Tanzschuhe

11.12.02025 5 (6)

Beitragsfoto: Tanzschuhe

Zur Disposition

Wie in den USA erfolgt und bereits in der Umsetzung begriffen, stellt man bei uns — auch hier in Deutschland — Europa und die Demokratie an sich zur Disposition.

Dabei sind Donald Trump, MAGA sowie die GOP nur der Schnelldurchlauf und auch nur deshalb, weil es in Europa bekanntlich immer etwas länger dauert. Was unseren Volksvertretern zudem die Gelegenheit gibt, ihr eigenes Vorgehen besser untereinander abzustimmen.

Wenn man als Berufspolitiker sämtliche Glaubwürdigkeit bei den Wählern verloren hat, ist der Übergang zur Diktatur die natürliche Folge.

Und weil dies seit Jahrtausenden spätestens seit dem alten Rom bekannt ist, scheuen und zieren sich anfangs noch die meisten Berufspolitiker, aber nur so lange, bis das Eis gebrochen ist, denn dann gibt es kein Halten mehr — wir können dies seit ein paar Jahren in den USA ganz wunderbar mitverfolgen; Hans Müller hat dies u. a. auch hier im Blog sehr gut dokumentiert.

Und so dürfen die jüngsten Schelten der etablierten demokratischen Parteien gegen die extremen Ränder nur noch als letztes Täuschungsmanöver angesehen werden. In Frankreich ist derweil Nikolas Sarkozy längst einen Schritt weiter und dient die Konservativen Marine Le Pen und ihrer Nazi-Partei an.

Aber auch bei uns dauert es nicht mehr lange, bis die Union die Juniorpartnerschaft unter einer AfD-Regierung akzeptiert; wobei die ersten Gespräche — wenn erwischt, gerne dementiert — bereits laufen, zumindest auf lokaler Ebene. Derweil versucht sich Friedrich Merz noch dadurch zu retten, dass er sich Donald Trump direkt andient — die AfD war wie bei Wladimir Putin auch hierbei wieder etwas schneller.

Und wir Bürger haben es gefressen, Europa und die Demokratie sind als Auslaufmodelle nicht mehr zeitgemäß! Dafür bekommen wir bald wieder Russengas, die Sicherheit von DDR-Renten und einen Zaun um uns herum, der uns wie zu den guten alten Zeiten vor allem Bösen schützt.

Wir könnten allerdings noch ganz anders! Gemeinsam für das eintreten, was uns allen über Jahrzehnte hinweg gutgetan hat, trotz vieler Rückschritte, Fehltritte und Eskapaden, nämlich weiter an einem einigen Europa und unseren Demokratien festhalten und damit unseren US-amerikanischen Freunden zeigen, dass diese bereits vor gut 250 Jahren richtig lagen und die alten europäischen Gewohnheiten noch nie die Lösung für echte Probleme und große Herausforderungen waren.

In den USA gibt es nämlich noch ein paar Reste einer demokratischen Opposition und bestimmt auch noch ausreichend Demokraten, um gemeinsam mit den europäischen Demokratien wieder an einem Strang zu ziehen. Und genau das müssten wir Bürger unseren Volksvertretern vermitteln und auch abverlangen!

Wahrscheinlich scheitert das Ganze letztendlich daran, dass wir und unsere Volksvertreter dafür tatsächlich unangenehme Dinge tun müssten, wie z. B. Verantwortung übernehmen.

Überraschung

Ich lese gerne den „Rapporteur“, ein Rundschreiben von Euractiv. Uns allen dürfte es klar gewesen sein, dass das Europäische Parlament nicht über die Korruptionsaffäre um Federica Mogherini und Stefano Sannino debattieren wird, zum einen reicht es als Ausrede, dass die rechten Parteien eine solche Debatte fordern und zum anderen schadet es letztendlich dem Europäischen Parlament an sich.

Und nein, liebe deutsche Mitbürger, es ist weder ein italienisches noch ein griechisches Problem, sondern ein gesamteuropäisches, wobei wir Deutschen klamm heimlich und schon sehr lange die eigentlichen Korruptionsweltmeister sind — bei uns ist nämlich Korruption schon lange Staatsräson.

Besser wäre es gewesen, wenn eine demokratische Partei zuerst die Debatte gefordert hätte. An den europäische Staatsanwälten und Ermittlern liegt es nämlich nicht, die führen auf Brüssler Ebene die Korruptionsfälle, die in Berlin beständig unter den Tisch gekehrt werden, ans Tageslicht. Und das ist gut so! Hierbei ist das Brüssel-Europa weit besser als das Berlin-Deutschland. Ergo, eine Europaschelte, die die rechten Parteien im Europäischen Parlament gerne hätten, völlig fehl am Platz. Besonders weil die Vertreter dieser rechten Parteien mit die kriminellsten Abgeordneten Europas stellen.

Und wenn diese in Straßburg dann völlig verbrannt sind, nimmt man sie einfach wieder in den Bundestag zurück; da bei uns Korruption Staatsräson ist, ist das auch so in Ordnung.

Bürger, die nun dennoch wieder gegen Europa hetzen möchten, denen empfehle ich erst einmal in Stuttgart und Berlin zu kehren, gerne auch in weiteren deutschen Hauptstädten oder noch besser gleich im eigenen Rathaus.

Die heutige Überraschung aber ist, dass Rainer Wieland von der Union wieder als Abgeordneter ins Spiel gebracht wird.

Vermischtes

Was aktuell als erste Kuschelparty in Heilbronn propagiert wird, war in den 1970er-Jahren hier bei uns noch gang und gäbe, zumindest bei den etwas städtischeren Mitbürgern. Wir Jugendlichen nannten dies Wagenburgen. Zugegeben, Kuschelparty hört sich vielleicht doch etwas besser an, verspricht dabei aber sicherlich mehr, als die Organisatoren halten können.

Unsere Wagenburgen hingegen waren stets und dabei meist auch sehr spontan selbst organisiert und jeder selber dafür zuständig, dass es ihm gefällt. Den regelmäßigen Teilnehmern dürfte es auf alle Fälle gefallen haben, und unsere Eltern, im Falle, dass sie davon Wind bekamen, wollten vor ihren eigenen Sprösslingen sicherlich keine 1950er sein.

Wahrscheinlich aber nicht, weil sich die Flower-Power-Bewegung auch bei uns bemerkbar machte, eher weil inzwischen in fast jedem Haushalt die Bücher von Oswalt und Cornelia Kolle standen: „Dein Mann, Deine Frau, das unbekannte Wesen“.

Schon immer habe ich gerne in den Bücherschränken anderer Leute gestöbert, als Jugendlicher sehr gerne in jenen der Eltern meiner Freunde und Bekannten. Meist standen dort die gleichen Bücher, jene, die man halt kaufen musste, etwa so wie heute die Apps für die Mobiltelefone. Und so war es weit spannender zu ergründen, wie diese zusammengestellt wurden, nach Farbe, nach Größe, nach Kaufdatum, nach Autor oder gar nach unterschiedlichen Themen.

Lustig dabei, wo die Kolle-Bücher eingereiht waren. Noch amüsanter die Bücher selbst. Was unsere Eltern aus Büchern zu lernen versuchten, lernten wir beim eigenständigen Experimentieren — oder auch nicht.

Gestern Abend für meinen Geschmack etwas zu spät, gab es wieder einmal ein paar Runden Tango Argentino. Da sich die Paare inzwischen alle kennen dürften, gibt es auch immer wieder sehr nette Gespräche.

Danach durfte ich erfahren, dass Gasleitungen auch porös werden können und unser Jüngster zog kurzfristig bei uns ein, so lange, bis er seine eigene Wohnung wieder betreten kann.

Was mich daran erinnerte, dass unsere Regierung auch auf diesem Gebiet mit falschen Karten spielt, denn unsere Gasleitungen und ganz besonders jene in den etwas älteren Gebäuden und Straßenzügen sind gar nicht dafür vorgesehen, dass man auch nur ansatzweise Wasserstoff durchleiten kann.

Bevor ich mir nun wieder einmal sehr traurige Gedanken darüber machte, wie wir Normalbürger nur noch ausgebeutet und verarscht werden, wobei die meisten von uns das ganz genau so möchten (!), verzog ich mich auf „meine Insel“ und guckte eine Folge „Death in Paradise“ (2011 – dato) — zum Bingen reichte die Nacht nicht mehr aus.

Der Vorteil von TV-Serien gegenüber Büchern, in erstere guckt man immer wieder rein. Die meisten Apps hingegen liegen auch nur so auf dem Mobiltelefon herum.

Und das ist der eigentliche Vorteil von Flimmerkisten, sie ersetzen das urzeitliche Lagerfeuer und man muss dabei auch keine völlig unnötigen Gespräche führen.

„Lernen oder Nichtlernen, das ist die Frage. …
der sogenannte wissenschaftliche Fortschritt typisch mehr ungelöste als gelöste Probleme erzeugt, also das Nichtwissen im Vergleich zum Wissen überproportional vermehrt.“

Niklas Luhmann (2021: 437, 440)

Soldaten

15.9.02025 5 (4)

Beitragsfoto: Soldaten | © Pixabay

Werbung

Gerade eine aktuelle Diskussion mit Thomas Michl. Wie wirbt man für Streitkräfte? Ich meine nicht wie für alle anderen, da Streitkräfte etwas ganz Besonderes sind.

Der größte Werbefehler war vor Jahren: „Ein Beruf wie jeder andere!“ Der zweitgrößte mit ‚Sicherheit im Militärberuf‘ zu werben! Denn Soldat sein hat mit der „gutbürgerlichen Sicherheit“ rein gar nichts zu tun.

Und an dem, was wir durch diese Art von Werbung bekommen haben, leiden wir noch heute.

Der dritte Werbefehler war, das Militär als Gleichmacherei verkaufen zu wollen. Das böse Erwachen für viel zu viele war und ist kontraproduktiv.

Wie macht man dann für Streitkräfte Werbung? Ich weiß es nicht. Vielleicht, indem die Soldaten von ganz alleine durch Leistung und gutes Aussehen für sich werben und dadurch leistungsfähige und -willige junge Menschen versuchen, ob sie dieser Herausforderung gewachsen sind.

Und natürlich — in unserer Gesellschaft so üblich — durch eine angemessene Bezahlung sowie einer vorbildlichen Unterstützung, wenn die Soldaten dann als Wracks aus den Einsätzen zurückkommen.

Das alte Rom wusste noch, wie man es macht, und so könnte man deren entsprechende Aufzeichnungen einmal zur Hilfe nehmen.

Kommentare

Mit dem Wegfall der Möglichkeit, meine Blog-Beiträge per E-Mail zu abonnieren, kam es erwartungsgemäß zu einem Rückgang in meiner Leserschaft. Interessanter Weise dabei mehr als ich Abonnenten hatte. Und so gehe ich einmal davon aus, dass diese Abonnenten so etwas wie Multiplikatoren waren.

Und mit dem Wegfall von Lesern wurden auch die Kommentare hier im Blog weniger. Eigentlich ebenfalls nur folgerichtig.

Ich könnte nun auch die Kommentarfunktion abschalten und darauf bauen, dass man mir weiterhin per Telefon, SMS oder E-Mail Rückmeldung gibt, möchte diesen Schritt nun aber zumindest nicht sogleich gehen. Denn wer sich die Mühe macht, meine Beiträge zu lesen, dem möchte ich es nicht unnötig erschweren, diese vor Ort gleich auch noch selbst zu kommentieren. Und jene Kommentare, die anonym abgegeben werden, halten sich tatsächlich sehr in Grenzen — das war schon viel schlimmer.

Hier vermute ich, dass die anonymen Schreiber gemerkt haben, dass ihre Kommentare so nicht freigeschaltet werden und sich nun diese Arbeit ersparen.

Für ganz allgemeine Kommentare habe ich dieses Jahr wieder ein Gästebuch freigeschaltet und mir insgeheim erhofft, dass dort ein Kommentar nach dem anderen hineingeschrieben wird.

Jüngst wurde mir bei einem Besuch ein Gästebuch unter die Nase gehalten und ich gebeten, einen Eintrag zu verfassen. Was mir eindeutig zeigte, dass nur ein zur Verfügung stellen eines Gästebuches nicht ausreichend ist, man muss seine Gäste dazu noch für die Einträge motivieren.

Und da ich keinen Leser mit einem entsprechenden Pop-up belästigen möchte, wird wohl mein Gästebuch weiterhin ein Nischendasein fristen.

Vermischtes

Gerd M. Hofmann machte mich darauf aufmerksam, dass es nun eine Rad-App der Deutschen Bahn gibt. Win-Win für alle. Man kauft sich nun eine Fahrkarte der Bahn z. B. nach Stuttgart und fährt dann, da der Zug nicht kommt, mit dem Rad dorthin. Wenn das in Heilbronn klappt, dann gibt es bald keinen einzigen Zug mehr.

Heute gab es eine Regenfahrt mit dem meseno-Bus, dafür aber wieder etwas mehr zu schleppen als üblich. Und so will ich mal nicht meckern.

Die Wähler in NRW haben gesprochen. Es viel zwar nicht so schlimm aus wie befürchtet, dennoch aber darf und kann man 14,5 % AfD nicht schönreden. Aber zuerst einmal das Gute, nämlich die Wahlbeteiligung blieb über 50 % und verbesserte sich sogar gegenüber dem letzten Mal, was erst einmal für die Wähler in NRW spricht. Die CDU erhielt weiterhin knapp ein Drittel der Wählerstimmen, was sich der Ministerpräsident auf die Fahnen schreiben kann, denn ohne Hendrik Wüst wäre die CDU so richtig abgeschmiert.

Die FDP hat sich selbst zerlegt und die gut 3 % kann ich mir nicht erklären. Die Linke (gut 5 %) profitiert wie die AfD von der SPD, während die Grünen (ca. 13 %) so langsam, aber sicher wieder auf normal zurückgebracht werden. Wahrscheinlich halfen sie sich wie bei uns in BW selbst dabei, indem sie ihre guten Kandidaten auf die völlig hoffnungslosen Plätze wählten.

Dass die SPD noch über 20 % blieb, hat mich nun aber richtig überrascht. Dies wird sich weiterhin biologisch von selbst regeln, es sei denn, bei der SPD fängt man wieder damit an, sozialdemokratische Politik à la Helmut Schmidt zu machen; dazu müssten deren Kandidaten aber so etwas wie Arbeit und Leistung für sich entdecken.

Eine Verdreifachung der Nazis im Westen ist allerdings weiterhin der Hammer, wobei man den Bürgern in NRW immer noch mehr Menschenkenntnis und Demokratieverständnis als bei uns in Heilbronn attestieren muss, denn dort hat die AfD schon längst über 15 %. Wobei Heilbronn auch noch zu den Städten der Besserverdiener zu rechnen ist — bei uns wählt man die AfD eindeutig aus Überzeugung und nicht aus Protest.

Das letzte Mal, als Deutschland Basketball Europameister wurde, befanden sich meine bessere Hälfte und ich in den Flitterwochen. Dieses Mal waren wir bereits Großeltern.

Da ich selber gerne und für meine Verhältnisse ganz passabel spielte und meine beiden Jungs später in Ulm trainierten, verfolge ich weiterhin gerne Spiele. Als 1983 Italien Europameister wurde, habe ich mich zum ersten Mal so richtig darüber gefreut. Gestern konnte man Dennis Schröder zurecht feiern, Ende gut, alles gut! Jetzt hoffe ich nur, dass meine Mitbürger ihn auch noch dann gut finden, wenn er dereinst nicht mehr der erfolgreiche „Anführer“ (Spiegel) sein wird. Nicht nur die Bild wird ihn dann sicherlich mehrseitig zerlegen und zerfleischen.

Die Bild-Zeitung, das Hetzblatt für völlig Zurückgebliebene, hatte bestimmt auch einmal gute Zeiten, allerdings dann vor meiner Zeit. Ich kenne dieses Blatt nur, weil sich Politiker ganz offensichtlich dafür bezahlen ließen, dieses u. a. im Bundestag in die Kameras zu halten — kann aber auch sein, dass man diesen die Zeitung einfach nur geschenkt hat.

Später gehörte das Blatt dann zu jenen Zeitungen, die die Bundeswehr für ihre Soldaten kaufen musste. Viele von uns dürften nur geguckt haben, welche Nackedei heute darin zu finden ist.

Wie ich erfahren durfte, schreibt Detlef Stern zurzeit fremd, sein Blog bleibt vorerst leer. U. a. bereitet er das Wintersemester vor, was ich demnächst auch noch machen muss. Da ich aber aus reinem Spaß heraus an die Hochschule gehe, sehe ich mich dabei nicht so pressiert. Und so bin ich eher gespannt darauf, ob die Studenten dieses Mal die Absicht haben, um in meinen Vorlesungen etwas zu lernen — nur die Zeit dort totzuschlagen hilft keinem weiter.

Go to interesting places, meet interesting people, and shoot them.“

Anon, etwa 1960er-jahre

Tegernsee

Kalenderwoche 22 5 (6)

Beitragsfoto: Tegernsee

Hochzeit

Nach einer kurzen Nacht stand am Samstag eine Hochzeit an und so schwangen wir uns sehr früh ins Auto, um zeitgerecht am Tegernsee zu sein. Bereits vor 50 Jahren wollten die in Bayern Verantwortlichen für eine Südumfahrung Münchens sorgen, vor 40 Jahren als ich noch im Süden Münchens wohnte, quälte ich mich schon durch die entsprechenden ersten Baustellen, nur um jetzt festzustellen, dass es bisher nur zu einer Nordumfahrung Münchens gereicht hat. Ohne Frage, dies hat besser funktioniert als wenn wir uns durch den Mittleren Ring gequält hätten, aber ob die jedes Mal gut 50 Kilometer Umweg wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll sind, darf bezweifelt werden. Aber auch das gestern zu erblickende Schienennetz hinkt der Zeit um gut 50 Jahre hinterher und ist damit keine Alternative zum Auto.

Da aber die wichtigen Bayern weiterhin nur im Privatjet oder Hubschrauber unterwegs sind, wird dies auch künftig kein Problem im Freistaat sein. Und so bin ich weiter guter Hoffnung, dass wir Heilbronner unsere Turmstraße noch vor einer Südumfahrung Münchens hinbekommen werden — für beide Verwaltungen sind dies ähnlich große Herausforderungen.

Neu für mich waren die vielen Radfahrer am See selbst, was mich an Kalifornien der 1990er-Jahre erinnerte. Das Wetter am See bombastisch. Keine drei Stunden von Heilbronn entfernt, kam so ein richtiges Urlaubsfeeling auf.

Die Hochzeit selbst war eine sehr erfreuliche Angelegenheit. Ich darf mich nun ganz offiziell als Schwiegervater sehen und werde demnächst auch ein Opa sein. Erfreulich zudem, mein Gegenschwieger hat gedient und dies in einem „Nachbarbataillon“, ergo: keine Fehlfarbe! Der Rest der „neuen“ Familie ebenfalls sehr erfreulich.

Auch die Rückfahrt dank des aktuellen Ausbaus der BAB8 ohne jegliche Probleme, wobei ich darüber nachdachte, ob heute bei uns in Deutschland ein Menschenleben überhaupt noch ausreicht, damit man die Fertigstellung von etwas größeren Projekten selbst noch miterleben kann. Was machen wir nur falsch, dass ein römischer Legionär schneller eine Straße von Rom nach Köln baut als eine ganze Stadtverwaltung 100 Meter Turmstraße? Vor gut 2 000 Jahren ging es noch um die Sache selbst, heute nur noch um Befindlichkeiten.

Eine Gesellschaft, die ihre Infrastruktur alleine an Urlaubern, Sonntags- und Radfahrern ausrichtet, wird zumindest mittelfristig echte Probleme erhalten.

Wochenausklang

Aktuell bin ich nicht nur mit meinem monatlichen EUROPA-UNION Rundschreiben beschäftigt, sondern auch mit der letzten Vorlesung dieses Semesters. Danach gibt es nur noch ein wenig Repetition und die Gelegenheit zum Bulimielernen bevor es mit der obligatorischen Klausur Anfang des kommenden Monats zum Schwur kommt. Diesbezüglich konnte ich mich am Freitag ganz gut mit Detlef Stern austauschen, der mich ganz nebenbei und sehr gekonnt davon abhält, um zu viel von den Studenten zu verlangen; diese wissen wohl einfach nicht, was sie an ihm haben. Aber für wen der erfolgreiche Abschluss eines Spotify-Abos der Höhepunkt der eigenen wissenschaftlichen Karriere darstellt, der kann das einfach nicht verstehen.

Übrigens, wer so ein Abonnement abschließt, der hat die Kontrolle über sein eigenes Leben längst verloren. Wohl auch der Grund dafür, warum ich nicht einmal mehr Amazon- oder Apple-Music verwende, obwohl mir diese Angebote kostenfrei zur Verfügung stünden. Gerade Studenten mit etwas Bezug zur Technik, was man bei halben Informatikern eigentlich voraussetzen dürfte, sollten eigene Möglichkeiten finden, um ihre Musik hören zu können — auch hierbei ist es wichtig, dass dies möglichst selbstbestimmt geschieht.

Dies war übrigens Thema eines „karitativen“ Kneipenbesuchs am Freitag Abend. Sämtliche Einnahmen dieses Abends wurden an meseno gespendet. Mein Dank geht dabei an den Jack’s Angel Pub! Auch wenn ich kein Freund mehr von Raucherkneipen — meine eigene Gesundheit lässt dies nicht mehr zu — bin, heißt das noch lange nicht, dass es dort keine unheimlich nette Menschen gäbe. Wir fanden auf alle Fälle für mich einen ganz passablen Workaround und so konnten wir uns bis spät in den Abend hinein über Musik aus den 1970er-Jahren austauschen. Die Life-Band hatte dazu auch die passenden Lieder.

Dabei verstehe ich, dass gerade die jüngeren Mitmenschen sich nicht mehr mit eigenen Platten oder CD-Sammlungen belasten möchten, was auch etwas mit mehr Nachhaltigkeit zu tun hat. Aber die heutige Technologie lässt es sicherlich zu, dass man die eigene Musiksammlung auf dem Mobiltelefon oder einem anderen Speichermedium „besitzen“ kann. Es muss auch nicht jeder Mensch dazu in der Lage sein, seine eigene Sammlung ins Internet hinein streamen zu können — wobei ich mich immer wieder darüber freue, wenn ich so das eine oder andere Schätzchen „meiner“ Musik zu Gehör bringen kann.

An diesem Abend haben wir aber auch eine sehr gute Alternative zu den unzähligen Musiksammlungen herausgearbeitet, nämlich das gute alte Internet-Radio. So wie bei uns zuhause meist der Sender KUSC dudelt, könnte dort auch mein favorisierter Jazz-Sender von einer kleinen Pazifikinsel zu hören sein. Und so könnten sich die jungen Menschen heutzutage mit Senderlisten ihre ganz persönliche Musikwelt zusammenstellen und damit ein wenig Individualität entwickeln. Wobei der Austausch darüber unzählige wunderbare Gespräche mit noch wunderbareren Menschen zur Folge hätte.

Und dann offenbarte mir dieser Abend eine ganz neue Erkenntnis, es gibt ihn tatsächlich, einen Pink Floyd Fan, dem die Platte „The Endless River“ (2014) gefällt.

Heute muss ich noch ein paar Familiengeschäfte erledigen und zudem mein monatlichen Rundschreiben an die Abonnenten senden. Sollte mir das bis zum Abend gelingen, dann können meine bessere Hälfte und ich die Woche sogar noch bei einem Tänzchen ausklingen lassen.

Vermischtes

Den Start der Woche habe ich bereits mit einem eigenen Blog-Beitrag gewürdigt. Und auch mitten in der Woche reflektierte ich bereits ein wenig über das eine oder das andere. Was mich nun aber nicht davon abhält zum Wochenschluss doch noch einmal zur Feder zu greifen, was heute mit einem in die Tasten hauen zu vergleichen ist.

Diese Woche konnte ich meine bessere Hälfte mit einem „neuen“ MacBook ausstatten, weil ihr altes nun doch zu viel Mucken machte. So ein Austausch ist bei uns schon seit Jahren eigentlich ein Ringtausch, was manche von den EU-Streitkräften und der Ukraine her kennen könnten. Sie hat nun ein von mir aktuell weniger gebrauchtes bekommen und ich werde später einmal gucken, wie ich dem inzwischen auch gut 12 Jahre alten Modell wieder etwas mehr Leben einhauchen kann.

Dieser Ringtausch führte uns nun zu der Erkenntnis, dass Apple ähnlich wie die Autoproduzenten auch, die Geräusche seiner Tastaturen designed. Ich kann es zwar nicht mehr wahrnehmen, sie erkennt aber die jeweiligen Geräte am Klimpern der Tastaturen — dafür gab es doch einmal eine extra Sendung im ÖRR.

Wohl weil ich diese Unterschiede nicht mehr so richtig nachvollziehen kann, habe ich auch auf den Kauf von extra Tastaturen verzichtet, die es inzwischen sogar im Retrolook gibt, manche von denen Glitzern und Blinken, und andere bieten weit mehr Features als man es so von ganz normalen Tastaturen her kennt. Wenn ein etwas jüngerer Kollege mit seiner neuesten entsprechenden Errungenschaft um die Ecke kommt, bin ich aber dann doch jedes Mal versucht, denn auch die Haptik kommt dabei nicht zu kurz.

Gemäß einer repräsentativen Umfrage von Experten — anders geht es in Deutschland schon lange nicht mehr — unter lebenserfahreneren Frauen mitten in unserer Gesellschaft nach dem Beginn des Lebens, gab es die folgenden Antwort: „Sobald die Kinder aus dem Haus sind und der eigene Mann tot ist.“

Was mich wiederum an die Frage denken ließ, wie man eine Frau nennt, die stets weiß, wo sich ihr Gatte befindet?


Fediverse Reactions