Wasser eines Pools

7.8.02024 5 (6)

Beitragsfoto: Schwimmbad | © Pixabay

Vermischtes

Wie wir es jüngst erfahren durften, gibt es in der Stadtverwaltung erneut Ungereimtheiten. Dieses Mal im Umgang mit der sogenannten Antidiskriminierungsstelle. Dabei hat es inzwischen Tradition, dass man Stellen, die ganz offensichtlich nicht koscher sind, gerne in andere städtische Bereiche auslagert und somit ganz folgerichtig im Gemeinderat weiterhin seine Hände in Unschuld waschen kann. Und zum krönenden Schluss haben alle Gemeinderäte wieder einmal von überhaupt nichts gewusst — auch das hat bei uns Tradition. Übrigens, man kuschelt in der Heilbronner Stadtverwaltung weiterhin mit Wladimir Putin (die Treue zur Kriegsverbrecherstadt Novorossijsk wird gehalten, wohl bis zum Endsieg) und ehrt zudem im Rathaus einen Nazi, der als SS-Mann seine Treue bravourös bewies — Demokratie geht anders!

Gestern konnte ich am Morgen meine Runden in der Neckarhalde ziehen, einfach wunderbar. Und am Abend traf ich mich mit netten Menschen zum Europastammtisch (den entsprechenden Beitrag werde ich wohl heute noch auf der Website der EUROPA-UNION Heilbronn veröffentlichen). Spannend dabei, dass es dabei schwerpunktmäßig um Altgriechisch und Latein ging, zwei Sprachen, die für mich immer mehr an Bedeutung gewinnen — leider werde ich das Altgriechisch nicht mehr lernen können, aber ich werde mir das entsprechende Alphabet noch so beibringen, dass ich die Begriffe in den Büchern zumindest halbwegs entziffern kann. Noch spannender dabei die heutige Erkenntnis, dass wir Deutschen das Altgriechisch anders aussprechen als der Rest der Welt.

Erfreulich die Entwicklungen bei den 8. Hertensteiner Gesprächen. Diesbezüglich hatte ich gestern zwei sehr interessanten Telefonate. Die Hertensteiner Gespräche werden überregional immer mehr zur Kenntnis genommen. Das ist schon einmal ein sehr guter Einstieg, der dann seinen gelungenen Abschluss findet, wenn sich die Interessenten auch in Heilbronn einfinden — ich mache schon einmal mit dem Heilbronner ICE Werbung und hoffe darauf, dass es nicht nur der altbekannte und von allen gefürchtete Schienenersatzverkehr sein wird.

Ich habe selbst geboxt und diesem Sport auch bis gestern die Treue gehalten. Dies ist nun aber Geschichte, diese Olympischen Spiele sind der Grund dafür. Die Zeiten einer Regina Halmich sind nun endgültig vorbei.

Planung

Wenn ich es mir richtig überlege, dann komme ich nicht umhin daran zu glauben, dass den US-Demokraten ein wirklich guter Coup gelungen ist. Gestern konnte Kamala Harris mit Tim Walz einen sehr seriösen Vizekandidaten präsentieren. Und seit ihrer zumindest die US-Republikaner völlig überraschenden Nominierung läuft der Wahlkampf richtig gut. Zum ersten Mal seit langem liegen die Demokraten in den Umfragen in fast allen Bundesstaaten vorne; wobei die ersten lokalen US-Republikaner Kamala Harris anstatt Donald Trump als ihren Kandidaten nominieren.

Bis zur Wahl sind es keine 95 Tage mehr, wobei die GOP nun ihren gesamten Wahlkampf auf den Kopf stellen muss. Viel zu lange hat Donald Trump an seinem Wunschkandidaten festgehalten, und dieser hat ihn auch bis zuletzt in diesem Glauben gelassen.

Wenn ich es von der deutschen Politik nicht besser wüsste, dann könnte man durchaus davon überzeugt sein, dass dieses Vorgehen von Anfang an — zumindest seit gut drei Jahren — von den US-Demokraten im Weißen Haus auch so geplant wurde.

Und in ihrer völligen Verzweiflung behaupten immer mehr US-Republikaner, dass nicht nur die letzte Wahl gefälscht wurde, sondern seit ein paar Tagen auch sämtliche Umfragen gefälscht werden — von der nächsten Wahl ganz zu schweigen.

Wenn die US-Amerikaner ihr Land jetzt noch retten wollen, dann muss Kamala Harris so haushoch gewinnen, dass außer Donald Trump keiner mehr an dessen Wahlsieg glauben kann. Besser aber wäre es, wenn „Fucking Crazy“ in den kommenden 90 Tagen ganz überschnappt.

Verriss

Aus irgend einem mir heute nicht mehr bekannten Grund, hatte ich das Buch Milan Kunderas „Die Langsamkeit“ nicht bereits in den 1990er-Jahren in den Müll geworfen, sondern auf einen Bücherstapel gelegt. Und so habe ich das Buch vor Kurzem wiedergefunden und nun wohl zum zweiten Mal gelesen.

Zumindest aber haben Kundera und ich eine andere Auffassung von Langsamkeit; auch fast dreißig Jahre später, kann ich diesem Buch nichts abgewinnen. Man muss wirklich lange suchen, um wenigstens ein wenig Sinnführendes zu finden, wobei mir Kunderas „Philosophie“ noch heute verschlossen bleibt.

Milan Kundera schrieb den Roman 1995 und diesen als ersten seiner Romane auf französisch. Da mein Französisch damals noch nicht so sattelfest war, habe ich den Roman auf Deutsch — ich befürchte aber, dass er auf französisch auch nicht besser ist.

Sein Buch „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ (1984) hielt ich schon damals für völlig überbewertet, so wie ich auch Pavel Kohouts „Die Henkerin“ (1993) als unerträglich empfand.

Mein Fazit ist, dass, wenn man schon literarisch in dieser Region bleiben möchte, man weiterhin an Franz Kafka festhält.

„If you know what you are doing and you know why and to what ultimate end, then you will cope better with adversity. …
We need to re-plot and re-occupy the future.“

Christopher Clark (2021: 235, 237)

Drei Kreuze

10.4.02024 5 (8)

Beitragsfoto: Kreuze | © Gerd Altmann auf Pixabay

Zwiebelrostbraten

Der Zwiebelrostbraten gehört einfach mit zu unserer regionalen Küche und wir können stolz darauf sein, dass auch die Wiener den Zwiebelrostbraten in ihr Repertoire mit aufgenommen haben. Wer allerdings als dessen Urheber gilt, kann ich nicht sagen, nur so viel, dass man ihn bei uns zusammen mit Spätzle ißt, oder, wenn es kein volles Essen mehr sein soll, zusammen mit Brot, aber auf alle Fälle mit mehr als ausreichend Soße versehen.

Schon zu meiner Jugend war der Zwiebelrostbraten eines meiner Lieblingsgerichte. In den 1970er- bis Anfang der 1980er-Jahre gab es den besten Zwiebelrostbraten in Donnbronn. Später dann war für mich jener beim Hessersbeck der beste Braten der Stadt, was von den meisten Europastammtischlern ebenfalls so gesehen wurde.

Inzwischen gibt es den besten Zwiebelrostbraten im Ratskeller und seit gestern ist das Backstüble zumindest bei mir mit im Rennen. Beide Zwiebelrostbraten lassen keine Wünsche übrig und der bessere Braten wird wohl von der jeweiligen Auswahl des Fleisches abhängen. Wer das Backstüble noch nicht kennen sollte, dem empfehle ich einmal einen Besuch.

Stammtische

Anfangs eines jeden Monats treffe ich mich mit Gleichgesinnten zu Stammtischen. Der Europastammtisch findet inzwischen und dies ohne eine Unterbrechung seit zwei Jahrzehnten statt. Dieser Stammtisch zeichnet sich dadurch aus, dass er die gesamte Bandbreite des demokratischen Spektrums abdeckt. Dies könnte erklären, warum er über die Jahre hinweg bestand und auch weiterhin besteht.

Die Themen sind dabei nicht nur tagesabhängig, sondern hängen zudem mit den Interessen der jeweiligen Teilnehmer zusammen. Manchmal verläuft der Stammtisch ruhig und völlig entspannt, manchmal aber auch kontrovers und für alle Teilnehmer sehr fordernd. Das Erfolgsrezept dürfte dabei die gesunde Mischung sein.

Beim gestrigen Europastammtisch wurde ein altbekanntes Thema erneut aufgegriffen, nämlich die Berufspolitik. Dabei wurde über die Auswirkungen diskutiert, die einzig und alleine der Tatsache geschuldet sind, dass manche Mitbürger ihre gesamte Existenz auf einem Wahlamt aufbauen. Über sämtliche Parteigrenzen hinweg kamen alle Anwesenden zu der Überzeugung, dass dies für jede Demokratie der falsche Weg ist! Kurz wurde darüber diskutiert, warum sich unsere Republik überhaupt hin zu einem Berufsdemokratentum entwickelt hat, dann aber suchten alle Diskutanten unisono nach tragfähigen Lösungsmöglichkeiten, um uns Bürgern die Demokratie in Gänze zurückzugeben — unabhängig davon, ob wir es tatsächlich wollen oder auch nicht.

Am einfachsten wäre es, wenn wir sämtliche politischen Wahlämter auf zwei Wahlperioden begrenzen. Die Teilnehmer kamen im Gespräch zu der Überzeugung, dass dabei die Vorteile die Nachteile überwiegen und dies vor allem anderen unserer Demokratie wieder ganz neuen Schwung verleihen könnte.

Ich gelange diesbezüglich zu der Überzeugung, dass alle Politiker, die ihre Existenz von einem Wahlamt abhängig — unabhängig von der eigenen Moral und Kompetenz — machen, im Endeffekt zu Totengräbern unserer Demokratie werden.

Stelen

Kaum sind die ersten Stalinstandbilder in Osteuropa gefallen, schon wird es bei uns en vogue, dass sich nicht nur Unternehmer im öffentlichen Raum — ein Heilbronner brachte sich bereits vor dem Haus der Geschichte mit ehemaligen deutschen Kaisern in Verbindung — Standbilder setzen, sondern auch die Berufspolitik mit ähnlichen Machtsymbolen zu glänzen beginnt.

Vor kurzem bekannte sich noch ein wenig erfolgreicher Kanzlerkandidat als Enkel Karls des Großen und bereits gestern erhält bei uns ein weiterer Unionspolitiker schon eine eigene Stele; dies aber nicht etwa auf dem Friedhof, wo es vielleicht sogar noch angebracht wäre, es muss schon die Hauptstraße vor einem Rathaus sein.

Wenn wir jetzt nicht aufpassen, dann lässt die Union bald selbst die Kreuze in den Kirchen entfernen, um einen Markus Söder dort in voller Pracht glänzen zu lassen — statt Nägeln gibt es allerdings Handschellen und Fußfesseln von Armani.

Ganz dem Lokalpatriotismus verpflichtet, folgen ihm bestimmt weitere Unions-Größen. Die ersten Politiker laufen sich in Heilbronn schon warm; was übrigens den Besuch von Wolfgang Bosbach erklären könnte.


Tanzschule Brenner

17.12.02023 5 (4)

Beitragsfoto: Tanzschule Brenner

Village Vanguard

Musikalisch ging ich diesen Sonntag vor meine eigene Zeit, nämlich in den New Yorker Jazzclub Village Vanguard und zwar ganz genau zum 25. Juni 1961 zurück. Spannender Weise (Peter Addor hat sich erst vor Kurzem zu Zufällen geäußert) war dieser Tag 32 Jahre später mein eigener Hochzeitstag — vielleicht kann ich ihn mir nun besser merken.

Und an diesem besagten Tag spielte Bill Evans zusammen mit Scott LaFaro und Paul Motian, was letztendlich dank einer Live-Aufnahme zu zwei Langspielplatten führte: „Sunday at the Village Vanguard“ und „Waltz for Debby“. Diese beiden Platten gelten heute als Meilensteine des Modern Jazz und inspirierten u. a. Keith Jarrett zu seinem eigenen Trio mit Gary Peacock und Jack DeJohnette.

Ich genieße derweil die beiden Platten — eine nach der anderen — und lasse meine Gedanken baumeln. Da es Zeit eigentlich nur als Raumzeit gibt, müsste man doch, mit einem geeigneten Raumschiff, an gerade jenen Punkt im Raum-Zeit-Kontinuum gelangen können, wo sich der Jazzclub am 25. Juni 1961 befand? Ich würde mich dann ganz einfach ins Publikum setzen.

Bis dahin genieße ich einmal die Konserve und lasse mich bei einem noch kommenden Gespräch von Detlef Stern aufklären, worin mein Gedankenfehler besteht. Aber wir werden sicherlich darüber diskutieren, ob nicht Raumzeitpunkte die bessere Ordnungskategorie für Daten- und Gedächtnisablagen sind.

Stuttgart 21

Trotz aller Unkenrufe und den fortwährenden Sabotageakten der Landesregierung, die weiterhin daran festhält, dass Baden-Württemberg ohne zeitgemäße Infrastruktur besser dem Globuliwahn und einer imaginären Rudolf Steiner-Gesellschaft frönen könnte, nähert sicher nun doch der Fertigstellungstermin des neuen Stuttgarter Hauptbahnhofes.

Heute gibt die Bahn bekannt, dass das erste von insgesamt 27 Lichtaugen kurz vor der Fertigstellung steht. Und auch der Rohbau ist bereits fast abgeschlossen.

Durch die 4,30 Meter hohen, im Durchmesser bis zu 21 Meter großen Lichtaugen, wird die unterirdische Bahnhofshalle zukünftig mit natürlichem Licht und Frischluft versorgt werden. Das Design ist für 23 Lichtaugen identisch; zusätzlich entstehen vier weitere flache und begehbare Oberlichter.

Wenn jetzt noch die Digitalisierung der Strecke in Angriff genommen werden kann, in Baden-Württemberg will man dazu — aktuellen Gerüchten zur Folge — Faxgeräte in Reihe schalten, dann könnte auch bei uns bald der Deutschland-Takt greifen: alle Züge kommen dann genau eine Stunde später als bisher üblich.

Wochenende

Mit einem Weihnachtskegeln ging es sehr entspannt in das dritte Adventswochenende und damit war auch das Vereinsjahr der EUROPA-UNION Heilbronn fast zu Ende. Aber nicht ohne, dass man sich vorab auf die kommenden Veranstaltungen für den Januar einigte. Neben dem traditionellen Europastammtisch wird es noch eine kleine Wanderung in die umliegenden Weinberge geben.

Gleich am folgenden Morgen gab es dann die nun wirklich letzte Besprechung, nämlich die 2. vorbereitende Sitzung zum Europa-Ball 2024. Das Rahmenprogramm steht nun dank der Unterstützung von doch so einigen Partnervereinen, die trotz des Wegfalls des Treffpunkts Europa weiterhin an der gemeinsamen Idee eines möglichst friedliebenden Europas festhalten.

Am Abend folgten meine bessere Hälfte und ich der Einladung von Lars Epple zur Weihnachtsfeier des Sportvereins Heilbronn am Leinbach 1891 e. V. Da neben Herbert Burkhardt und Eugen Gall auch noch Tanja Sagasser-Beil, Rainer Hinderer und Holger Kimmerle der Einladung gefolgt waren, konnten wir uns so ganz en passant über den Europa-Ball austauschen.

Spät am Abend gelang es meiner besseren Hälfte und mir noch die Weihnachtstanzparty der Tanzschule Brenner aufzusuchen; nach so vielen Ball-Gesprächen den gesamten Tag über, mussten wir einfach noch selber das Tanzbein schwingen.