Millicent Garrett Fawcett

Es reicht nun wirklich! 5 (3)

Beitragsfoto: Millicent Garrett Fawcett – Denkmal | © Dimitris Vetsikas auf Pixabay 

Jetzt, da wir erfahren mussten, dass der ehemalige Kanzler Gerhard Schröder für seine jüngste Ehefrau eine Entschädigungszahlung an deren Vorbesitzer zu leisten hat, ist es nun wirklich so weit, dass wir Männer die Emanzipation unserer Frauen selbst in die Hand nehmen.

Auch können viele von uns das Gejammer über eine Unterrepräsentanz von Frauen, vor allem in so wichtigen Zirkeln wie der Union Europäischer Föderalisten, was heute ebenfalls eine bedeutende Nachricht in meinem News-Ticker war, nicht mehr mit anhören!

Deshalb muss jetzt sofort — noch vor Ende der Legislatur — ein Emanzipationsgesetz her, das ein für alle Mal mit dieser Ungerechtigkeit aufräumt und für immer den Unterschied zwischen Frau und Mann aufhebt; alle dazwischen müssen noch ein wenig warten, da wir die Welt in diesem Jahr noch nicht ganz retten können werden.

Grundlage dieses neuen Emanzipationsgesetzes sind die Mangelklagen, angefangen beim Militär, der Polizei, der Müllwirtschaft, Bergwerken, Fleischereien und anderer existenziell wichtigen Gesellschaftsaufgaben. Hinzu kommen noch die Klagen von aussterbenden Vereinen wie Männergesangs- oder Philatelisten-Klubs — von Parteien ganz zu schweigen.

Das wird nun mit dem neuen Gesetz umgehend geändert! Alle Personalstellen und auch Vereinsvorstände melden ihren entsprechenden Personalbedarf an die jeweiligen Einwohnermeldeämter, und die besetzen dann sogleich die vakanten Positionen mit Frauen aus ihrem jeweiligen Einwohnerbestand und dies so lange, bis die 50 % Quote an Frauen erreicht ist.

Zwangsverpflichtungen, -mitgliedschaften oder Wehrdienst waren gestern! Ab sofort starten wir mit einer emanzipatorischen Stellenbesetzungsoffensive ganz neu durch! Und sollten uns die Frauen ausgehen, dann rauben wir einfach Sabinerinnen, notfalls auch aus Korea.

„Die emanzipierte Frau ist genauso dumm wie die anderen, möchte aber nicht für dumm gehalten werden.“

 Esther Vilar, Der dressierte Mann (1998 [1971]: 109)

Schwäbische Tomatensuppe

Schwäbische Tomatensuppe 4.6 (51)

Für eine echte und authentische schwäbische Tomatensuppe kommt es ganz besonders auf die richtigen Zutaten an. Darüber hinaus ist die Zubereitung, wie auch das spätere Servieren von sehr großer Bedeutung.

Fangen wir mit den Zutaten an. Man leihe sich Petersilie, ich gehe dazu gerne zu meinem Nachbarn, da dieser seit der BUGA seine Petersilie in, von der Stadt bereitgestellten, Blumentrögen selbst anbaut. Die Straßenlage und vor allem die Innenstadtnähe verleihen der Petersilie eine ganz besondere Note. Solch eine Qualität bekommt man weder im Supermarkt, noch im Bio-Laden um die Ecke.

Mit der Zubereitung der Petersilie sollte man dann aber auch rechtzeitig beginnen, um nicht in unnötige Hetze verfallen zu müssen. Ein Blatt der Petersilie zieht man am besten nicht zu schnell und vor allem auch nicht zu heftig durch Regenwasser, damit die Vitamine möglichst erhalten bleiben. Jeder schwäbische Haushalt hat dazu eine Regentonne vor dem Haus, auf dem Balkon oder, in einer etwas praktikableren Größe, auf dem Fensterbrett der eigenen Wohnung.

Ist die Zubereitung der Zutaten abgeschlossen, nehme man Leitungswasser — ein Schwabe lässt sich beim Essen nicht lumpen — und erwärmt dies am besten in der Sonne. Vor dem Servieren kann man es noch auf dem Herd, in einem Wasserkocher oder in der Mikrowelle kurz erhitzen, damit die Suppe auch die gewünschte Temperatur erhält.

Manche — Neureiche halt — ziehen zusätzlich an Festtagen oder zu ganz besonderen Anlässen, kurz vor dem Servieren, noch eine Tomate durch das bereits erhitzte Leitungswasser. Ich halte dies allerdings für übertrieben und geschmacklich weit überdimensioniert! Denn es reicht voll und ganz aus, wenn sich eine Tomate im Haushalt befindet; ich habe für solche Gelegenheiten immer eine Tomate im Gemüsekorb der Küche liegen.

Abschließend gießt man das zubereitete Leitungswasser in einen bereitgestellten roten Teller — dieser darf gerne auch etwas vorgewärmt sein; dazu bietet sich ebenfalls natürliches Sonnenlicht bestens an — und garniere das Ganze mit dem bereits zubereiteten Petersilienblatt. Damit sollte man allerdings vorsichtig umgehen und lieber etwas sparen, denn sonst dominiert der Petersiliengeschmack die schwäbische Tomatensuppe allzu stark.

Ich wünsche Ihnen beim Nachkochen viel Spaß und beim anschließenden Essen einen guten Appetit!

Und sollte das Essen nicht in ein Gelage ausgeartet sein, dann ist bestimmt auch die Petersilie noch übrig. Diese kann man dann nach dem Abwasch an den Entleiher zurückgeben, denn sie eignet sich immer noch ganz hervorragend für ein Schwäbisches Eintopfgericht.

Schwäbische Tomatensuppe à la Henri

„Man nach dem Ausspruch eines alten Weltweisen ißt, um zu leben, und nicht lebt, um zu essen.“

 Molière, L’Avare ou l’École du mensonge | Der Geizige (2016 [1668]: 37)

Fediverse reactions
Zeitungsausschnitt

Politische Dystopie 5 (3)

Beitragsfoto: Zeitungsausschnitt | © Pixabay

Wir schreiben das Jahr 2030, eigentlich das Jahr, in dem sämtliche Versprechungen der damaligen Großen Koalition, welche noch in den 2010er bis 2020er-Jahren sehr populär war und gerne auch liebevoll als GroKo bezeichnet wurde, hätten erfüllt sein müssen.

Mitte der 2020er-Jahre kam aber alles ganz anders, die angestauten und neu hinzugekommenen Herausforderungen konnten weder von den Regierungen noch von den völlig überforderten Parlamenten gelöst, wenn überhaupt, nur noch annähernd wahrgenommen werden. Die Enttäuschung bei der Bevölkerung wurde damals immer größer, sodass die verantwortlichen Politiker die Flucht nach vorne suchten und ihr Glück in der politischen Vergangenheit fanden.

„Getriggert“ wurde das Ganze, als die Umfragen in einem erneut als Superwahljahr beworbenen Event für die Parteien allesamt unvorteilhaft ausgingen: kurz entschlossen bildeten sich in Deutschland zwei Hauptblöcke: zum einen die Nationalistische Einheitspartei Deutschland (NED: AfD, CDU und CSU) und zum anderen erneut die Sozialistische Einheitspartei Deutschland (SED: Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke und SPD) sowie ein eher lockerer Zusammenschluss von Kleinstparteien, wobei die FDP heute noch am bekanntesten sein dürfte. In einem sehr polarisierten Wahlkampf konnte sich 2025 die NED nur sehr knapp durchsetzen und es wurden in Folge davon neue Pflöcke eingeschlagen.

Zum Wohle Deutschlands wurde die Europäische Union zwar nicht ganz beerdigt, sondern in eine neue Version des alten Heiligen Römischen Reiches deutscher Nationen überführt und fristet seither das Dasein seines heute so beliebten Vorgängers; dies ganz im Sinne der französischen Präsidentin Marine Le Pen, die zugleich auch alle EU-Präsidentenämter in Personalunion innehat. Als deren Stellvertreterin in allen EU-Ämtern wurde Ursula von der Leyen auf Lebenszeit bestätigt, wobei diese Funktion mit einem Erbrecht versehen wurde.

Um den nationalen Frieden wieder herzustellen, haben sich die beiden Blöcke (NED und SED) darauf geeinigt, nach jeder Wahl abwechselnd die Regierungsaufgabe zu übernehmen, wobei die jeweiligen Vorgänger ihre Ämter bis zum eigenen Ableben weiterhin mit dem Zusatz „momentan nicht in Regierungsfunktion“ beibehalten. Im Zuge davon wurde auch für alle Abgeordnete der Bestandsschutz garantiert und jedem entsprechende Ausgleichsmandate zugebilligt. Zudem wurde den Kleinst- bzw. Blogparteien zugesichert, dass sie an der jeweiligen Regierung beteiligt werden, sobald sie die 10 % Hürde überschreiten.

Um eine bereits absehbare Überschreitung der Bundestagsgröße von 3 000 Abgeordneten zu begegnen, wurde eine freiwillige und großzügige Abfindungsregelung eingeführt, wobei jene, die das Angebot nutzen, alle ihre Titel und Aufsichtsratsmandate weiter beibehalten dürfen. Diese Regelung gilt selbstverständlich auch für sämtliche Landtage und unterscheidet sich — dem deutschen Föderalismus geschuldet — nur in der Höhe der jeweiligen Abfindungen, wobei nirgends die Sechsstelligkeit der Zahlungen unterschritten werden darf.

Um die Ungleichheit innerhalb unserer Gesellschaft zu beenden, wurden alle Ämter und Leitungsfunktionen gedoppelt und müssen seither zwingend jeweils mit einem Mann und einer Frau besetzt werden.

Um die Bevölkerung besser in die neue und jetzt viel bessere Demokratie einzubinden, wurde generell die Wahlpflicht eingeführt und die freien Wahlen zum Wohle aller in geregelte Wahlen überführt.

Um die nationale Identität weiter und auch das Zusammengehörigkeitsgefühl partei- wie bundeslandübergreifend zu fördern, wurden z. B. die Bundesautobahnen in Volksautobahnen mit dem Namenszusatz von verdienten Politikern umbenannt. Wegen seines großen Verdienstes um die deutsche Autobahn wurde die Strecke Berlin – München in Volksautobahn Adolf Hitler und die Strecke Berlin – Saarbrücken in Volksautobahn Erich Honecker umbenannt sowie u. a. die Strecke München – Stuttgart in Volksautobahn Andreas Scheuer.

Auch auf lokaler Ebene wurde diese brillante Idee meistens gerne übernommen, so auch in Heilbronn, wobei die Allee auf Anregung der Porschefahrer in der NED Fraktion in Volksstraße Albert Leo Schlageter umbenannt wurde und sich in Heilbronn zudem schnell eine weitere Tradition etablierte, nämlich indem jährlich am 1. Mai Porsche- und Mercedesfahrer gut zwei bis drei Stunden lang über die Volksstraße Albert Leo Schlageter brettern und zum Takt des allseits bekannten AfD-Volkslieds „Eure Armut kotzt mich an!” ihre Hupen erklingen lassen.

Leider wurden, so wie es bei Dystopien der Fall ist, damit keine gesellschaftlich und existenziell relevanten Probleme gelöst, aber sie konnten erfolgreich weiter verdrängt werden, und für den Fall, dass das eine oder anderen Problem erneut hochkocht, weiß jetzt wieder jeder ganz genau, wer daran schuld ist: die allseits bekannten Minderheiten, der gesellschaftszerstörende Kapitalismus oder die mündigen Bürger, welche einst für freiheitliche gesellschaftliche Konzepte eintraten.

Wohlgemerkt, wir schreiben das Jahr 2030 und alles ist gut!

P. S.
Übrigens, Victor Orban ist inzwischen auch Ehrenbürger Europas.

„Now, the dividing line is not between left and right but globalists and patriots.“

Marine Le Pen, We Are Not the World (6. Januar 2017)