Flughafen am Morgen

Bundesausschuss 4.9 (8)

Beitragsfoto: Morgenstund

Als ob ich noch jung wäre, verließen meine bessere Hälfte und ich gestern um 4.30 Uhr das Haus und kamen kurz vor Mitternacht wieder zurück. In der Zwischenzeit waren wir u. a. in Stuttgart, Berlin und Amsterdam. Und da wir diese Tour in ähnlicher Form inzwischen seit 2004 machen, reisen dabei sehr viele Erinnerungen mit. Wohl unsere erste Fahrt zum Bundesausschuss erfolgte noch mit dem Auto und führte uns von Stettin nach Hannover und wieder zurück.

Interessant dabei, dass ich dort zum ersten Mal auf Elmar Brok traf und mich sofort mit ihm stritt. Gestern traf ich mich nach vielen Jahren wieder mit ihm und erneut auf einem Bundesausschuss. Dieser Bundesausschuss war für mich etwas Besonderes, da es dort wieder einmal zu einem Schaulaufen von Dinosauriern unseres Verbandes kam, die nun wohl zum aller letzten Mal leere Phrasen dreschen wollten — manche Mitmenschen ändern sich auch nach Jahrzehnten nicht. Was mich etwas sentimental stimmte, war die Tatsache, dass sobald auch diese drei, vier Herren und eine Dame nicht mehr sind, meine Wenigkeit selber zu diesen Dinosauriern gehören wird. Nun stellt sich die Frage, ob wenigstens mir noch rechtzeitig der Absprung gelingt? Dagegen könnte sprechen, dass ich von Anfang an immer in Begleitung einer jüngeren Dame unterwegs war und diese — was uns netter Weise gestern auch bestätigt wurde — noch lange nicht zu den Dinosauriern unseres Verbandes zu zählen ist.

Auch komme ich nicht wie viel zu viele Berufspolitiker und Möchtegerne zum Bundesausschuss, um mich dort im Schaulaufen zu üben, hohle Phrasen zu dreschen und den Aktivisten des Verbandes die Stimmung zu vermiesen. Ein Bundesausschuss hat andere Aufgaben und die Delegierten finden immer wieder Möglichkeiten, um aus diesen Treffen einen Gewinn zu ziehen. Seit Jahren sind es für mich deshalb die Side Talks, die ich dort führen darf und verstärkt das inoffizielle Begleitprogramm zum Bundesausschuss, welches für viele Aktivisten immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Und so trafen wir bereits am Stuttgarter Flughafen Daniel Frey und Jan-Philipp Scheu zu einem kleinen Frühstück. Leider waren weitere militante Föderalisten [Fachbegriff] dieses Mal verhindert. In Berlin trafen wir auf unsere Mitstreiter, die vorab mit der Bahn gefahren waren, und nutzten die Gelegenheit, ein neues Restaurant kennenzulernen. Schon alleine der Name Hüftgold war vielversprechend und seit meiner Zeit in Frankreich weiß ich um die Bedeutung von gutem Essen beim Besprechen.

Den Rückweg verbanden wir dann mit einem kleinen Kneipen-Hopping, angefangen im BER und fortgeführt in Schiphol. Erfreulich auch, dass französische Maschinen weiterhin Essen und Trinken anbieten — wohl weiterhin nur, um von kleineren Unzulänglichkeiten abzulenken. Erwähnenswert das Engagement eines japanischen Stewart — hat man nicht sehr oft auf europäischen Strecken.

Der Bundesausschuss selbst erwartungsgemäß inhaltlich sehr dünn, wobei es mich sehr erfreute, dass sich jüngere Aktivisten von alleine fragten, ob es den erbrachten eigenen Aufwand tatsächlich noch lohnt. Ich bin mir sicher, dass sie den eigentlichen Wert der Bundesausschüsse noch erkennen werden.

Lobenswert das Engagement der Bundesgeschäftsstelle um Christian Moos und seine Damen. Die Wahl des Tagungsortes gelungen und, wenn ich mich richtig erinnere, auch eine Wiederholung; dieses Mal, aber ohne Übernachtung und ausreichend Verpflegung — was uns Militante weniger stört.

Erschreckend, was die Berufspolitik inzwischen aus unserem Verband gemacht hat, noch erschreckender, wie Berufspolitik-Aspiranten diese Bühne für ihre eigene Zwecke nutzen möchten. Dabei setzten wir in unsere Mitglieder aus der Berufspolitik einst durchaus große Hoffnungen und wollten ihre Fachexpertise wie auch deren Verbindungen für uns nutzen. Schade nun, dass diese Damen aber meist nur Herren, nun nach Jahrzehnten Berufspolitik nur verlautbaren können, was sie alles nicht erreicht haben, aber „man“ doch so dringend machen müsse.

Was mich dabei so richtig verärgert, ist die Tatsache, dass sie es selber waren, die jahrzehntelang ihre jetzigen und auch damaligen Forderungen verhindert und torpediert haben! Und die Jugend klatscht dazu Beifall, ohne auch nur einmal zu googeln, wer die eigentlichen Killer der Europäischen Idee sind? Nämlich genau jene Berufspolitiker, die diese in den Sonntagsreden sowie auf Kongressen und in Ausschüssen so gerne und wortgewandt fordern!

Traurig war dieser Bundesausschuss zum Schluss dann doch, denn wir haben still und leise mit dem gestrigen Beschluss den Montanunionsgedanken zu Grabe getragen! Die meisten der anwesenden Berufspolitiker wie von mir schon lange behauptet nur „Superstaateuropäer“ (aka, waschechte Nationalisten!) und die mir bekannten anwesenden Grünen wilde „Kriegstreiber“ ohne Herz und Verstand.

Das tatsächliche Highlight unserer Fahrt könnte man unter dem Stichwort „vier Schwaben in Berlin“ zusammenfassen. Als wir morgens den Bahnhof in Berlin verließen, begann es zu regnen und einer von uns schlug vor, ein Taxi zu nehmen. Dank einer App kam dann ein echtes Taxi, welches aktuell als Uber unterwegs war, drehte ganz elegant vor dem Bahnhof ein, zwei Kurven, nahm uns auf und drehte noch eleganter eine etwas größere Kurve, bevor es uns wieder absetzte. Denn der Tagungsort war gleich gegenüber des Bahnhofes — die Berliner werden bestimmt mit uns Württembergern, Franken oder Badenern schon ihre ganz eigenen Erfahrungen haben.

Abschließend hoffe ich, dass wir wenigstens bei den kommenden 9. Hertensteiner Gesprächen wieder auf die Grundlagen unserer Europäischen Idee zurückkommen können und uns dabei gemeinsam überlegen, wie wir diese vielleicht doch noch umgesetzt bekommen könnten.

Und da es bei den Hertensteiner Gesprächen ganz bewusst kein Schaulaufen und demzufolge auch keine Groupies gibt, sind dort die Chancen für eine vielversprechende inhaltliche Arbeit durchaus gegeben.

Impressionen

Nachtrag

Und vielleicht bekommen unsere jüngeren Aktivisten demnächst ein ähnliches Video zustande, denn auch unsere antieuropäischen Politiker in der Kommission, den Regierungen wie auch Parlamenten verdienen eine ehrlichere Wahrnehmung — aber so lange diese mit Billionen Euro um sich schmeißen dürfen, sind wir alle weiterhin deren Groupies.

Fediverse Reactions

Kontrollraum eines Senders

5.11.02022 5 (3)

Beitragsfoto: Kontrollraum eines Senders | © Shutterstock

Ein Gedicht

Fritz Singer ist bereits seit Jahren mit einem Gedicht gleich auf der Startseite dieses Weblogs zu finden. Vielen Mitbürgern ist er wenig bekannt, obwohl seine Gedichte stets aus dem vollen Leben heraus geschrieben sind und damit bei den Lesern nicht nur Verständnis finden, sondern auch zum Schmunzeln führen. Inzwischen sind seine Gedichte allesamt weit über 100 Jahre alt aber dennoch sehr aktuell.

Klage

Schlaffe Lider, welke Wangen,
Graue, dünngesäte Haare
Bilden schon seit Adams Zeiten
Das Gefolg’ der reifern Jahre.

Alle diese Herbsteszeichen
Will ich ohne Murren tragen;
Nur das Eine trifft mich härter
Als ein Dutzend Altersplagen:

Dass der Frauen, die mir hold sind,
Immer weniger auf Erden,
Während jetzt die Ehemänner
Immer liebenswürd’ger werden.

Fritz Singer, aus Die zehnte Muse (1904: 108)

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

Eigentlich schon immer ein Thema dieses Weblogs. Zum letzten Mal habe ich im August darüber geschrieben. Und auch wenn ich den Zustand des ÖRR, wie so viele andere unserer Institutionen auch, z. B. Parteien, Kirchen, Verwaltungen, für völlig abgewirtschaftet erachte, halte ich diese Institutionen dennoch für unsere Demokratie überlebensnotwendig.

Ich wiederhole mich bestimmt, wenn ich behaupte, dass an diesem untragbaren Zustand hauptsächlich die Berufspolitik Schuld ist, die es in dieser Qualität und vor allem Quantität in Demokratien eigentlich gar nicht geben dürfte! Und so wird auch der ÖRR von Berufspolitikern an die Wand gefahren, die bestenfalls nur dumm und faul sind.

Gerne aber lasse ich auch andere Meinungen zu Wort kommen und freue mich deshalb sehr, dass sich Jan Böhmermann gestern diesem Thema ebenfalls angenommen hat.

Jan Böhmermann im ZDF Magazin Royale von 4.11.2022

Gespräche

Gute Gespräche sind einfach durch nichts zu ersetzen, und so konnte ich gestern doch so Einiges für meine künftigen Projekte erfahren. Zum Beispiel konnte ich mit Detlef Stern über die jüngsten Entwicklungen im Projektmanagement sprechen, bevor wir uns weiter über mein derzeitiges Lieblingsprojekt eines digitalen Zettelkastens austauschten. Und wie so oft, wenn ich mich mit Detlef Stern zu einem Kaffee treffe, gibt es hinterher für mich erst so richtig etwas zu tun, denn gute Gespräche verdienen es, dass man sie auch nachbereitet.

Gerade als ich diesbezüglich neue Zettel erstellen wollte, bekam ich weiteren Besuch, wobei zwei langjährige Freunde ihren Aufenthalt in Heilbronn u. a. dazu nutzten, um mich zu überraschen. Die daraus resultierenden Gespräche dienten in erster Linie dazu, um uns wieder übereinander auf dem Laufenden zu halten. Zusätzlich bekam ich noch sehr nützliches Feedback zu meinem Weblog; sehr verständlich dabei, dass sich nicht alle Leser — vor allem dann, wenn sie nicht selbst aus Heilbronn kommen — für Heilbronner Interna interessieren.

Man möge es mir verzeihen, aber die Zeiten, wo ich hätte z. B. über Paris, Brüssel, Montpellier, Straßburg, Stettin, Berlin, Chemnitz, Köln, Hamburg, Hannover, Stuttgart, München, Ulm oder gar Mostar, Sarajevo oder Kampala schreiben können, die sind definitiv vorbei. Aber auch Heilbronn bietet ausreichend Themen, um darüber weiterhin berichten zu können. Und wer weiß, vielleicht ist auch das eine oder andere Thema dabei, das für die Bewohner anderer Städte interessant sein könnte; öffentliche Toiletten sind es sicherlich nicht, denn „die hat man einfach und spricht nicht weiter darüber“. Als Heilbronner wäre ich froh, wenn das auch bei uns so wäre.


Irish Whiskey 5 (5)

Dieser Beitrag ist Thomas Michl geschuldet, der es sicherlich nicht ertragen könnte, wenn ich über Whisky schreibe und die irische Verwandtschaft dabei ganz außer Acht lasse. Ihn wird es bestimmt schon genug ärgern, dass Kilbeggan nicht oder besser gesagt, noch nicht, zu meinen favorisierten irischen Marken gehört.

Meine Entdeckungsreise zu den irischen Whiskeys begann 1988 mit Tullamore Dew und zwar an einem Abend in Hannover, den ich so schnell nicht vergessen werde. Der Bekanntheitsgrad irischer Whiskys war schon damals nicht so groß, da die Produzenten im Gegensatz zu ihren schottischen Gegenüber wohl zu spät die Bedeutung des Marketing erkannten und zudem noch viel später die Abkehr von einer rein auf Menge getrimmten industriellen Massenproduktion einleiteten. So war es mir eine große Freude, als irische Freunde uns zur Eröffnung des Tullamore Dew Besuchszentrums einluden und ich erfuhr, dass man nunmehr diesen Whiskey auch fast wieder an seinem Ursprungsort produziert. Das heißt, in wenigen Jahren werde ich wieder nach einem Glas Tullamore Dew greifen können, das auch dort vor Ort destilliert wurde.

Tullamore Dew, wurde 1829 erstmals in der Tullamore-Destillerie gebrannt und gehört interessanter Weise seit 2010 zum Brennereikonzern William Grant & Sons, u. a. den Eigentümern des sehr bekannten schottischen Glenfiddich Whiskys.

Da Whisky oder auch der Whiskey, ob aus Irland oder den USA, in den 1950er bis in die 1990er-Jahre hinein kaum ein „Kultgetränk“ mehr war, ist es auch nicht verwunderlich, dass die Tullamore-Destillerie, wie übrigens die meisten anderen Destillerien in diesen Jahren auch, bereits 1954 geschlossen und fortan die Marke Tullamore Dew industriell und je nach Bedarf in anderen Destillerien hergestellt wurde.

Das gleiche geschah auch mit der Locke’s Distillery, die den oben besagten Kilbeggan brennt. Sie wurde 1957 geschlossen und brennt mit neuem Besitzer erst wieder seit 2007 Whiskey; dafür beansprucht sie den Titel der ältesten irischen Destillerie, da sie bereits 1757 nachweislich ihren ersten Whiskey brannte.

In den 1970er-Jahren gab es dann in Irland faktisch nur noch eine Destillerie, welche Whiskey je nach Bedarf produzierte und es dauerte länger als in Schottland, um ab den 1990er-Jahren auch in Irland wieder eine entsprechende Infrastruktur aufzubauen.

Als ich mich ab 1990 eher auf die Single Malt aus Schottland konzentrierte, weil dort nach alle den Jahren der „Bedeutungslosigkeit“ zuerst und meist kleinere Destillerien begonnen hatten, dem Whisky erneut individuelle Noten und eigene Charaktere zu verleihen, entdeckte ich kurz darauf auch meinen bis heute persönlichen Favoriten aus Irland, nämlich den Bushmills Whiskey der Old-Bushmills-Brennerei, den es schon damals auch als Single Malt zu finden gab. Diese Brennerei gehört zu den ältesten Whiskey Brennereien und verweist auf eine gut 400 jährige Tradition. Der bereits gestern von mir vorgestellte Johnnie Walker Whisky wird hingegen dieses Jahr erst 200 Jahre alt. Zwar ist auch die Hausmarke von Bushmills ein Blend, dennoch empfehle ich hier eher den Bushmills 10, einen Single Malt der 10 Jahre in Bourbon- und Sherry-Fässern gereift ist. Die weiteren Marken, welche bis zu 21 Jahren in Fässern reifen, dabei vereinzelt auch in Madeira-Fässern, sind sicherlich eine gute Wahl, ich persönlich tendiere dann aber doch eher zu den Single Malt aus Schottland und auch Japan.

Die überall und auch bei Bushmills immer mehr in Mode kommenden limitierten und Sonderabfüllungen sind eher etwas für die heutigen Sammler oder für jene, die solche Getränke dann „on the rocks“ oder zusammen mit Cola und einer möglichst dicken Zigarre genießen. Für eine wohl etwas jüngere Marke, welche den Single Malt Whiskey mit irischem Honig vermischt, konnte ich mich dann gar nicht begeistern, und diese Mischung hat mir schon als Jim Beam Honey, einem Bourbon Whiskey, nicht sehr geschmeckt.

Wer aber gerne Whiskey trinkt, welcher ähnlich einiger Single Malt aus Schottland torfig schmeckt und einen starken Eigengeschmack entwickelt, dem empfehle ich die Marke Connemara, deren Whiskey, wie die meisten Scotch auch, im Gegensatz zu den anderen irischen Whiskeys nur zweimal gebrannt wird. Ich empfehle dabei gleich zum 12jährigen Whiskey zu greifen, und wem dieser auch schmeckt, der kann dann mit gutem Gewissen dabei bleiben.

Last but not least muss ich noch auf den Jameson zu sprechen kommen, von dem mein Freund und Kamerad Ronan Corcoran überzeugt ist, dass es der einzige Whiskey der Welt sei, mit dem man einen anständigen Irish Coffee zubereiten kann. Und wer jemals einen von Ronan zubereiteten Irish Coffee getrunken hat, der wird daran auch nie und nimmer zweifeln.

Jameson wurde im Jahr 1780 in Dublin gegründet und bis 1971 auch dort in der Bow Street destilliert. Auch wenn es inzwischen die unterschiedlichsten Abfüllungen jeglichen Alters gibt, empfehle ich beim Original Blend zu bleiben. Ich habe davon immer eine Flasche vorrätig, da ich nie weiß, wann und wer einen guten Irish Coffee trinken möchte.

„If you mean the demon drink that poisons the mind, pollutes the body, desecrates family life, and inflames sinners, then I’m against it.
But if you mean the elixir of Christmas cheer, the shield against winter chill, the taxable potion that puts needed funds into public coffers to comfort little crippled children, then I’m for it.
This is my position, and I will not compromise.“

Judge Noah S. Soggy Sweat