Apple Park

Reisen 5 (3)

Beitragsfoto: Apple Park

„Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen.“ Das wusste bereits Matthias Claudius. Und so ist es auch bei mir, besonders nachdem ich gerade erst wieder zurück in Heilbronn bin. Das mit der Bahn hat erstaunlich gut geklappt, beide Züge auf die Minute pünktlich und, trotz gegenteiliger Warnung, ohne Reservierung einen Sitzplatz. Und auch das Hinbringen zum und Abholen von den Flugplätzen mit dem Auto dank Familienunterstützung eine sehr bequeme Transportmöglichkeit. Nun neu im Programm, wobei ich es bereits vor ein paar Jahren schon einmal in Berlin ausprobieren konnte, ist nun Uber. Davon hat mich jüngst Jeff Johnson überzeugt, was nun wieder in Heilbronn schwieriger sein wird, da Uber noch nicht in allen deutschen Städten vertreten ist.

Das heutige Thema meines Reiseberichtes ist aber Lufthansa sowie, weil es nicht anders möglich war, auch United Airlines. Und auch Apple kommt dabei mit ins Spiel, nicht weil ich einen schönen Überflug über das riesige Gebäude in Cupertino hatte, was nun wohl die Golden Gate Bridge als Attraktion ablösen wird, sondern, weil ich kurz entschlossen eines meiner neusten Gadgets — ein Airtag — einsetzte, denn es bot sich geradezu einmal an.

Völlig entspannt hatte ich meine Reise in Frankfurt angetreten und das Einchecken heutzutage ist eine richtig feine Sache. Man legt nur noch den Reisepass auf und bekommt schon die notwendigen Bänder für die Koffer, und wenn gewünscht auch die Flugtickets. Letzteres kann ich jedem nur raten, denn, auch wenn ich sehr Technik affin bin und selbst alle möglichen Apps sehr gerne selbst verwende (siehe Uber) so hatte ich gerade wieder ein paar nette Erlebnisse mit der Lufthansa App und weil mich mit dem Aufgeben des Koffers in Frankfurt sogleich auch United Airlines darum bat mit deren App.

Um das Ganze abzukürzen, ohne Apps wäre die Reise viel entspannter und sorgenfreier verlaufen — man sollte nur den Mut aufbringen, auf die Angestellten vor Ort zu bauen. Und diese waren bei beiden Airlines zur Stelle, dann wenn man sie auch brauchte.

Beim heutigen Stand des Technikverständnisses, was zumindest die Apps und das Internet angeht, der dafür zuständigen Mitarbeiter beider Fluggesellschaften, taugen diese nur dann, wenn man berufsmäßiger Vielflieger ist — wobei man dann diese gerade überhaupt nicht benötigt — oder, wenn an die Zeit mit sinnlosem Herumspielen verplempern möchte.

Also bereits am Gate in Frankfurt hatte ich zwei entsprechende Apps und musste feststellen, dass ich mich beim Lufthansa-App wieder einmal legitimieren musste. Da zumindest ich dies immer dann machen muss, wenn ich diese tatsächlich einmal benötige, verbuche ich einmal unter persönliches Schicksal — dieses Mal hatte ich aber eine Liste mit sämtlichen benötigten Abfragepunkten mit dabei. Dumm nur, dass die United App wieder ganz andere Dinge von mir wissen wollte und beide Apps wohl nicht miteinander kommunizieren. Also Lufthansa-App für den Flug. Und von dieser wurde ich während der gesamten Reise immer dann daran erinnert, dass mir eine weitere Website auf der Suche nach meinem Gate hilft, wenn ich es mir dort bereits schon längst gemütlich gemacht hatte.

Auf dem Flug, was inzwischen wohl üblich ist, gab es Internet und Telefonanbindung. Dieses Mal eine sehr gute Sache, da das Bordsystem den gesamten Flug über nach Südafrika unterwegs war und mich die Aufruf- und Abspielgeschwindigkeit der Filme, der Musik und der Spiele an die Nullerjahre des Internets erinnerte. So hatte ich die beiden zwei Apps und mein Schachprogramm. So schnell ging noch nie ein Flug vorüber — wobei ich mich mit beiden Apps nicht wirklich so richtig anfreunden konnte.

Dann erfolgte der Umstieg auf United, der mir den ersten richtigen und guten Kaffee bescherte. Zwar gegen Bezahlung, was aber auch keine Rolle mehr spielt, wenn man dies mit den Ticketpreisen vergleicht. Seit COVID-19 gibt es bei der Lufthansa übrigens den Kaffee zwar weiterhin im Preis inbegriffen, der wird aber leider nur noch in homöopathischen Dosen verabreicht; wobei ich nicht zu den Kunden gehöre, die wegen jedes Schlückchens das Bordpersonal belästigen möchten — ergo: gut 10 Stunden Flug und fast ne Gosche voll Kaffee. Aber keine Angst, ich war nicht am Verdursten, denn Wasser wird weiterhin zur genüge bereitgestellt. Das aber liegt wohl nur daran, weil man keine Flüssigkeiten mit ins Flugzeug nehmen darf. Sollte dies künftig geändert werden, muss ich wohl auch dafür Vorsorge tragen; dies wird aber erst zum Schluss dieses Beitrages Thema, denn noch bin ich bei den Apps.

Also der Umstieg auf United ging völlig umstandslos und dies ohne Apps, wobei ich weiterhin laut der Lufthansa-App noch meinen Flug bestätigen sollte und der Erhalt eines Online-Tickets nicht möglich war. Eine Tatsache, die gottlob nur die App interessierte. Wie schon geschrieben, einfach nur den Pass hinhalten und man erhält sämtliche Dokumente am Schalter.

Hätte ich keinen Spieltrieb mehr, wären von mir die Apps bereits nach Ankunft gelöscht worden, aber so beließ ich diese auf dem Mobiltelefon — eine dumme Idee, wie es sich kurz vor Rückflug herausstellte. Dass sich der Rückflug näherte, erfuhr ich per E-Mail von United und kurz darauf war ich bis nach Frankfurt durchgebucht. Später dann meldete sich mein Lufthansa-App und entschuldigte sich, dass ich einen Anschlussflug nicht bekomme. Das United App meldete sich kurz darauf auch, aber ich hatte die Anmeldedaten nicht parat. Ohne App hätte ich noch eine schöne Zeit gehabt, so aber begann ich nachzufragen, wie es denn nun weitergehen soll. Diese Antwort blieb mir die App schuldig und meine flugbegleitenden Versuche über die App Antworten zu erhalten, gipfelten in einer Unterhaltung auf Deutsch, die ich sehr gerne auf Englisch geführt hätte und den Hinweisen meines Gegenübers, dass er unsere Unterhaltung beständig mit einem Übersetzungsprogramm übersetzen muss. Das Gesprächsergebnis — ich war derweil in San Franzisko — war, dass ich mich in München an einen Lufthansamitarbeiter wenden solle. Ein weiteres Gesprächsergebnis, dass auch Chatbots Dienstzeiten haben.

Im echten Leben holte ich mir am Flughafen in Santa Ana beim Einchecken des Gepäcks die Bordkarten bis nach Frankfurt. Da ich nun wusste, dass es sicherlich noch spannend werden wird, aktivierte ich vorab zwei Airtags und gab sie in die Gepäckstücke.

Ein nützliches App hätte mir mitgeteilt, dass ich einen späteren Flug nach San Franzisko nehmen könne, um nicht dort auf eine mehr als zwei Stunden verspätete Maschine warten zu müssen und mir zugleich mitgeteilt, dass ich auf einen späteren Flug von München nach Frankfurt umgebucht würde. Mein App teilte mir aber nur mit, dass es eine Website gibt, die mir den Weg ans Gate zeigen könne.

In San Franzisko angekommen und mit genügend Wartezeit ausgestattet, spielte ich mit den beiden Apps, wobei ich auf jeder App andere Daten hatte und beide nicht mit meinen Bordkarten übereinstimmten. Und ich guckte nach meinem aufgegebenen Gepäck. Tatsächlich konnte man es am Flughafen nachverfolgen und es bewegte sich mehr als ich, um die Wartezeit bis zum Weiterflug zu überbrücken.

Als ich am Gate den ersten United Mitarbeiter erblickte, wandte ich mich an diese und hatte kurz darauf neue Tickets in der Hand, sie hatte mich in München einfach auf den nächsten Flug nach Frankfurt gebucht — und dies ganz ohne App. Was aber meine Apps nicht daran hinderte, mir immer wieder neue Dinge anzuzeigen, die fast bis zum Schluss nicht mit meinen vorhandenen Tickets übereinstimmten, aber mir unbedingt am Gate in München angelangt, den Weg dorthin zeigen wollte.

Um das Ganze noch spannender zu machen, guckte ich ab und zu ins App meiner besseren Hälfte, diese hatte ihrerseits wiederum ganz andere Sachstände — die aber auch mit der Realität wenig zu tun hatten. Lustig wurde es als ich beim Abflug in San Franzisko nach den AirTags guckte, denn ein Koffer winkte mir dabei hinterher. Dank der freundlichen und sehr professionellen Intervention eines Lufthansamitarbeiters in Frankfurt befindet sich der Koffer inzwischen in Frankfurt und wird mir hoffentlich bald zugeschickt werden.

Inzwischen galt es gut zehn Stunden zu überbrücken und mit den beiden Apps wollte ich nicht mehr spielen. Dieses Mal funktionierte dafür das Bordsystem, auch dieses flog wieder mit zurück nach Europa und die Unterhaltungsangebote konnte man ebenfalls angucken — bei einem Nachtflug für mich aber weniger interessant.

Da dies nach COVID-19 nicht mein erster Flug mit Lufthansa war, war ich auch auf alles vorbereitet und hatte mein eigenes Essen mit an Bord. Deshalb konnte ich das Angebot einer warmen Mahlzeit zu Flugbeginn ablehnen; es gab tatsächlich Zeiten, da fand ich die Lufthansaküche für gar nicht schlecht, teilweise sogar für schmackhaft. Inzwischen aber kann ich dieses Essen im Bestfall als ungenießbar einstufen. Bei allem Verständnis für Sparmaßnahmen und Zwänge, solch ein Essen sollte man lieber gleich ganz weglassen.

Aber auch die Restriktionen beim Essen und Trinken haben ihre Vorteile, denn man muss nicht mehr bei den Bordtoiletten anstehen und mit der Reduktion des Alkohols sind dazu wohl auch doch so manche negative Begleiterscheinungen bei den Mitreisenden weniger geworden.

Zum Ende des Fluges gab es dann das vorab angekündigte Frühstück und ich freute mich nach mehr als zehn Stunden auf ein warmes Getränk, auch wenn es dies wieder in einer homöopathischen Dosis gab. Meine Freude war so groß, dass ich ganz vergaß das Frühstück abzulehnen und so hatte ich plötzlich ein in Plastik eingewickeltes baguetteartiges Gebilde auf meinem Schoß und meine Neugierde war geweckt.

Die „Obduktion“ ergab eine Art Weißbrot, das wohl angefeuchtet worden war und aufgrund der Plastikummantelung eine etwas schwammige Konsistenz angenommen hatte. Dazwischen befand sich etwas kaltes Eiartiges, wobei eine Kostprobe ergab, dass dies tatsächlich einmal ein Ei gewesen sein könnte, und zwei oder drei sellerieartige Stängel, die doch wohl eher einmal Gräser waren. Insgesamt eine Kombination, die nur Köche produzieren können, die schon alles in ihrem Leben erreicht haben und ganz genau wissen, dass ihre Kunden wirklich alles vertilgen, was sie diesen vorsetzen. Wer aber so etwas isst ohne selbst kurz vor dem Hungertod zu stehen, der sollte sein Leben ganz neu überdenken.

Für diese Meisterleistung erhält die Lufthansa von mir eineinhalb von drei möglichen Sternen der militärischen Kochkunst. Zur besseren Einstufung, ein Stern dieser Kochkunst vergab ich einmal an die französische Truppenküche in Mostar in den Jahren 1997 bis 1999 und zwei ganze Sterne vergab ich einer schwarzafrikanischen Truppenküche 2010, die zugleich auch Toilettenanlage war. Bisher befand sich unter den Fluggesellschaften nur die Air France in diesem Ranking, und zwar im Jahr 2000 mit einem halben Punkt; das besagte Frühstücksrezept dürfte dabei von dieser stammen — kann aber auch sein, dass die Lufthansa sehr günstig an die damaligen Restbestände kam.

Der Flug von München nach Frankfurt verlief erwartungsgemäß ohne Probleme, auch dort wurde Wasser gereicht. Übrigens, eine nette Geste bei diesen sommerlichen Temperaturen.

Wie bereits erwähnt, ich fliege sehr gerne mit der Lufthansa und dies bereits seit 1964. Deshalb sei es mir auch gestattet, einmal weniger Gutes anzusprechen.

Das mit der App scheint die Zukunft zu sein, aber dann muss diese auch tatsächlich besser oder zumindest kundenfreundlicher als die durchweg guten Mitarbeiter vor Ort sein — die „online“ Mitarbeiter meine ich damit explizit nicht. Solange solch ein App nicht von jedem unfallfrei bedient werden kann, verwirrt es nur die Kunden anstatt sie an die Lufthansa zu binden.

Und wenn schon digitale Star Alliance, dann sollte die dabei verwendete Software der Fluggesellschaften dieselbe sein — ein individuelles Branding kann gerne weiterbestehen.

Das mit der Reduzierung des Essen- und Getränkeangebots bei den Fernflügen halte auch ich für sinnvoll und zielführend. Aber man darf dabei nicht den Fehler begehen und auch die Qualität des Angebots zu reduzieren!

Und das mit den bordeigenen Entertainmentsystemen hat sich in Zeiten des Internets und dessen Verfügbarkeit auf Langstreckenflügen inzwischen ebenfalls wieder überlebt.

Gerade zum Abschluss meines Beitrages erhielt ich die folgende Meldung von Lufthansa.

Dear passenger,A delivery agent has been appointed to deliver your delayed baggage in colour XXX. 

Please find below the delivery details:Delivery agent:Fgs email: logistik@fgs-frankfurt.de

Website of delivery agent:www.fgs-frankfurt.de

Tracking number: xxxxxx

The delivery agent will contact you as soon as possible and will deliver to the delivery address you have specified on the baggage status website.

Due to the current situation, delays with processing may occur.You can also access your submitted data on the baggage status website. You will need to enter your reference number and your family name.

Nachtrag 13.6.2023

Gleich am Morgen stand der Koffer vor der Tür. Beim Auspacken stellte ich dann fest, dass er innen an einer Ecke zerbrochen war. Und so kann ich sein Zurückbleiben nachvollziehen. Er muss beim Beladen des Flugzeugs vom Wagen gefallen sein. Nach all den Jahren kann er nun zwar nicht mehr als Carry-On dienen aber als einfaches Gepäckstück wird er wohl weiterhin funktionieren. Und damit ist nun auch diese Reise abgeschlossen.

Und nein, ich werde weder den Koffer als beschädigt melden noch nachfragen, ob es für die Verspätung eine Entschädigung gibt. Ich gehöre noch zu den Reisenden, die solche Vorkommnisse als ganz alltäglich und einfach dazugehörend betrachten, so wie es auch der gute Service des während der Reise getroffenen Luftfahrtgesellschaftspersonal war. Über die von mir zu bemängelnden Dinge habe ich bereits geschrieben.

„Wenn jemand eine Reise tut
so kann er was erzählen,
drum nehm ich meinen Stock und Hut
und tät das Reisen wählen.
Da hat er gar nicht übel,
gar nicht übel, gar nicht übel dran getan;
verzähl er nur weiter Herr Ürian.“

Matthias Claudius, Wenn jemand eine Reise tut

Silbvester

Jahresrückblick 5 (5)

Beitragsfoto: Silvester | © Shutterstock

Da wurde mir gerade die Aussage in die Timeline gespült, dass es kein Blog ohne Jahresrückblick geben kann. Wenn ich darüber etwas mehr nachdenke, dann muss ich mir selbst attestieren, dass ich wohl mindestens seit 2005 etwas falsch mache. Und ein kurzer Blick in dieses Weblog zeigt, dass mein letzter, mir noch bekannter, Jahresrückblick aus 2001 stammt. Das erklärt aber vielleicht ganz gut, warum meine Leserschaft nicht die Anzahl erreicht, die bei „richtigen“ Weblogs sonst so üblich ist.

Wenn ich so auf das nun zu Ende gehende Jahr zurückblicke, dann stelle ich zu allererst fest, dass alle Familienangehörigen — zumindest jene, die ich kenne — gesundheitlich auch dieses Pandemiejahr ganz gut überstanden haben, wobei jüngst die ältesten Familienmitglieder nun auch Bekanntschaft mit COVID-19 machen durften und dies kurz nachdem die Politik die Pandemie für als beendet erklärt hat.

Die Chinesen, die man ohne Wenn und Aber als Verursacher dieser Pandemie ansehen muss, haben inzwischen ebenfalls festgestellt, dass man durch eine etwas laxere „Gesundheitspolitik“ durchaus das „Problem“ mit älteren oder schwächeren Menschen ganz gut in den Griff bekommen kann. Damit lösen sie jetzt wohl einige der Folgen ihrer Ein-Kind-Politik.

Und auch bei uns werden die Politiker wieder etwas mutiger, weil sie nun davon ausgehen können, dass ihre eigene Gesundheit kaum noch gefährdet ist — und wir bekanntlich eh viel zu viele ältere Mitbürger haben, die bei den kommenden wichtigeren Wahlen wohl auch sonst noch kaum eine Rolle spielen werden.

Auf jeden Fall aber bin ich froh darüber, dass es im eigenen Familienkreis gesundheitlich ganz gut aussieht. Auch meine eigene Gesundheit habe ich dank guter Ärzte, den Fortschritten in der Medizin und den unermüdlichen Bemühungen meiner besseren Hälfte geschuldet, wieder ganz gut im Griff.

Dieses Jahr bot zudem ein paar sehr erfreuliche Entwicklungen, denn Maximilian wurde, nachdem er erfolgreich den ehrenwerten Beruf des Notfallsanitäters ergriffen hatte, nun auch noch Leutnant der Infanterie und studiert inzwischen Erziehungswissenschaften in München. Konstantin, der es immerhin bis zum Rettungssanitäter schaffte und jüngst seinen Masterabschluss in den Politikwissenschaften in Konstanz erzielt hatte, legt nun nochmals mit einem Masterstudium in den Verwaltungswissenschaften in Ludwigsburg und Kehl nach. Und so ist es mir um meine beiden Söhne nicht bange.

Hinzu kamen noch zwei Hochzeiten, die meines Neffen Sebastian, übrigens ebenfalls ein Notfallsanitäter, der dieses Frühjahr eine Künstlerkollegin heiratete und sich inzwischen eine Karriere als Musiker vorstellen kann. Die Hochzeit im Sommer fand im Kreise Europäischer Föderalisten statt und meine bessere Hälfte und ich waren sehr erfreut, dass weitere Junge Europäische Föderalisten ihren Partner fürs Leben gefunden hatten, was mir wieder einmal vor Augen führt, dass gemeinsame Interessen die beste Grundlage für eine glückliche Ehe sind.

Ach, und das gab es noch meinen sechzigsten Geburtstag zu feiern, der u. a. dafür sorgte, dass wir uns wieder einmal im erweiterten Freundeskreis trafen. Mein persönlicher Höhepunkt des Jahres war aber ein Kalifornienaufenthalt, der nach etwas längerer Abstinenz wieder stattfinden konnte. Dabei genossen meine bessere Hälfte und ich die Spieleabende mit Ursula ganz besonders.

Und auch in meiner ehrenamtlichen Routine gab es positive Veränderungen, zum einen habe ich mein Vorlesen an der Dammgrundschule und bei meseno nun noch etwas leistungsgesteigert. Wohl motiviert von den Studien meiner beiden Söhne und doch etwas von Detlef Stern herausgefordert, der übrigens weiterhin zu meinen Lieblingsgesprächspartnern zählt, habe ich dieses Jahr einen Lehrauftrag an der Hochschule Heilbronn übernommen. Und nun bin ich gespannt darauf, ob meine Studenten im Februar nachweisen, dass ich es doch noch kann. Auf alle Fälle habe ich nochmals für das kommende Semester zugesagt, denn entweder muss ich nachweisen, dass mein Erfolg keine Eintagsfliege ist, oder ich muss gewaltig nachbessern. Danach dürfte sich Detlef allerdings etwas mehr einfallen lassen müssen, um mich weiterhin an der Hochschule zu halten.

Denn zum anderen haben es Heiner Dörner und Herbert Burkhardt geschafft, dass ich mein Engagement bei den Freien Wählern etwas vertiefte und im Sommer das Amt des Heilbronner Vorsitzenden übernahm. Sehr gefreut hat es mich dabei, dass meine bessere Hälfte dies zum Anlass nahm und ebenfalls Freie Wählerin wurde und ganz besonders, dass weitere Freunde mir mit in diesen Heilbronner Verein folgten.

Mein Hauptaugenmerk liegt weiterhin aber auf der EUROPA-UNION Heilbronn, und jeder wird es verstehen, dass gerade diese Zeiten für uns Europäische Föderalisten große Herausforderungen bringen, die es nun auch auf lokaler Ebene zu bewältigen gilt.

Meine bessere Hälfte wäre nicht sie selbst, wenn es ihr nicht gelungen wäre, mich das gesamte Jahr über noch zum Besuch von Tanzstunden und Übungstänzen zu bekommen. Auch wenn sie es nicht glauben mag, mir gefallen diese „Auszeiten“.

Und ich schreibe weiterhin zwar nur gelegentlich aber ganz brav an meinem ersten Roman. Die Idee, einen Roman zu schreiben, stammt übrigens nicht von mir. Und wer mein Weblog regelmäßig liest, dürfte bereits die näheren Hintergründe kennen. Auf jeden Fall aber zeigen mir diese Schreibversuche, dass ich sicherlich kein Schriftsteller bin. Was ich anfange beende ich für gewöhnlich, aber wann es diesen Roman dann auch zu lesen geben wird, kann ich noch nicht mit Gewissheit sagen. Auf jeden Fall aber wird meine bessere Hälfte dessen erste Leserin sein — eine kleine Revanche sozusagen.

So, jetzt ist es aber an der Zeit, dass ich meine Schreibarbeiten für dieses Jahr beende! Ich wünsche meinen Lesern einen guten Rutsch ins neue Jahr und hoffe, dass keinem ein Feuerwerkskörper auf den Kopf oder vor die Füße fällt!


Kontrollraum eines Senders

5.11.02022 5 (3)

Beitragsfoto: Kontrollraum eines Senders | © Shutterstock

Ein Gedicht

Fritz Singer ist bereits seit Jahren mit einem Gedicht gleich auf der Startseite dieses Weblogs zu finden. Vielen Mitbürgern ist er wenig bekannt, obwohl seine Gedichte stets aus dem vollen Leben heraus geschrieben sind und damit bei den Lesern nicht nur Verständnis finden, sondern auch zum Schmunzeln führen. Inzwischen sind seine Gedichte allesamt weit über 100 Jahre alt aber dennoch sehr aktuell.

Klage

Schlaffe Lider, welke Wangen,
Graue, dünngesäte Haare
Bilden schon seit Adams Zeiten
Das Gefolg’ der reifern Jahre.

Alle diese Herbsteszeichen
Will ich ohne Murren tragen;
Nur das Eine trifft mich härter
Als ein Dutzend Altersplagen:

Dass der Frauen, die mir hold sind,
Immer weniger auf Erden,
Während jetzt die Ehemänner
Immer liebenswürd’ger werden.

Fritz Singer, aus Die zehnte Muse (1904: 108)

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

Eigentlich schon immer ein Thema dieses Weblogs. Zum letzten Mal habe ich im August darüber geschrieben. Und auch wenn ich den Zustand des ÖRR, wie so viele andere unserer Institutionen auch, z. B. Parteien, Kirchen, Verwaltungen, für völlig abgewirtschaftet erachte, halte ich diese Institutionen dennoch für unsere Demokratie überlebensnotwendig.

Ich wiederhole mich bestimmt, wenn ich behaupte, dass an diesem untragbaren Zustand hauptsächlich die Berufspolitik Schuld ist, die es in dieser Qualität und vor allem Quantität in Demokratien eigentlich gar nicht geben dürfte! Und so wird auch der ÖRR von Berufspolitikern an die Wand gefahren, die bestenfalls nur dumm und faul sind.

Gerne aber lasse ich auch andere Meinungen zu Wort kommen und freue mich deshalb sehr, dass sich Jan Böhmermann gestern diesem Thema ebenfalls angenommen hat.

Jan Böhmermann im ZDF Magazin Royale von 4.11.2022

Gespräche

Gute Gespräche sind einfach durch nichts zu ersetzen, und so konnte ich gestern doch so Einiges für meine künftigen Projekte erfahren. Zum Beispiel konnte ich mit Detlef Stern über die jüngsten Entwicklungen im Projektmanagement sprechen, bevor wir uns weiter über mein derzeitiges Lieblingsprojekt eines digitalen Zettelkastens austauschten. Und wie so oft, wenn ich mich mit Detlef Stern zu einem Kaffee treffe, gibt es hinterher für mich erst so richtig etwas zu tun, denn gute Gespräche verdienen es, dass man sie auch nachbereitet.

Gerade als ich diesbezüglich neue Zettel erstellen wollte, bekam ich weiteren Besuch, wobei zwei langjährige Freunde ihren Aufenthalt in Heilbronn u. a. dazu nutzten, um mich zu überraschen. Die daraus resultierenden Gespräche dienten in erster Linie dazu, um uns wieder übereinander auf dem Laufenden zu halten. Zusätzlich bekam ich noch sehr nützliches Feedback zu meinem Weblog; sehr verständlich dabei, dass sich nicht alle Leser — vor allem dann, wenn sie nicht selbst aus Heilbronn kommen — für Heilbronner Interna interessieren.

Man möge es mir verzeihen, aber die Zeiten, wo ich hätte z. B. über Paris, Brüssel, Montpellier, Straßburg, Stettin, Berlin, Chemnitz, Köln, Hamburg, Hannover, Stuttgart, München, Ulm oder gar Mostar, Sarajevo oder Kampala schreiben können, die sind definitiv vorbei. Aber auch Heilbronn bietet ausreichend Themen, um darüber weiterhin berichten zu können. Und wer weiß, vielleicht ist auch das eine oder andere Thema dabei, das für die Bewohner anderer Städte interessant sein könnte; öffentliche Toiletten sind es sicherlich nicht, denn „die hat man einfach und spricht nicht weiter darüber“. Als Heilbronner wäre ich froh, wenn das auch bei uns so wäre.