Alte Karte von Europa

28.9.02023 4.8 (4)

Beitragsfoto: Alte Karte von Europa | © Mabel Amber auf Pixabay 

Auszeit

Und es hat tatsächlich hingehauen, ich konnte mir eine kleine Auszeit gönnen. Detlef Stern hatte dazu einen netten Italiener in der Innenstadt ausgesucht und wir kamen vom Hundertsten ins Tausendste. Angefangen von gemeinsamen Studenten — auch Dozenten tauschen sich untereinander aus — kamen wir sehr schnell und dies immer noch beim selben Thema verbleibend zum Zettelkasten. Danach ging es aber rasant weiter: Indieweb, Fediverse, Webmention, Delta Chat, dann über Blogs, Websites bis hin zu Servern, ob virtuell oder noch ganz klassisch. Zum Schluss landeten wir noch bei der digitalen Aufstellung Heilbronns und ob es nicht besser wäre, wenn manche Zeitgenossen nicht doch besser beim Papier verbleiben. Ganz passend hat mich dann die Stadtverwaltung mit irgendwelchen Werbemails zugemüllt und meine Auszeit war auch schon wieder vorbei.

Den Italiener werde ich demnächst mit meiner besseren Hälfte aufsuchen und dann einmal gucken, ob er in meine entsprechende Liste Eingang findet.

Himmelfahrtskommando

Spätestens 1945 war allen politisch Informierten klar, dass keiner in Europa um eine europäische Einigung herumkommen wird. Selbst ein Charles de Gaulle oder ein Winston Churchill hatten dies erkannt, aber schon von Anbeginn Sand ins Getriebe gestreut, nur um weiter an nationalem Großmachtstreben festhalten zu können. Und sobald Konrad Adenauer die Anerkennung der Bundesrepublik als „Partnerland“ erreicht hatte, begannen auch wir Deutschen gleich wieder von Großdeutschland zu träumen — ein wenig verbrämt nun als Weltmeister in allem, von der Bildung über den Export bis hin zum Fußball. Dass wir es nicht sind, dürfte jetzt selbst dem allerletzten Hinterwäldler so langsam klar werden — diesen sollte dabei allerdings ebenfalls klar sein, dass auch Antidemokraten von der AfD oder der Linken dies nicht ändern können!

Inzwischen sind selbst die kleinsten und eigenständig nicht mehr existenzfähigen Länder Europas wie Ungarn davon überzeugt, dass auch sie der Nabel der Welt seien. Deren Politiker belügen ihre eigene Klientel nach Strich und Faden.

Europa verprasst derweil weiterhin hemmungslos sämtliche Einigungsdividenden und zerstört dabei alles was noch an eigenen Ressourcen vorhanden ist — und dies auf Kosten der Umwelt und künftiger Generationen.

Alte weiße Männer und eine alte Frau in Brüssel sind selber erstaunt und zudem noch stolz darauf, dass dieses europäische „Schneeballsystem“ bis heute gehalten hat und versuchen weiterhin bis zum eigenen Ableben mit hohlen Versprechungen davonzukommen.

Allesamt wissen sie es besser, lassen aber ihre Mitbürger im Irrglauben, nämlich dass eine europäische Einigung auch ohne Einigung funktioniert! — Churchill und De Gaulle lassen weiterhin grüßen!

Europa kann ohne Bundesstaat zu sein einfach nicht existieren, die dafür weltweit aufgenommenen Kredite sind längst verbraucht und die Macht des Faktischen lässt sich nicht länger aufhalten — die weitere Erweiterung wird, ja muss kommen und jeder halbwegs Informierte weiß ganz genau, dass dieses System dabei ohne Vertiefung zerplatzen wird!

Unsere Regierenden schicken uns derweil allesamt auf ein Himmelfahrtskommando, indem sie nun versuchen eine unabdingbare Erweiterung dadurch zu verhindern, dass sie eine Vertiefung noch mehr hinauszögern, dabei sinnlose Grenzen errichten und unsere Menschenrechte immer mehr einschränken.

Und dies einzig und alleine nur, weil sie wie dereinst Charles de Gaulle oder Winston Churchill ihre eigene Pfründe so lange wie möglich sichern wollen. Unsere Parlamente in ganz Europa (!) sind gefragt, um dieses Himmelfahrtskommando so schnell wie möglich zu beenden, noch bevor es keine Wähler mehr gibt, die sie noch wählen können oder wollen.

Der Europäische Bundesstaat muss von unseren Parlamentariern geschaffen werden, auch auf die Gefahr hin, dass sehr viele davon danach selbst arbeitslos sind! Dies nennt man übrigens politische Verantwortung.

Wer heute diesbezüglich noch von einfachen, qualifizierten oder doppelten Mehrheiten spricht, die Europa retten sollen, oder gar darüber, dass Deutschland und Frankreich für sich ein Super-Europa bilden könnten, der ist nichts anderes als ein Scharlatan!

Plappert

Mit Bedauern musste ich jüngst feststellen, dass der Plappert auf der Allee zum Ende des Jahres aufhören wird. Gemäß eines Hinweises am Schaufenster behält er aber weiterhin seine Filiale oder gar Stammhaus (?) in Schwaigern bei.

Nicht nur meines Erachtens gehört der Plappert einfach zu einem Einkaufsbummel durch die Stadt mit dazu, zumindest aber machen den Spaziergänger die Auslagen im Schaufenster noch heute ein wenig neugierig. Und der Spruch „Geh doch zum Plappert“, wenn man einmal etwas ganz kurzfristig kaufen musste, kennt wohl jeder Heilbronner — zumindest aber weiß jeder, wo sich die Allee befindet und so fand man auch die Drogerie recht schnell. Mich persönlich interessierten dabei eher die Deko- und Geschenkartikel sowie die Kerzen und Düfte.

Die Gründe warum ein alteingesessenes Geschäft plötzlich aufhört, dürften vielfältig sein. Ich hoffe jetzt nicht, dass es daran liegt, weil wir Heilbronner unsere Deos inzwischen eher im Internet oder gar in Mailand kaufen (um Fragen vorzubeugen: diese Stadt wurde von mir ganz bewusst gewählt).


Tanzen

29.7.02023 4.7 (3)

Beitragsfoto: Tanzen | © Pixabay

Vermischtes

Sehr erfreulich ist es heute in der Heilbronner Stimme (28.7.2023: 28) zu lesen, dass man erneut einen Silvesterball in der Harmonie plant. Das Ticket für den Silvesterball kostet 139 Euro pro Person und ist sowohl bei der Tourist Information in der Kaiserstraße 17 als auch online erhältlich. Meine bessere Hälfte und ich sind auf jeden Fall mit dabei.

Und wem der Silvesterball gefällt, dem wird auch der Europa-Ball am Samstag, 13. April 2024 in der Harmonie gefallen. Dort wird es nur Achtertische geben, die schon jetzt bei mir reserviert werden können.

Das neue Heilbronner Monopol, dieses Mal bei E-Scootern, erzeugt bei mir ein lächelndes und ein weinendes Auge. Zum einen bin ich froh darüber, dass diese Spielzeuge zukünftig weniger in Heilbronn anzutreffen sein werden, aber zum anderen muss man sich schon fragen, ob es gut für die Nutzer ist, wenn es nur noch eine einzige Firma gibt. Immerhin will diese weiterhin mit 600 Rollern und 300 Fahrrädern in Heilbronn vertreten bleiben. So bleibt zu hoffen, dass auch diese Angelegenheit weiter vom Markt geregelt werden wird und sich die Stadtverwaltung nicht dazu hinreißen lässt, einen Monopolisten zu subventionieren oder gar möglichen anderen Anbietern den Zugang nach Heilbron erschwert.

Erfreulich ist die Entwicklung beim neuen Gaskraftwerk, denn der Gemeinderat hat nun auch den Bebauungsplan genehmigt. Zusätzlich soll noch ein Fernwärmespeicher mit hinzukommen und das Heilbronner Fernwärmenetz ausgebaut werden. Da man weiterhin in Heilbronn auf Fernwärme setzt, wäre nun zu überlegen, ob man nicht spätestens dann, wenn das Gaskraftwerk auf Wasserstoff umgestellt werden wird, die Fernwärme durch Müllverbrennung erzeugt, denn Fernwärme aus Wasserstoff zu erzeugen, dürfte nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Hinzu kommt, dass wir nach Abbruch des Kohlekraftwerks bereits den Platz für eine Müllverbrennungsanlage hätten. Und auch den Müll haben wir reichlich. Dieser muss bisher mit Lastwagen nach Stuttgart oder Mannheim transportiert werden und kommt nach der Verbrennung wieder mit Lastwagen zurück nach Heilbronn, um bei uns eingelagert zu werden.

Der Charme dabei, wir sparen die LKw-Fahrten ein und können den teuer erzeugten Wasserstoff anderweitig nutzen.

Sommerzone

Wie von mir befürchtet, werden die Heilbronner Sommerzonen nun zu einem Spielball der Lokalpolitik. Als ehemaliger Bewohner einer dieser Sommerzonen, der dort gut zwei Jahrzehnte gerne gelebt hat und auch noch heute ein direkt Betroffener ist, habe ich meine entsprechende Überzeugung, die sich übrigens die letzten fünf Jahrzehnte nicht geändert hat. Es kommt nur noch die Erkenntnis mit hinzu, dass nun alleine aufgrund des Klimawandels eine weitere Umgestaltung unserer Innenstädte zwingend notwendig ist!

Bereits mein Vater ist damals die Sülmerstraße und Turmstraße hoch und runter spaziert, um die Ladenbesitzer von der Notwendigkeit einer Fußgängerzone zu überzeugen. Und schon damals waren die Argumente der damaligen Gegner einer zeitgemäßen Stadtentwicklung dieselben wie heute. Und diese Argumente sind heute noch so falsch wie damals.

Ich kenne keine einzige Kneipe, Laden oder Geschäft, das in den letzten Jahrzehnten Pleite ging, weil man nicht mit dem Auto vor die Türe fahren konnte. Insgesamt haben es heute viele Geschäfte und auch Restaurants schwer, vielleicht sogar noch schwerer als vor einigen Jahrzehnten. Die Gründe dafür sind sehr vielfältig. Aber kein Geschäft muss schließen, nur weil es keinen Parkplatz vor der Türe gibt — große Supermärkte und Einkaufszentren einmal ausgenommen. Interessanter Weise aber kommen diese jüngst wieder verstärkt mit etwas kleineren Versionen in die Fußgängerzonen zurück.

Noch spannender und sehr tragisch die Tatsache, dass sehr viele Läden und Geschäfte gerade in jenen Straßen und Gassen meines Heimatviertels schließen mussten, obwohl sie Parkplätze direkt vor der Türe hatten. In der Turmstraße ist nur noch der Elektro Krauss übrig und in den anderen Straßen und Gassen sind bereits alle mir noch bekannten Geschäfte und Kneipen weg. Und selbst das Kaffee Roth musste nicht, wie immer befürchtet, wegen mangelnder Parkplätze schließen. Leider gilt auch hierbei, dass das Mädchen, das nicht tanzen kann, die Schuld auf die Musik schiebt.

Besser wäre es gewesen, man hätte bereits vor Jahrzehnten Nägel mit Köpfen und die Innenstadt insgesamt zum Fußgängerbereich gemacht. Ich behaupte, wir stünden heute allesamt viel besser da und hätten genau die Kundenfrequenz, die man jetzt so vermisst! Hinzu kommt noch, was ich auch schon immer bemängele, die fehlende Sauberkeit, fehlende öffentliche Toiletten, mehr Kontrollen bei den Hausierern, Bettlern und Kleinkriminellen, eine bessere Ausschilderung von den Parkplätzen zu den Geschäften und einen attraktiveren Weg dorthin — ergo ein tragfähiges Innenstadtkonzept!

Man schaue sich nur einmal selber an, wie glückliche und zufriedene Menschen ihre Einkaufstüten zu den Autos an den Rand von Metzingen schleppen, darunter sehr viele Heilbronner, die, wenn man sie fragt, nur dann in Heilbronn einkaufen würden, wenn sie direkt vor einem Geschäft kostenfrei parken dürften.

Ich kaufe z. B. kein Hochwertprodukt in der Heilbronner Innenstadt, welches mir nach dem Kauf übrigens kostenfrei nach Hause gebracht werden würde, weil ich keinen Parkplatz vor Ort finde, sondern einfach nur deshalb, weil ich für so viel Geld auch im Laden gut bedient werden möchte! Und für einen guten Kaffee gehe ich sogar ein paar Kilometer zu Fuß; ein Parkplatz vor der Tür entschädigt mich nicht für schlechten Kaffee oder gar schlechten Service.

Aber auch ich halte die Sommerzonen für eine reine Geldverschwendung! Zum einen verhindern diese weiterhin eine notwendige Stadtentwicklung — den Ausbau zu einer attraktiven Fußgängerzone — und zum anderen geben sie erneut Populisten die Gelegenheit, sich wieder einmal sehr billig zu profilieren. Das Lustige ist dabei, dass die meisten dieser Menschen wohlbehütet in einem Stadtteil wohnen, gerne zum Einkaufen in größere Städte fahren und sich nur dann in meinem Heimatviertel sehen lassen, wenn es etwas umsonst oder eine schöne Pressemeldung gibt.

Wenn sich gerade unsere Gemeinderäte jetzt so um die Sommerzonen echauffieren, dann könnten sie uns doch einmal erklären, was sie den all die Jahre für mein Heimatviertel getan haben; den mehr als notwendigen Umbau der Turmstraße hatten sie schon vor vier Jahrzehnten zugesagt. Gerne würde ich wissen, wie viele Millionen Steuergelder sie seither für weitere Konzepte, Ideen, Versuche, Besichtigungsreisen, Expertenmeinungen, Besprechungen, Exposés und Veranstaltungen ausgegeben haben. Man hätte die Turmstraße damit schon längst in Gold aufwiegen können.

Und so vermute ich einmal, dass es den allermeisten unserer Gemeinderäte nicht um mein Heimatviertel geht, sie nutzen dieses einzig und alleine nur, um sich selbst profilieren zu können — und dies auf Kosten meiner Heilbronner Mitbürger und mir!

Große Städte

Heute gab es einen spannenden Vortrag bei einer Besprechung der Freien Wähler auf Landesebene. Prof. Dr.-Ing. M. Norbert Fisch stellte dabei der aktuellen Politik in Sachen Gebäudesanierungen, Neubauten und Anpassung von Heizungskonzepten ein sehr schlechtes Zeugnis aus. Das war zu erwarten, da unsere Politik seit Jahrzehnten nur noch auf Probleme reagiert, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist.

Sehr interessant dabei die Information über die Umweltkosten für aktuelle Neubauten. Selbst wenn diese den jüngsten energetischen Forderungen genügen, sind diese derzeit nicht zu vertreten. Und schon gar keine neuen Einfamilienhäuser in Großstädten. Das Bauen muss insgesamt neu erfunden werden, bevor man sich wieder verstärkt dieser Thematik widmet.

Und so passt es auch ganz gut, dass das Wollhaus nicht abgerissen und neu erstellt werden soll, sondern man die alte Bausubstanz nutzt. Wie ich heute erfahren durfte, sind die alleine dabei eingesparten Umweltkosten immens.

Zum Abschluss konnten sich die Freien Wähler der größeren Heilbronner Städte noch über den Sachstand der Vorbereitungen zur Gemeinderatswahl 2024 austauschen. Interessant dabei war, dass sämtliche Großstädte auch hier mit ähnlichen bis identischen Herausforderungen zu kämpfen haben. Deswegen ist es auch ganz gut, dass sich die Freien Wähler in Baden-Württemberg zu einem Landesverband zusammengefunden haben — man muss das Rad nicht jedes Mal neu erfinden.

Zum Abschluss konnte Herbert Burkhardt den anderen Freien Wählern noch unser neues Heilbronner Wahlkampfkonzept vorstellen, was übrigens das alte aus 2019 ist — ganz nebenbei spart auch dies Kosten und schont sogar ein ganz klein wenig unsere Umwelt.

Klausuren

Bereits vor ein paar Tagen konnte ich dieses Thema für mich abschließen und die Ergebnisse an Detlef Stern bzw. die Hochschule übermitteln; ich bin mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Jetzt bleibt mir nur noch, die Klausuren in der kommenden Woche bei der Hochschule abzuliefern. Ich spekuliere dabei auf ein Käffchen und ein gutes Gespräch.

Zum Abschluss von zwei Semestern habe ich ein paar kleine Beobachtungen zu teilen und bin einmal gespannt darauf, wie diese Dinge von den Profis betrachtet werden. Ganz ungewollt und von mir erst jetzt erkannt, hatte ich diese beiden Semester so ganz nebenbei zum praktischen Teil meiner damals rein theoretischen Abschlussarbeit gemacht.

Ob dies nun in den Bereich Déformation professionnelle fällt oder gar sämtliche „Überlebende unseres Bildungssystems“ insgesamt so sozialisiert wurden, wäre eine weitere Beobachtung wert.

Alt werden im Amt

Heute hat die New York Times dieses Thema aufgegriffen. Und Jim Manleys Erkenntnis: The Senate is such a warm, comforting place that you can live inside that bubble.“ dürfte inzwischen auch allen deutschen Volksvertretern gut bekannt sein.

Meine Vorgänger im Amt bei der EUROPA-UNION Heilbronn hatten bereits vor über 20 Jahren eine Altersgrenze von 80 Jahren festgelegt. Ein Vorstandsmitglied ist sogar bereits mit 70 Jahren aus seinem Amt ausgeschieden — beides ist aber auch viel einfacher zu bewerkstelligen, wenn diese Ehrenämter weder Wärme bieten noch sonstige Vorteile mit sich bringen.

Die beiden Autoren des Times-Artikels Lisa Lerer und Reid J. Epstein stellen sich zum Schluss noch die Frage, ob ein mögliches sich im Amt rein altersbedingt lächerlich zu machen, Politiker nicht dazu bewegen könnte, einfach von ganz alleine aufzuhören. Friedrich Merz und Winfried Kretschmann dürften beide hierbei völlig anderer Meinung sein.

Meine Leser können den besagten Times-Artikel gleich hier kostenfrei erhalten.


Wasser eines Pools

20.7.02023 5 (2)

Beitragsfoto: Schwimmbad | © Pixabay

Getroffene Hunde

Heute können wir auch in der Heilbronner Stimme sehr viele Stellungnahmen zur bereits hier im Blog thematisierten Aussage von Josip Juratovic lesen. Es soll sogar bei der Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige wegen Volksverhetzung gegen Juratovic eingegangen sein. Und auch die Volksparteien reagieren, sie überschlagen sich nun mit populistischen Forderungen, einzig um möglichst viele der Antidemokraten wieder in ihre jeweiligen Lager zurückzuholen. Hoffen wir dabei nur, dass sie in der Lage sein werden, diese wirklich schlimmen Menschen im Zaum zu halten. Der allerschlimmste Rest triftet aber weiterhin zur NPD, AfD und anderen „Volksbewegungen“ ab; da nützt es der CSU auch nicht viel, dass diese noch bis zur Landtagswahl 2024 die AfD ganz weit links liegen lassen möchte.

Schlimm dabei nur, dass bei solchen Aktionen auch der andere antidemokratische Rand weiter gestärkt werden wird und somit sämtliche demokratischen Parteien geschädigt werden. Besser wäre es, wenn unsere demokratischen Parteien allesamt anstatt lautstark um noch lautstärkere Antidemokraten, darunter viel zu viele Nazis, zu buhlen, sich mehr und besser um die hoffentlich noch „schweigende Mehrheit“ kümmern und deren zunehmenden Bedenken endlich einmal ernst nehmen.

Es gibt tatsächlich viele Herausforderungen; die kann man anpacken und auch lösen. Und größere Probleme, die man nicht kurzfristig in den Griff bekommen kann, könnte man den Bürgern durchaus und auch verständlich erklären. Dumme Politiker machen das aber nicht, sondern fischen dafür lieber in den trübsten Gewässern — die Folgen davon können wir gerade sehr gut beobachten!

Klausur

Leider trauten sich heute weniger Studenten bei mir die Abschlussklausur zu schreiben, als ich es mir erhofft hatte, denn nach meinen Vorlesungen standen die Chancen ganz gut, die Klausur auch zu bestehen. Anscheinend waren manche Studenten anderer Meinung.

Nun gilt es, die Klausuren in den kommenden Tagen zu korrigieren und die Ergebnisse an die Hochschule zu übermitteln. Wann dann die Studenten darüber informiert werden, kann ich nicht sagen.

Nach der Klausur ging ich sogleich mit den Vorstandsmitgliedern der Freien Wähler in Klausur und wir trafen ein paar für den kommenden Wahlkampf wichtige Entscheidungen. Z. B. werden wir nur mit einer Liste antreten, da wir uns nicht den für mehrere Listen notwendigen Aufwand machen möchten, und dies trotz der Erfolge der Freien Wähler in Ulm.

Zudem legten wir den Termin für die kommende Mitgliederversammlung fest. Diese findet am 30. September 2023 statt. Zum einen wird eine neue Vereinssatzung beschlossen werden und zum anderen beschließen wir unsere Kandidatenliste für die Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024.

Schwimmen

Gestern habe ich wieder das Morgenschwimmen für mich entdeckt. Dank der Neckarhalde um die Ecke eine sehr komfortable Sache. Leider ist aber auch hier der nicht mehr tragbare Zustand unserer Stadt ersichtlich, denn zum Schwimmbecken quält man sich durch ein Meer von Zigarettenkippen. Zum Schluss meines kurzen Schwimmaufenthaltes stellte ich noch fest, dass ich mich beim Gang über die Wiese wohl an einem spitzen Gegenstand verletzt hatte.

Zumindest wir arbeitenden, steuerzahlenden und auf unsere Stadt achtende Bürger haben so langsam aber sicher die Nase gestrichen voll! Unsere Stadt verkommt immer mehr zu einer dreckigen, rechtsfreien Zone. Selbst Stadtbusse fahren einen auf den Zebrastreifen, z. B. bei der Kreissparkasse, beinahe über den Haufen. Feiernde Menschen sperren unter den Augen der Polizei, welche sich gerade wohl verstärkt ein paar demonstrierenden Ukrainern vor der Harmonie widmet, die Allee ab, um eine Hochzeit ganz landestypisch zu begehen. Unsere Fußgängerzonen sind zu einem Eldorado für Fahrzeuge aller Art verkommen und wir müssen uns zudem noch von Bettlern belästigen lassen.

Die Folgen fehlender öffentlicher Toiletten sorgen neben den wilden Müllablagerplätzen dazu, dass Spaziergänge oder Aufenthalte in der Stadt immer weniger attraktiv werden. Und auch der Stadtwald sieht nicht viel besser aus.

Und so ist es nicht verwunderlich, dass bereits auch andere Bürger Initiativen ergreifen, um auf diese Missstände hinzuweisen, wie ganz aktuell auf die Heilbronner Raserszene in der Innenstadt — leider aber verknüpfen einige Bürger dies alles bereits mit einer angeblich nicht funktionierenden Demokratie und werben unverhohlen für andere Gesellschafts- und Politikmodelle!

Es liegt nicht an unserer Demokratie, sondern wir Bürger haben Bürgermeister und Gemeinderäte gewählt, die sich ganz offensichtlich einen Dreck um unsere Stadt kümmern!

Am Geld kann es dabei nicht liegen, denn für alles andere haben unsere Gemeinderäte immer die Spendierhosen an — Weinausschänke und Party-Zonen sind deren städtisches Ideal. Nichts gegen einen Trollinger-Lemberger oder eine anständige Party, aber eine Stadtgesellschaft ist doch etwas komplexer.

Deshalb sollten wir nicht an unserer Demokratie verzweifeln, sondern bei der kommenden Gemeinderatswahl Bürger wählen, die sich für unsere Stadt an sich interessieren und auch kompetent genug sind, um Bürgermeistern und einer Stadtverwaltung über die Schulter schauen zu können. Leider lassen sich zu viele unserer Gemeinderäte mit einem Hasenmahl und ein paar kostenfreien Reisen abspeisen und übernehmen ansonsten einfach nur die Meinung der jeweiligen Bürgermeister ihrer Partei. Und auch die haben außer einem Parteibuch nicht sehr viel vorzuweisen.

Wenn dies auch nach 2024 so weitergeht, dann haben wir demnächst ähnliche Zustände wie in Berlin oder den französischen Banlieues.

„Es ist Zeit, daß jetzt etwas getan wird. Derjenige allerdings, der etwas zu tun wagt, muß sich bewußt sein, daß er wohl als Verräter in die deutsche Geschichte eingehen wird. Unterläßt er jedoch die Tat, dann wäre er ein Verräter vor seinem eigenen Gewissen.“

Claus Graf Stauffenberg, in einem Gespräch kurz vor dem Attentat vom 20. Juli 1944 zitiert in Joachim Kramarz, Claus Graf Stauffenberg, 15. November 1907-20. Juli 1944 (1965:201)