Gesprächskreis 2017

Gespräche 5 (4)

Beitragsfoto: Gesprächskreis 2017

Ich habe jüngst einmal wieder Nachrichten des ÖRR geguckt. Es liegt wohl an meinem Alter, dass ich deren Qualität immer weniger schätze. Aber für eines waren diese Nachrichten dann doch ganz gut, denn es zeigte wieder einmal, wie wenig noch echtes ehrenamtliches Engagement geschätzt wird.

Sämtliches dort erwähntes bürgerliches Engagement gab es nur deshalb, weil es erst mit Steuermitteln möglich gemacht wurde. Sämtliche ÖRR-Berichte bürgerschaftlichen Engagements strotzten nur so von staatlichen Förderungen — wäre man halbwegs ehrlich, müsste man es unter „vierter Arbeitsmarkt“ subsumieren.

Und so bin ich doch ein klein wenig stolz darauf, dass wir von der EUROPA-UNION in Heilbronn seit mehreren Jahrzehnten Veranstaltungen stemmen, die weder staatlich subventioniert werden noch sonstige Fördermittel erhalten — reines bürgerliches Engagement, ganz ohne Bezahlung, Entlohnung, Aufwandsentschädigung oder sonstige Begünstigungen.

Es gibt sie noch, jene Bürger, die einfach Dinge tun, ohne auch nur einen Cent oder eine sonstige Gefälligkeit an Gegenleistung zu erwarten.

Die letzten Monate haben wir uns um die nun kommenden 8. Hertensteiner Gespräche bemüht, ein Zusammentreffen von an Europa interessierten Bürgern, die an einem Tag möglichst intensiv und dabei auch möglichst umfassend über europäische Themen sprechen und diskutieren wollen. Unzählig dabei die Telefonate, E-Mail und Rundschreiben, welche dazu im Vorfeld getätigt und verfasst wurden.

Ernüchternd, wie groß der Einzugsbereich tatsächlich sein muss, um solche Gespräche überhaupt möglich machen zu können — wir bewerben diese inzwischen europaweit, wobei wir das Manko haben, dass diese weiterhin größtenteils in der deutschen Sprache stattfinden; Deutschland ist inzwischen hierfür alleine offensichtlich ein zu kleines Einzugsgebiet. Aktuell erwarten wir Teilnehmer aus Belgien, Deutschland, Frankreich, der Schweiz und Spanien.

Ein wenig enttäuschend ist es, wie die lokale Politik, Medien und Verwaltung auf eine solche inzwischen europaweit wahrgenommene Veranstaltung reagieren. Wahrscheinlich haben deren Akteure einfach nur vor allem Angst, was nicht korrumpierbar ist und keine Leichen im Keller hat — was auf puren Nepotismus schließen lässt. Es kann aber auch nur sein, dass deren Ideologie alles ablehnt, was mit freiem Willen und Mündigkeit zu tun hat.

Umso mehr freuen wir uns auf alle Teilnehmer, die vor allem dann, wenn sie nicht aus Heilbronn oder dem Unterland kommend, keine Kosten und Mühen scheuen, um an diesen Gesprächen teilnehmen zu können. Um dies ein wenig besser zu verdeutlichen, es gibt mehr als 50 Menschen, die nicht nur ein ganzes Wochenende für diese Gespräche opfern, sondern auch noch die An- und Abreise, zwei Übernachtungen und die Tagungsgebühren aus der eigenen Tasche bezahlen.

Da haben es die Menschen aus dem Stadt- und Landkreis Heilbronn viel einfacher, sie müssen sich nur ein paar Stunden an einem Samstag freischaufeln und die Tagungsgebühr entrichten. Ich hätte mich sehr darüber gefreut, wenn mehr Heilbronner diese Möglichkeit zum Gedankenaustausch nutzen!

Manchmal liegt das Gute einfach so nahe, dass man es nicht wahrhaben möchte. Karl Schiller, ein ehemaliger SPDler, mahnte bereits 1967, dass „die Pferde wieder saufen müssen“; heute gerne als „Man kann die Pferde zur Tränke führen, saufen müssen sie selber“ kolportiert.

Erkannt hatte dies bereits John Maynard Keynes: „We cannot, by international action, make the horses drink. That is their domestic affair. But we can provide them with water.“ (The Means to Prosperity, 1933: 27).

In diesem Sinne sind die Hertensteiner Gespräche ein Angebot der EUROPA-UNION, ein Angebot von ehrenamtlich tätigen Bürgern. Hingehen und mitmachen müssen unsere Heilbronner Mitbürger selber.

Schade nur, dass man hinterher wieder von vielen Mitbürgern hören kann, dass es keine guten politischen Veranstaltungen in der Nähe gäbe; etwa so, wie man als Heilbronner unbedingt zum Kleiderkaufen nach Mailand fahren muss, zumindest aber nach München oder Stuttgart.

„Nur wenige hält die Knechtschaft gefangen, die Mehrzahl hält an der Knechtschaft fest.“

Seneca, 3. Buch, 22. Brief (2018: 153)

Smart City

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Beitragsfoto: Smart City | © Tumisu auf Pixabay

Es gibt in Deutschland 81 Großstädte, davon vier mit mehr als einer Million Einwohner. Und es gibt den Smart City Index, den der Digitalverband Bitkom in diesem Jahr zum sechsten Mal erhoben hat. In diesem Jahr sind es sogar 82 Städte, eine mehr als noch im Vorjahr, da Hanau den Status einer Großstadt erreicht hat. Drollig dabei ist, dass, als ich noch beruflich im Norden unterwegs war, man mein Heilbronner Nummernschild stets mit dem von Hanau verwechselt hat.

Man kann von solchen Indizes und vor allem auch von solchen Verbänden halten was man will, wenn man selber darin mit aufgeführt wird, ist das Interesse dann doch vorhanden, zumindest etwas — ich führe solche Indezes deshalb gerne unter Eigenwerbung (für den Herausgeber).

2022 war der Smart City Index schon einmal Thema hier im Blog, nicht aber weil Heilbronn dort den 53. Platz von 81 Teilnehmern belegte, sondern weil unsere Verwaltung selbst auf den zweiten Platz im Ranking kam, was fast dazu führte, dass die Heilbronner Stimme eine Sonderausgabe herausgebracht hätte.

Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst wird im Index 2024 nun wie folgt zitiert: „Wir sehen teilweise große Sprünge nach vorn bei einzelnen Städten. Das zeigt: Jede Stadt kann eine echte Smart City werden. Ein gutes Zeichen ist auch, dass sich unter den Bestplatzierten nicht nur die ganz großen Metropolen finden.“

Interessant dabei ist, was Wintergerst dabei unter Metropole versteht, von denen Deutschland gleich mehrere haben soll — wahrscheinlich bezieht er sich dabei auf eine Einteilung aus dem 19. Jahrhundert.

Eine weitere Erkenntnis aus dem Index ist, dass Städte aus Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen im Schnitt besonders gut sind, wobei es Freiburg (Platz 6), Stuttgart (7) und Ulm (10) gelang, um unter die ersten zehn zu kommen.

Städte in Baden-Württemberg erreichen im Mittel 74,1 Punkte. Zum Vergleich München (Platz 1) erzielte 88,3 Punkte. Auch lägen Landeshaupt- und Universitätsstädte über dem Durchschnitt.

Das richtig Spannende am Index ist aber, dass die Heilbronner Verwaltung ihren zweiten Platz an München verloren hat und damit Heilbronn insgesamt in keinem Themenbereich mehr unter den ersten zehn Städten zu finden ist.

Gut, dass wenigstens mit Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe, Stuttgart und Ulm dennoch weitere baden-württembergische Städte unter den Top 10 zu finden sind, was übrigens ganz gut das „Smart“ (besonders bei Künstlicher Intelligenz) in Baden-Württemberg abdeckt und dem Index tatsächlich ein wenig Seriosität verleiht.

Was meine Heimatstadt anbetrifft, habe ich gemischte Gefühle, denn wir haben uns im Vergleich zu 2022 vom 53. Platz nun mit 71,9 Punkten auf den Platz 38. Platz hochgearbeitet und liegen nun zwischen Bielefeld und Wuppertal. Sind aber, was zumindest Baden-Württemberg anbelangt, weiterhin eine bildungsmäßig unterdurchschnittliche Stadt.

Übrigens Hanau belegt Platz 81 noch vor Salzgitter (Platz 82), dem diesjährigen Schlusslicht deutscher Großstädte.

Immerhin ist aber Heilbronn, was das Themengebiet „Verwaltung“ angeht, weiterhin mit dem dortigen Platz 14 die Spitze der unterländischen Hightech. Beim Themengebiet „IT und Kommunikation“ belegen wir den 70. Platz, was ich im Gegensatz zum Themengebiet „Verwaltung“ selbst auch nachvollziehen kann.

Was mich erneut davon überzeugt, dass man eine Stadt alleine mit blankem Trumpismus, Festen und Feiern nicht zukunftsfähig machen kann!


Kunst

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Beitragsfoto: Kunst

Vermischtes

Wegen der Temperatur wurde der gestrige Tanzabend etwas kürzer als geplant, nichtsdestotrotz war es ein gelungener Abend und bis auf jene beim Paso doble und Tango Argentino konnten wir alle unsere Figuren üben.

Die Abkühlung erfolgt dann heute in der Neckarhalde; mal schauen, wie viele Bahnen ich ziehen kann.

Aktuell wird bei vielen Bloggern darüber nachgedacht, warum die US-Presse und andere Medien Donald Trumps oder die Aussagen von anderen GOP-Politikern so völlig ungefiltert wiedergeben. Jüngst verglich ein New York Times Journalist die Aussagen von Kamala Harris und Donald Trump miteinander und hat dabei selbst die abstrusesten Lügen Trumps einfach so im Artikel stehen lassen. Ich habe ihn nun mal angeschrieben und gefragt, was denn das Rational dahinter ist. Vielleicht gibt es eine plausible Begründung dafür, warum man selbst ganz bewusste und sofort feststellbare Lügen von Politikern einfach so weiterverbreitet.

Ich vermute, dass der Trumpismus einfach nur der aktuelle Höhepunkt politischer Aussagen ist und wirklich keiner mehr Aussagen von Politikern ernst zu nehmen scheint — frei nach, was interessiert mich mein Geschwätz von gestern. Diesbezüglich war ein gestriges Interview von Donald Trump aber kaum noch zu übertreffen. Wenn er verliert, dann müssen US-Amerikaner damit rechnen, über 100 % Steuern zu zahlen, aber wenn er gewinnt, dann werden die Sprit- und Energiepreise sofort um mehr als 50 % reduziert — den Republikanern wird der Sieg wohl nicht mehr zu nehmen sein.

Aber auch bei uns weiß man, wie man Wahlen gewinnt. Ich zitiere Stefan Pfeiffer (Gequirlter Murks, Porsches in der Innenstadt und mehr in der Wochenschau):

„Lindners Traum, so spottet man nun in Berlin, ist der: Einfach ins Auto steigen, schnell mal in die City fahren, dort gratis direkt vor dem Laden parken und Polierlack kaufen [saufen].“

Sollte es den einen oder andern AfD-Wähler nun zur FDP bewegen, könnte man fast noch mit einer solchen Politik leben.

Aus dem Leben

Damals — ist schon eine ganze Weile her — gab es bei uns auf dem Campus einen Laden. Schon an den Preisen konnte man feststellen, dass es der einzige war. Auch gab es die Eigenart, an die eigene Butzentür einen Hinweis zu heften, wo man gerade war. Einer meiner Kommilitonen wurde ganz zurecht für den Hinweis bestraft, dass er sich „beim Juden“ befindet. Man sage aber nicht, Menschen seien nicht lernfähig: der neue Hinweis lautete: „beim Ferengi“.

Jahre später war das Zusammenwachsen deutscher und französischer Einheiten nicht immer ganz so harmonisch wie es gerne kolportiert wurde. Flüche in beiden Sprachen waren an der Tagesordnung. Der Fluch „Scheiß Franzosen“ wurde allerdings von der Führung vehement bekämpft und so dauert es nicht sehr lange, dass sich Soldaten über die „Scheiß Japaner“ echauffierten. Für mich später ein Hoffnungsschimmer als ich die ersten französischen Soldaten „Baise japonaise“ oder gar „Scheiß Japaner“ fluchen hörte.

Spaziergang

Der gestrige Spaziergang war sehr erfreulich, denn wir konnten ein paar Ehrenamtliche bei einer Aufräumaktion im und am Neckar beobachten. Erstaunlich, was die drei alles in kurzer Zeit so aus dem Neckar zogen: ich sah einen Rollstuhl, einen E-Scooter des örtlichen Verleihers, mehrere Einkaufswägen, Gartenstühle, Fahrräder und viel sonstigen Schrott.

Was mich davon überzeugte, dass es wieder einmal an der Zeit ist, den Neckar im Stadtgebiet trockenzulegen und vollständig vom Müll zu befreien. Eine Aktion, die man bei uns in Heilbronn gut und gerne alle vier Jahre wiederholen könnte. Wenn man das Stadtgebiet und den Stadtwald noch mit einbezieht, wäre es sogar ein Müll-Triathlon. Und da alle vier Jahre veranstaltet, im wahrsten Sinne des Wortes olympiadisch. Aber noch besser, der OB könnte Heilbronn damit auch noch zur Olympia-Stadt küren!

Den gesamten Müll könnte man schließlich regelmäßig auf dem Gelände des ehemaligen Süddeutschen Eisenbahnmuseums auftürmen und damit über die Jahre hinweg ein Gesamtkunstwerk schaffen. Das Ganze noch in einem Plexiglaswürfel mit 75 Meter Kantenlänge, der dann sogar von der Autobahn oder vom Neckar aus beim Vorbeifahren gesehen würde.

Platte des Tages

Heute ist es das 22. Studioalbum von Miles Davis. Es wurde bereits am 2. März und am 22. April 1959 in New York eingespielt. Dieses Album liegt schon etwas länger auf meinem Server und ich habe mir auch noch die entsprechende LP gegönnt. Die Platte heißt übrigens „Kind of Blue“ und dürfte das erfolgreichste Jazz-Album aller Zeiten sein.

Abgemischt wurde das Album von Fred Plaut aus München. Neben Miles Davis spielen Cannonball Adderley, John Coltrane, Bill Evans, Paul Chambers, Jimmy Cobb und bei einem Stück („Freddie Freeloader“) sitzt Wynton Kelly am Klavier.

Das Album wurde übrigens am 17. August 1959 veröffentlicht, das ist nun auch schon 65 Jahre und einen ganzen Tag her. Meine Lieblingsplatte von Miles Davis ist aber weiterhin die etwas mehr dahinplätschernde „Sketches of Spain“, die am 18. Juli 1960 veröffentlicht wurde. 

„Für Chinesen gibt es … weder nur eine Wahrheit noch ewige Wahrheiten, sondern nur situative, relative Wahrheiten. Gesetze, Vorschriften, Richtlinien betrachten sie daher eher als unverbindliche Ratgeber. Ob sie diese befolgen, kommt auf die konkrete Situation an.“

Stefan Baron & Guangyan Yin-Baron (2018: 145)