Drache

Gibt es eine „Gelbe Gefahr“? 5 (3)

Beitragsfoto: Drache | © Pixabay

Noch heute gilt die Aussage von Albert Einstein, dass „der Nationalismus eine Kinderkrankheit [ist], sozusagen die Masern der Menschheit.“ Nach all diesen Jahren, selbst nach zwei Weltkriegen und unzähligen Toten ist es der Menschheit nicht gelungen, die tödlichste aller Krankheiten auszurotten.

Selbst in Deutschland kann man noch heute mit einem einzigen „Sieg Heil“ gut 20 % der Wählerstimmen erreichen. Allen Nationalisten ist dabei eines gemeinsam, sie gehen davon aus — egal, ob sie lesen, schreiben können oder ihre Muttersprache nur halbwegs beherrschen –, dass sie alleine aufgrund ihrer Geburt besser sind als der Rest der Welt. Deswegen meinen sie auch, dass sie am meisten, härtesten und besten arbeiten, die intelligentesten Wesen auf Gottes Erdboden sind und ihnen deshalb alles zuerst zusteht; der Rest der Menschheit ist menschlicher Müll. Deshalb gebiert der Nationalismus immer auch Imperialismus bis hin zum Wunsch der Weltherrschaft.

Inzwischen rollt die xte Nationalismuswelle über unseren Planeten hinweg und hat dabei die bevölkerungsreichsten Länder erreicht, darunter vor allem auch die Volksrepublik China unter ihrem Führer Xi Jinping. Dieser stellt sich voll und ganz in die Tradition der größten bekannten Nationalisten und möchte China zur größten, wenn nicht gar alleinigen Weltmacht machen. Damit bricht er mit einer uralten chinesische Tradition, die sich noch damit zufrieden gab, das Reich der Mitte zu sein und der „Peripherie“ weiterhin eigenständige Leben ermöglichte.

Die ersten Folgen dieses chinesischen Nationalismus sind gut innerhalb Chinas zu beobachten, wo Minderheiten immer stärker konzentriert, wenn nicht gar reduziert werden; diese zu beobachtenden Maßnahmen sind nicht alleine dem Totalitarismus geschuldet, welcher ganz vorbehaltlos gegen alle Regimekritiker vorginge.

China hat aber aus den Versuchen anderer Nationalisten gelernt und seine Hausaufgaben gemacht. Man möchte nicht alles auf einmal erreichen, man setzt auch nicht alles auf eine Karte, sondern begibt sich erneut auf einen „langen Marsch“ und schont sich selbst auch nicht dabei. Nach erreichen der Autonomie, versucht man nun die Autarkie zu erreichen und erlaubt sich zudem erste Machtansprüche als künftiger Hegemon, denn Nationalismus lässt sich nie lange verstecken. Und so sind die Ziele offiziell gesetzt und werden auch gerne der interessierten Öffentlichkeit kundgetan: darunter die Ablösung der USA als erste Wirtschafts- und Militärmacht, Sicherung aller Weltressourcen und Kontrolle sämtlicher Verkehrswege, sowie eine Dominanz im Weltraum.

Nationalismus verbindet sich gerne auch mit Größenwahn und so hat Xi Jinping nicht nur davon Abstand genommen die Taiwan-Frage ausschließlich friedlich lösen zu wollen, sondern fataler Weise gleich auch eine verbindliche Deadline dafür gesetzt – nämlich noch innerhalb seiner eigenen Regentschaft. Da Chinesen nur ungern ihr Gesicht verlieren, müssen wir nun davon ausgehen, dass dies nicht nur bloße Rhetorik oder nur ein weiterer chinesischer Einschüchterungsversuch ist. Zudem müssen wir davon ausgehen, dass die Taiwanern kaum mit friedlichen Mitteln zurück in Reich zu bewegen sein werden, vor allem weil Xi Jinping der gesamten Welt unzweideutig klar macht, was mit Andersdenkenden geschieht und ihn dabei weder Menschenrechte noch internationale Absprachen interessieren, was man an Hongkong oder den Uiguren sehr gut mitverfolgen kann.

Deshalb muss die Welt nun ganz genau die chinesischen Alternativen mit betrachten, denn es wird nicht davon auszugehen sein, dass ca. 1,5 Milliarden Chinesen einen ähnlichen Größenwahn entwickeln, wie gut 70 Millionen selbsternannte Arier — sie werden die Rechnung vorab kalkulieren, wobei diese durchaus Rundungsfehler in Höhe von plus minus Einhundert Millionen Toten aufweisen darf.

Der erklärte Gegner Chinas sind die USA, mit denen sie seit Jahren wirtschaftlich konkurrieren und ihnen jetzt auch noch ihre pazifischen Interessen streitig machen. Dazu kommt, dass China unumwunden versucht, die Gegenküste der USA im Pazifik zu okkupieren. Taiwan dürfte nur der erste Schritt sein, Südkorea und Japan werden folgen. China ist sich indessen bewusst, dass die USA auch in den kommenden Jahrzehnten fähig bleiben werden, diesen Schritt zu verhindern und ihre Gegenküste im Pazifik weiterhin sichern zu können, es sei denn, sie werden gezwungen, in Europa ihre atlantische Gegenküste sichern zu müssen.

Aber auch hier drängen die Chinesen wirtschaftlich und inzwischen auch mit ersten militärischen Fühlern weiter vor. Als besonders gelungen dürften es die Chinesen ansehen — und sicherlich auch richtig genießen –, dass sie die Reste ihres ehemaligen großen Bruders nun zu ihrem kleinen Bruder machen und mit der Russischen Föderation einen „Partner“ gewinnen konnten, der den Druck auf Europa zunehmend erhöht und prüft, in wieweit Europa oder gar die USA zu Zugeständnissen bereit sind. Besonders die europäischen Nationalisten reagieren bereits und sind sich noch nicht sicher, für welche Seite sie sich letztendlich einvernehmen lassen werden. Die USA prüfen dabei schon lange, ob die britischen Inseln zum Schutz der atlantischen Gegenküste temporär ausreichen werden, und die Europäer wären darin gut beraten zu überlegen, was die Chinesen bei Erfolg nicht nur aus der Russischen Föderation machen werden, sondern ob und wie sie selbst unter dem Einfluss Chinas weiter prosperieren können.

Die größere Herausforderung für China dürfte bei diesen Überlegungen sein, vor allem, weil die Chinesen sich selbst auch kaum einen Zweifrontenkrieg leisten können werden, wie sich die Republik Indien mit gut 1,5 Milliarden Menschen verhalten wird. Zumal Indien mit Narendra Modi ebenfalls einen Nationalisten an der Macht hat und in Folge davon eigene Ansprüche in Asien anmeldet, die kaum mit denen Chinas vereinbar sein werden. Hier können wir gut mitverfolgen, wie China diese Frage bereits auch wieder mit militärischen Mitteln austestet. Zum großen Glück Chinas ist das nationalistische Indien durch sein eigenes „Muslimproblem“ geschwächt und wird den Vorteil, seine gut 150 Millionen Muslime und damit auch weitere Hunderte Millionen von Muslimen angrenzender Länder für sich zu gewinnen, so schnell nicht ausspielen können, was China einen Zweifrontenkrieg zumindest erstmals ersparen könnte.

Damit wäre die Gelegenheit inzwischen gut, dass China nach dem endgültigen Gleichschalten Hongkongs, die Bereitschaft Europas und weiterer Teile des Westens, Ländergewinne Chinas in Ostasien analog Hitlers Besetzung des Sudetenlandes und Österreichs 1938 oder Putins Besetzung der Krim und der Ostukraine 2014 zu akzeptieren, nutzt, um sich Taiwan als nächstes Zwischenziel — wie bereits angekündigt — anzueignen.

Die dafür notwendigen militärischen Voraussetzungen sind langsam aber sicher auch erfüllt: die chinesische Flotte wird die Flotten der USA, Japan und Südkoreas so binden können, dass eine Invasion Taiwans möglich sein wird.

Durch sein Raumfahrtprogramm hat China ebenfalls in Kürze den Punkt erreicht, wo sie zumindest im Weltraum mitmischen können, was seit ein paar Jahrzehnten eine unabdingbare Voraussetzung für einen zeitgemäß geführten Krieg ist.

Die unzähligen Hackerangriffe zeigen ebenfalls, dass China in der Lage sein wird, die Kommunikationsräume zu dominieren, vor allem dann, wenn sämtliche Kommunikationswege und -mittel von chinesischer Technik abhängig sind.

Selbst im sogenannten Information Warfare wird China bestehen können. Und sollte der Konflikt eine nukleare Komponente erhalten, dafür Sorge tragen können, dass dies rein auf taktische Nuklearschläge auf Hoher See oder im Weltraum begrenzt bleiben wird.

Die notwendigen Ressourcen, um einen Krieg führen zu können, hat sich China gesichert und wird aufgrund eines regionalen Krieges vom Rest der Welt nicht isoliert werden. Es ist eher davon auszugehen, dass China vielfältige Unterstützung erhalten wird.

So scheint einer Invasion Taiwans eigentlich nichts mehr im Wege zu stehen, und ich sehe schon die Zeitungsartikel und Reportagen vor meinen Augen, die dies mit der Deutschen Wiedervereinigung vergleichen werden.

Wenn man den Klassikern der Kriegskunst folgt — die die Chinesen ganz gut kennen und zudem einige davon in deren eigener Muttersprache lesen können –, wäre eine solche militärische Aktion, nämlich die Republik Taiwan (ca. 25 Millionen Einwohner) zu erobern, mit weiteren Unwägbarkeiten versehen und könnte sich in eine Länge ziehen, die den Rest der Welt letztendlich doch zu Gegenreaktionen verleitet. An entsprechenden Vorbildern in der jüngeren Geschichte mangelt es nicht.

Deshalb ist es auch nicht auszuschließen, dass die Chinesen bereits einen Schritt weiter gegangen sind und die Annexion Taiwans mit einem Erstschlag mit Biokampfstoffen kombinieren werden, was rein aus militärischer Sicht sehr vernünftig wäre und aus nationalistischer Sichtweise heraus auch überhaupt kein Problem darstellt.

Dieser Einsatz von Biokampfstoffen würde zumindest eine potentielle indische Front langfristig lähmen und die Westliche Welt vorerst mit sich selbst beschäftigen — der Charme dabei: die eigene Bevölkerung, Verbündete und Länder, die sich neutral verhalten, bekommen das Gegenmittel geliefert, der Rest muss Ressourcen für die Entwicklung und Distribution des Gegenmittels einsetzen, und hat, wenn dann alles vorüber ist, vielleicht gar kein Interesse mehr, sich um eine einzelne Insel und um das Schicksal deren Bewohner zu kümmern — zumal immer neue Biokampfstoffe sehr einfach zu verbreiten sind.

Dies alles betrachtend, könnte man sich durchaus fragen, ob COVID-19 ein entsprechender Test war oder nur ein tragischer Unfall während der Versuche, Xi Jinpings Terminvorgaben zu erfüllen.

Und um abschließend meine Frage selbst zu beantworten, jeglicher Nationalismus ist eine Gefahr für uns alle und es kommt nicht darauf an, woher er stammt.

„Nationalism is power hunger tempered by self-deception.“

George Orwell, Notes on Nationalism (1945)

Heilbronn 1945

European Fundamentals 5 (3)

Beitragsfoto: Heilbronn 1945 | Aufnahme der US-Streitkräfte | Eingescannt von Uwe Jacobi

When the European Federalists reunited after some 17 years of separation, during which they had tried to unite Europe either as a “supranational Movement of European Federalists“ (sMEF) or as “Aktion Europäischer Föderalisten” (AEF) into a single association in 1973, they agreed on three founding fathers of the federal idea and nine fundamental documents.

Lesser known is the fact that they also changed that day the name of the European level organization from “European Union of Federalists” (UEF in French) into the organization’s name “Union of European Federalists” (still the same abbreviation, but now valid for all languages).

By the way, the “Young European Federalists” (JEF in German) reunited in 1972, which is probably why they keep this date as the date of their own foundation, which, however, actually took place on the 28th of May 1949 in Sankt Goar, Germany (“Juventus”).

The reunification congress from April 13th to 15th 1973 in Brussels, which met under the motto “The United European Federalists Fight for European Democracy”, determined that the European Federalists are inspired by Immanuel Kant, Alexander Hamilton and Pierre-Joseph Proudhon, and already listed the common fundamental documents presented in this article in the preamble of the new statutes.

The fact that Immanuel Kant and Alexander Hamilton are leaders of federalist thought is still undisputed today. In 1795, the former laid the foundation with his philosophical draft for perpetual peace for all federalists. Alexander Hamilton, one of the founding fathers of the United States of America and author of 51 of in total 85 articles in the Federalist Papers (1788), essentially laid the foundations of modern, representative democracy. Pierre-Joseph Proudhon is listed as third because he is considered to be the source of the idea of communalism (probably better known as integral federalism), which as early as 1947 were seen by the majority as the view of federalism that should actually be striven for. Proudhon is still generally known today for his provocative statement “Property is theft”, which comes from his work “Qu’est ce que la propriété? Ou recherches sur le principe du droit et du gouvernement.” (1840).

The nine foundations of federalism named by the European Federalists are the guidelines of the “Federal Union” (1939); the “Guiding Principles for a New Europe” of the Europa-Union Switzerland (February 1940); the “Ventotene Manifesto” (July 1941); the “Geneva Declarations” of the European resistance fighters (May 1944); the “Hertensteiner Program” (September 1946); the “Declaration” of the first UEF Congress in Montreux (August 1947); the “Political Resolution” of the first Congress of the EUROPA-UNION Germany (May 1949); the “Federal Charter“ adopted by the second UEF Congress in Montreux (April 1964); and the historic “Declaration of Principles” adopted at the Nancy Congress of the sMEF in April 1972.

In the meantime, several years have passed, and I, personally, deem the following documents as noteworthy and likewise important: the “Political Declaration” from the Unification Congress of the UEF itself, which was stipulated on April 15th 1973; the EUROPA-UNION Germany’s “Twelve Theses for Europe” (April 14th 1964); the “Kiel Program for Europe” of the EUROPA-UNION (June 27th 1978); its “Charter of European Identity” (October 28th 1995); and the “Charter of Fundamental Rights” of the European Union itself (December 1st 2009).

With these 14 documents listed here, one has a comprehensive overview not only of European federalism but also of federalism as a whole. This distinction is made since the World Federalists distinguish themselves from the European Federalists only in that the World Federalists have wanted to achieve a world union through a world parliament already in 1947 (constitutionalists), whereas the European Federalists decided in 1947 to first create a free Europe, then including the rest of Europe, which then would have functioned as a blueprint for other world regions and a later world union. You will find all these documents online as annexes to the book “Europe is for Everyone!” (2020)

From the very beginning, the European Federalists differentiated themselves into two strands: constitutionalists and functionalists. The former wanted to create the European federal state through a European Parliament – the Altiero Spinelli approach — whereas the latter promoted the growing together of the member states through common institutions – the Jean Monnet approach. The above mentioned split into two federalist organizations occurred since the European Economic Community entered into force, and reflects the difference between these political visions: the Italian federalists chose the constitutional method of action while the German and Dutch federalists chose functionalism.

Communalism, leading to the deepest change in European structures, emerged, at least in my opinion, out of the currents of the Ordre Nouveau (France) and the acceptance of the Christian principle of subsidiarity, and thus still today offers the only sustainable federal solution for present and future societies, of which the majority of the European Federalist was convinced already in 1947.

Therefore, constitutionalists and functionalists should consider themselves still altogether as communalists. To support this opinion, I highly recommend Michael Wolffsohn’s book “Zum Weltfrieden – Ein politischer Entwurf” (2015).

The biggest challenge to the communalist idea is in short the following: those who have made themselves comfortable in the current and mostly outdated structures are against a federal restructuring from the bottom up, starting from the municipalities, across the regions to a federal state. Thus, from the beginning, together with nationalists and centralists, they have put a brake on any further federal development and have helped to ensure that the United States of Europe as well as a future world union – which equates to eternal peace – remains a dream for many.

Furthermore, I would like to stress that the European idea is absolutely not compatible with the pan-European idea, and thus European Federalists are undoubtedly not “superstate Europeans”, who are still nationalists (Kemal Derviş sort of rebranded the pan-Europeans as such in a speech in Stuttgart in 2005). The institutional model promoted by the “superstate Europeans” is, in my view, “European nationalism”. In fact, the distinctive character of “European nationalism” is the extension of the model of the centralized and indivisible model of the nation-state to the European level, in other words, a European nation-state. Whereas the European federalists are not only convinced of the world union, which is clearly stated in UEF’s motto: “A United Europe in a United World”, but also in a pure federalist approach manifested in the motto of the European Union: “United in Diversity”.

Andrew Duff argues in his book “On Governing Europe – A Federal Experiment” (2018) that the European Federalists are strongest in those countries which exhibited an essential resistance during the Second World War. Therefore, the European idea has no fundament in the United Kingdom at all; the relicts of the Federal Union act as its exception. And that is why the British favor a European confederation. Whereas in France the former Vichy regime is still influential, causing the UEF spirit to vanish and keeping the idea of a “Europe of the fatherlands” as favorable. This also explains why the UEF spirit is mostly visible and active in Italy.

But why not in Germany? This is caused by the UEF’s birth defect which materialized in that the UEF forced the UEF members in Germany 1947 to merge with non-federalists and “superstate Europeans” in order to become an accepted UEF section with the proper name EUROPA-UNION Germany, which finally happened on November 20th 1947. The UEF representative for Germany, Ernst von Schenk, had signaled repeatedly before that only one common German organization could become a UEF section.

Nowadays, many assume that this caused the EUROPA-UNION to become the biggest UEF section, but the membership numbers show different. Over all the years, these numbers stayed the same as before the forced merger. Only on the EUROPA-UNION’s organizational boards do the “superstate Europeans” slowly but steadily poison the UEF spirit in Germany, interestingly supported by some Austrian federalists, where the pan-European idea was created in 1923.

That is why even board members of the EUROPA-UNION try to erase, for instance, the “Twelve Theses for Europe” (1964), reject an originally foreseen membership of the EUROPA-UNION in the World Federalist Movement (WFM), or even reject new UEF decisions, like promoting the transnational lists.

Even worse, all over Europe, “superstate Europeans” close their ranks in and outside of the UEF, using not only the European Movement’s network to promote the European superstate – some may even call it the IV. Reich. As a “Menetekel” you can take the “intronization” of the last president of the European Commission or the reluctance to involve parliaments and the civil society in vital decisions about the future of Europe.

While on the other side, the UEF — and this some 50 years after its reunification and some 75 years after its founding — still consists of confederalists, “superstate Europeans”, World- and European Federalists, and discusses internal procedures. Most common of all is only that UEF’s origin is not known by most of its members nor are the founding documents.

I am convinced that this knowledge would ease not only UEF’s internal communication but also the popularity and acceptance within our European societies, in which the UEF should become the main actor and mediator for the balance of interests within the European societies, whilst insisting strongly on the realization of the European idea. The European idea is the only way to create the United States of Europe – and lasting world peace!

Diesen Beitrag habe ich am 2. Januar 2021 für die Federalist Debate geschrieben, wo er in der ersten Ausgabe März 2021 erschienen ist.

Der Beitrag basiert auf einem Blogeintrag, welchen ich bereits am 4. Juni 2020 unter dem Titel „Neun plus fünf“ in meinem Weblog veröffentlicht habe, und an welchem Luico Levi, der Herausgeber der Federalist Debate, Gefallen gefunden hat.

„Die Geschichte kennen, sich mit ihr beschäftigen und über sie nachzudenken ist nichts anderes, als wenn man sich selbst in einem schönen glattpolierten Spiegel beschaut oder jemand anderen, der davor steht. Die Geschichte ist nichts anderes als wenn man in ihr das Leben, Wandeln und Handeln der Menschen erkennt, die lange vor uns gelebt haben. Manch einer denkt nicht weiter als es ihn selbst und sein Leben betrifft, geht so dahin wie unvernünftiges Vieh, das auch so für sich dahinlebt. Aber die Dinge der Vergangenheit erinnern und ermahnen uns alle, auch auf die Leute zu schauen, die als unsere Vorfahren vor vielen Jahren gelebt haben, dass wir ihr Tun und Lassen betrachten und ihre Werke beherzigen. Ja, die Geschichte kennen ist nichts anderes als um den rechten Lauf der Welt zu wissen.“  

Franciscus Lubecus, „Chronika und Anales der löblichen Stadt Göttingen“ (1570 – 1595)

Bildausschnitt von Albrecht Dürers Ritter, Tod und Teufel

Die drei Menetekel 5 (1)

Beitragsfoto: Bildausschnitt aus Albrecht Dürers Ritter, Tod und Teufel (1513)

Als überzeugter Europäer fällt es mir sehr schwer, diesen Artikel zu schreiben, allerdings wird es auch immer schwerer, die Augen weiterhin verschlossen zu halten und die jüngsten Entwicklungen und ihre Auswirkungen einfach zu ignorieren.

Zeichen gab es vorab genügend: Bankenkrise, verstärkte Migration, eine globale Erderwärmung – nur um die bekanntesten zu erwähnen. Aber diese haben wir allesamt ignoriert und es dabei auch sehr gerne gesehen, dass unsere Volksvertreter alles taten, um uns weiter in der Lethargie zu halten. Denn kaum einer von uns wollte tatsächlich auf den nächsten Malle-Besuch oder gar das kommende Besäufnis auf dem Oktoberfest verzichten.

Und wenn der Wink mit dem Zaunpfahl nicht ausreicht, muss es halt ein Menetekel sein. Angefangen hat es mit dem BREXIT, dem willentlichen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union. Hier hätten nicht nur die verantwortlichen Politiker endlich aufwachen, sondern auch wir Unionsbürger insgesamt unsere ureigenste Verantwortung als Souverän annehmen müssen.

Das zweite Menetekel ist nunmehr COVID-19, welches uns alle sehr schmerzhaft daran erinnert, dass wir, ob wir es wollen oder nicht, alle auf einem einzigen Planeten leben und sich keiner wirklich dauerhaft abschotten kann.

Und sollten diese beiden Menetekel nicht ausreichen, um entweder erst die Europäische Union und gleich im Anschluss dann auch unsere gesamte Zivilisation zu zerstören, oder was wirklich zu hoffen ist, endlich dazu führt, dass wir wenigstens einmal unsere Primärprozesse hinten anstellen und beginnen tatsächlich auch Mensch zu sein, dann kommt das dritte und auch letzte Menetekel: die Annexion des Baltikums durch die Russische Föderation.

Dieses dritte Menetekel wird uns allen eindeutig vor Augen führen, dass potemkinsche Dörfer keine Existenzgrundlage sind. Und mit dieser letzten Erkenntnis wird unsere westliche Welt in Trümmern versinken und mit ihr auch die Europäische Idee an sich.

Dabei kristallisierte sich die Europäische Idee aus den schlechten Erfahrungen der Menschen der letzten Jahrtausende heraus und bietet nicht nur tragfähige Lösungen für das menschliche Miteinander insgesamt, sondern versprach darüber hinaus von Anfang an auch allen Menschen Sicherheit und Wohlstand.

Und das war auch der Grund, warum sich so viele für diese Europäische Idee begeisterten und ganze Länder freudig und mit wehenden Fahnen der Europäischen Union beitraten.

Dabei vergaßen die meisten, dass es erstens „Sicherheit und Wohlstand für alle“ geheißen hat und zweitens, dass jeder dafür auch etwas machen, wenn nicht gar leisten muss.

Der „große Deal“ war die Schaffung eines europäischen Bundesstaates, der in der Lage ist, die Interessen aller zu wahren und für alle Sicherheit und Wohlstand zu generieren. Der Deal war nicht, einen „halblebigen Staatenbund“ zu schaffen, wo die Rosinenpickerei von Gruppen oder gar Einzelpersonen zur „Staatsraison“ erhoben wird.

Der „große Deal“ war zudem auch, dass dieser europäische Bundesstaat als Vorbild für den Rest der Welt dient und mithilft, die gesamte Welt lebenswerter zu machen und letztendlich damit allen Menschen Sicherheit und Wohlstand zu garantieren. Der Deal war nicht, dass sich „ein Europa“ erneut über den Rest der Welt erhebt, von diesem profitiert und seinen damit generierten Wohlstand gegen mehr als 90 % der Weltbevölkerung zu verteidigen versucht.

Der „große Deal“ kann funktionieren, deswegen hat auch der Rest der Welt bisher auf das Europa nach 1945 geschaut, unterstützt und gehofft, dass der sich in Europa abzeichnende Erfolg bald auch auf sie selber positiv auswirken wird.

Was die Welt aber nun im Europa des 21. Jahrhunderts erblickt, ist das Altbekannte: Kleinstaaterei, Egoismus, Nationalismus, Neid, Missgunst, Chauvinismus bis hin zum Rassismus – alles nachweislich keine Erfolgsmodelle!

Meine lieben Mitbürger und Unionsbürger, niemand hat uns jemals versprochen, dass Demokratie und Föderalismus einfach sind, und schon gar nicht, dass es einfach ist, in einer Welt zu leben.

Uns wurde aber zugesichert, dass, wenn wir diesen beschwerlichen und langwierigen Weg gehen, wir keinen Krieg mehr erleiden müssen und damit auch mehr Wohlstand haben als unsere Großeltern zuvor.

Das ist machbar!

Dafür müssen wir aber auch einen europäischen Bundesstaat sähen und nicht nur ständig ernten wollen.


„You’ll be a mensch … You’ll be a success.“

Harold Pinter, The Birthday Party (1959)

„If you didn’t care what happened to me,
And I didn’t care for you,
we would zig zag our way through the boredom and pain,
Occasionally glancing up through the rain,
Wondering which of the buggers to blame
And watching for pigs on the wing.

Pink Floyd, Pigs on the Wing (Part One)