Adventsgedanken

Adventsgedanken 5 (2)

Foto: Beispielbild | © Pixabay

Der Austritt des Vereinigten Königreichs wird uns Europäer – vor allem dabei unsere britischen Mitbürger – noch länger beschäftigen; jetzt bleibt nur zu hoffen, dass beide Seiten mit einem blauen Auge davon kommen werden.

Wer hätte anfangs des Jahres gedacht, dass für uns alle selbst eine solche Herausforderung von einem anderen Ereignis bei weitem in den Schatten gestellt werden wird, nämlich der Pandemie COVID-19, welche die Welt seit spätestens Ende 2019 in Atem hält und uns in Europa inzwischen das gesamte Jahr über von einem Tiefpunkt in den nächsten führt.

Besonders unsere heutige Lebensweise, und hierbei ganz besonders die Eigenart, dass man für andere kaum mehr Rücksicht nimmt, wird uns mit COVID-19 nicht nur länger als ursprünglich erwartet belasten, sondern auch mehr Opfer als nötig fordern.

Wenn man jetzt einmal von den vielen Toten und Dauergeschädigten absieht und auch nicht daran denkt, dass zudem unsere Wirtschaft und Gesellschaft schwerste Schäden erleiden müssen, weil es ganz offensichtlich europa- und auch landesweit weder geeignete Notfallpläne und Maßnahmen gibt, noch die Verantwortlichen föderale Strukturen zum Vorteil zu nutzen wissen, wird einem klar vor Augen geführt, dass Europa in der Politik eindeutig noch nicht angekommen ist – Wirtschaft und Gesellschaft sind da ohne Frage schon sehr viel weiter!

Auch müssen wir staunend erblicken, wie wenig krisenfest wir inzwischen alle geworden sind, und wie Chancen, die sich in jeder Krise bieten, ungenutzt vorüber ziehen; die Bildungspolitik ist bundesweit dabei wohl das größte Opfer.

Am Schlimmsten aber ist es, mit ansehen zu müssen, wie schwach Demokratie in Europa insgesamt aufgestellt ist! Noch vor Kurzem haben wir uns alle über die Vereinigten Staaten amüsiert, wo ein Trump vier Jahre lang regierte und dabei so schön und unterhaltend von unseren eigenen Mängeln ablenkte.

Jetzt aber haben die amerikanischen Wähler, welche von uns Europäern so gerne als dumm und hinterwäldlerisch gesehen werden, uns klar und deutlich vor Augen geführt, wie Demokratie geht, und ganz nebenbei auch, wie man Föderalismus positiv für alle nutzt.

In Europa hingegen, schaulaufen die Orbans und Co. ungestraft, und dabei seit Jahrzehnten gerne und immer wieder gewählt, wobei sie mit ihrer kriminellen Energie selbst alles in den Schatten stellen, was wir eigentlich sonst von Bananenrepubliken erwarten würden.

Aber auch bei uns bekennen sich nicht mehr alle Parteien ohne Wenn und Aber zur Rechtstaatlichkeit, wie sonst soll man z. B. das Festhalten an der Orban-Partei in einer europäischen Parteienfamilie verstehen.

Zudem wirken sich solche Antidemokraten nicht nur durch ihre Veto-Eskapaden auf unseren eigenen Alltag aus, sie bestimmen mit ihrer antidemokratischen Anhängerschaft selbst bei uns immer mehr die Gesellschaftspolitik.

Auch das Verständnis für Gewaltenteilung und deren Funktion geht insgesamt immer weiter zurück, Gerichte werden inzwischen nicht nur mundtot gemacht und Richter verfolgt – Polen darf hier als prominentes Beispiel dienen –, sondern auch unsere Parlamente von selbst immer stiller.

Wenn uns COVID-19 eines gezeigt hat, dann, dass wir zu unserem eigenen Wohle nur noch zumindest in europäischen Dimensionen denken und handeln dürfen; alles andere ist zu kurz gesprungen: das Après-Ski in Ischgl wirkt sich bei uns in Baden-Württemberg genauso aus, wie z. B. ein Nullprozent Steuersatz für Firmen in Irland. Und auch ein COVID-19-Hotspot Heilbronn wird nicht folgenlos für den Rest Europas bleiben.

Wir benötigen zwingend europäische Konzepte und Lösungsansätze, diese aber föderal angepasst und umgesetzt. Wir benötigen mehr Demokratie und nicht weniger, und die Rechtstaatlichkeit muss uns Europäer einen und nicht entzweien!

Die einzige Grenze Europas ist bekanntlich die Demokratie – diese müssen wir ziehen, selbst dann, wenn sie durch ganz Europa führt!

„Ich kann Euch zu Weihnachten nichts geben, ich kann Euch für den Christbaum, wenn ihr überhaupt einen habt, keine Kerzen geben, kein Stück Brot, keine Kohle zum Heizen, kein Glas zum Einschneiden. Wir haben nichts. Ich kann Euch nur bitten, glaubt an dieses Österreich!“ 

Leopold Figl, Weihnachtsansprache 1945

Weihnachtsmarkt

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Beitragsfoto: Weihnachtsmarkt | © Shutterstock

Kaum sind wieder ein paar Monate vergangen und schon steht für einige Mitbürger sehr überraschend die Weihnachtszeit vor der Tür. Auch leben wir bereits seit ein paar Monaten mit COVID-19 und wissen alle, dass wir noch weitere Monate, wenn nicht gar Jahre, damit klarkommen müssen.

Der Heilbronner Weihnachtsmarkt war bisher im Vergleich zu entsprechenden Märkten anderer Städte kaum etwas Besonderes und erfuhr entsprechend im letzten Jahr als Käthchen Weihnachtsmarkt eine kleine Aufwertung. Dennoch wurde er meist von den in der Stadt aus anderen Gründen anwesenden Bürgern genutzt und ist somit vermutlich auch bis auf Weiteres in Heilbronn keine eigenständige Attraktion, welche Bürger aus dem Umland oder gar Touristen nach Heilbronn zieht.

Deswegen wäre die derzeitige Situation eine gute Gelegenheit gewesen, um über die vergangenen Monate hinweg zwei alternative Möglichkeiten eines Heilbronner Weihnachtsmarktes zu prüfen und auch eine davon in die Tat umzusetzen. Beiden Möglichkeiten wäre gerade jetzt eines gemeinsam gewesen, nämlich, dass sie die Flexibilität und Innovationskraft Heilbronns hätte zur Schau stellen und damit auch die Marke „Käthchen Weihnachtsmarkt“ überregional bekannt machen können.

Auch wenn der Heilbronner Weihnachtsmarkt an sich wohl nicht genügend Kundenfrequenz bringt, um als eigenständige Veranstaltung Gewinn abzuwerfen, hätte er gerade in Zeiten, wo Weihnachtsmärkte allerorten mangels geeignetem Konzept abgesagt werden, auf der Heilbronner Theresienwiese COVID-19 gerecht als „Alleinstellungsmerkmal“ sicherlich mehr Gäste und Kunden gelockt als zuvor zu seinen besten Blütezeiten. Auch wenn er für alle Beteiligten kein monetärer Gewinn gewesen wäre, hätte er nicht nur den Schaustellern ein positives Signal gegeben und dabei gezeigt, dass Heilbronn auch in schwierigen Zeiten in der Lage ist, Alternativen anzubieten und Neues zu probieren.

Als auf jeden Fall gangbare Alternative hätte man ohne Weiteres einen „Rumpf-Weihnachtsmarkt“ auf dem Marktplatz aufbauen können, der einzelne weihnachtsmarkttypische Stände stellvertretend für alle anderen Schausteller in einem Weihnachtsmarktkleinformat präsentiert und COVID-19 konform ein positives Zeichen in der Weihnachtszeit setzt. Schon alleine sein Nur-Dasein hätte allen Heilbronnern ein weihnachtliches Gefühl und Hoffnung für die Zukunft gegeben.

Bleibt nunmehr zu hoffen, dass es der Stadtverwaltung gelingt, wenigstens einen Christbaum auf dem Marktplatz aufzubauen.

„Wie leide ich vor Sehnsucht! Wäre es doch Weihnachten!“

Hans Christian Andersen, Der Tannenbaum (1844)

3. Hertensteiner Gespräche

4. Hertensteiner Gespräche 5 (1)

Beitragsfoto: 3. Hertensteiner Gespräche 2019

Am 19. und 20. September 2020 wird es wieder soweit sein und die inzwischen 4. Hertensteiner Gespräche bieten allen Teilnehmern in insgesamt fünf Gesprächskreisen die Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten zu aktuellen europäischen Themen auszutauschen.

Aufgrund von COVID-19 haben sich die Organisatoren letztendlich dazu entschlossen, diese 4. Gesprächsrunde ausschließlich virtuell abzuhalten. Und damit auch jeder Interessierte die Chance hat, sich bei diesen Gesprächen einzubringen, hat die EUROPA-UNION Heilbronn, der Veranstalter der Hertensteiner Gespräche, nicht nur eine sehr einfache Videokonferenz-Software gewählt, sondern bietet zudem seit Anfang des Jahres an, dass sich potentielle Mitmacher bei deren wöchentlichen virtuellen Stammtischen mit dieser Software vertraut machen können. Ein weiterer Vorteil der Software ist, dass sich auch Menschen, die keinen Zugriff auf einen PC, Tablett oder Smartphone haben, mit einem Telefon zu diesen Konferenzen dazu schalten können.

Zudem hat die EUROPA-UNION Heilbronn ihre Foren reaktiviert, in denen über alles rund um Europa, die Europäische Union, die Europäische Idee oder auch über den Verband selbst diskutiert werden kann. Diese Foren werden auch dazu genutzt, um die jeweiligen Hertensteiner Gespräche vorzubereiten, zu begleiten und nachzubereiten. Der Zugang zu den Foren ist selbstverständlich für jedem Interessierten möglich. Im Falle, dass Sie dort auch mitdiskutieren möchten, bedarf es einer vorherigen kostenfreien Registrierung.

In den vergangenen Jahren habe ich bereits hier im Weblog über die Hertensteiner Gespräche informiert; besser ist es aber, gleich auf die entsprechende Website der EUROPA-UNION Heilbronn zuzugreifen. Und seit Kurzem gibt es auch, so wie bereits 2018 von den Gesprächsteilnehmern gewünscht, die bisherigen Protokolle der Hertensteiner Gespräche als E-Book. Damit erhoffen sich die Organisatoren zudem, dass die Hertensteiner Gespräche noch bekannter werden und Interessierten eine gute Einstiegsmöglichkeit in die kommenden Gespräche bieten.

Wenn ich nun Ihr Interesse für die 4. Hertensteiner Gespräche geweckt habe, dann nehmen Sie bitte mit der EUROPA-UNION Heilbronn oder gerne auch mit mir Verbindung auf.

„I’ve always believed that a lot of the trouble in the world would disappear if we were talking to each other instead of about each other.“

Ronald Reagan (Los Angeles Times, 4. September 2018)