Gesprächskreis mit Michael Georg Link MdB

31.8.02024 4.4 (7)

Beitragsfoto: Gesprächskreis | © Bettina Kümmerle

Intelligenz

Ich gehe davon aus, dass das, was wir Intelligenz nennen, erstmals in einer Zellmembran zu finden war. Die Unterscheidung zwischen innen und außen und die Entscheidung rein- oder rauslassen. Inzwischen dürften intelligente Lebewesen schon etwas weiter sein, sie haben viele Sensoren und auch die Entscheidungsmöglichkeiten haben sich erhöht, zudem hat sich bei manchen Lebewesen ein eigenes Organ entwickelt, wo solche Entscheidungsprozesse abgewickelt werden — manche Menschen nutzen dieses auch.

Spannender ist für mich die Frage, ob menschliche Intelligenz überhaupt alleine existieren kann oder doch nur im gegenseitigen Austausch mit anderen besteht. Kann es überhaupt eine Intelligenz ohne Sensoren (nach außen hin) geben? Und wenn ja, wäre die dann überhaupt feststellbar und letztendlich damit auch vorhanden? Kann es ein Dasein ohne Zweck geben?

Bei meinem jüngsten Gespräch mit Detlef Stern verirrten wir uns beide in etwa in diese Richtung, wobei wir die Frage nach „Künstlicher Intelligenz“ erst einmal ausklammerten. Denn hierbei wäre zu klären, warum wir Menschen Intelligenz mit Maschinen nachbauen wollen, wenn bei uns gleich mehrere Milliarden (fast) ungenutzter Hirne einfach nur herumliegen. Der menschliche Körper und unsere Gesellschaften sind inzwischen so weiterentwickelt, dass kein einziger mehr ein Hirn benötigt, um seine primären Prozesse zu befriedigen.

Immer mehr Mitbürger gehen sogar davon aus, dass die Hirnnutzung asozial sei und sehen in allen Menschen, die sich mit Wissen beschäftigen, eine Gefahr, dies noch vor Terroristen und Tyrannen.

Dabei wäre doch ganz aktuell die Entscheidung alleine schon über das „Rein- oder Rauslassen“ und dies aufgrund intelligenter Überlegungen für alle Beteiligten (drinnen wie draußen) überlebenswichtig — so wie damals bei den ersten Zellen.

Trumpismus

Auch wenn der Begriff in den USA geprägt wurde, ist der Trumpismus eigentlich bei uns zu Hause — wir haben ihn nur exportiert. Entwickelt wurde er von Politikern, die nicht selbstständig denken können oder wollen, die ihre Aufgabe alleine darin sehen, durch das Leben zu tänzeln und dabei möglichst viele Hände ihrer Mitbürger abzuklatschen. Diese Politiker werden durch diese kurzen, aber häufigen Reize getrieben und bestätigt. Sie leben alleine im Hier und Jetzt, im Augenblick. Und so bestätigen sie alles, was ihnen das nächste Abklatschen sichert. Und sie vergessen sofort wieder, warum sie gerade noch abgeklatscht wurden. Auf weniger als 100 Meter Strecke können so Trumpisten Demokraten, Stalinisten, Faschisten, Anarchisten, Monarchisten oder was auch immer sein. Auf wenigen Zentimetern Strecke für und gegen Abtreibung, für und gegen Menschenrechte oder was auch immer sein. Es gilt immer nur das, für was sie gerade abgeklatscht werden!

Wenn Sie dann entscheiden müssen und nicht irgendeinem „Leader“ oder „Fachverantwortlichen“ folgen können, dann entscheiden sie alleine auf das nächste doch so ersehnte Abklatschen hin. Und dies in der trumpistischen Gewissheit, dass sich „Entscheider“ auch irren dürfen müssen und dabei niemals, nie und nimmer für ihre Entscheidungen haftbar gemacht werden.

Ich gehe einmal davon aus, dass der Trumpismus eine Sackgasse in der menschlichen Evolution ist.

Gespräche

Ganz im Gegensatz dazu finden wir auch heute noch Mitbürger und Politiker, die sich etwas langfristigere Gedanken machen und zudem den Austausch mit anderen über das schlichte Abklatschen hinweg suchen.

Ein aktuelles Beispiel hierfür sind die Hertenteiner Gespräche, die über mehrere Jahre hinweg angelegt sind und dabei einem Hauptthema, nämlich der Demokratie, folgen. Und es finden sich tatsächlich seit nunmehr acht Jahren Menschen, die sich jedes Jahr wieder die Mühe machen, um einen ganzen Tag lang angestrengt den Gesprächen zu folgen oder auch und teilweise sehr heftig mitzudiskutieren. Aber nicht nur das, sie bewegen die dabei erhaltenen Informationen das ganze Jahr hinweg in ihren eigenen Gedankengängen, knüpfen daran an, suchen die weitere Diskussion und stellen sich bei den Folgegesprächen erneut dem Austausch mit ihren Mitbürgern.

Eigene Ideen wachsen, Meinungen bilden sich heraus und ändern sich manchmal auch wieder. Gute und verwertbare Gedanken entstehen nur im Austausch mit anderen und dabei besonders mit jenen, die nicht derselben Meinung sind. Ich behaupte, dass wer nur in sich selbst ruht oder sich maximal in ein und derselben Blase (Bubble) aufhält, sich in Gedankengänge verrennt, die alles andere als gesund sind — nicht einmal für einen selbst!

Und da ich gerne meckere — völlig berechtigt, wie ich meine — lobe ich heute einmal einen Berufspolitiker, da er sich von Anfang an die Mühe machte, um mit seinen Mitbürgern zu diskutieren und ihnen dabei auch zuzuhören. Zum achten Mal wird Michael Georg Link MdB nun einen eigenen Gesprächskreis moderieren und dies obwohl es ihm ganz bewusst ist, dass ich kein Blatt vor den Mund nehme.

Manch anderer ist da schon etwas zarter besaitet oder hat einfach nur Demokratie und Meinungsfreiheit noch nicht so ganz verstanden. Schön auch, dass nun nach all den Jahren Rainer Wieland den Weg zu den Gesprächen findet und sich kompetent einbringen wird.

Gestern konnte ich mein monatliches Rundschreiben veröffentlichen und dabei zur Kenntnis geben, dass sich inzwischen 70 Demokraten von allen politischen Richtungen angemeldet haben; die lokale SPD ziert sich noch ein wenig wohl, weil ich deren jüngste Eskapaden hier im Blog als Heilbronner Bürger anprangere. Als Kreisvorsitzender der EUROPA-UNION lobe ich die SPD genau so wie alle anderen demokratischen Parteien auch. Ich gebe gerne zu, dass solche kleine, aber feine Unterscheidungen für manche Mitbürger ziemlich schwierig sind. Wohl so schwierig wie für die lokalen Grünen zu verstehen, dass die EUROPA-UNION Heilbronn nicht mit der FDP gleichzusetzen ist — hierbei habe ich allerdings die Hoffnung bereits aufgegeben.

Umso mehr freut es mich, dass mit Chantal Kopf MdB und Sebastian Cuny MdL auch Vertreter dieser beiden Parteien an den Hertensteiner Gesprächen teilnehmen. Die CDU wird dieses Jahr richtig stark bei den Gesprächen vertreten sein, gleich zwei aktive Parlamentarier werden mit uns diskutieren: Prof. Dr. Andrea Wechsler MdEP und Fabian Gramling MdB. Zudem freue ich mich, dass weitere Vertreter von der Partei der Humanisten und VOLT mit dabei sind, die auch in Heilbronn immer aktiver werden.

Da wir die diesjährigen Gespräche auf 100 Teilnehmer ausgelegt haben, würde es mich sehr freuen, wenn weitere Heilbronner und gerne auch Leser meines Weblogs die Chance ergreifen und sich noch zu den Gesprächen anmelden.

Musik des Tages

Aus irgendeinem Grund heraus hat mein Server gleich zu Tagesbeginn das folgende Lied über alle Lautsprecher des Hauses verteilt. Ich frage mich schon etwas länger, ob meine Elektronik im Haus ihr ganz eigenes Leben hat. Inzwischen summen dieses Lied auch weitere Hausbewohner.

Instead of treated, we get tricked
Instead of kisses, we get kicked
It’s the hard knock life

Auch wenn ich ein alter Fan von Rap — bereits seit den Tagen von Grandmaster Flash — bin und das Album „Vol. 2 … Hard Knock Life“ (1998) von Jay-Z für sehr gelungen halte, möchte ich trotzdem das Folgende einwerfen — frei nach einem alten Militärspruch, welcher übrigens noch sehr prominent in meiner „eigenen“ Kompanie hing.

Klagt nicht, bildet Euch!

Und wer als Erwachsener nicht mündig wurde, der verdient es auch nicht anders als beständig „getricked“ und „gekicked“ zu werden.

„So kommt es nicht darauf an, ob man ein krankes Gemüt in Reichtum oder in Armut unterbringt: sein Leiden folgt ihm.“

Seneca, 2. Buch, 17. Brief (2018: 117)

Deutschland Tour

22.8.02024 5 (3)

Beitragsfoto: Radfahrer durch die Wollhausstraße

Vermischtes

Sehr erfreulich heute der Stand der Zusagen zu den 8. Hertensteiner Gesprächen. Neben etlichen Kreisvorsitzenden anderer EUROPA-UNIONen, Landesvorstandsmitgliedern aus gleich mehreren Bundesländern und weiteren Präsidiumsmitgliedern, haben auch der Präsident der EUROPA-UNION Rainer Wieland und mit Evelyne Gebhardt und Thomas Mann auch zwei Landesvorsitzende ihre Teilnahme zugesagt. Dazu kommen noch der EUD-Generalsekretär Christian Moos und die EUBW-Landesgeschäftsführerin Bettina Kümmerle.

Die Europäischen Föderalisten aus Deutschland werden jetzt schon von Föderalisten aus Belgien, Frankreich, Spanien und der Schweiz unterstützt. Schon alleine damit ist sichergestellt, dass mehr als ausreichend Sach- und Fachkompetenz bei den Gesprächen vorhanden ist.

Da die EUROPA-UNION eine überparteiliche Bürgerbewegung ist, lassen es sich auch Vertreter der demokratischen Parteien nicht nehmen und diskutieren zusammen mit Vertretern der Zivilgesellschaft. So sind schon jetzt neben einer Europaabgeordneten, drei ehemalige Europaabgeordnete mit dabei. Auch drei Bundestagsabgeordnete und ein Landtagsabgeordneter bringen sich aktiv in die Diskussionen mit ein.

Bereits jetzt versprechen die Hertensteiner Gespräche ein weiteres demokratisches Highlight des Jahres zu werden und ich bin mir sicher, dass noch weitere begeisterte Europäer mit zu den Gesprächen kommen werden. Schön wäre es, wenn mehr Heilbronner diese Gelegenheit zur Debatte nutzen.

Nachdem ich heute den Tag im Schwimmbad begonnen habe, werde ich diesen nach einem Tanzabend wohl mit dem Tag vier der US-Demokraten beenden — ich bin schon jetzt gespannt darauf, wer noch so alles nach Chicago kommen wird.

Deutschland Tour

Heute zeigte sich das Radfahren von seiner schönen Seite, dem Sport. Die erste Etappe der Deutschlandtour endete gegen 17.00 Uhr in Heilbronn. Morgen soll auf dem Kiliansplatz dann der Start zur 2. Etappe erfolgen.

Die Lidl Deutschland Tour 2024 findet vom 21. bis 25. August 2024 statt. Deutschlands wichtigstes Radrennen wird auch in diesem Jahr als fünftägiges Etappenrennen in der UCI ProSeries, dem Wettbewerb unterhalb der WorldTour, veranstaltet. Diese Radtour ist Deutschlands einziges verbliebenes Etappenrennen der Profifahrer im Straßenradsport. Seit 1911 wird sie in unregelmäßigen Abständen, heute noch als Deutschlandrundfahrt bekannt, veranstaltet. Dieses Jahr startete sie mit einem kurzen Zeitfahren als Prolog in Schweinfurt. Von Unterfranken geht es über Heilbronn an fünf Renntagen nach Saarbrücken.

Mit Dietrich Thurau wurde die Tour 1977 in Deutschland populär und so kaufte ich mir damals ein Rennrad, welches übrigens noch heute in der Garage steht. Wahrscheinlich auch deshalb, weil ein Klassenkamerad zeitgleich sehr erfolgreich im Straßenradsport war und täglich die Strecke Heilbronn – Waldenburg und zurück absolvierte, was mir sehr imponierte. Zum Ende meiner Schulzeit wurde die Tour bereits wieder wegen Geldmangels der Organisatoren ausgesetzt.

Dritter Tag

Nachdem sein Frau Hillary den ersten Tag gerockt hat, betrat nun auch Bill Clinton die Bühne. Und zumindest für mich überraschend, sowohl Hillary Clinton als auch Tochter Chelsea lauschten seiner Rede — old school und staatsmännisch zugleich.

Neben einem Bill Clinton auf der Bühne zu bestehen ist auch heute noch schwierig. Aber das Leben dreht sich weiter und man muss einfach mit den Politikern leben, die man noch bekommt.

Tim Walz akzeptierte seine Ernennung zum Vizekandidaten und ging danach gleich in die Vollen: „Never underestimate a Public School teacher!“

Seitens der Prominenz zeigte sich u. a. Oprah Winfrey und ich hoffe sehr, dass sich morgen die aktuellen Top-Stars des Showbiz zur Unterstützung von Kamala Harris einfinden werden.

„Der Mensch ist gut. Und darum geht’s im schlecht.
Denn wenn’s ihm besser ginge, wär er böse.
Drum betet: ‚Herr Direktor, quäl uns recht!‘
Gott will es so. Und sein System hat Größe.“

Erich Kästner, Der MEnsch ist gut, in GEdichte (1948)

Käthchen von Heilbronn

16.8.02024 5 (7)

Beitragsfoto: Käthchen von Heilbronn|© Shutterstock

Erfreulich

Neben all den aktuellen Herausforderungen, die mir heute u. a. das Käffchen mit Detlef Stern verwehren, gibt es immer wieder auch sehr erfreuliche Dinge, wie z. B. das Sommer-Tanzprogramm oder eine halbwegs freie Bahn in der Neckarhalde — man muss die Feste feiern, wie sie fallen.

Da ich heute auf ein stets anregendes Gespräch verzichten muss, erwähne ich einen schon etwas älteren Blog-Beitrag von Detlef Stern zum Thema Ethik aus 2015. Ethik, Moral und das Bohren dicker Bretter wären wohl Thema gewesen, neben den üblichen eher nerdigen Topics.

Erfreulich die jüngsten Zusagen zu den Hertensteiner Gesprächen, die diese Gespräche immer mehr zu einem überregional bedeutenden Forum für europäische Fragestellungen machen. Auch der SWR ist nun mit an Bord, und so hoffe ich einmal, dass die Heilbronner Stimme etwas umfangreicher von diesem Ereignis berichten wird.

Erfreulich auch, dass alle demokratischen Parteien Vertreter zu den Gesprächen entsenden, eine sehr gute Gelegenheit, um mit der Zivilgesellschaft ins Gespräch zu kommen. Und für die Bürger eine gute Gelegenheit, um ihre jeweiligen Volksvertreter aus nächster Nähe zu erleben und besser kennenzulernen.

Wollhaus

Und auch das Wollhaus soll — für alle Verantwortlichen ganz überraschend — eine unendliche Geschichte bleiben. Es wäre wohl besser gewesen, wenn sich Rathaus und Gemeinderat zuerst an einer Nummer kleiner versucht und für mehr öffentliche Toiletten und ein wenig mehr Sauberkeit in der Stadt gesorgt hätten.

Für eine Großstadt wie Heilbronn reicht ein Dieter Schwarz alleine bei weitem nicht aus. Wir müssen als Bürger bereit sein, alte Zöpfe abzuschneiden, dabei auch das eine oder andere Nazi-Porträt abhängen und vor allem dafür sorgen, dass Kompetenz und Verantwortung sowohl ins Rathaus als auch in den Gemeinderat einziehen.

Wer immer alles beim Alten belässt und dabei Veränderung wünscht, wird irgendwann von der Realität eingeholt werden. Dabei haben wir in Heilbronn nicht nur Probleme und Herausforderungen, wir haben auch Chancen, eine ganze Menge, um genau zu sein!

Und so ist es schon einmal ganz gut, dass wenigstens die 89 Mietwohnungen in der Happelstraße fertiggestellt werden; eine Bank und ein Investor haben eine Einigung und dies auch zum Wohle unserer Stadt gefunden und getroffen.

Käthchen

Kaum zu glauben, aber in der Causa Käthchen kommt nach all den Jahren doch noch etwas Bewegung ins Spiel. Laut dem in Sachen Rathausspitze bestens informierten Uwe Ralf Heer (Heilbronner Stimme, 16.8.2024: 21) denkt man nun darüber nach, wenigstens in dieser Sache in Heilbronn etwas mit der Zeit zu gehen. Man diskutiert schon einmal „heftig“, ob man die Wahl des Käthchens abschaffen soll. Man bringt sogar ein KI-Käthchen mit ins Spiel, was unsere Weindorf-, Hasenmahl- und NS-Bilderstadt (aka „Wissens- und KI-Stadt“) besser verkörpern soll — im Endeffekt liefe dies auf eine Beerdigung erster Klasse hinaus. Ich hoffe dabei nicht, dass das KI-Käthchen dann eher „ganz zufällig“ einer Eva Braun ähnelt.

„Wenn du einen Hund treten willst, dann vergewissere dich zuerst, wem er gehört.“

Yu Huas, Brüder (2009 [2005/2006]: 206
„Verdammt! Guck hin, wem der Hund gehört, den du schlägst.“)