdam

Markthalle 4.5 (2)

Beitragsfoto: Markthalle in Rotterdam | © Shutterstock

Als ich am 13. Februar 2018 vor der letzten Gemeinderatswahl die schon etwas ältere Idee einer Markthalle in Heilbronn wieder ins Spiel bringen wollte, wurde diese Idee selbst nur von wenigen Freien Wählern aufgegriffen. Irene Seeburger machte mich dabei darauf aufmerksam, dass die Freien Wähler bereits im Wahlkampf des Jahre 2014 vergeblich eine Markthalle ins Spiel gebracht hatten. Und so konnte ich 2019 mit dieser Idee leider weder bei den Heilbronnern noch bei den Parteien im Heilbronner Gemeinderat punkten.

Gefreut hat es mich dann doch, als die Freien Wähler am 9. September 2019 die Entwicklung des „Reim-Areals“ und den Bau einer Markthalle erneut im Gemeinderat beantragt haben; leider wieder vergeblich.

Und so freut es mich heute umso mehr, dass im Vorfeld zur Gemeinderatswahl 2024 nun nicht nur die Freien Wähler sich für eine Markthalle in Heilbronn einsetzen wollen, sondern auch Teile der CDU und der FDP von der Idee einer Markthalle in Heilbronn begeistert zu sein scheinen.

Neu dabei ist, dass manche Heilbronner sogar das Wollhaus als möglichen Standort für eine Markthalle ins Spiel bringen. Wahrscheinlich aber wäre dann selbst eine kombinierte Lösung Käthchenhof und Reim-Areal für eine Markthalle die günstigere Variante.

Wenig überraschend dabei ist, dass doch so einige Stadträte zuerst an eine Weinstube oder gleich mehrere Weinstuben denken, wenn sie von einer Markthalle sprechen. Begrüßenswert aber der Gedanke, dass man sich vorab auf ein gemeinsames Konzept für eine Markthalle einigen möchte. Ich gebe aber zu bedenken, dass ein potentieller Investor hierbei die Federführung haben sollte — nämlich diesem dann ca. fünfzig unterschiedliche Weinstuben als Markthallenkonzept verkaufen zu wollen, dürfte schon im Ansatz scheitern.

Aussagen wie „Heilbronner Markthalle muss lokale Themen wie Wein berücksichtigen“ oder „Schließlich gilt es, im Angebot einer Markthalle auch die Eigenheiten der Region zu integrieren.“ die im Zuge einer „Delegationsreise“ von Heilbronn Gemeinderäten, Händlern, Gastronomen und Marketing-Experten zu Städten mit bereits attraktiven Markthallen aufkamen, lassen Schlimmes befürchten und werden wohl auch mögliche Investoren abschrecken.

Zudem gibt Herbert Burkhardt in seinem Beitrag vom 21. Februar 2022 zu bedenken, dass es „mit dem Reim-Areal erst etwas werden kann, wenn die (Rest)Grundstückseigentümer irgendwann ein Einsehen haben und ihre Fläche zur städtebaulichen Entwicklung (mit einer Markthalle) in das Konzept mit einbringen.“

Auf jeden Fall aber stehen die Freien Wähler und auch ich weiterhin fest zu unserer Forderung nach einer Markthalle in Heilbronn.

Eine Markthalle kann in Heilbronn aber erst dann etwas werden, wenn die große Mehrheit im Gemeinderat und auch die Stadtverwaltung hinter der Idee einer Heilbronner Markthalle stehen. Und im Falle dass wir die Markthalle nicht als Stadt bauen wollen, sondern dafür einen Investor suchen, sollten wir diesen nicht vorab bereits mit unnötigen „lokal-politischen“ Auflagen abschrecken.

Nachtrag 5.9.2022

Thomas Aurich machte mich darauf aufmerksam, dass der erste Vorschlag zu einer Markthalle vom Verkehrsverein Heilbronn um die Jahrtausendwende kam.

„Good companies will meet needs; great companies will create markets.“

Philip Kotler, zitiert in Stuart Crainer, The 75 Greatest Management Decisions Ever Made (1999: 37)