Bibliothek Hochschule Heilbronn

24.2.02023 5 (2)

Beitragsfoto: Bibliothek Hochschule Heilbronn

Jahrestag

Und so bin ich heute auf den Marktplatz gepilgert, um mir dort die angekündigte Veranstaltung zur Unterstützung der Ukraine anzusehen. Zuerst vielen mir die europäischen Flaggen sehr positiv auf, dann aber wurde ich auf die Gegendemonstration stadtbekannter Stalinisten aufmerksam, die ohne jegliche Hemmung und Scham bei den Heilbronnern für die Unterstützung Wladimir Putins winselten. Diese verlogene „Friedensdemo“ war und ist eine Beleidigung für sämtliche Opfer von Terror und Gewalt.

Damit ich wieder auf bessere Gedanken komme, habe ich den Abend dann mit einem Übungstanzabend beendet.

Käffchen

Heute hatte ich das Vergnügen, dass Detlef Stern zu einem Käffchen vorbeikam. Eigentlich wäre der Zettelkasten ein gutes Thema gewesen, so aber ging es einen ganze Weile um Hochschul- und Bildungspolitik. Und irgendwie haben wir uns dann beim Thema „High Fidelity“ festgefahren, wobei auch die eine oder andere Platte auf dem Plattenteller landete. Für mich das traurige Fazit dabei, dass meine Lautsprecherboxen aus den 1980er-Jahren eindeutig die Kinderzeit meiner beiden Söhne nicht überstanden haben und schlimmer noch, ich das wohl schon sehr lange selbst gar nicht mehr hören kann — was mir meine besser Hälfte übrigens bisher verschwiegen hat. Und so lege ich wohl weiterhin sehr gute Platten auf und schwelge dabei in Erinnerungen.

Zudem weiß ich jetzt auch, wie und warum mein kleiner Musikserver immer wieder Musik in meine Musikanlage einspielt. Auf alle Fälle werde ich mich bei Gelegenheit einmal darum kümmern müssen, was ich an Technik tatsächlich noch beibehalten werde — vielleicht langt es ja, wenn ich die Platten einfach nur auf den Plattenteller lege und gucke wie sich diese dort drehen, denn dann kann ich die Verstärker und Lautsprecher entsorgen.

Zum Schluss kamen wir dann noch über das Thema Weblog und Social Media auf den Zettelstore und künftige Zettelkastenrunden zu sprechen. Dabei gab mir Detlef Stern noch eine Idee für dieses Weblog mit auf den Weg und somit auch etwas zum Nachdenken, wie ich diese am besten umsetzen kann.

Realismus

Manche Dinge funktionieren in Heilbronn einfach nicht, so wie z. B. eine eigene Universität, eine Großveranstaltungshalle oder ein Stadion, sei es für Fußball oder gar Eishockey. Ganz zu schweigen von einem zeitgemäßen Bahnanschluss oder einem modernen Hafen. Und so mache ich mir auch keine weiteren Gedanken mehr um eine Markthalle, denn wenn diese in Heilbronn einst realisiert werden wird, dann eher als weitere Trinkerstube. Nichts gegen Trinkerstuben und ähnliche Institutionen, aber es gibt durchaus auch andere Dinge, um eine Stadt oder eine Markthalle attraktiv zu machen. Ich habe in den letzten Jahren diesbezüglich hier im Weblog nach Stuttgart, Frankfurt und Budapest geschaut. Und auch sehr gute Erinnerungen an die Markthallen in Paris und Brüssel.

So verwundert es auch nicht weiter, wenn die Ludwigsburger Gesellschaft für Marktforschung nun zum Schluss kommt, dass „zum aktuellen Zeitpunkt ein Markthallenkonzept nicht marktfähig“ sei. Und so kann sich selbst der OB ganz beruhigt offen für eine Markthalle zeigen (Heilbronner Stadtzeitung, 22.2.2023: 5).

Leider muss ich es mir tatsächlich auch selbst eingestehen, dass es, wie oben bereits erwähnt, Dinge gibt, für die Heilbronn einfach zu klein ist. Zumindest aber stehen die entscheidenden Heilbronner — Dieter Schwarz einmal ausgenommen — allem kritisch gegenüber, was Heilbronn tatsächlich zu einer Großstadt machen würde; von Schildern und Presseerklärungen einmal abgesehen.

Und so wäre es dringend nötig, wenn wir Heilbronn tatsächlich zu einer Großstadt machen wollen, dass wir endlich damit anfangen und unsere Stadtverwaltung professionalisieren, zumindest aber qualitativ auf das Niveau einer Großstadt heben — quantitativ haben wir dies schon längst gemacht! Und an erster Stelle benötigen wir endlich vier Bürgermeister, die zum einen etwas von Verwaltung und Führung einer Großstadt verstehen und zum anderen tatsächlich auch an ihrer Tätigkeit interessiert sind.

Deswegen wundert es mich auch sehr, dass ein ausgewiesener Profi wie Dieter Schwarz zwar Hunderte Millionen Euro in unsere Stadt versenkt aber zugleich zulässt, dass die, für einen Stadtentwicklung notwendigen Stellschrauben — unsere Bürgermeister — sich nur um sich selbst drehen. Dies könnte man sogar als Sieg der Demokratie feiern, wenn man nicht wüsste, dass er zumindest den OB selber eingekauft hat.

Two-Factor Authentication

Hier finden Sie einen entsprechenden Beitrag von Brian X. Chen aus der New York Times (23.2.2023), den ich für meine Webog-Leser freigeschaltet habe.

Ich habe nun meinen Twitter Account mit dem Microsoft Authenticator abgesichert und denke nunmehr darüber nach, mir auch privat einmal einen Security Key zuzulegen, denn das wäre so ein Gadget, was ich schon immer einmal für mich selbst haben wollte. Wenn ich diesen dann habe, findet sich wohl auch bald ein diesbezüglicher Eintrag in meinem Forum wieder.


Bäume

Über Besitz 5 (4)

Beitragsfoto: Bäume | © Joe auf Pixabay 

Stellen wir uns einmal vor, wir liefen durch einen mächtigen Eichenwald mit jahrhundertealten Eichen und weiteren mächtigen Bäumen und der Besitzer dieses Waldes erzählt uns ganz stolz von seinem Besitz. Nun könnte man sich einmal die Frage stellen, wie ein Mensch solche wunderbaren Geschöpfe überhaupt besitzen möchte, die schon da waren, als es ihn noch nicht gab und noch da sein werden, wenn sich außer den Bäumen vielleicht schon gar keiner mehr an ihn erinnert.

Dass so etwas überhaupt geschehen kann, liegt einzig und alleine an unserer eigenen Welt, die nur deshalb existiert, weil sich die darin enthaltenen Lebewesen gegenseitig verbrauchen. Ob dies nun eine gute Welt ist oder nicht, wird von ein paar wenigen Philosophen immer wieder einmal diskutiert. Letztendlich aber ist das Gute daran, dass es selbst unser eigenes Universum nicht juckt, ob es unser Sonnensystem überhaupt gibt oder nicht. Und so könnte man das Fazit ziehen, dass selbst die Menschheit in ihrer Gänze nur ein völlig unbedeutender Vogelschiss im Raum-Zeit-Kontinuum ist, außer für uns selbst natürlich!

Bei einem Spaziergang mit einem Kameraden über einen Fischmarkt in Neapel machte ich ihn auf die vielen kleinen Tintenfische aufmerksam, die sich allesamt bemühten, ihrem Schicksal noch zu entrinnen. Er stimmte mit mir darin überein, dass die meisten Tintenfische über mehr Intelligenz verfügten als so mancher Mitbürger. Auf meine Folgefrage, wie man dann solche Geschöpfe überhaupt essen könne, erwiderte er völlig zurecht, „ganz einfach, weil ich der Stärkere bin“.

Und so darf man es bereits als einen großen Erfolg der Menschheit ansehen, dass diese zu der Überzeugung gelangt ist, dass man wenigstens seine Mitmenschen nicht besitzen kann, geschweige denn essen. Bei den anderen Mitbewohnern unseres Planeten sind wir noch längst nicht so weit, denn diese besitzen wir weiterhin kraft Gesetz. Allerdings können wir uns diesen Besitz nur dann auch zu eigen machen, wenn wir diese Lebewesen verbrauchen, und so besitzt der stolze Waldbesitzer auch keine Bäume, sondern nur Festmeter an Holz.

Eine weitere Errungenschaft der Menschheit ist es, dass diese zumindest in den kultivierteren Teilen unserer Welt zu der Überzeugung gelangte, dass Eigentum verpflichtet. Denn damit werden dem Besitzer anderer Lebewesen mit seinem Besitz auch Pflichten auferlegt, nämlich indem er nur dann der rechtmäßige Besitzer ist, wenn er sich auch um seinen Besitz kümmert.

Und dies gilt selbstverständlich und ganz folgerichtig auch für toten Besitz, seien es Geld, Werkzeuge, Handelswaren oder anderes Eigentum. Und wenn man diese Tatsache nun etwas näher betrachtet, so wird der Besitz nicht nur durch die eigene Lebenszeit limitiert, sondern auch durch die Fähigkeit, sich um sein Eigentum kümmern zu können.

Und so ist es eigentlich ganz gut, wenn man Geld und anderer Verbrauchsgüter immer nur zum eigenen Verbrauch verwendet und damit immer wieder in den Kreislauf zurückgibt. Etwas anders ist es mit Werkzeugen und jenen Dingen, die man benutzt und auch kontinuierlich benötigt, und die sich, weil man sich darum kümmert, auch nicht so schnell abnutzen oder „verbrauchen“ lassen. Selbst hierbei macht dieser Besitz nur dann wirklich Sinn, wenn man diese Dinge tatsächlich auch benötigt. Und so könnte man sich wirklich einmal die Frage stellen, ob man z. B. als nicht im Handwerk Beschäftigter die Werkbank im Keller tatsächlich besitzen muss.

Viele Mitbürger sehen diese Art von Besitz, was gerne als Eigentum definiert wird, wohl als Teil der Vermögensbildung und häufen damit Dinge an, die sie eigentlich selbst nicht benötigen, aber dem Gebrauch durch andere Menschen entziehen. Es sei denn, diese Dinge werden als „Kapital“ anderen Menschen gegen Miete, Gebühren oder andere Vergünstigungen wieder zur Verfügung gestellt. So oder so, auf jeden Fall wird damit letztendlich mehr Besitz geschaffen als eigentlich notwendig, was wiederum den Gesamtverbrauch erhöht.

Und dies ist in allen unseren Gesellschafts- und Wirtschaftssystemen der Fall, selbst in jenen, die dem Kapital, dem Besitz oder dem Eigentum ganz offiziell abschwören. Deren Versuche führen interessanterweise allesamt nur zu einer Verknappung sämtlicher — selbst der immateriellen — Güter, was vermuten lässt, dass wir das mit dem Besitz noch nicht so richtig und in Gänze verstanden haben oder aber auch nur, dass wir als menschliche Gesellschaften nicht in der Lage sind, um uns zum Wohle aller zu organisieren — hierbei scheinen uns die Bäume viel vorauszuhaben.

„Es gehört zur Moral, nicht bei sich selber zu Hause zu sein. Darin zeigt sich etwas an von dem schwierigen Verhältnis, in dem der Einzelne zu seinem Eigentum sich befindet, solange er überhaupt noch etwas besitzt.“

THEODOR W. ADORNO, MINIMA MORALIA (14. AUFLAGE 2022 [1951]: 43)

Archiv

Archive 5 (1)

Beitragsfoto: Archiv | © Pexels auf Pixabay 

Für meinen Beruf ganz untypisch, wurde ich erst sehr spät mit Stabsarbeit betraut. Zum einen kam das meinem Naturell eigentlich ganz gut entgegen, zum anderen aber war es eher kontraproduktiv. Gerade jemand in Führungsfunktionen sollte vorab zumindest ein wenig von Stabsarbeit wissen. In der Nachbetrachtung weiß ich, dass man auch ohne eine solche führen kann, dies aber für sämtliche Beteiligten nicht unbedingt von Vorteil ist.

Und kaum hatte ich später meine ersten Erfahrungen mit Stabsarbeit gemacht, wurde ich auch auf das Vorhandensein von Archiven aufmerksam. Gute Stabsarbeit, Verwaltung und auch Projektmanagement ohne Archivierung gibt es nicht. Und gleich vorweg, ein Back-up oder ein extragroßes E-Mail-Konto sind kein Archiv!

Und kaum wurde ich auf die Notwendigkeit von Archiven und deren Vorteil aufmerksam, musste ich mir sogleich die Frage stellen, wie man Verschlusssachen archiviert, deren Urheber kein Mensch mehr kennt?

Inzwischen weiß ich auch, dass es für wirklich alles — zumindest bei uns in Deutschland und vermutlich im gesamten westlichen Kulturkreis — Archive gibt. Und ich sollte sogleich einmal nachschauen, denn Joseph Henrich müsste ganz folgerichtig in seinem Buch „The WEIRDest People in the World: How the West Became Psychologically Peculiar and Particularly Prosperous“ Archive ebenfalls erwähnt haben. Auf jeden Fall aber kann man behaupten, dass alles, was man nicht archivieren kann oder besser noch, für das es keine Archive bei uns gibt, nicht lohnt, überhaupt zu Papier gebracht zu werden.

Manchmal muss man die Archive auch erst darüber informieren, dass die eigenen Unterlagen archivierungsbedürftig sind; hilfreich dabei, wenn man auf die entsprechenden Gesetze, Erlasse oder Vorschriften verweisen kann. Und danach wird es erst richtig spannend, denn Archivarbeit ist eine Wissenschaft für sich und wird idealer Weise von Menschen getätigt, die dafür auch ausgebildet wurden.

Immer wieder spannend mitzuerleben, was man selbst für archivierungsbedürftig ansieht und was dann davon tatsächlich archiviert wird. Noch spannender, was man selbst überhaupt nicht als archivierungswürdig befindet, jedem Archivar aber buchstäblich das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Deshalb kam ich zu der Überzeugung, dass man sich bereits im Vorfeld darauf einigt, sämtliche Unterlagen ans Archiv abzugeben und die Archivare vor Ort entscheiden, was letztendlich davon ins Archiv wandert.

Aktuell habe ich als Vereinsvorsitzender mit zwei ganz unterschiedlichen Archiven zu tun, zum einem dem Stadtarchiv Heilbronn, welches das Archiv der Freien Wähler – Freie Wählervereinigung Heilbronn e. V. als Bestand D 158 verwaltet, und zum anderen mit den Historischen Archiven der Europäischen Union in Florenz, die das Archiv der EUROPA-UNION Heilbronn unter dem Reference Code EUHN verwalten.

Damit ist sichergestellt, dass sich auch zukünftige Generationen ein eigenes Bild über die ehrenamtliche Arbeit beider Vereine machen können.

„Der Satz, von Jean Paul wohl, die Erinnerungen seien der einzige Besitz, den niemand uns wegnehmen könne, gehört in den Vorrat des ohnmächtig sentimentalen Trostes, der die entsagende Zurücknahme des Subjekts in die Innerlichkeit jenem als eben die Erfüllung einreden möchte, von der es abläßt. Mit der Einrichtung des Archivs seiner selbst beschlagnahmt das Subjekt den eigenen Erfahrungsbestand als Eigentum und macht ihn damit wieder zu einem dem Subjekt ganz Äußerlichen. Das vergangene Innenleben wird zum Mobiliar, wie umgekehrt jedes Biedermeierstück geschaffen ward als holzgewordene Erinnerung.“

THEODOR W. ADORNO, MINIMA MORALIA (14. AUFLAGE 2022 [1951]: 189)