Maskerade

10.2.02022 5 (2)

Beitragsfoto: Maskerade | © Pixabay

Kuckucksuhr

Das Schöne an der Zusammenarbeit mit Profis ist, dass man regelmäßig positiv überrascht wird. So hat gerade bei mir eine freundliche Mitarbeiterin der Kuckucksuhrenfirma Hönes angerufen, dass ich mein Schätzchen wieder abholen kann. Nach über 20 Jahren störungsfreiem Betrieb, teilweise unter sehr erschwerten Bedingungen (Umzüge und Beschuss von Bällen aller Art) hatte unsere Kuckucksuhr jüngst etwas geschwächelt.

So werde ich mich wohl in den kommenden Tagen aufmachen und der Firma Hönes einen Besuch abstatten. Sicherlich wird mich meine bessere Hälfte begleiten wollen, sonst steht zu befürchten, dass ich mit einer weiteren Uhr zurückkomme.

Europa-Blitzer

Laut Heilbronner Stimme (10.02.2022: 25) wird gerade darüber diskutiert, ob man den Europaplatz nicht durch einen Blitzer etwas aufwertet. Nachdem man in anderen Städten — meist sehr viel später als in Heilbronn — einen Europaplatz geschaffen hat, und diese nunmehr für Fußgänger und Passanten möglichst attraktiv gestaltet, hat man in Heilbronn einen etwas anderen Weg gewählt.

Der Europaplatz in Heilbronn, der tatsächlich durch ein einsames Straßenschild als solcher noch zu erkennen ist, aber damit weit besser wegkommt als der Berliner Platz, den man schon länger gänzlich „entplatzt“ und „entbärt“ hat, von einem mickrigen Straßenschild ganz zu schweigen, ist der Europaplatz den Heilbronnern nunmehr als eine der innerstädtischen Rennstrecken bekannt — die sogenannte Dieter-Schwarz-Schikane mit integrierten Nothalten an diversen Stadtbäumen.

So ist es wohl nur folgerichtig, dass man sich jetzt schwerwiegende Gedanken über einen stationären Blitzer macht — die mobilen Blitzer vor Ort wurden der Situation offensichtlich nicht gerecht.

Da ich nicht nur meckern möchte, komme ich mit einem eigenen Vorschlag um die Ecke: den stationären Blitzer könnte man doch blau anmalen und mit goldenen Sternchen versehen — ein Europa-Blitzer sozusagen. Billiger kann die Stadt den Europaplatz sicherlich nicht aufwerten.

Nur eine Notiz am Rande, da man bei uns Plätze schon lange nicht mehr als solche erkennen kann und auch noch die letzten vorhandenen mit allen möglichen Dingen zugestellt oder gar überbaut werden sollen, muss man sich nicht wundern, dass immer wieder Forderungen zu hören sind, x-beliebige Straßenkreuzungen in Plätze umzubenennen.

Europa-Ball

Heilbronner, die etwas älter als ich sind, erinnern sich noch an die Europa-Bälle, die in den 1950er- und 1960er-Jahren eine Heilbronner Institution waren. So freut es mich nun sehr, dass die EUROPA-UNION diese Tradition in Zusammenarbeit mit der Tanzschule Brenner wieder aufleben lässt.

Und da mich meine bessere Hälfte jüngst wieder dazu bewegt, etwas das Tanzbein zu schwingen und gleich noch mit einem gemeinsamen Tanzkurs nachgesteuert hat, werde ich mir diese Gelegenheit eines Europa-Ball-Besuches auch nicht entgehen lassen.

Geburtstag des Tages

Berthold Brecht


Beitragsfoto: Rathaus Heilbronn | © Shutterstock

6.2.02022 5 (1)

Beitragsfoto: Rathaus Heilbronn | © Shutterstock

30,5

Leider nicht die Inzidenz in Heilbronn, denn die liegt weiterhin mit 1.738 in der deutschen Spitzenklasse. Sondern 30,5 % ist die Wahlbeteiligung bei der 10. OB-Wahl nach dem Zweiten Weltkrieg. Damit haben wir den vorläufigen Tiefstand erreicht, wobei — wie bei den Inzidenzen auch — eine Besserung nicht in Sicht ist, zumindest im Stadtkreis Heilbronn.

Heilbronn hat 126 500 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2020) und bei der 10. OB Wahl 88 500 Wahlberechtigte; das sind 70 % der Einwohner. Von diesen 70 % haben nun 30,5 % gewählt; das sind 21 % aller Heilbronner

Von diesen 21% haben nach den aktuellen Veröffentlichungen 81,5 % den amtierenden OB tatsächlich gewählt; damit haben ganze 17 % der Heilbronner dem OB ihre Stimme gegeben.

Das ist aber nur bloße Rechnerei, was tatsächlich zählt ist, dass nur knapp über 30 % der wahlberechtigten Heilbronner tatsächlich noch ihre Stimme abgeben — was auch nicht wundert, da es für den Bürger keine ernstzunehmenden Alternativen gab.

Der Gemeinderat feiert sich nun die kommenden acht langen Jahre für die 81,5 % und kaum einer macht sich Gedanken darüber, dass nicht einmal mehr ein Drittel der Heilbronner mit diesen Zuständen überhaupt einverstanden ist.

Verantwortungslosigkeit

Dass man in Heilbronn tun und lassen kann, was man möchte, ist bereits vielen bekannt. So haben sich heute Nacht zwei Raser in einem Auto um einen Baum am Europaplatz gewickelt. Ordnungsamt und Polizei schauen meist weg (oder machen Geschwindigkeitskontrollen direkt vor meiner Hauseinfahrt) und lassen inzwischen diese Raser selbst in der Fußgängerzone und auf Gehwegen gewähren.

Erst gestern musste ich nicht nur einem SUV in der Sülmerstraße — eigentlich eine Fußgängerzone — ausweichen, sondern auch einer Harley auf dem Gehsteig auf der Allee. Deren Fahrer lies seinen Motor direkt neben mir zusätzlich noch aufheulen, so dass ich ein Knalltrauma erlitt und noch einen Tag später damit zu kämpfen habe — und ich bin bereits schwerhörig.

Wäre ich gesundheitlich in einem besseren Zustand, hätte ich mir dieses asoziale Subjekt gegriffen, so aber musste ich befürchten, dass ich noch auf der Allee von diesen Subjekten — sind ja meist immer mehrere — erschlagen worden wäre.

So muss man heutzutage schon froh darüber sein, wenn sich dieses asoziale Pack selber richtet — leider kostet das den Steuerzahler auch wieder eine ganze Menge.

Wahlschock

Eigentlich wollte ich heute ganz entspannt ein paar Bücher lesen. Und überhaupt nichts an meinem Blog machen. Dann musste ich feststellen, dass dieser bei der Kommentarfunktion einen mächtigen Bug hat. Um das Ganze etwas zu verkürzen, habe ich mich kurz entschlossen von einer Software-Firma getrennt, meine Sternchenbewertung damit auch abgeschafft und somit wieder Ruhe in die Kommentarfunktion gebracht (Danke an Liegeradler für den Hinweis).

Dann wollte ich mich wieder an meine Bücher machen, bevor ich ab 13.00 Uhr „meinen“ Wahlraum aufsuche, da mir der Besuch vorher sicherlich aufs Gemüt schlägt (alter Erfahrungswert!).

Beim Wahlgang bekam ich schon per Twitter die ersten Wahlbeteiligungsmeldungen, die um 13.00 Uhr jeweils bei 15 % lagen, und mich auf das Kommende ein wenig vorbereiteten. Der Schock kam dann aber beim Betreten des Wahlraums:

Wahlbeteiligung bei der OB-Wahl in Heilbronn um 13.00 Uhr

Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass die Heilbronner Parteien wenigstens ihre Mitglieder zur Briefwahl motivieren konnten, und wir Heilbronner damit halbwegs mit einem blauen Auge davonkommen werden.

Aber schon jetzt kann man erkennen, was mit unserer Demokratie geschieht, wenn sich Partei-Bonzen und in diesem Falle ganz besonders die Fraktions-Bonzen vor der Wahl in Hinterzimmern auf einen einzigen Kandidaten festlegen und diesen dann den Wählern als ihre und „Gottes“ erste Wahl anbieten.

Jetzt fehlt nur noch, dass diese Bonzen nach der Wahl verkünden, zukünftig den Heilbronner OB nur noch im Gemeinderat auszurufen, da der Bürger gezeigt habe, dass er keine Wahl mehr möchte.

Sollte die Wahlbeteiligung am Ende unter 30 % bleiben, dann müssten zumindest die verantwortlichen Fraktionsvorsitzenden ihren Hut nehmen — aber völlige Verantwortungslosigkeit ist in Heilbronn längst das Nonplusultra.


Beitragsfoto: Sülmerstraße | © Shutterstock

26.1.02022 5 (1)

Beitragsfoto: Sülmerstraße | © Shutterstock

Highlights

Die Highlights des Tages waren das Vorlesen in der Dammgrundschule am Morgen und ein abendlicher Spaziergang mit meiner besseren Hälfte. So gestärkt kann man sich wieder der Lektüre und den inzwischen obligatorischen Videokonferenzen widmen. Und so bin ich einmal gespannt darauf, was uns alle morgen erwartet. So verkneife ich es mir auch, schon heute die Nachrichten von morgen in der Heilbronner Stimme zu lesen.

Pfründe

Die Besetzung der beschließenden und beratenden Ausschüsse im Heilbronner Gemeinderat sowie die der kommunalen Aufsichtsratsgremien, welche dann neu erfolgen muss, wenn sich bei den Fraktionen Änderungen ergeben, hat sich trotz Gerichtsurteil Ende letzten Jahres immer noch nicht geregelt.

Erstmals wurde mir diese Problematik so richtig bewusst, als sich die Grünen bei einer Vergrößerung der Freien Wähler Fraktion so richtig und ganz presswirksam echauffierten, weil ihrer Fraktion damit „ein paar zusätzliche Verdienstmöglichkeiten“ genommen wurden — normaler Weise finden solche Streitereien über vermeintliche Pfründe im stillen Kämmerlein statt.

Als nun im letzten Jahr durch Übertritt von Alfred Dagenbach zur AfD-Fraktion, diese an der Reihe war, um weitere Sitze zu erhalten und dabei gleich mehrere Fraktionen Einbußen zu beklagen gehabt hätten, musste dieser Zank sogar vor Gericht ausgetragen werden.

Erschwerend kam noch hinzu, dass ein anderer AfD-Stadtrat kurzzeitig einmal aus der Fraktion ausgetreten war, was allerdings eine Neubesetzung nicht obsolet macht. So beschäftigt diese Neubesetzung der Ausschüsse den Heilbronner Gemeinderat und die Verwaltung seit eineinhalb Jahren und wird — trotz Gerichtsurteil — weiterhin verschleppt, um ein paar Stadträten Pfründe zu erhalten, die ihnen (rechtlich) gar nicht zustehen.

Das Schlimme daran ist, dass es weder dem OB noch dem Gemeinderat dabei um Ideologien oder politische Inhalte geht, sondern alleine nur, wem in den Augen der Beteiligten welche Pfründe zustehen. Zumindest das Verwaltungsgericht nimmt dabei an, dass das auch in Heilbronn unabhängig von Partei und Ideologie geregelt sei.

Tempolimit

Dies wird wohl mein umstrittenster Beitrag seit Langem werden; ich wäre aber nicht ich, wenn ich ihn deshalb wegließe.

Seit heute wissen wir (Heilbronner Stimme, 26.01.2022: 6), dass es auch in der Bundesrepublik Deutschland auf Bundesautobahnen ein Tempolimit gibt. In Bremen können wir schon etwas länger mit 120 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit leben, wohl weil jeder Bremen bereits verlassen hat, wenn sein Auto diese Geschwindigkeit halbwegs erreicht.

Aber zuerst einmal die Fakten: bei uns gelten gemäß § 3 Abs. 3 der Straßenverkehrsordnung (StVO) für alle Kraftfahrzeuge als zulässige Höchstgeschwindigkeit innerhalb geschlossener Ortschaften 50 Stundenkilometer, so wie in den meisten Ländern Europas auch.

Außerhalb geschlossener Ortschaften beträgt die zulässige Höchstgeschwindigkeit für Kraftfahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 3,5 Tonnen 100 Stundenkilometer. 

Darüber hinaus gilt auf den Bundesautobahnen sowie allen anderen Straßen mit einem Mittelstreifen oder mindestens zwei Fahrstreifen pro Richtung eine Richtgeschwindigkeit, das ist also eine empfohlene maximale Geschwindigkeit von 130 Stundenkilometer.

Darüber hinaus gilt bei uns in Deutschland weiterhin der uralte Rechtsgrundsatz, was nicht verboten ist, ist erlaubt. Ganz im Gegensatz zu anderen Rechtssystemen, wo alles verboten ist, was nicht erlaubt wurde. Dies ist eine Tatsache, die wir Deutschen viel zu wenig schätzen!

Darüber hinaus gilt allerdings auch der uralte Grundsatz, dass nicht alles legitim oder geboten, was auch erlaubt ist. Mit diesem Grundsatz überfordern wir bestimmt aber den größten Teil unserer Bevölkerung, die deshalb immer öfters und vehementer nach Verboten aller Art giert — ganz besonders dann, wenn Neid, Hass oder Rassismus wieder einmal die Oberhand gewinnen.

De facto haben wir schon länger bei uns in Deutschland innerorts Maximalgeschwindigkeiten von 20 bis 40 Stundenkilometern, die je nach Gefühlslage der dafür nicht zuständigen städtischen Mitarbeiter gerne in ein und derselben Straße auf wenigen Hundert Meter abwechselnd ausgewiesen werden — neben einer ganzen Menge an Populismus wird wohl das Füllen des städtischen Geldsäckels das eigentliche Rational dahinter sein. Wahrscheinlich aber sind die Kosten der Anschaffung und Unterhaltung der entsprechenden Schilder bei weitem höher — und das Ganze ist bestimmt auch noch umweltschädlicher — als es jemals Gewinne einspielen wird; so ist und bleibt es nur eine weitere Verbots- und Regelungsorgie.

Bisher konnte aber kein Politiker, der wiedergewählt werden möchte (die Ausnahme des Grundsatzes ist das klitzekleine Bremen), ein grundsätzliches Tempolimit — also ein Verbot — auf unseren Autobahnen festlegen.

Noch 2020 fuhr unser Ministerpräsident selbst mit überhöhter und völlig unangepasster Geschwindigkeit über die Bundesautobahn 81, was einem kleinen Mädchen das Leben kostete. Eine weitere Person wurde schwer und eine andere leicht verletzt. Wir erinnern uns, sein Fahrer — nicht er (!) — kam mit ca. 145 Euro Bußgeld und einem Punkt in Flensburg davon.

Medienwirksamer kann man wohl kaum für den Slogan „Freie Fahrt für Freie Bürger“ werben und wirbt besonders damit auch im Ausland für schnelle Fahrten, möglichst mit in Deutschland produzierten Autos, auf bundesdeutschen Autobahnen.

Was aber viele Auswärtige nicht wissen ist, dass in Deutschland vor dem Gesetz alle gleich sind — bis auf die gleicheren!

Und so hat es sich jüngst ein Ausländer tatsächlich erdreistet, und dazu noch ein reicher mit einem italienischen Sportwagen — keinem BMW, Porsche, Audi oder Mercedes (!) — , auf einer bundesdeutschen Autobahn gute 400 Stundenkilometer zu fahren!

Wie wir heute lesen können, ist nichts passiert und es hat auch keiner gemerkt! Sondern vor lauter Freude über „Freie Fahrt für Freie Bürger“ hat dieser Mann (!), gepaart wohl mit dem Stolz eines Spaniers über sein Auto und das vermeintlich Erreichte, ein Video über „seine Leistung“ gepostet — der Allerhellste ist er wohl nicht.

Was nun dazu führt, dass er von uns Deutschen rein prophylaktisch erst einmal hingerichtet wird!

Website des Tages

Europaplatz Heidelberg

„Im Zentrum des stilvollen Ensembles aus fünf Gebäuden liegt der ca. 6.000 m² große Platz, der zum Verweilen einlädt und für vielfältige Veranstaltungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen wird.“

Übrigens, Heilbronn hat auch einen Europaplatz, schon etwas länger, weiß nur keiner.

Geburtstag des Tages

Douglas MacArthur