Experimenta

1.4.02022 5 (2)

Beitragsfoto: Experimenta | © Shutterstock

Überraschung

Ich möchte nicht immer nur meckern — obwohl mich die Umstände dazu zwingen — und nehme eine positive Überraschung nicht nur zur Kenntnis, sondern teile sie gleich auch hier mit meinen Lesern. Der deutsche Bundesminister für Wirtschaft und Energie heißt Robert Habeck und fällt tatsächlich damit auf, dass er sich bemüht, sein Amt auch möglichst sinnvoll auszufüllen. Was mir persönlich dabei ganz gut gefällt, ist, dass er bei Interviews nicht zur Märchenstunde einlädt, sondern versucht, seinen Zuhören die tatsächlichen Beweggründe seines Handelns nahezubringen.

Und im Gegensatz zu manchen anderen Ministern benötigt er dabei keine Hofberichterstatter, die ihn möglichst schön schreiben. Dazu passt dann auch ganz gut, dass er nicht nur seinen Zivildienst abgeleistet hat, sondern auch ein qualifiziertes Studium mit Promotion abschloss. Und dass er auch im Leben steht, zeigen eine Ehefrau und gleich vier (!) Söhne, die alle mit höheren Bildungsabschlüssen aufwarten können.

Wenn es ihm nun noch gelingt, in der verbleibenden Legislaturperiode aus dem Wirtschaftsministerium auch ein solches zu machen, dann bedauere ich es sehr, dass es ihm nicht gelang, sich in seiner Partei durchzusetzen — aber echte Leistungsträger haben es bei uns immer sehr schwer.

Impfpflicht

Heute schreibt Valerie Blass in der Heilbronner Stimme (1.4.02022: 1) die „Impfpflicht ist tot“. Eine Feststellung, die der Erkenntnis folgt, dass es in unserem Land unmöglich ist, Pflichten durchzusetzen. Denn dazu fehlt es zum einen an den dafür qualifizierten Politikern und Verwaltungen und zum anderen an einer Bevölkerung, die bereit wäre, ihre Pflichten zu erfüllen.

Die Politik hat sich ihre Bürger genau so erzogen und sollte nun nicht darüber erstaunt sein, dass Bürger, die man davon überzeugt hat, dass diese im Schlaraffenland auf Gottes Erdboden leben, nichts von unangenehmen Dingen hören wollen; das einzige, zu dem die Bürger noch bereit sind, ist das Steuerzahlen aber auch darum versuchen sich sehr viele zu drücken.

Zum Schluss nutze ich doch noch die Gelegenheit und verweise auf meinen ersten Beitrag zum Thema Impfpflicht.

Zeitungen

Noch bevor in der heutigen Heilbronner Stimme (01.04.2022: 29) über „Zeitung in der Grundschule“ zu lesen war, konnte ich als Lesepate bereits die unzähligen Zeitungen bestaunen, die völlig nutzlos in den Grundschulen herumliegen; wobei ich das nette Angebot nicht wahrgenommen habe, ein paar Zeitungen mitzunehmen, bevor sie wieder im Müll landen.

Dass das Ganze von der AIM Heilbronn „wissenschaftlich“ begleitet wird, hat mich dann auch nicht mehr überrascht, denn bis heute kann ich mir als sehr erfahrener Andragoge und auch als guter Pädagoge mit Universitätsabschluss keinen Reim daraus machen, was die AIM eigentlich so macht.

Schon vor Jahrzehnten konnte ich ebenfalls als Grundschüler die Heilbronner Stimme kennenlernen. Meine Eltern zahlen bis heute immer noch dafür. Ich kann mich deshalb noch so gut daran erinnern, da sich damals Journalisten der Stimme mit eigener Rechtschreibschwäche über einen Heilbronner Gastronomen — übrigens einem sehr feinen, zwar staaten-, aber nie arbeitslosen Herren — lustig machten, weil er sich bei einem Schild an seinem Lokal einen Rechtschreibfehler erlaubte.

Sollte den Journalisten der Heilbronner Stimme tatsächlich etwas an den Kindern unserer Grundschulen liegen, dann könnten sie es dort einmal als Lesepaten versuchen. Und die AIM könnte unsere Journalisten dabei tatkräftig unterstützen — eine Win-Win Situation sozusagen!

Das muss jetzt noch sein: ich hoffe sehr, dass unser staatliches Schulsystem nicht auch noch für die Zeitungen zahlen muss.

Video des Tages

Das wirklich Traurige dabei, der Bundeswehr geht es auch nicht besser.

Geburtstage des Tages

Edgar Wallace und Sergei Rachmaninow


Stadtbibliothek Heilbronn

Arbeitsplatz 5 (2)

Beitragsfoto: Stadtbibliothek Heilbronn

Das Schöne an meiner heutigen Lebenssituation ist, dass ich völlig selbstbestimmt entscheiden kann, ob, wann und wie ich arbeiten möchte. Und das Beste daran ist, sobald ich feststelle, dass diese Arbeit weder zielführend noch mit dem geringsten Spaßfaktor versehen ist, ich auch der Einzige bin, den ich dafür verantwortlich machen kann. Dann reißt mir sofort der Geduldsfaden und ich entlasse mich selbst und dies fristlos! — das hätte ich mir bereits vor Jahrzehnten gönnen können müssen.

Dies hat aber eine sehr schöne Nebenwirkung, denn diejenigen, die um diese Tatsache wissen, sind darum bemüht, nicht nur ständig den „Spaßfaktor“ mit im Auge zu behalten, sondern unternehmen wirklich alles, um die vorher gemeinsam gesteckten Ziele nicht aus dem Auge zu verlieren.

Das einzige Problem dabei ist, dass man hinterher den Lohn für die geleistete Arbeit vielleicht sogar mit einem etwas schlechten Gewissen einsteckt, wurde uns doch jahrzehntelang eingehämmert, dass Arbeit keinen Spaß machen darf — zumindest keine richtige. Deshalb bin ich auch froh darüber, dass ich beruflich meist gedient und nicht gearbeitet habe — so konnte ich es mir immer erlauben, auch in den unwirklichsten Situationen den Spaßfaktor nicht aus den Augen zu verlieren. Und wenn dann so etwas einmal überhaupt nicht möglich war, dann beruhigte es ungemein zu wissen, dass es tatsächlich Menschen gibt, die ihr gesamtes Leben lang Arbeit als Zwang und als etwas Unangenehmes ansehen.

Als sehr angenehm kann ich zudem verbuchen, dass ich mein gesamtes Berufsleben über an Arbeitsplätzen verbringen konnte, die jeder für sich zumindest etwas Abenteuerliches hatten. Und als ich dann altersbedingt auch die Büroetagen kennenlernen durfte, waren diese bereits mit der Virtualität und einer sehr flexiblen Mobilität verbunden und damit ebenfalls wieder ein Abenteuer für sich. So konnte ich mich nie beklagen und bereits in den 1990er-Jahren sämtliche Arbeitsplatzerfahrungen machen, die die Menschen heute vor solch nett mit anzuschauenden Herausforderungen stellen. Und für viele von uns waren dabei Powerpoint-Präsentationen und Videochats schon in den Nullerjahren eine völlig veraltete Angelegenheit, was mir bei den heutigen Darbietungen die Tränen vor Rührung in die Augen treibt. Einzig wenn mir ein frischer Universitätsabsolvent rät, meine eigenen Präsentationen doch noch mit Powerpoint aufzubessern, bleibt mir die Spuke weg. Aber von einem befreundeten Professor weiß ich, dass so etwas tatsächlich noch zumindest an Hochschulen gelehrt wird — sicherlich von jenen, die erst vor Kurzem noch ihre Overheadprojektor-Folien abfotografiert haben und jetzt mit einer Dia-Show den staunenden Studenten präsentieren.

Aber inzwischen werden auch bei uns doch so langsam Arbeitsumfelder wie Coworking Spaces und Home Office Mainstream, was in den Nullerjahren einfach zu einem angenehmen Arbeitsumfeld mit dazu gehörte, leider aber noch nicht mit solch tollen Bezeichnungen aufwarten konnte. Vielleicht setzen sich zeitgemäße Dinge erst dann bei uns durch, wenn diese auch über einen sexy Namen verfügen.

Gerne denke ich dabei an die 1990er-Jahre zurück, als ich meine Arbeitsergebnisse während der Fahrt auf einem Nokia Communicator zusammenfasste, je nach Ausstattung meiner Gegenstelle per E-Mail oder Fax an meinen mein Chef verschickte. Und wenn dieser es hübsch haben wollte, er damit eine Sekretärin beauftragte, wobei ich nach Rückkehr ins Büro noch meine Unterschrift daruntersetzen musste. Und schon damals zeigten Powerpoint-Präsentationen das Nötigste und wenn Bildchen, dann ein paar nackte Menschen, die für ein, zwei Sekunden zu sehen waren, nur um die Aufmerksamkeit der Zuhörerschaft zu erhalten.

Aber genug von der guten alten Zeit. Inzwischen habe auch ich ein eigenes Homeoffice — ganz für mich alleine — und weil ich während COVID-19 doch so einige Arbeitsplätze per Videokonferenz bestaunen durfte und ganz besonders beeindruckt von der Ausstattung von Detlefs Sterns Arbeitsplatz bin, mir selbst auch etwas Luxus gönnen wollte, mit einer für mich passenden Ausstattung versah.

Neben einem richtigen und bequemen Bürostuhl habe ich ein noch viel bequemeres Bett stehen, gleich neben einem Schreibtisch mit viel Platz. Der Schreibtisch hat einen großen Computerbildschirm, der gut zur Recherche wie auch zum Fernsehen geeignet ist. Für die Arbeit wie auch für die obligatorischen Videokonferenzen habe ich noch je einen eigenen Rechner stehen und falls das mit den virtuellen Betriebssystemen nicht klappt, noch einen weiteren Rechner mit einem Windows-Betriebssystem. Und das wirklich einzig Neue — was übrigens sehr gut funktioniert — sind die virtuellen Büros im Metaversum, welche auch immer attraktiver werden.

Das Einzige, was meinem Homeoffice jetzt nur noch fehlt, sind eine ganz bestimmte Espresso-Maschine und ein Mini-Kühlschrank, wobei ich mich hier nicht festgelegt habe.

Dafür kann ich weiterhin auf die altbewährten Konzepte der mobilen Arbeit zurückgreifen, welche interessanterweise noch heute auf überteuerte und wenig effiziente Co-Working Spaces sehr gut verzichten können. Für das erste Get-together bieten sich Flughäfen immer noch bestens an, um dann später in öffentlichen Bibliotheken sehr gut ausgestattete Arbeitsplätze zu nutzen. Und für die weiteren Gespräche sind immer noch nette Hotellobbys die beste Wahl.

Und das Einzige, was sich wirklich über all die Jahrzehnte geändert hat, ist, dass man anstatt der üblichen Coins heute Bibliotheksausweise vorzeigen kann.

Letztendlich werden sich aber weiterhin die Statussymbole weit überdimensionierter Konzernzentralen durchsetzen, da es immer noch und ausschließlich darauf ankommt, wie viel Geld man in den Sand setzt. Und an der Höhe dieser Beträge wird man gerne gemessen. Das kann man ganz gut am Googleplex, dem Apple-Park, den Amazon-Zentralen oder den vielen anderen neuen Firmenzentralen beobachten, die möglichst viele Angestellte an einem Ort zusammenführen — auch bei uns in Heilbronn und Umgebung.

„Work that is pure toil, done solely for the sake of the money it earns, is also sheer drudgery because it is stultifying rather than self improving.“

Mortimer Adler, A Vision of the Future : Twelve Ideas for a Better Life and a Better Society (1984)

Drei MacBook Pro

MacBook Pro 5 (2)

Beitragsfoto: Drei MacBook Pro

Der Kauf meines ersten Laptops ist schon eine ganz Weile her. Ich hatte mich dazu entschlossen, nachdem die Bundeswehr meinte, uns mit gepanzerten Notebooks ausstatten zu müssen. Und so legte ich mir meinen ersten Laptop zu und war von dessen Schnelligkeit nicht nur völlig überrascht, sondern vor allem von dessen Festplatte mit ganzen 600 MB Kapazität absolut begeistert. In Zeiten, wo man gerne noch mit 1,4 MB Disketten hantierte, ein unglaublich gutes Preis- Leistungsverhältnis.

Leider musste ich dann feststellen, dass meine gekauften Laptops weder Manöver gut überstanden, von den Einsätzen ganz zu schweigen. Und so war es üblich, dass ich mir spätestens nach einem Einsatz auch einen neuen Laptop zulegte und der Vorgänger dabei einfach entsorgt wurde.

Als es dann wieder einmal ins Ausland ging und meine Kameraden mich wissen ließen, dass es dieses Mal auch sehr staubig werden würde, wusste ich, dass es mit den bisherigen Laptops keinen Zweck hatte, vor allem, weil ich während des Einsatzes für keinen Ersatz sorgen konnte. Und so gönnte ich mir im Vorfeld des Einsatzes mein erstes MacBook Pro. Und schon am ersten regulären Arbeitstag im Einsatz hatte sich meine Investition voll und ganz gelohnt, denn meine Kameraden mussten sich mit französischen Rechnern begnügen, die mit einer spanischen Software-Version ausgestattet waren, um damit auf Englisch, Französisch oder Deutsch zu arbeiten.

Als deutscher Infanterist war ich es gewohnt, für eigene Arbeitsmittel und auch weitere Ausrüstung privat zu sorgen. Und so hatten meine internationalen Kameraden, die es gewohnt waren, alles Notwendige von ihren Dienstherren gestellt zu bekommen, bei dieser europäischen Beschaffungsorgie einmal das Nachsehen. Und jene Spötter die meinten, man könne ein Mac-System nicht in ein Militärnetzwerk integrieren, die kannten noch keine spanischen Administratoren — innerhalb einer Nacht war diese Herausforderung gemeistert.

Im Gegensatz zu meinen vorherigen Laptops machte sich mein erstes MacBook Pro ganz gut und selbst nach fast einem Jahr im Einsatz, kam es wie neu mit mir wieder aus dem Einsatz zurück. Die ersten Jahre beklagte sich meine Frau noch wegen des roten Sandes, der immer wieder einmal zum Vorschein kam — aber alles nur Gewöhnungssache. Erst vor Kurzem musste ich es — nachdem meine bessere Hälfte es nur noch als Ersatzrechner gebrauchte — stilllegen, weil seine Leistungsdaten einfach nicht mehr für den normalen Alltagsgebrauch ausreichten.

Diesen Text schreibe ich gerade auf einem seiner Nachfolger, einem MacBook Pro (16″, 2021), wobei ich dessen beiden Vorgänger, ein MacBook Pro (15 Zoll, 2016) und ein MacBook Pro (Retina 13″, Ende 2013) weiterhin täglich im Gebrauch habe.

Um das Ganze abzukürzen, wenn ich jemanden einen Laptop empfehlen müsste, dann kann ich ohne Wenn und Aber jedem ein MacBook Pro empfehlen. Und wer meint, dass diese zu teuer seien, der kann ohne Probleme auf ein etwas älteres Exemplar zurückgreifen und sicherlich auch auf ein gebrauchtes.

Wenn ich an meinen MacBook Pros in all den Jahren etwas zu bemängeln hätte, dann nur die Tastatur beim 15 Zoll MacBook, die kurz einmal etwas schwächelte, aber bereits mit einem Software-Update wieder voll und ganz hergestellt wurde.

Das Einzige was mich an meinen MacBooks über all die Jahre hinweg tatsächlich stört ist, dass ich mein erstes MacBook Pro viel zu früh entsorgte — ich hätte dafür sicherlich noch eine Verwendung gefunden.


„There’s a lesson in that, too. What do such machines really do? They increase the number of things we can do without thinking. Things we do without thinking — there’s the real danger.“

Frank Herbert, God Emperor of Dune (2019: 479)