Blitz

Stilblüten 5 (2)

Beitragsfoto: Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

Erinnern wir uns noch an die Zeiten, wo wir uns so köstlich über Griechen und Italiener amüsierten, weil diese allesamt so fürchterlich korrupt zumindest aber sehr familienorientiert gewesen sein sollen?

Inzwischen dürfte nicht nur deren Beamte, sondern inzwischen sogar der gesamte Balkan nach Deutschland pilgern, um sich darüber zu informieren, wie man Verwaltung und Ministerien so richtig professionell organisiert.

Nicht nur unsere Parlamente werden immer dicker, sondern sämtliche Ministerien und Verwaltungen platzen inzwischen aus allen Nähten. Und es ändert sich dabei nichts zum Positiven, selbst wenn die schönsten Stilblüten — lassen wir mal das Wirtschaftsministerium einmal außen vor — allgemein bekannt werden.

Dabei muss man nicht einmal mehr nach Frankfurt schauen, wo der OB seine Lebensgefährtin so gut versorgte, oder nach Stuttgart, wo man so lange neue Ministerialmitarbeiter anstellt bis auch der unqualifizierteste „Vetter“ rechtlich abgesichert an die Reihe kommt.

Da man die unmittelbare Verwandtschaft nicht mehr so ohne weiteres in der gleichen Abteilung beschäftigen kann, wird diese nun verstärkt in Stiftungen, halbstaatlichen Firmen oder beim ÖRR untergebracht.

Zudem trifft es sich ganz gut, dass man alleine aus Datenschutzgründen keine Organigramme unserer Verwaltungen mehr veröffentlichen kann, denn sonst könnten Ahnenforscher ganze Familienstammbäume herauslesen.

„La famiglia“ — wer ein politisches Amt ergattert, der hat den gesamten Clan zu versorgen. Wir sind in Deutschland schon längst ein ganzes Stückchen weiter — wir versorgen ganze Parteivölker und sind dabei zu unschlagbaren Weltmeistern bei sämtlichen Parlamenten und Verwaltungen geworden.

Apropos Stilblüten, in der Heilbronner Stadtverwaltung hat man jüngst so ganz nebenbei fünf neue Stellen für Klimabesprecher geschaffen. Die sitzen in vollklimatisierten Büros und wenn sie dort nicht gerade duschen oder Kaffee trinken, dann gehen sie wohl mit dem Dienstwagen auf Reisen, um sich das Klima von woanders anzuschauen.

Und wie ich gerade erfahren konnte, ist das alleine in den letzten zwei Wochen nicht alles, denn bald gibt es auch noch einen neuen Mitarbeiter, der sich an die Heilbronner Kultur zu erinnern hat, für sage und schreibe 240 000 Euro, die man allerdings aus den unterschiedlichsten Stiftungsvermögen nehmen möchte.

Was würden wir Heilbronner nur ohne unsere Verwaltung machen? Wir müssten schon längst unsere Gehwege vergolden!


Sterben

Schlussstrich 5 (2)

Beitragsfoto: Mann | © Tumisu auf Pixabay

Völlig überraschend, aber dennoch ganz folgerichtig habe ich diesen Abend mit etwas tiefgründigeren Gesprächen verbracht. In den letzten Wochen hatte ich doch so einige Abschiede im Freundes- und Bekanntenkreis zu beklagen. Das Sterben gehört einfach zum Leben mit dazu, wird aber von den (noch) Lebenden einfach und viel zu oft nur ausgeblendet.

Meist dient der das Sterben begleitende Tod nur dazu, um den Menschen etwas Unterhaltung in ihr doch so gewöhnliches Leben zu bringen; gerade jene Tode, die etwas ungewöhnlicher sind wie bei Amokläufen oder Schulschießereien, sorgen in den Medien für ein wenig mehr Aufregung. Das Sterben in Kriegen hingegen wird sehr schnell zur Gewohnheit und nur noch dann von allgemeinem Interesse, wenn es zumindest als kriegsentscheidend beworben werden kann.

Der ganz gewöhnliche Tod hingegen, der die allermeisten von uns — über kurz oder lang — heimsuchen wird, ist weniger Thema in unseren Unterhaltungen. Meist wird er pflichtgemäß in Schweigeminuten abgearbeitet und wenn er sich „klamm heimlich“ im Familien- oder Bekanntenkreis einschleicht, durch einen Gang zum Friedhof, zumindest aber mit einer Trauerkarte gewürdigt.

Deshalb war der heutige Abend für mich ein großer Gewinn, nämlich als wir, zwei Freunde schauten vorbei, urplötzlich auf das Thema Sterben kamen. Zuerst einfach nur ein Austausch über die jüngsten Neuigkeiten im gemeinsamen Bekanntenkreis, entwickelte sich die Unterhaltung ganz plötzlich zu einem sehr intensiven Gespräch über das Sterben selbst und eine etwaige Sterbebegleitung. Wohl glücklich jener, der nicht ganz alleine sterben muss — so ganz genau wissen tun wir es aber nicht!

Schön die Gewissheit, dass sich das eigene Sterben dank der heutigen Technologie und dem bei uns aktuellen Gesundheitswesen mehr oder weniger als ein Hingleiten in eine andere Welt präsentiert. Die Zeiten von minutenlangen krampfartigen Kämpfen um die letzten Sekunden des eigenen Lebens scheinen überwunden zu sein. Ganz zu schweigen von den traumatischen Erinnerungen derjenigen, die das Ganze miterleben, ja überleben müssen.

Dennoch sehr spannend die Frage, wie man meint, mit dem eigenen Tod umgehen zu müssen. Nicht jedem ist es vergönnt, dass er ganz plötzlich und völlig überraschend im Schlaf von einem Hirnaneurysma dahingerafft wird.

Wann wird einem der eigene Tod zur Gewissheit? Wann nimmt man den eigenen Tod an und wie verbringt man dann die letzten Monate oder Stunden? Macht man einfach weiter wie bisher und hofft darauf, dass der Tod doch an einem vorbeizieht? Guckt man noch danach, ob man wirklich alles getan hat, um seine persönlichen Angelegenheiten in Ordnung gebracht zu haben? Hadert man bis zuletzt mit dem eigenen Schicksal? Oder lässt man einfach nur los?

Die jüngsten Beispiele aus dem Freundes- und Bekanntenkreis ließen uns letztendlich ratlos zurück. Trotz bestem Bemühen haben wir heute Abend keine hinreichenden Antworten gefunden.

Und so hoffe ich, dass dieses Gespräch nicht das letzte seiner Art gewesen ist, schon ganz alleine aus eigenem Interesse heraus, denn die Einschläge kommen immer näher.

„Dulce et decorum est pro patria mori: 
mors et fugacem persequitur virum
nec parcit inbellis iuventae
poplitibus timidoque tergo.“

Horaz, Carmina 3,2,13

Brennendes Buch

Namensverbote 4.6 (5)

Beitragsfoto: Frau mit Buch | © Kris Møklebust auf Pexels

Unsere menschliche Kommunikation funktioniert eigentlich ganz gut über eine gemeinsame Sprache. Leider aber wird dabei schon immer von herrschenden Mitbürgern versucht, über Sprachmanipulation Einfluss auf alle anderen Bürger zu erhalten.

Am bekanntesten sind wohl noch heute die Namensverbote der alten Ägypter, die unliebsame Herrscher einfach aus den Schriften löschten und damit wohl über Jahrhunderte hinweg dem Vergessen übergaben. Und noch vor ein paar Jahrzehnten wurde darüber diskutiert, ob es nicht für die Gesellschaft sinnvoll wäre, wenn man die Namen von Verbrechern einfach so aus den Medien entfernt — zumindest wollte man es damit vermeintlichen Nachahmern erschweren.

Eine ähnliche Vorgehensweise sind die Retuschen von Bildern, die ebenfalls meist in Diktaturen vorkommen und damit unliebsame Mitbürger auch in Pressefotos verschwinden lassen.

All diese Versuche Namen zu verbieten — selbst jener aus den Harry Potter Geschichten — waren letztendlich völlig zwecklos und funktionierten vielleicht nur bei den alten Ägyptern ein paar Jahrhunderte lang — was meines Erachtens ein sehr trübes Bild auf diese „Hochkultur“ wirft.

Und was bereits mit Namen nicht funktioniert wird schon gar nicht mit Begriffen funktionieren! Zudem ist es noch nie gut gewesen, Probleme durch einfaches Verdrängen lösen zu wollen.

Deswegen haben bereits vor Jahrzehnten totalitäre Systeme wie auch offene Gesellschaften damit begonnen unsere Sprache nicht durch bloße Verbote, sondern durch plumpe Manipulation zu verändern. Hierbei sind die Euphemismen aus unseren westlichen Gesellschaften noch die bekanntesten, wie z. B. wenn aus der Putzfrau eine Reinigungskraft oder aus einem ungelernten Hilfsarbeiter ein Assistant Manager wird.

Aber auch diese sehr plumpen Sprachmanipulationsversuche fruchten nur für sehr kurze Zeit. Deswegen hatte bereits George Orwell das Neusprech erfunden und im Roman 1984 zur ganzen Blüte gebracht. Wie wir es bis heute erleben können, funktioniert aber ein Neusprech auch nur in totalitären Systemen und keiner kann heute vorhersagen, ob das Neusprech wenigstens eine ganz Weile andauern können wird.

Deswegen wäre es sicherlich für alle Beteiligten besser, wenn man Probleme und Konflikte offen und geregelt austrägt als sich auf solche Spielchen mit sehr zweifelhafter Herkunft und noch zweifelhafteren Intentionen einlässt!

Und da sich jede Sprache wie von selbst ändert — jeder von uns kennt unzählige Beispiele — bedarf es keinerlei Sprach-, Sprech-, Namens- oder gar Begriffsverbote! Jeder Staat, der sich auf solche Verbotsversuche einlässt, muss sich vorwerfen lassen, dass er zumindest völlig unseriös handelt, wenn nicht gar einer totalitären Agenda folgt.

Wenn die Menschen das Wort „Fräulein“ nicht mehr wollen, dann verschwindet dieses Wort wie von selbst aus der Sprache und Leser bzw. Hörer von älteren Büchern oder anderen Medien müssen sich über kurz oder lang kundig machen, was der Sprecher oder Schreiber damit ausdrücken wollte.

Der absolute Wahnsinn ist es, solche toten Worte wie „Fräulein“ im Nachgang dann aus allen Büchern und sonstigen Dokumenten löschen zu wollen! — was wir übrigens mit großer Inbrunst derzeit in vielen Teilen Europas tatsächlich machen.

Völlig unbenommen bleibt es jedem Menschen, bestimmte Worte nicht in den Mund zu nehmen. Es gibt in sämtlichen Sprachen unzählige solcher Worte, die man für gewöhnlich nicht aktiv nutzt. Und die allermeisten davon mussten auch nicht extra verboten werden.

Bis heute regeln sämtliche Sprachgemeinschaften ihre jeweilige Sprache völlig eigenständig, und viele meiner Zeitgenossen belächeln wie ich selbst auch bis heute solch spinnerte Versuche, wie z. B. die unserer französischen Nachbarn, ihre Sprache von Anglizismen freizuhalten.

Und deswegen kann ich die aktuelle Diskussion von selbsternannten deutschen Sprachdiktatoren und deren willfährigen Handlangern nicht für gut heißen, die jetzt durch sämtliche Medien tingeln und ein „N-Wort“ propagieren und zeitgleich das uralte und vielleicht auch aus der heutigen Zeit gefallene Wort „Neger“ (Latein: Schwarzer) verbieten wollen.

Ich vermute, dass diese Deppen — ebenfalls ein schönes altes Wort — damit das Wort Neger erst wieder so richtig hoffähig machen, als Beispiel kann das „F-Wort“ dienen, wo heute fast selbst jede Dame ohne zögern von „Fuck You!“ spricht.

Das wirklich Schlimme aber ist daran, dass es in unserer Gesellschaft wieder schick und hoffähig ist, selbst die irrsinnigsten Verbote durchsetzen zu wollen. Im Endeffekt werden diese Deppen dann auch die Todesstrafe für gut heißen, denn wer ihren wirren Ideologien nicht folgen will, der hat auch keine Existenzberechtigung.

Man merke sich bitte: „Wer Bücher verbrennt, der verbrennt auch Menschen!

Und Bücher bestehen bekanntlich aus Worten.

„Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ 

Heinrich Heine, Almansor (1823)