Bibliothek Hochschule Heilbronn

23.9.02024 5 (3)

Beitragsfoto: Bibliothek Hochschule Heilbronn

Wintersemester

Gleich morgen beginnt für mich das kommende Semester und ich habe schon einmal geguckt, wer sich so alles online sowohl für meine Vorlesung als auch für mein Seminar „IT-Systems“ angemeldet hat. Etwas verwundert, wurde mir mitgeteilt, dass ich letztendlich vor Ort schauen müsse, wer so alles da ist. Also dann lass ich mich einfach einmal überraschen, meine eigenen Vorbereitungen sind da allerdings schon etwas weiter vorangeschritten.

Aber egal, was nun ab morgen hochschulmäßig auf mich zukommen wird, den Kaffee um 9.15 Uhr zusammen mit Detlef Stern habe ich mir schon gesichert; man hat so nach all den Jahren seine eigenen Schwerpunkte.

Zudem habe ich mich einmal um ein paar KI-Systeme gekümmert, denn ich möchte doch schon einmal wissen, was die Studenten so alles in ihrer Seminararbeit über IT-Systems schreiben könnten. ChatGPT z. B. meint das Folgende über IT-Systeme zu wissen:

„Unter IT-Systemen versteht man technische und organisatorische Systeme, die Informationsverarbeitung unterstützen. Diese umfassen Hardware, Software, Netzwerke, Datenbanken sowie die dazugehörigen Prozesse und Verfahren. IT-Systeme werden in Unternehmen und Organisationen eingesetzt, um Daten zu erfassen, zu speichern, zu verarbeiten und bereitzustellen. Sie spielen eine zentrale Rolle bei der Automatisierung von Geschäftsprozessen, der Kommunikation und der Speicherung von Informationen.

Zu den Hauptbestandteilen eines IT-Systems gehören:

1. Hardware: Physische Geräte wie Server, Computer, Netzwerke, Speichersysteme und Peripheriegeräte.

2. Software: Programme und Betriebssysteme, die auf der Hardware laufen und Daten verarbeiten.

3. Netzwerke: Systeme, die die Verbindung und den Austausch von Informationen zwischen verschiedenen IT-Komponenten ermöglichen, wie das Internet oder interne Unternehmensnetzwerke.

4. Datenbanken: Systeme zur Speicherung und Verwaltung von Daten, die für Geschäftsprozesse oder andere Zwecke genutzt werden.

5. Benutzer: Menschen, die mit dem IT-System interagieren und es nutzen.

Ein IT-System kann sowohl kleine, einfache Anwendungen wie ein einzelner Computer sein, als auch hochkomplexe, global verteilte Netzwerke mit zahlreichen Servern und Diensten.“

Allerdings beeindrucken mich inzwischen die Antworten weiterer KI-Modelle noch etwas mehr und so werde ich jede Seminararbeit zusätzlich noch von einem dieser Modelle schreiben lassen. Für die Produkte dieser Modelle lasse ich dann dieselben Korrekturregeln gelten — wird bestimmt spaßig werden.

Übrigens, ab heute können die Studenten des Sommersemesters Klausureinsicht beantragen. Noch weiß ich nicht so richtig, wann und wo ich diese Klausureinsichten sicherstellen kann; das wollte ich eigentlich zu Semesterbeginn geklärt haben.

Brandenburg

Während bei uns weiterhin die Anzahl von Dönerbuden oder ob ein hiesiges Festle einen Tag weniger dauert die Presselandschaft bestimmt, haben die Brandenburger mehrheitlich die Demokratie abgewählt. Und so ist es auch kein Wunder mehr, dass die künftige Regierung dort nur mit Hilfe und der Beteiligung von Antidemokraten aufgestellt werden kann.

Damit ist in Deutschland wieder das möglich, was es seit 1945 nicht mehr gab und hätte auch nicht mehr geben dürfen — ich nehme dabei die gut vierzigjährige Gewaltherrschaft in den ehemals von der Sowjetunion besetzten Gebieten aus. Schon vor Jahren habe ich die steile These aufgestellt, dass wir Europäer — insbesondere wir Deutschen — mehrheitlich nur gekaufte Demokraten sind. Heute können wir davon ausgehen, dass diese These doch nicht so ganz abwegig ist.

Hertensteiner Gespräche

Auch wenn diese Gespräche erneut erfolgreich verliefen und sich vielleicht auch deshalb die letzten Teilnehmer erst am Sonntagmittag wieder auf den Rückweg machten, gab es doch ein paar kleine aber unschöne Nebenkriegsschauplätze. Über einen habe ich bereits meiner Frustration in einem eigenen Beitrag freien Lauf gelassen und konnte noch am selben Wochenende ein wenig Besserung erkennen. Man muss dann aber doch einmal zur Kenntnis nehmen, dass Heilbronn einfach kein Dienstleistungsmekka ist. Und auch ein weiterer Kritikpunkt hat schon seit langem einen Bart, nämlich die Anmelde- und Abmeldegepflogenheiten von viel zu vielen meiner Mitbürger; hätten diese schon einmal selber etwas ehrenamtlich versucht zu stemmen, würden sie sich bestimmt nicht so verhalten.

Aber es gilt weiterhin der Spruch „Ende gut, alles gut“ und so bleiben mir die positiven Dinge in Erinnerung. Wie zum Beispiel das Engagement des Medienvertreters vom SWR, für den es sich schon alleine gelohnt hat, an den Gesprächen teilzunehmen; wer ihn gehört hat, der sieht den ÖRR nunmehr mit ganz anderen Augen. Und so werde ich meine Lokalnachrichten künftig über den SWR beziehen.

Für mich überraschend, nahm eine Drittklässlerin an den Gesprächen teil und dürfte damit auch die jüngste Teilnehmerin sämtlicher Hertensteiner Gespräche seit 1946 sein. Noch überraschender als ich sie dabei beobachten konnte, wie sie sich Notizen über die Gesprächskreise machte. Und als ich dann noch eines ihrer Protokolle sah, war ich wirklich hin und weg! Es gibt sie auch bei uns, junge Menschen mit Zukunft.

Weniger überraschend für mich war es, dass ein paar Schweizer zu den Gesprächen kamen, denn ich warte schon etwas länger darauf, dass sie versuchen, die Gespräche wieder nach Hertenstein zurückzuholen. Und jetzt wo diese Gespräche wieder im Kanon der Europäischen Föderalisten fest verankert sind, wäre es zumindest für die Schweizer ein gutes Geschäft. Und per Zufall gab es beim ÖRR dann sogar noch eine Dokumentation über den Vierwaldstättersee zu sehen, die es den Nichtschweizern regelrecht ans Herz legte, einmal im Jahr an diesen See zu pilgern. Aber jetzt warten wir einmal auf das Schweizer Angebot und visieren schon mal 2026 an, was ganz gut zum 80. Jubiläum des Hertensteiner Programms passen könnte.

Bis dahin sind wir aber alle mit unserem jetzigen Veranstaltungsort sehr zufrieden und wenn mancher verantwortliche Heilbronner politischen Gesprächen etwas aufgeschlossener wäre, könnte man es vielleicht sogar bedauern, falls diese Gespräche Heilbronn dann doch wieder verlassen.

Was — wie es mir durchaus bewusst ist — den meisten Heilbronnern völlig schnurz ist, denn diese weilen in ganz anderen Sphären.

„Could the feature exist if there had never been any human beings or other sorts of sentinent beings?“

John R. Searle, The Construction of Social REality (1996:11)

Gesprächskreis 2017

Gespräche 5 (4)

Beitragsfoto: Gesprächskreis 2017

Ich habe jüngst einmal wieder Nachrichten des ÖRR geguckt. Es liegt wohl an meinem Alter, dass ich deren Qualität immer weniger schätze. Aber für eines waren diese Nachrichten dann doch ganz gut, denn es zeigte wieder einmal, wie wenig noch echtes ehrenamtliches Engagement geschätzt wird.

Sämtliches dort erwähntes bürgerliches Engagement gab es nur deshalb, weil es erst mit Steuermitteln möglich gemacht wurde. Sämtliche ÖRR-Berichte bürgerschaftlichen Engagements strotzten nur so von staatlichen Förderungen — wäre man halbwegs ehrlich, müsste man es unter „vierter Arbeitsmarkt“ subsumieren.

Und so bin ich doch ein klein wenig stolz darauf, dass wir von der EUROPA-UNION in Heilbronn seit mehreren Jahrzehnten Veranstaltungen stemmen, die weder staatlich subventioniert werden noch sonstige Fördermittel erhalten — reines bürgerliches Engagement, ganz ohne Bezahlung, Entlohnung, Aufwandsentschädigung oder sonstige Begünstigungen.

Es gibt sie noch, jene Bürger, die einfach Dinge tun, ohne auch nur einen Cent oder eine sonstige Gefälligkeit an Gegenleistung zu erwarten.

Die letzten Monate haben wir uns um die nun kommenden 8. Hertensteiner Gespräche bemüht, ein Zusammentreffen von an Europa interessierten Bürgern, die an einem Tag möglichst intensiv und dabei auch möglichst umfassend über europäische Themen sprechen und diskutieren wollen. Unzählig dabei die Telefonate, E-Mail und Rundschreiben, welche dazu im Vorfeld getätigt und verfasst wurden.

Ernüchternd, wie groß der Einzugsbereich tatsächlich sein muss, um solche Gespräche überhaupt möglich machen zu können — wir bewerben diese inzwischen europaweit, wobei wir das Manko haben, dass diese weiterhin größtenteils in der deutschen Sprache stattfinden; Deutschland ist inzwischen hierfür alleine offensichtlich ein zu kleines Einzugsgebiet. Aktuell erwarten wir Teilnehmer aus Belgien, Deutschland, Frankreich, der Schweiz und Spanien.

Ein wenig enttäuschend ist es, wie die lokale Politik, Medien und Verwaltung auf eine solche inzwischen europaweit wahrgenommene Veranstaltung reagieren. Wahrscheinlich haben deren Akteure einfach nur vor allem Angst, was nicht korrumpierbar ist und keine Leichen im Keller hat — was auf puren Nepotismus schließen lässt. Es kann aber auch nur sein, dass deren Ideologie alles ablehnt, was mit freiem Willen und Mündigkeit zu tun hat.

Umso mehr freuen wir uns auf alle Teilnehmer, die vor allem dann, wenn sie nicht aus Heilbronn oder dem Unterland kommend, keine Kosten und Mühen scheuen, um an diesen Gesprächen teilnehmen zu können. Um dies ein wenig besser zu verdeutlichen, es gibt mehr als 50 Menschen, die nicht nur ein ganzes Wochenende für diese Gespräche opfern, sondern auch noch die An- und Abreise, zwei Übernachtungen und die Tagungsgebühren aus der eigenen Tasche bezahlen.

Da haben es die Menschen aus dem Stadt- und Landkreis Heilbronn viel einfacher, sie müssen sich nur ein paar Stunden an einem Samstag freischaufeln und die Tagungsgebühr entrichten. Ich hätte mich sehr darüber gefreut, wenn mehr Heilbronner diese Möglichkeit zum Gedankenaustausch nutzen!

Manchmal liegt das Gute einfach so nahe, dass man es nicht wahrhaben möchte. Karl Schiller, ein ehemaliger SPDler, mahnte bereits 1967, dass „die Pferde wieder saufen müssen“; heute gerne als „Man kann die Pferde zur Tränke führen, saufen müssen sie selber“ kolportiert.

Erkannt hatte dies bereits John Maynard Keynes: „We cannot, by international action, make the horses drink. That is their domestic affair. But we can provide them with water.“ (The Means to Prosperity, 1933: 27).

In diesem Sinne sind die Hertensteiner Gespräche ein Angebot der EUROPA-UNION, ein Angebot von ehrenamtlich tätigen Bürgern. Hingehen und mitmachen müssen unsere Heilbronner Mitbürger selber.

Schade nur, dass man hinterher wieder von vielen Mitbürgern hören kann, dass es keine guten politischen Veranstaltungen in der Nähe gäbe; etwa so, wie man als Heilbronner unbedingt zum Kleiderkaufen nach Mailand fahren muss, zumindest aber nach München oder Stuttgart.

„Nur wenige hält die Knechtschaft gefangen, die Mehrzahl hält an der Knechtschaft fest.“

Seneca, 3. Buch, 22. Brief (2018: 153)

Wald

Practical Stoic 5 (3)

Beitragsfoto: Wald | © Joe from Pixabay

Überraschungen sind eigentlich eine feine Sache. Dann aber gibt es auch jene von der Sorte, die man nicht haben möchte. Aktuell muss ich nicht einmal den „Daily Stoic“ oder die „Briefe an Lucillus“ bemühen, um mich in der Stoa üben zu können.

Eins nach dem anderen wird nun abgearbeitet und dabei geguckt, was noch so alles geschehen kann. Schön dabei zu erfahren, dass man nicht alleine in der Welt unterwegs ist, sondern dass es auch andere Individuen gibt, die einen auf dem Weg begleiten. Und es sind immer wieder diese gemeinsamen Wegstrecken, die das Leben schön und erinnerungswert machen.

Damit man aber nicht beginnt, sich auf sein ganz eigenes direktes Umfeld zurückzuziehen, gibt es Dinge, die man einfach macht, weil sie inzwischen mit dazu gehören. Und so gucke ich schon jetzt auf den Beginn des Wintersemesters und ganz besonders auf die 8. Hertensteiner Gespräche. Hierbei können sich jene freuen, die ich situationsbedingt nun einmal weniger auf diese hinweise.

Schön wäre es, wenn es dennoch weitere Interessenten gibt, die ganz von alleine auf die Idee kommen und sich noch zu diesen Gesprächen am Samstag, 21. September 2024 anmelden. Denn letztendlich sind es diese gemeinsamen Austausche, die das eigene Leben lebenswerter machen.

Und solche Gelegenheiten sollte man nutzen, so lange man es noch kann.

Für mich persönlich gibt es schon jetzt ein sehr positives Fazit, egal wie es auch aussehen oder „wie schlimm“ das Leben auch sein mag, man findet Situationskomik wirklich überall und so wurde im Familienkreis das „Happy Kadaver Weekend“ aus der Taufe gehoben.

Und bei nächstbester Gelegenheit schaue ich mir wieder einmal den Film „La vita è bella“ (1997) von Roberto Benigni an.