New York Times Square

28.6.02025 5 (8)

Beitragsfoto: New York Times Square | © Roberto Lee Cortes from Pixabay

Vermischtes

Das kommende Rundschreiben steht an und ich stelle fest, dass ich mich gerade darum drücke. Bäume rausreißen geht aktuell auch nicht, nicht einmal das Gras zu mähen. Was meine bessere Hälfte allerdings nicht davon abhält, nun ganz alleine zu wüten.

Spazieren geht so langsam wieder, es wäre schlimm, wenn nicht. Am Dienstag gehe ich an die Hochschule und stehe interessierten Studenten Rede und Antwort, steht doch die kommende Klausur zum Semesterabschluss an. Mein zweimaliges Fehlen wurde hoffentlich nicht nur zur Kenntnis genommen, sondern hat auch dazu geführt, dass manche Studenten durch eigenes Änderungsmanagement — nicht nur durch Risikomanagement (kleiner Insider) — nun besser auf die Prüfung vorbereitet sind als bisher. Und so bin ich so richtig gespannt darauf, was mich am Dienstag erwarten wird. Und wenn ich diese Vorlesung bzw. Fragerunde halbwegs durchstehe, dann steht auch dem abendlichen Jubiläumsstammtisch nichts entgegen — der Nachmittag sollte zur Erholung ausreichend sein.

20 Jahre Europastammtisch sind zwar nicht mit 80 Jahre Vereinte Nationen zu vergleichen, wir haben es aber geschafft, zumindest ab und zu die dortige Stimmung mit nach Heilbronn zu holen. Leider fiel unsere Planung, diese in New York einmal vor Ort zu erleben, wegen COVID-19 ins Wasser. Und inzwischen hat die damalig anvisierte Besuchergruppe ein Alter erreicht, wo es schwierig sein dürfte, diese Planungen wieder aufzunehmen — nicht nur die Jugend hatte unter COVID-19 zu leiden!

Auch habe ich meine entsprechenden Verbindungen zur UN zwischenzeitlich verloren, denn die Welt dreht sich unermüdlich weiter. Und so dürfte der anvisierte Besuch u. a. des dortigen legendären Weinkellers in weite Ferne gerückt sein. Was bleibt, sind die Erinnerungen.

Frage

Aktuell wird in den mir bekannten Blogger-Kreisen der Signal-Dienst als Kommunikationsmittel gehypt, wahrscheinlich weil dieser durch die Trump-Regierung jüngst so richtig populär gemacht wurde. Ein wenig verstörend finde ich es, dass viele dabei weiterhin nicht auf die üblichen Messenger wie WhatsApp verzichten möchten, weil diese wieder einmal alternativlos seien. Manche von diesen melden sich auch wieder meist still und heimlich bei X an, wenn sie diesen Service überhaupt jemals gelöscht hatten. Auch die Reichweite scheint bei uns Bloggern alternativlos zu sein. Und wie man diese erzielt, ist wohl völlig egal.

Ich nutze nach etlichen Versuchen mit Messengern nun fast ausschließlich Threema, habe dabei aber ähnliche Probleme, nämlich, dass solche „sicheren“ Chat-Dienste kaum eine notwendige Verbreitung finden, damit man sich auf einen davon wirklich konzentrieren kann. Ich habe mich dennoch dazu entschlossen, mich von den meisten anderen Diensten zu verabschieden und pflege nun die wenigen Kontakte, welche über Threema zu erreichen sind. Dabei stelle ich fest, dass ich, wenn mir eine Person wichtig ist, welche nicht auf Threema zu finden ist, ich diese dann dennoch erreichen kann.

Was mich trotzdem fragen lässt, warum gerade Threema, das als Schweizer Dienst über eine sehr gute Reputation verfügt, dazu noch ein europäisches Eigengewächs ist, von all diesen Diensten am wenigsten genutzt wird. Kann es sein, dass einmalige Kosten von 3,99 Euro dem Erfolg im Wege stehen? Und was sagt dies über gerade jene aus, die sich gerne und lautstark über Privatsphäre, Datenschutz und Stärkung einer europäischen Infrastruktur auslassen, sich dann aber selbst ganz offensichtlich von 3,99 Euro abschrecken lassen und weiterhin WhatsApp als alternativlos promoten.

Nein, ich bekomme kein Geld von Threema, habe diese Software aber schon so lange, dass ich damals nicht dafür zu zahlen brauchte.

Wahrscheinlich ist es aber auch wieder nur so ein „Wirtschaftsding“, so wie damals VHS, Betamax und Video 2000, wobei sich auch hierbei nicht das bessere System durchsetzte. Auf jeden Fall waren die damaligen Diskussionen richtig spannend. Und lang die Gesichter jener, die dabei auf das „falsche“ Produkt gesetzt hatten — die Kosten waren auch ganz andere.

Glaube

Man, auch ich möchte doch so gerne daran glauben, dass unsere europäischen wie auch deutschen Politiker verantwortlich zum Wohle ihrer eigenen Landsleute handeln. Mehr noch, dass sie alles daran setzen, dass es uns nicht nur gut geht, sondern wir auch weiterhin eine Zukunft haben werden, in die man gerne blickt.

Dann aber sind da immer wieder die zahlreichen Skandale, wo Politiker aus sämtlichen Lagern der Korruption überführt werden, krumme Geschäfte alleine zum Eigenwohl tätigen oder die Steuermilliarden nur so und dabei völlig unnütz aus dem Fenster schleudern.

Dies kann durchaus geschehen und ist bestimmt auch menschlich, was aber nicht sein kann und darf, ist, dass es überhaupt keine Anzeichen zur Besserung gibt und noch schlimmer, selbst die überführten Straftäter keinerlei Konsequenzen zu befürchten haben — sie stehen ganz offensichtlich über und außerhalb unserer Gesetzgebung! Dass dies jede Demokratie zumindest langfristig zerstört, ist allen, auch den anständigen Politikern, völlig egal.

Maximal muss einmal ein verurteilter Straftäter temporär auf seinen Ehrenvorsitz in der Partei verzichten oder er wird als professioneller Volksvertreter so lange zwischengeparkt, bis wieder Gras über die Sache gewachsen ist, was bei uns sehr schnell gehen kann.

Bisher kenne ich nur „Strafen“ für Politiker, wenn diese ganz offiziell als Kinderschänder enttarnt wurden, dann verschwinden sie ungestraft aus unserem politischen Alltag — allerdings wäre deren Wiederwahl auch sehr unwahrscheinlich gewesen und ein sonst übliches Nachrücken kaum zu vermitteln.

Noch schlimmer dürfte es allerdings sein, dass selbst die „besseren“ Politiker Entscheidungen treffen, die offensichtlich gegen alle unsere, ob europäische oder auch nur deutsche Interessen sind.

So unterstützt auch die aktuelle Bundesregierung weiterhin den russischen Angriffskrieg mit Milliardenzahlungen, angeblich, weil man es nicht anders könne. Die bundesdeutsche Alternativlosigkeit dürfte inzwischen legendär sein!

Währenddessen halten viel zu viele Berufspolitiker ihre privaten und parteipolitischen Verbindungen zu Putins Russland aufrecht, pflegen Städtepartnerschaften und entsprechende Freundes- wie auch Unternehmerkreise. Russische Staatsbürger gehen derweil in Deutschland ein und aus und selbst „ehemalige“ russische Soldaten werden bei uns durchgefüttert und gesund gepflegt.

Völlig unverständlich ist es aber, das Russen bei uns völlig ungehindert Morde oder Anschläge auf unsere Infrastruktur und militärischen Einrichtungen begehen dürfen. Und sollte dabei einmal ein Mörder auf frischer Tat — weil ein Polizist ganz offensichtlich das Primat der Politik nicht beachtete — gestellt werden, dann wird dieser Mörder sogleich wieder an seinen Auftraggeber überstellt; auch das ist bei uns alternativlos!

Selbst die jüngste Ankündigung Wladimir Putins, dass dort, wo sich russische Staatsbürger befinden, ob aktive Soldaten oder auch nicht Russland sei, wird von unseren Politikern längst nicht mehr infrage gestellt! — weder im Baltikum noch bei uns.

Was vielleicht auch nicht wundern dürfte, bauen diese Politiker doch schon länger auf zwei bis vier Millionen „heimgeholte“ Russlanddeutsche wie auch auf gut 300 000 russische Staatsbürger ohne deutschen Pass, die nun auf ihre erneute „Heimholung“ warten dürften, damit sie endlich diese „leidige Demokratie“ bei uns nicht mehr ertragen müssen — hat das mit der AfD bisher doch nicht so recht geklappt.

Und so wäre es vielleicht doch einmal zwingend und dringend notwendig, dass sich auch unsere Politik Gedanken über eine notwendige Landesverteidigung macht und schaut, wie nicht nur die Bundeswehr, sondern alle verteidigungsnotwendige Bereiche kriegsbereit gemacht werden können.

Aber nein, man schaut wieder einmal bestenfalls nur darauf, wie man diese Gelder am populärsten auf die Gesamtgesellschaft verteilt.

Wie soll ein Mensch da noch an das Gute in unserer Politik glauben können?


Veteranentag

16.6.02025 4.8 (6)

Beitragsfoto: alternativer Veteranentag

Vermischtes

Elon Musks Firmenkomplex mit Byzanz zu vergleichen hat schon etwas Schwärmerisches, auch wenn Joan Westenberg es etwas anders gemeint haben dürfte [Link nicht mehr vorhanden].

Die Bigotterie kennt bei uns keine Grenzen, nehmen wir heute einmal … Reiner Haseloff, denn dieser wäre bereit, um bei einer Machtübernahme der AfD in Sachsen-Anhalt woanders hinzuziehen. Tatsächlich eine Nullaussage! Diese soll nur davon ablenken wie er und seine Partei der AfD den Steigbügel halten. Vielleicht ist er aber auch nur so blöd und geht tatsächlich davon aus, dass ihm die AfD auf Mallorca eine Villa spendieren wird.

Andere Zeitgenossen sind da schon etwas weiter und beschaffen sich ihre Villen über z. B. Masken- und sonstige Deals selber, nur für den Fall, dass sie nicht von Anfang an auf der Lohnliste von Großkonzernen stehen oder deren Entlohnung keinen angemessenen Lebenswandel garantiert. Weiß doch jeder, dass die Diäten höchstens dazu reichen, um die Zweitfrau einmal zum Essen auszuführen. Die Erstfrau isst und trinkt wie der Abgeordnete selbst weiterhin kostenfrei mit, da lassen wir Steuerzahler uns wirklich nicht lumpen.

Byzanz ist heute wohl überall. Vor Jahren lag ich einmal in Berlin im Krankenhaus und neben mir ein Fahrer der Fahrbereitschaft des Deutschen Bundestags. Der war richtig stolz darauf, wen er so alles fahren und ganz besonders darauf, dass er deren gesamte Verwandtschaft durch Berlin schippern durfte. Und wenn er dann auch noch die Einkäufe ins Haus oder die Wohnung tragen konnte, fühlte er sich so richtig geehrt — waren wir Deutsche jemals anders?

Gerade bekomme ich ein „[XXXXX] Internal Workplace Assessment“ zugesandt, gut 20 Seiten stark. Schön blöd, wenn das jemand tatsächlich ohne LLM verfasst hat. Und schon ist es im Müll gelandet. Bevor es mir jetzt unheimlich wird, beende ich meinen heutigen Blog-Beitrag und gehe lieber spazieren — geht die kommenden Tage nicht mehr.

Veteran

Ein Thema bei dem ich Gefahr laufe, dem einen oder anderen echten Kameraden auf die Füße zu treten. Veteranen sind beim Militär altgediente Soldaten mit Kriegs- bzw. Einsatzerfahrung. Ein Donald Trump ist ganz offensichtlich kein Veteran, auch wenn er einmal irgendwie doch eine Uniform getragen hat. Und auch bei uns sollte man sehr streng darauf achten, wer ein Veteran ist und wer nicht. Und diese dann nur so benennen, wenn die betroffenen Soldaten dies selber auch möchten.

Manche Soldaten denken dabei noch an die „Alte Garde“ oder daran wie Legionäre nochmals 20 Jahre Dienst oben drauf legten. Auf alle Fälle aber ist das Veteranensein weiterhin mehr Verpflichtung als Ehre.

Gestern haben sich nun in Deutschland erstmals die „Veteranen“ gefeiert, was für unsere Politiker und eine dahinsiechende Gesellschaft auf alle Fälle viel billiger ist als Soldaten anständig zu bezahlen oder sich gar um „ausgebrannte“ Soldaten zu kümmern.

Wir erledigen dies alles bei uns nun mit dem berühmten COVID-19-Geklatsche, ein paar Medaillen für sämtliche Cosplay-Fanatiker obendrauf und dazu noch ein paar warme Worte.

Und damit wir Soldaten — Cosplayer verstehen das sicherlich nicht! — auch tatsächlich wissen, worum es der Politik dabei überhaupt geht, durfte Donald Trump am selben Tag seine ganz eigene Militärparade halten. Auf gut Deutsch: die Politiker feiern sich selber und das Militär muss dafür wieder einmal Kopf und Kragen hinhalten.

Jetzt hoffe ich, das mit dem „alternativen Veteranentag“ wird nicht völlig missverstanden. Kommendes Wochenende erhebe ich mein Glas auf die Veteraninnen — diese sind echt, ob der Gemahl nun tatsächlich gekämpft hat oder auch nicht.

Wochenstart

Erfreulich die heutige Fahrt mit dem meseno-Bus, dieser war zum Schluss Rand voll. So voll, dass wir hinterher Mühe hatten, um die zu kühlenden Lebensmittel fachgerecht unterzubekommen. Ein wenig Improvisation gepaart mit ein wenig Kommunikation waren wieder einmal erfolgreich.

Zwar hatte ich bereits ein sehr nettes Gespräch mit dem Narkosearzt, aber noch keine entsprechenden Medikamente bekommen, geschweige denn eingenommen. Seit heute bin ich ganz im Gegenteil dabei, manche Medikamente herunterzufahren, um keine unliebsamen Wechselwirkungen erleiden zu müssen.

Dann gibt es aber doch noch ein Flashback und dies in einer ganz besonderen Art. Zu Beginn der Nullerjahre hatte ich eine kleine aber feine Firma abgewickelt, da ich einfach keine Zeit dafür mehr hatte. Irgendwann einmal konnte ich auf LinkedIn erfahren, dass es anscheinend einen ehemaligen Mitarbeiter in Asien gab, der das offensichtlich nicht mitbekommen hatte oder auch nur nicht wollte — sein Problem bzw. seine Chance.

Heute aber nach gut zwei Jahrzehnten erhielt ich eine diesbezügliche E-Mail von einem Headhunter — solche Jobs waren einmal in den 1980er-Jahren der letzte Schrei, wobei sich ein ehemaliger Mitarbeiter von mir noch in den 2010er-Jahren damit erfolgreich selbständig machen konnte. Die besagte E-Mail bekam ich aber dann ganz offensichtlich nicht von einem Headhunter-Profi.

Guten Tag Herr Kuemmerle, 

ich bin auf Ihr Unternehmen gestoßen und habe einen potenziell passenden Kandidaten aus Stuttgart im Blick, der besonders gut zu [XXXXX] passen könnte.

Für ein ähnliches Unternehmen im Bereich Industrieforschung konnten wir innerhalb weniger Wochen erfolgreich anspruchsvolle Führungspositionen besetzen.

Unser Vorteil: Sie erhalten unverbindlich qualifizierte Kandidat*innen und zahlen erst bei erfolgreicher Vermittlung. Wenn das für Sie interessant ist, lassen Sie uns gerne kurz telefonieren.

Viele Grüße
[XXX]

Da ich nicht mehr auf Linkedin bin, kann ich nun nicht einmal mehr sagen, ob und wie sich diese meine ehemalige Firma nun so schlägt. Ein ehemaliger Mitarbeiter scheint mich allerdings weiterhin als CEO und Inhaber zu führen. Vielleicht sollte ich aber auch nur das eine oder andere Medikament doch nicht so schnell absetzen?


Waldhaus

9.6.02025 5 (5)

Beitragsfoto: Stillleben

Wer bin ich?

Noch bis zum 6. September 2025 können wir etwas Älteren ein wenig sentimental werden, denn in der ARD-Mediathek ist der Film über Robert Lembke zu finden. Man kann diesen Hinweis auch als meinen Kommentar zur allsommerlichen Debatte über den Sinn und Zweck des ÖRR betrachten.

Der Film ist sehr sehenswert, allerdings teile ich die Überzeugung Steffen Grimbergs (9.6.2025), dass Günther Jauch dort fehl am Platz ist. Noch selbst in München lebend, kam bei Bayern 3 sofort nach Thomas Gottschalk Günther Jauch und ich schaltete meist das Radio aus.

Auf alle Fälle aber guckte ich in meiner Jugend des öfteren die Ratesendung „Was bin ich?“ von Robert Lembke, gab es doch zu dieser Zeit kaum Alternativen. Obwohl ich sehr früh einen eigenen Fernseher hatte, blieb es sogar dabei. Die Sendung lief von 1955 bis 1958 und erneut von 1961 bis 1989 im Ersten Deutschen Fernsehen.

Besprechung

Es muss nicht immer nur ein Kaffee sein, und so trafen sich meine Schwester, meine bessere Hälfte, Dan und ich, um ein paar Angelegenheiten zu regeln. Bei einem ganz besonders guten Essen — meine Schwester übernahm die Rechnung — konnten wir schon einmal die kommenden Schritte besprechen.

Auch fanden wir noch genügend Zeit, um uns wieder einmal über die Familie und den gemeinsamen Freundes- und Bekanntenkreis auszutauschen. Wenn man bedenkt, wie mobil unsere Gesellschaft inzwischen geworden ist und wie selbstverständlich man über Kontinente hinweg miteinander Verbindung hält oder zumindest zu halten versucht, eine sehr spannende Sache!

Da ich aktuell etwas „schollengebunden“ bin, was ich aber nach all den Jahren Mobilität (noch) nicht bedauere, freue ich mich ganz besonders, wenn ich neue Informationen aus der weiten Welt bekomme. Und da ich die Quellen gut kenne, ist es fast schon so, als ob ich selbst mit dabei gewesen wäre.

Death-Cleaning

Wieder einmal ein Thema, welches mich eigentlich schon länger beschäftigt, aber dann doch nicht die Priorität erhält, die es verdient.

Erst letztes Jahr „durfte“ ich einen Haushalt übernehmen, ob ich es wollte oder nicht, da ein Mieter überraschend verstarb und dessen Verwandtschaft das Erbe aus deren Sicht verständlich ausschlug. Unser Staat sieht dann vor, dass der Vermieter die Torte im Gesicht hat — so einfach ist das bei uns. Ok, es kam noch ein Offizieller vorbei und guckte kurz, ob sich der Vermieter nicht doch noch am Nachlass bereichern könnte und übergab mir dann ganz offiziell die Wohnungsschlüssel.

Mit dem Ausmisten von Wohnungen hatte ich schon ein wenig Erfahrung und sah dabei doch so manche Existenz auf dem Müll enden, so auch dieses Mal; leider erneut auf meine Kosten! Weil selber zu beschäftigt, überließ ich das einem Profi, der dieses Leben fachgerecht nach den Regeln der Mülltrennung entsorgte.

Und bevor wir bereits auch wieder vor zehn Jahren in unser aktuelles Zuhause einziehen konnten, mussten auch erst gut 80 Jahre Leben wieder einmal entsorgt werden. Wenn man das so miterlebt, kann man den vielen eigenen Wohnungswechseln auch etwas Gutes abgewinnen. Meine bessere Hälfte und ich trennten uns dabei schon mehrmals von Kisten, die nach gut zwei Umzügen immer noch ungeöffnet geblieben waren.

Vor ein paar Jahren trennte ich mich bereits vom größten Teil meiner Bücher, nur um aktuell festzustellen, dass ich inzwischen erneut viel zu viele habe. Viel zu spät erkannte ich, dass man Bücher nicht selber sammelt, sondern diese verzettelt und dafür den Zettelkasten aufbewahrt — nun ein Vorsatz für mein nächstes Leben.

Unsere Wachstumsgesellschaft ist einfach auch ein sehr unglückliches Setting für Menschen, die gerne etwas nachhaltiger leben würden. Ob man es möchte oder nicht, man bekommt viel zu viele Dinge einfach nur so, andere nimmt man, weil es einfach geht und vielleicht sogar, weil es echte Schnäppchen sind, manche Dinge glaubt man unbedingt haben zu müssen und andere werden einem weil gesellschaftlich notwendig ganz unverhohlen „aufgezwungen“.

Und so ist das eigene Death-Cleaning gar nicht so einfach, wie man es sich anfangs vorstellt. Bei mir kommen dann noch das eine oder andere Gadget mit dazu, seit COVID-19 auch wieder Schallplatten oder Rechner und entsprechende Peripherie, wobei ich sicherlich auch hierbei mit weniger viel besser dran wäre.

Und wenn ich nur daran zurückdenke, dass ich nie Zimmerpflanzen haben wollte, noch mein Studium mit einem einzigen Kaktus überstand, der irgendwann einfach so da war, heute nun aber vor dem Problem stehe, was ich mit all den vielen Zimmerpflanzen nur machen soll, für die ich inzwischen verantwortlich bin. Lebewesen einfach so zu entsorgen? Wer eine Zimmerpflanze retten möchte, der kann sich gerne mit mir in Verbindung setzen, die Auswahl dürfte groß genug sein.

Aktuell bin ich zudem dabei, den elterlichen Haushalt langsam, aber sicher zurückzufahren, was auch mein eigenes Projekt wieder etwas beschleunigt. Und so freut es mich, dass ich jüngst für ein Geschenk, welches ich Mitte der 1990er-Jahre wieder einmal einfach nur so erhalten, nun jemanden gefunden habe, der nicht nur weiß, um was es sich dabei handelt, sondern damit auch selber noch etwas anfangen kann — ein Glücksfall! eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.

Bismillahi rahmanir rahim - Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

Wenn ich an all die Dinge denke, die alleine in meinem Leben nur so auf den Müll landen werden, schlimmer noch bereits gelandet sind, halte ich es für mehr als angebracht, dass wir Menschen dringend allesamt unsere Einstellung zu Besitz und Gebrauch ändern — als einzelne Menschen, auch wenn diese dies dann vorbildlich hinbekämen, springen wir hierbei viel zu kurz!

Man braucht dabei auch nicht gleich die gesamte Wachstumsideologie abzuschaffen, aber man müsste diese ganz dringend nachhaltiger und verantwortlicher gestalten.

Auf alle Fälle aber ist es wenig erfreulich, dass wir Deutschen nur noch Weltmeister im Wegwerfen sind, das mit dem Recyceln dürfen wir dabei getrost als modernes Märchen verbuchen!

„Kaufe nicht, was bloß brauchbar, sondern was unbedingt erforderlich ist; was man nicht braucht, ist selbst um den Preis eines Pfennigs zu teuer.“

Seneca, 15. Buch, 94. Brief (2023: 895)