Französische Trikolore

Der gallische Hahn kräht 5 (3)

Beitragsfoto: Französische Trikolore | © Pixabay

Christian Moos hat es bereits in einem Blog-Beitrag „offene strategische Autonomie“ anklingen lassen, die Französische Republik stellt ihre Ratspräsidentschaft tatsächlich unter das Motto „strategische Autonomie für Europa“.

Die politischen Realisten werden dies bestimmt erneut abwiegeln, da unsere französischen Nachbarn bekannter Weise gerne das große Wort führen, ohne aber selber die entsprechenden Ressourcen vorweisen zu können. Ich erinnere diesbezüglich gerne an die geplante Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) aus den Anfangsjahren der europäischen Einigung.

Und seit dieser Zeit ist die deutsch-französische Kooperation im Wesentlichen dadurch geprägt, dass wir unseren Nachbarn dabei helfen, ihre ureigenen Wunschvorstellungen mit zu erfüllen. Dabei gelang es uns aber bisher sehr diplomatisch und unter hohen finanziellen Aufwendungen, nicht nur Frankreich in Europa zu halten, sondern auch wieder etwas der NATO anzunähern.

Scheinbar aber waren diese Zugeständnisse immer nur eine temporäre Angelegenheit. Und so gelang es uns wohl nun auch im Vorfeld der offiziellen Verlautbarung dieses Programms der französischen EU-Ratspräsidentschaft, welches den Titel „Aufschwung, Stärke, Zugehörigkeit“ trägt, auf die französischen Großmachtansprüche, die diese nunmehr sehr gerne mit einem „europäischen Superstaat“ verknüpfen, ein wenig besänftigend einzuwirken.

So findet man nur noch einmal in diesem Programm die „Stärkung eines offenen Europas“ — was man nicht mit einer offenen Gesellschaft verwechseln darf und, im Gegensatz zu dieser, auch nicht weiter definiert wird — und eine „offene Handelspolitik“, wobei das „offene Europa“ und seine „offene Handelspolitik“ immer noch als Drohungen gegenüber unseres wichtigsten Verbündeten, den USA, angesehen werden müssen. Weiterhin wird von einer „Entscheidungsautonomie gegenüber den USA“ gesprochen und die „Autonomie“ oder gar „strategische Autonomie Europas“ immer noch mehrfach erwähnt. Das Ganze gipfelt dann aber doch noch in der Forderung nach einem „vollständig souveränen Europa“.

Allerdings wird nun nicht mehr von einer „offenen strategischen Autonomie” — was immer das auch sein mag — gesprochen, sondern unsere nordamerikanischen Verbündeten sowie uns restlichen Europäer wieder etwas beruhigend, davon, dass die „europäische Verteidigung ergänzend zur NATO“ erwähnt wird, und eine Stärkung der Zusammenarbeit zwischen EU und NATO unterstützt werden soll — dies ist aber alles andere als ein französisches Bekenntnis zur NATO!

Das Traurige an der Sache ist, dass wir in den vergangenen Jahrzehnten nicht in der Lage waren, unsere französischen Nachbarn von einem föderalen Bundesstaat zu überzeugen oder zumindest von ihren rein nationalen Großmachtallüren zu befreien, sondern diese selbst immer wieder durch falsch zu verstehende Zusagen oder Zugeständnisse weiter schüren; man könnte sogar vermuten, dass wir über diese französischen Ansprüche — einer Grande Nation — selbst gerne wieder „großdeutsch“ werden möchten. Noch trauriger dabei ist, dass die allseits so gelobte „deutsch-französische Freundschaft“ bis heute kein vereintes Europa erreichen konnte, sondern „nur“ sicherstellen, dass wir beide nicht mehr aufeinander schießen (lassen).

Dabei müsste es uns allen doch klar sein, dass selbst ein europäischer Bundesstaat niemals mehr autonom werden können wird. Vor allem dann nicht, wenn wir weiterhin an unseren sozialen Standards und unseren hehren Werten festhalten möchten. Denn dazu fehlt es uns an sämtlichen Ressourcen, die wir den anderen gut 95% der Menschheit bestimmt nicht mehr streitig machen werden können — nicht eine strategische Autonomie müssen wir erreichen, sondern eine möglichst umfassende Kooperation.

Auf gut deutsch: Koalitionen und Kooperationen nicht Konfrontationen sind gefragt!

Hier finden Sie das Programm der französischen EU-Ratspräsidentschaft:

Dass ein europäischer Bundesstaat darin überhaupt keine Erwähnung findet und dies trotz des jüngsten deutschen Vorstoßes (Koalitionsvertrag), wird wohl niemanden mehr wundern.

Einzig die Bankenunion findet darin Erwähnung, was ebenfalls niemanden wundert.

So kann man sowohl beim deutschen Koalitionsvertrag als auch beim französischen Programm zur Ratspräsidentschaft von reinem Wahlkampfgetöse sprechen, welche beide einzig und alleine für die eigenen nationalen Wählergruppen geschrieben wurden.

Denn hätte Frankreich den deutschen Koalitionsvertrag tatsächlich ernstgenommen, dann hätten es darauf geantwortet. Und sollte es doch eine und zwar diplomatische Antwort auf den deutschen Vorstoß sein, dann lautet diese eindeutig: „Fuck Europe!“

„Les États n’ont pas d’amis, ils n’ont que des intérêts.“

Charles de Gaulle, zitiert in Eric Walther, la Tribune, Ecoutes : l’impérialisme américain 2.0 (1. Juli 2013)

Beitragsfoto: Affenmusik | © Pixabay

22.10.02021 5 (1)

Beitragsfoto: Affenmusik | © Pixabay

EU-Gipfel

Die EU-Gipfel waren von Anfang an eher das Instrument der Anti-Europäer und deshalb ursprünglich auch nie von den Gründungsvätern der EU vorgesehen. So ist es schon erstaunlich, dass wir Europäer jetzt von den Staats- und Regierungschefs der EU Mitgliedstaaten plötzlich europäische Lösungen erwarten. Schaut man in die Runde, dann findet man dort nur noch Nationalisten und bestenfalls ein paar Superstaateuropäer — europäische Nationalisten (!). Luxemburg darf weiterhin als Ausnahme gelten.

Deshalb dienten diese EU-Gipfel bisher bestenfalls dem Schaulaufen allseits bekannter und beliebter Egomanen und sorgten meist dafür, dass sich die EU nicht weiter zum Positiven entwickeln konnte.

So ist es erstaunlich, dass wir nach all den Jahren von den EU-Gipfeln für unsere globalen Probleme und Herausforderungen europäische Lösungen erwarten. Das hat zuletzt weder im Falle von Migrationsbewegungen noch dem Klimawandel geklappt und wird deshalb auch nicht bei der Energieversorgung funktionieren.

Einzig, wenn es darum geht, Gelder zu verteilen oder Probleme zu verschleppen, sind sich die Gipfelteilnehmer halbwegs einig.

Und wer jetzt erwartet, dass sich die EU Staats- und Regierungschefs plötzlich für unsere europäischen Werte oder gar Menschenrechte interessieren, der hat die letzten Jahrzehnte wohl auf einem anderen Planeten verbracht.

Sehr schade nur, dass man jetzt die Schuld bei unserem Europa sucht und viele nun genau dorthin flüchten wollen, nämlich in die Fänge des Nationalismus, wo die Ursuchen allen Übels liegen!

Wir Europäer wollten nie und nimmer einen europäischen Superstaat und schon gar nicht eine Brüssler Zentralverwaltung. Wir wollten von Anfang an die Vereinigten Staaten von Europa — einen Bundesstaat; genau so, oder zumindest so ähnlich, wie wir es in der Bundesrepublik Deutschland geschaffen haben.

Damit hätten wir schon längst viele unserer derzeitigen Probleme gelöst und wäre auch gut für zukünftige Herausforderungen gewappnet!

Wenn wir uns und Europa noch retten wollen, dann benötigen wir dringend einen Verfassungskonvent, der den Bundesstaat Europa schafft — die Anti-Demokraten und Anti-Europäer können — nein, sie müssen — dann draußenbleiben.

Wenn wir uns retten wollen, dann benötigen wir keine EU-Gipfel, sondern ein Europäisches Parlament, das endlich einmal seine Hausaufgaben macht! Und darin Volksvertreter, die nicht nach der Pfeife unsere nationalen Populisten tanzen, sondern damit anfangen, für die Rechte und Interessen von uns Unionsbürgern einzutreten und diese — auch gegen ihre eigenen nationalen Kollegen — für uns laut und deutlich einklagen!

Und wenn unsere Parlamente in Europa — das Europäische Parlament wie auch die nationalen Parlamente — weiterhin in allen Europaangelegenheiten so versagen, wie die letzten Jahre, dann sieht es nicht nur um Europa sehr schlecht aus, sondern um uns alle.

Bewegung

Dass Heilbronn mit seinem Einzugsgebiet von fast 500 000 Menschen auch ein gern genutztes Einkaufsziel ist, spricht sich endlich auch bei uns immer weiter herum. Nicht erst seit dem Ausklingen der Pandemieeinschränkungen siedeln sich neue und interessante Geschäfte in der Innenstadt an und signalisieren damit, dass man mit guten Geschäftsideen durchaus seinen eigenen Unterhalt verdienen kann.

Und auch der eine oder andere Nischenladen hält sich weiterhin sehr wacker und erfreut seine Kundschaft. Und da in Heilbronn schon immer gerne gegessen und getrunken wird, kommen auch neue und sehr vielversprechende gastronomische Ideen in die Stadt. Der Berliner Platz wird dabei demnächst eine sehr interessante Auswahl an neuen und bestehenden Essgelegenheiten bieten, so dass ich mich schon aufs Frühjahr freue, wenn ich dann dort bei Sonnenschein am Platz sitzen und das rege und bunte Leben betrachten kann.

Hoffnung

Bei den jetzt anlaufenden Koalitionsverhandlungen wird auch Michael Georg Link MdB mit am Tisch sitzen, nämlich in Sachen Europa- und Außenpolitik. Das ist gut so, denn die anderen Gesprächspartner sehen Europa weiterhin nur als weitere Umverteilungsgelegenheit oder als Projektionsfläche für Großmachtphantasien.

So besteht Hoffnung, dass sich Deutschland nicht nur weiterhin zu einem zukünftigen Bundesstaat Europa bekennen, sondern auch die dazu notwendigen Schritte einleiten wird.

Geburtstag des Tages

Franz Liszt


Kakteen

31.7.02021 5 (3)

Nachkriegsbau

Wagte der erste Nachkriegsbau (Barthel-Areal) noch einen Blick in die Zukunft und setzte dabei städtische Akzente, so ist dieser zweite Nachkriegsbau ganz offensichtlich nur ein halbwegs gut gemeinter Lückenfüller, der außer eine Lücke zu füllen, unserer Stadt wenig Gutes bringt.

Wer heute noch in zentraler Lage solch eine Gebäude errichtet, hat überhaupt nichts verstanden. Das einzig Gute daran ist, dass, sollten sich wieder Investoren — Dieter Schwarz einmal ausgenommen — finden, die nachhaltig und zeitgemäß in Heilbronn investieren wollen, man dieses Gebäude auch wieder ersetzen kann.

So lange aber wird es das Symbol für vertane Chancen und eine falsche Stadtentwicklung sein.

Schwesterpartei

Es ist schon erstaunlich, wie eine sogenannte Schwesterpartei ihrer eigenen „Schwester“ den Wahlkampf torpediert. Dabei könnte man fast meinen, dass es sich um zwei Egomanen-Clans handelt, die den jeweils anderen die Pfründe nicht gönnen.

Der wahre Grund liegt wohl etwas tiefer — auch wenn das mit den Egomanen nicht mehr geleugnet werden kann –, nämlich darin, dass sich die Union bereits seit Jahrzehnten in zwei Lager teilt: das altbekannte christlich demokratische und ein populistisch nationales.

Dabei ist zudem festzustellen, dass sich erstere wirklich bemühen Politik zu machen und letztere alles Erdenkliche unternehmen, um sich selbst zu bereichern. Darüber können wir sogar froh sein, denn wenn diese erst anfangen, schwerpunktmäßig auch noch Politik zu machen, wird es in Deutschland wieder sehr finster werden.

Bestätigung

Heute Morgen stand der erste Fahrradkurier — freundlicher junger Mann — fast in unserer Küche, allerdings ohne Rad, das hatte er im Hof abgestellt. Kurz darauf hat sich herausgestellt, dass er die falsche Hausnummer ausgesucht hatte. Somit kann ich wenigstens bestätigen, dass es den neuen Lieferservice auch bei uns gibt.

Website des Tages

Bundesarchitektenkammer

Die BAK vertritt auf nationaler und internationaler Ebene die Interessen von über 135 000 Architekten aller Fachrichtungen gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Leider schützt sie uns nicht vor schlechter Architektur.