Espresso

15.10.02024 5 (4)

Beitragsfoto: Kaffee | © StockSnap auf Pixabay

Erfreulich

Erst staunte ich ein wenig über einen „Pfarrertag“, der ca. 500 Pfarrer jüngst nach Heilbronn brachte. Interessant dabei, dass sich auch Pfarrer untereinander organisieren und in Baden-Württemberg bereits seit 1891 bzw. 1892 eigene Vereine unterhalten; diese Vereine veranstalten einmal im Jahr einen Pfarrertag.

Das Ganze wäre allerdings spurlos an mir vorüber gegangen, wenn sich nicht der evangelische Landesbischof von Württemberg, Ernst-Wilhelm Gohl, gestern in Heilbronn von extremistischen Parteien „sowohl von rechts, als auch von links“ abgegrenzt hätte. Und so zeigte der Landesbischof klare Kante, nämlich indem er sich auch noch wie folgt äußerte: „Als Christ kann man die AfD nicht wählen.“

Ebenfalls erfreulich, gleich heute Morgen gibt es wieder ein Käffchen zusammen mit Detlef Stern und die noch bevor ich mich in die kommende Vorlesung stürze.

Basteln

Mal wieder etwas am Blog herumgebastelt und dabei das eine oder andere Plugin bzw. Addon entfernt. Dachte kurz daran, auch meine restlichen Social Media-Accounts abzuschalten, habe es dann aber doch gelassen. Kurz darauf staunte ich darüber, dass Detlef Stern einmal ein solches Konto vor mir „stilllegt“.

Und da ich dann schon einmal dabei war, falteten meine bessere Hälfte und ich noch ein paar Mitgliederbriefe und verfrachteten diese in entsprechende Umschläge. Als ich vor ein paar Jahren die Satzung der EUROPA-UNION Heilbronn aktualisierte, vergas ich dabei den Postweg zu vereinfachen. Und so erhalten die Vereinsmitglieder einmal im Jahr eine schriftliche Einladung zur Mitgliederversammlung per Post. Und jedes Mal, wenn ich wieder Briefe in Umschläge „bastele“, überlege ich mir, ob es nicht einfacher wäre, eine erneute Satzungsänderung in die Wege zu leiten. Dann aber bietet sich Herbert Steudel an, um beim Verschicken der Briefe zu unterstützen und ich erfreue mich wieder einmal an der guten alten Gruppenarbeit.

Da ich dieses Mal etwas abgelenkt war, hat im Brief der Fehlerteufel zugeschlagen; mein Qualitätsmanagement hat auch geschlafen und so bin ich jetzt einmal gespannt darauf, ob ich entsprechendes Feedback erhalte.

Und da ich schon beim Basteln bin, steht auch noch eine Wohnungsentrümpelung an. Dieses Mal hole ich mir aber professionelle Hilfe.

Wochenstart

Der gestrige Wochenstart ist ganz gut gelungen. Schon die Fahrt mit dem meseno-Bus verlief sehr erfolgreich und so konnten wir das eine oder andere Regal und die Auslage wieder auffüllen. Auch erfuhr ich, dass mein „Harris-Walz Embroidered Camo Hat“ endlich im Zulauf ist. Wenn wir alle etwas Glück haben, dann kann ich die Mütze bereits am Wahltag zum Sieg von Kamala Harris tragen.

Wenn man sich aber so in den US-amerikanischen Medien umschaut, sieht es auch heute noch danach aus, dass es weiterhin ein Kopf an Kopf Rennen sein wird. Und in einem hat Donald Trump tatsächlich Recht, er kann wirklich alles tun und sagen, die Republikaner wählen ihn ohne Wenn und Aber.

„Schlimmer ist es, wenn ein Lügner die Wahrheit sagt, als wenn ein Liebhaber der Wahrheit lügt, schlimmer wenn ein Menschenhasser Bruderliebe übt, als wenn ein Liebhaber der Menschen einmal vom Haß überwältigt wird. Besser als die Wahrheit im Munde des Lügners ist noch die Lüge, besser als die Tat der Bruderliebe des Menschenfeindes ist der Haß.“

Dietrich Bonhoeffer, ethik als Gestaltung (DBW BAnd 6, 2015: 62f)

Blitz

Ewiges Leben 5 (7)

Beitragsfoto: Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

Ohne meinem eigenen Glauben nahetreten zu wollen, so muss man sich doch einmal danach fragen, was es eigentlich mit dem ewigen Leben so auf sich haben könnte.

Über dreißigmal ist im Neuen Testament davon die Rede. Man stelle sich dies nunmal wortwörtlich vor und denkt darüber nach, wie man nach seinem eigenen Tod, wieder und wohl in einer etwas anderen Form aufersteht und danach bis auf alle Ewigkeit — was tatsächlich noch einiges mehr als unendlich sein dürfte — im Himmel — einem bis heute noch nicht so ganz festgelegten Ort — zumindest zusammen mit unserem Schöpfer zu verbringen hat und wohl auch noch mit jenen Menschen, die man schon zu Lebzeiten nicht ausstehen konnte, denn, dass sich diese allesamt in der Hölle befinden, dürfte sehr, sehr unwahrscheinlich sein.

Wie dem auch sei, selbst im optimalsten Fall — mit dreißig Jungfrauen möchte ich schon gar nicht drohen — ist weiterhin noch nicht ganz geklärt, was man, außer ausschlafen vielleicht, den ganzen Tag über so macht. Und egal was, auch dies dürfte spätestens nach ein paar hunderttausend Jahren nicht mehr so ganz spannend sein. Außer man gehört zu den extravertiertesten Menschen überhaupt und freut sich jeden Tag aufs Neue, um von immer wieder anderen Menschen deren Lebensgeschichte erzählt zu bekommen. Aber auch dies dürfte irgendwann einmal zur Qual werden — und selbst Sisyphos zu einem Lächeln zwingen.

Und so ist eher wahrscheinlich, dass man als Gläubiger und vermutlich auch als Ungläubiger — wer kann das schon sagen — nach dem eigenen Tod wieder in einem Großen und Ganzen aufgeht, wobei dann das (eigene) ewige Leben schon alleine angesichts der großen Menge an Menschen und vielleicht auch allen anderen Geschöpfen sehr relativ sein wird, also fast bis an die Grenze zur Marginalisierung.

Deshalb wäre es vielleicht gar nicht so schlecht, wenn man das ewige Leben eher als ein erfülltes Leben versteht — meine eigenen Religionskenntnisse sind diesbezüglich mehr als ungenügend, ich vermute aber, dass dies durchaus eine allgemein akzeptierte Deutung sein könnte.

Dies macht die gesamte Angelegenheit aber ebenfalls kaum einfacher, denn was versteht man nun unter einem erfüllten Leben? Dies muss wohl jeder am Ende seines eigenen Lebens selber für sich entscheiden. Und manche von uns machen dies zudem noch mit ihrem ganz eigenen Gott aus.

Eines ist aber auf alle Fälle sicher, zu diesem Kassensturz kommt es für die allermeisten von uns viel schneller als es uns selber lieb sein dürfte.

Und für diesen Fall habe ich gleich zwei gute Ratschläge: erstens, leben Sie richtig, dann ist einmal auch genug, und zweitens, leben Sie so, dass gerade jene Menschen, die ihnen am meisten bedeuten, ihr Ableben bedauern und betrauern werden und Sie vielleicht sogar bis zum eigenen Lebensende in guter Erinnerung behalten.

Die größte Wertschätzung dürfte dabei sein, wenn diese Menschen Sie auch noch als Vorbild nehmen und von Ihnen zudem etwas gelernt haben — denn damit dürften Sie tatsächlich ewig leben.


Kaffeegenuss

Zeit für ein Gedicht 5 (7)

Beitragsfoto: Kaffeegenuss | © Pixabay

Heute ist Totensonntag und die Kirchenglocken sind längst verklungen. Eigentlich wollte ich mir heute eine kleine Auszeit gönnen und Kraft für die restlichen Wochen des Jahres schöpfen. Vielleicht nur kurz einmal über das letzte Protokoll einer Sitzung schauen, einen Beitrag über eine Veranstaltung schreiben und den Tag beim Tanzen ausklingen zu lassen.

Auch weiß ich, dass Detlef Stern großes Verständnis dafür hat, dass ich unser letztes sehr nettes Gespräch und auch über dessen Ergebnis nicht schreibe, denn u. a. hatten wir über das Kürzertreten gesprochen. Dann aber sitze ich so gemütlich am Tisch, erfreue mich an den Leckereien, die meine bessere Hälfe aufgetischt hat, und schon strömen die unterschiedlichsten Wortfetzen bei mir zusammen, die mir seit Freitag zu Gehör kamen. „Blauäugigkeit“ (Thomas Zimmermann), „tendenziös“ (Thomas Randecker), „grundsätzlich“ (Rainer Hinderer), „gemeinsam“ (Herbert Burkhardt) und „Lore-Ley“ (Hans Müller).

Wie schon geschrieben, die Kirchenglocken sind schon längst verklungen und wir haben allesamt wirklich riesige, gar weltbewegende und alleine kaum lösbare Probleme auf dem Tisch liegen, darunter eine paar waschechte Kriege, eine unvergleichbare Umweltkatastrophe — wenn man die Dinosaurier einmal außen vor lässt — und daraus resultierende gesamtwirtschaftliche Herausforderungen, welche die eigenen persönlichen Probleme und Herausforderungen wie auch die aus dem nächsten Umfeld klein erscheinen lassen müssten. Aber es sind gerade diese kleinen lokalen und uns persönlich betreffenden Probleme, die uns tatsächlich bewegen. Und so lange wie wir uns weiterhin mit Schuldenbergen, Raubbau und gegenseitigen Schuldzuweisungen aushelfen können, werden die wirklichen lebensbedrohlichen Probleme einfach ausgeblendet.

Ich konnte das noch nie — einer meiner größeren Fehler — und wollte deshalb einfach nur eine kleine Auszeit von meinen (lokalen) Problemchen nehmen. Unsere drei großen und miteinander verwandten Religionen helfen dabei schon lange nicht mehr, ganz im Gegenteil, anstatt in diesen Zeiten alle an einem Strang zu ziehen und ihre wenigen tatsächlich existierenden Gläubigen für ihre gemeinsame Sache unter einen Hut zu bringen, schüren sie allesamt — hier lasse ich das Judentum in Deutschland aber außen vor, da dieses leider bei uns kaum bis keine Bedeutung mehr hat — das Feuer. Und seit diesem Freitag schürt die Heilbronner Stimme wieder heftig mit.

Ich befürchte, dass, wenn Rabbiner, Priester, Pfarrer und Imame in diesen wirklich schlimmen Zeiten nicht unisono zumindest hier bei uns auf lokaler Ebene zusammenstehen und ihre noch vorhandenen Schäfchen zusammenführen, um einen zumindest temporären Burgfrieden einzuklagen, dann benötigen wir diese allesamt nicht mehr. In Tagen, wo wirklich alles bei uns schiefzulaufen scheint, streiten wir uns jetzt dieses Wochenende wieder einmal über den Neubau einer Moschee. Und ich kann froh sein, dass unsere jüdischen Mitbürger nicht auf eine Synagoge bestehen — Heilbronn würde vermutlich brennen!

Religionen könnten die Welt tatsächlich etwas besser machen — viele ihrer offiziellen Vertreter machen das Gegenteil. Demokratie würde die Welt verbessern — viele ihrer offiziellen Vertreter machen das Gegenteil. Wir Menschen könnten ein Paradies auf Erden schaffen — viele von uns machen das Gegenteil!

Und so hämmern mir die Worte Heinrich Heines durch den Kopf „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“ — Hans Müller kam darauf, bereits vor Tagen zu sprechen. Heinrich Heine schuf 1824 das Gedicht von der „Lore-Ley“, welches ein zentrales Motiv der Romantik, das Vanitas-Motiv, behandelt. Der Vanitas-Gedanke stammt aus dem Alten Testament, hatte seinen Höhepunkt sicherlich im Barock, aber dennoch auch heute seine Gültigkeit: hinter der Maske der Schönheit (auch bei uns in Heilbronn) lauert der Tod.

Friedrich Silcher vertonte das Heinrich-Heine-Gedicht bereits 1837 und machte es damit sehr schnell allgemein bekannt. Wie Hans Müller schrieb, selbst die Nationalsozialisten konnten es nicht mehr aus der Welt schaffen.

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
Daß ich so traurig bin; 
Ein Märchen aus alten Zeiten, 
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl und es dunkelt, 
Und ruhig fließt der Rhein; 
Der Gipfel des Berges funkelt 
Im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet 
Dort oben wunderbar; 
Ihr goldnes Geschmeide blitzet, 
Sie kämmt ihr goldenes Haar.

Sie kämmt es mit goldenem Kamme 
Und singt ein Lied dabei; 
Das hat eine wundersame, 
Gewaltige Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe 
Ergreift es mit wildem Weh; 
Er schaut nicht die Felsenriffe, 
Er schaut nur hinauf in die Höh.

Ich glaube, die Wellen verschlingen 
Am Ende Schiffer und Kahn; 
Und das hat mit ihrem Singen 
Die Lore-Ley getan.

Heinrich Heine, Buch der Lieder (1827)