Duden-Website

Ein Abgesang 5 (1)

Foto: Duden-Website-Ausschnitt | © Duden

Kennen Sie noch den Duden, ich meine damit das eine verlässliche Werk zur Verbesserung der deutschen Sprache, welches in jedem vernünftigen Haushalt zumindest einmal vorhanden war?

Konrad Duden schuf 1872 das heute nach ihm benannte Rechtschreibwörterbuch und beeinflusste damit maßgeblich die Entwicklung einer einheitlichen Rechtschreibung im deutschen Sprachraum.

Da ich meine eigene Schulzeit mit einer vermeintlichen Lese- und Schreibschwäche begann, wobei ich davon überzeugt bin, dass es nur den damaligen sprachlichen Umerziehungsbemühungen junger Lehrer aus dem norddeutschen Sprachraum geschuldet war, die uns mit Brachialgewalt das Westfränkische — unsere eigentliche Muttersprache — austrieben, gaben mir meine Eltern bereits sehr früh einen Duden zur Hand. Mehr Erfolg hatten sie dann, als sie einen Lesezirkel für uns Kinder organisierten.

Auf jeden Fall war meine Neugierde geweckt und ich suchte in den Bücheregalen stets nach dem ältesten dort vorhandenen Duden, wobei ich ganz nebenbei auch die Sütterlinschrift kennenlernte.

Zu Anfang meiner Berufszeit, welche noch in der Bonner Republik begann, war der Duden „Gesetz“ in allen Bundesbehörden, und die Dudenredaktion lies es sich auch nicht nehmen, die deutsche Sprache mit einer eigenen „Hotline“ zu fördern. Gerne erinnere ich mich diesbezüglich an die Telefonate mit ehrenamtlich tätigen Sprachwissenschaftlern zurück, die auch die feinste Sprachnuance, und in meinem Falle meist eine korrekte Kommasetzung, erklärten.

Gerne erinnere ich mich auch an die sehr strittigen Diskussionen mit meiner Schwester zurück, die zu dieser Zeit Germanistik studierte, und mir erklärte, dass sich Sprache beständig ändert und nicht zementiert werden könne; dies ließ sich auch in den Duden verschiedener Ausgaben nachweisen.

Wohl dank der umfänglichen sprachlichen Umerziehungsversuche an den deutschen Schulen, und der politischen Erkenntnis, dass eine Überqualifikation der Bürger nicht nur für die Industrie von Nachteil ist, kam es seit den 1970er-Jahren zu einer zunehmenden sprachlichen Verarmung in unseren Ländern, wobei auch der Dativ und der Genitiv dem nunmehr Beliebigen zum Opfer fielen.

Mit der 1996 durch die Berliner Republik vollzogenen und seither beständig korrigierten Rechtschreibreform glitt die deutsche Sprache vollends ins Unverbindliche, wobei sich die Politik dabei nur von der Idee der Vereinfachung leiten lies, um der sprachlichen auch eine geistige Armut folgen zu lassen, denn „nur die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber.“

Wer nun aber glaubte, dass man diese rein politisch motivierten Eingriffe in unsere Sprache, welche übrigens das „Betriebssystem“ unserer Gesellschaft ist, nicht mehr steigern könne, hat seinen George Orwell nicht gelesen, der bereits 1949 vor dem Neusprech warnte.

Dieser Neusprech wird seit ein paar Jahren von den größeren politischen Parteien unisono gefordert und gefördert und wurde nunmehr auch vom Duden nachvollzogen, wobei dieser nicht nur die Sprachwissenschaft verlässt, sondern auch den emsigsten Parteiideologen vorauseilt.

Aus einem von Konrad Duden entwickelten Werk zur Stärkung und Mündigmachung unsere Gesellschaft wurde nun ein ideologisches Hilfsmittel zur Schaffung einer neuen Welt — die deutsche Sprache wird dies sicherlich überleben, der Duden aber wurde damit völlig überflüssig.

„Wer ist überhaupt dieser Herr Konrad Duden? Irgendein Sesselfurzer!“

Hans Magnus Enzensberger, So überflüssig wie ein Kropf (14.10.1996)

Pink Floyd

Pink Floyd 5 (5)

Beitragsfoto: Ausschnitt Relics Plattencover (1971)

Als ich das erste Mal die Platte „The Dark Side of the Moon“ auf meinen Plattenteller legte, wusste ich, dass ich auch einmal die weiteren Langspielplatten von Pink Floyd anhören muss. „Mit Wish You Were Here“ machte ich dann gleich einen weiteren Glücksgriff und war nunmehr davon überzeugt, dass es sich lohnt, neben Queen noch weitere Rockgruppen zu hören.

Die Platte „Animals“ passte 1977 dann auch ganz gut zu meiner damaligen Lektüre, und so machte ich mich auf, auch einmal nach den älteren Pink Floyd Platten zu schauen, welche mich zugegebener Maßen nach etwas Eingewöhnung endgültig zu einem Pink Floyd Fan machten.

Interessanterweise hörte ich „The Wall“ 1980 erstmals auf dem Tennisplatz und benötigte wohl deshalb etwas mehr Zeit, bevor ich mich an den neuen Stil gewöhnte. Zum Ende meiner Schulzeit kam dann noch „The Final Cut“ in die Läden und war zugleich auch ein ganz zufälliger Abschluss meiner Plattenkäufe.

Mitte der 1980er-Jahre wurden die CD populär, was dazu führte, dass ich meine Lieblingsplatten nunmehr in diesem Format sammelte. Wer hätte damals gedacht, dass man Jahrzehnte später gerne wieder auf die alten LP — und manche gar auf die Singles — zurückgreift.

„A Momentary Lapse of Reason“ nahm ich 1987 nur noch teilweise wahr, ebenso wie „The Division Bell“, die ich 1994 wohl nur aus Gewohnheit heraus kaufte.

Erst als ich nach meiner Pensionierung in einem Karton ein paar alte LP wiederentdeckte, welche zu meiner Überraschung auch die vielen Umzüge überstanden hatten, entdeckte ich erneut das „Plattenauflegen“ und damit auch das Plattensammeln. Inzwischen dürfte ich wieder alle Pink Floyd LP beisammen haben, wobei ich mich noch jetzt über den Kauf von „The Endless River“ (2014) mehr als ärgere.

Pink Floyd wurde 1965 in Cambridge gegründet und bestand aus den Musikern David Gilmour, Nick Mason, Roger Waters und Richard Wright; Syd Barrett hatte die Band bereits 1968 verlassen. Pink Floyd löste sich 2015 endgültig auf.

Dieser Beitrag soll nicht enden, bevor ich nicht meine ganz persönliche Pink Floyd Bestenliste aufgestellt habe — dem aufmerksamen Leser wird sie keine Überraschung sein.

Pink Floyd hat von 1967 bis 2014 insgesamt 13 Studio- und drei Livealben herausgebracht. Dazu kommen noch einige sogenannte Kompilationsalben, von denen ich „Relics“ und „A Nice Pair“ für erwähnenswert halte.

  • Wish You Were Here (1975)
  • The Dark Side of the Moon (1973)
  • The Piper at the Gates of Dawn (1967)
  • Animals (1977)
  • Ummagumma (1969)
  • Relics (1971)
  • A Nice Pair (1973)
  • The Wall (1979)
  • A Saucerful of Secrets (1968)
  • Meddle (1971)
  • Atom Heart Mother (1970)
  • The Final Cut (1983)
  • P·U·L·S·E (1995)
  • Is There Anybody Out There? The Wall Live 1980–81 (2000)
  • A Momentary Lapse of Reason (1987)
  • Delicate Sound of Thunder (1988)
  • The Division Bell (1994)
  • The Endless River (2014)

„What it comes down to for me is: will the technologies of communication and culture — and especially popular music, which is a vast and beloved enterprise — help us to understand one another better, or will they deceive us and keep us apart?“

Roger Waters, Penthouse Magazine (September 1988)

Weihnachtsmarkt

Weihnachtsmarkt 5 (3)

Beitragsfoto: Weihnachtsmarkt | © Shutterstock

Kaum sind wieder ein paar Monate vergangen und schon steht für einige Mitbürger sehr überraschend die Weihnachtszeit vor der Tür. Auch leben wir bereits seit ein paar Monaten mit COVID-19 und wissen alle, dass wir noch weitere Monate, wenn nicht gar Jahre, damit klarkommen müssen.

Der Heilbronner Weihnachtsmarkt war bisher im Vergleich zu entsprechenden Märkten anderer Städte kaum etwas Besonderes und erfuhr entsprechend im letzten Jahr als Käthchen Weihnachtsmarkt eine kleine Aufwertung. Dennoch wurde er meist von den in der Stadt aus anderen Gründen anwesenden Bürgern genutzt und ist somit vermutlich auch bis auf Weiteres in Heilbronn keine eigenständige Attraktion, welche Bürger aus dem Umland oder gar Touristen nach Heilbronn zieht.

Deswegen wäre die derzeitige Situation eine gute Gelegenheit gewesen, um über die vergangenen Monate hinweg zwei alternative Möglichkeiten eines Heilbronner Weihnachtsmarktes zu prüfen und auch eine davon in die Tat umzusetzen. Beiden Möglichkeiten wäre gerade jetzt eines gemeinsam gewesen, nämlich, dass sie die Flexibilität und Innovationskraft Heilbronns hätte zur Schau stellen und damit auch die Marke „Käthchen Weihnachtsmarkt“ überregional bekannt machen können.

Auch wenn der Heilbronner Weihnachtsmarkt an sich wohl nicht genügend Kundenfrequenz bringt, um als eigenständige Veranstaltung Gewinn abzuwerfen, hätte er gerade in Zeiten, wo Weihnachtsmärkte allerorten mangels geeignetem Konzept abgesagt werden, auf der Heilbronner Theresienwiese COVID-19 gerecht als „Alleinstellungsmerkmal“ sicherlich mehr Gäste und Kunden gelockt als zuvor zu seinen besten Blütezeiten. Auch wenn er für alle Beteiligten kein monetärer Gewinn gewesen wäre, hätte er nicht nur den Schaustellern ein positives Signal gegeben und dabei gezeigt, dass Heilbronn auch in schwierigen Zeiten in der Lage ist, Alternativen anzubieten und Neues zu probieren.

Als auf jeden Fall gangbare Alternative hätte man ohne Weiteres einen „Rumpf-Weihnachtsmarkt“ auf dem Marktplatz aufbauen können, der einzelne weihnachtsmarkttypische Stände stellvertretend für alle anderen Schausteller in einem Weihnachtsmarktkleinformat präsentiert und COVID-19 konform ein positives Zeichen in der Weihnachtszeit setzt. Schon alleine sein Nur-Dasein hätte allen Heilbronnern ein weihnachtliches Gefühl und Hoffnung für die Zukunft gegeben.

Bleibt nunmehr zu hoffen, dass es der Stadtverwaltung gelingt, wenigstens einen Christbaum auf dem Marktplatz aufzubauen.

„Wie leide ich vor Sehnsucht! Wäre es doch Weihnachten!“

Hans Christian Andersen, Der Tannenbaum (1844)