22.10.02022 5 (2)

Beitragsfoto: Öffentliches Interesse | © Shutterstock

Reim-Areal

Seit Langem nicht nur ein Thema der Freien Wähler, sondern auch eines von mir. Ich hatte damit schon Anfang 2018 meinen Wahlkampf zum Gemeinderat 2019 eingeleitet und mich später darüber gefreut, dass die Freien Wähler 2019 erneut einen entsprechenden Antrag im Gemeinderat einbrachten, auch wenn dieser wieder einmal von den anderen Fraktionen abgelehnt wurde.

Und so freut es mich heute in der Heilbronner Stimme (22.10.2022: 23) lesen zu können, dass sich die Stadt endlich das Vorkaufsrecht für das letzte Stückchen dieses Areals gesichert hat, welches eigentlich schon lange nicht mehr diesen Namen tragen sollte. Neu für mich ist dabei, dass sich die Stadtverwaltung dieses Filetstückchen für eine weitere „Beamtenburg“ sichern möchte, nicht mehr ganz so neu, dass sich die CDU jetzt die Idee einer Markthalle auf die eigenen Fahnen schreibt. So lange dort dann tatsächlich eine Markthalle oder zumindest ein ähnlich attraktives Gebäude erstellt wird, kann ich gut damit leben, wenn sich unser Gemeinderat — wer auch immer dort — diesen Erfolg für sich verbucht.

Schlimm wäre es aber, wenn es dort nun zu einer weiteren Rathauserweiterung kommt und zum Schluss dann die gesamte Innenstadt nur noch von dann wohl gut 5 000 Stadtverwaltungsmitarbeitern bevölkert wird, die höchstens bei gutem Wetter und innerhalb der Regeldienstzeiten die dortigen Cafés aufsuchen.

Lebensqualität

Man muss keine Studien zitieren, um festzustellen, dass Heilbronn an sich eine hohe Lebensqualität hat. Auch wissen wir Heilbronner, zumindest die meisten von uns, was wir an Dieter Schwarz und weiteren Sponsoren, die lieber eher im Hintergrund bleiben, für unsere Stadt leisten — auch wenn doch das eine oder andere Engagement etwas mehr hinterfragt werden könnte.

Und so wundert es mich auch nicht, dass gestern Thomas Zimmermann in der Heilbronner Stimme eine Datenbank, die den deutschen Wohnungsmarkt bewertet, zitiert und Heilbronn gleich nach München die höchste Lebensqualität in Deutschland bescheinigt — damit aber das Ganze völlig ins Lächerliche zieht.

Kurz darauf wundert sich Thomas Zimmermann, dass um den Bollwerksturm herum die Stadt eher trostlos wirke und verweist auf die „besseren“ Teile in Richtung Süden der Stadt — dies machen Stimme-Journalisten bereits seit Jahrzehnten so, damit wundert mich dies auch nicht mehr.

Dabei wäre es doch so einfach gewesen, man hätte die Turmstraße schon längst zur Fußgängerzone umwandeln, so wie auch den Rest der nördlichen Innenstadt weiter verkehrsberuhigen können. Das Ganze noch mit der einen oder anderen neuen Idee versehen, wie zum Beispiel das Kirchhöfle zum Studententreff auszubauen, und schon wäre die nördliche Innenstadt genau das Quartier, welches die hohe Lebensqualität Heilbronns bestens zur Schau stellen könnte.

Leider aber stehen die persönlichen Interessen oder auch nur die fehlenden persönlichen Interessen der Heilbronner „Entscheider“ dieser Entwicklung schon seit Jahrzehnten entgegen — und dies so heftig, dass sie dabei sogar diesbezügliche Vorhaben von Dieter Schwarz torpedieren.

Öffentliches Interesse

Die „unabhängige“ Staatsanwaltschaft Stuttgart hat kürzlich entschieden, dass es an der gerade aktuellen Causa Thomas Strobl kein öffentliches Interesse gibt und deswegen die Ermittlungen gegen eine Geldauflage von 15 000 Euro eingestellt. Dieser Vorgang wäre bestimmt so auch völlig in Ordnung, wenn es neben mir nicht noch ein paar wenige andere Bürger dieses Landes gäbe, die durchaus daran Interesse haben, ob Mitglieder der Landesregierung nun kriminell, nur senil sind oder vielleicht sogar eine reine Weste haben?

So muss man sich zudem fragen, ob unsere Justiz doch parteiisch ist oder vielleicht sogar Staatsanwälte bedroht oder gar erpresst werden — an gekaufte Staatsanwälte möchte ich gar nicht denken wollen!

Aber auch dies ist uns völlig egal: deswegen finden unsere beiden Regierungsparteien das Ganze weiterhin mehr als in Ordnung und verlegen wohl demnächst auf Staatskosten mit ihren Familien in eine verlängerte Winterpause an sonnigere Orte — zumindest so lange, bis die Strom-, Gas und sonstige Versorgung in Baden-Württemberg wieder gesichert ist.

Lied des Tages

Ein Cover des Radiohead Songs Creep (1973/1992) von Sebastian Schaffer (2022)

Radio Krauss

Krauss Elektronik 4.7 (12)

Beitragsfoto: Krauss Elektronik

Neben dem Spielwaren Böttinger in der Sülmerstraße 51 waren der Radio Krauss, gleich um die Ecke in der Turmstraße 20, die beiden ersten Fachgeschäfte, die ich als Kind regelmäßig aufsuchte. Ersteres wegen der vielen Matchbox Autos und der damals obligatorischen Märklin Eisenbahn im Schaufenster. Letzteres, weil mein Vater seine Freizeit gerne beim Radio- und Fernsehapparatereparieren beim „Radio Krauss“ verbrachte.

Adolf Krauss, bei dem mein Vater seine Lehre absolviert hatte, war bereits 1950 mit seinem Fachgeschäft in die Turmstraße 20 umgezogen, und da wir gleich in der Nähe wohnten, konnte mein Vater sehr einfach seinem Hobby frönen. Hätte mein Vater beim Böttinger seine Lehre absolviert, so wäre ich wohl an eine eigene Märklin Eisenbahn gelangt, so war ich wohl das erste Kind in der Nachbarschaft mit einem eigenen Fernseher.

Das hört sich spannender an als es tatsächlich ist, da die beiden damals verfügbaren Fernsehprogramme die meiste Zeit Testbilder sendeten — was einem aber gleich zeigte, ob beim Fernsehapparat auch wirklich alles funktioniert.

Später ging ich dann mit den Töchtern von Oskar Krauss in die Grundschule und auch dessen Sohn Martin trafen wir immer wieder beim Spielen auf der Straße. Und so blieb der Gang zum „Elektro Krauss“ auch weiterhin bei allen Fragen in Sachen Elektronik immer die erste Anlaufstelle.

Im Laufe der Jahre und im Zuge der allgemeinen Veränderung sämtlicher Laden- und Fachgeschäfte spezialisierte sich der „Elektro Krauss“ immer weiter und entwickelte sich zu einem, über die Region hinaus bekannten, Fachgeschäft für alles was mit Elektronik nur im Entferntesten zu tun hat. Inzwischen hat Martin Krauss die Geschäftsführung übernommen und führt neben dem traditionellen Ladengeschäft noch einen auf Elektronikartikel spezialisierten Internet-Versand.

Deshalb war es nur folgerichtig, dass aus dem ehemaligen Radio-Fachgeschäft nunmehr die Krauss Elektronik GmbH wurde. Nichtsdestotrotz ist es weiterhin sehr spannend, durch den Laden zu wandeln, um einfach nur ein wenig zu stöbern. Und im Falle, dass man etwas ganz Bestimmtes in Sachen Elektronik sucht, dann wird man dort auf alle Fälle fündig. Und wenn doch einmal nicht, dann machen sich die Fachkräfte vor Ort auf die Suche.

Bereits 1925 von Adolf Krauss gegründet, wird die Krauss Elektronik GmbH in Kürze ihr einhundertjähriges Bestehen feiern können — gerade auf dem Gebiet der Elektronik eine sehr beachtenswerte Leistung!

Für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass Sie als Heilbronner Krauss Elektronik noch nicht kennen sollten, empfehle ich Ihnen dringend, dort einmal vorbeizuschauen. Ich bin mir sicher, dass Sie wiederkommen werden.

Sehr schön wäre es auf alle Fälle gewesen, wenn es die Stadt Heilbronn bis 2025 — nach gut 40 Jahren des Versprechens — geschafft hätte, die Turmstraße endlich einmal in einen lebens- und liebenswerten Zustand zu bekommen. Schon alleine Krauss Elektronik hätte es mehr als verdient, von den dortigen Bewohnern einmal ganz abgesehen.

„Scientific theories need reconstruction every now and then. If they didn’t need reconstruction they would be facts, not theories.“

Charles Proteus Steinmetz, New York Times (11. November 1911) 

Mann mit Hut

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Beitragsfoto: Mann mit Hut | © Shutterstock

Baden im Neckar

Manche Dinge kann man selbst bei allem Bemühen nicht verstehen, wie zum Beispiel jene Empfehlung des Gesundheitsamtes, dass „das Wasser im Neckar … gesundheitliche Probleme verursachen [kann].“ und deshalb davor warnt, im Neckar zu schwimmen.

„Auch die Stadt und der Landkreis Heilbronn raten generell vom Baden im Neckar ab. ‚Es kann zu erheblichen Gesundheitsbeeinträchtigungen wie Durchfallerkrankungen führen‘, erläutert Stadt-Sprecherin Suse Bucher-Pinell. Die Behörde folge hierbei der Empfehlung des Sozialministeriums und weiterer Gesundheitsbehörden des Landes.“

Katharina Müller, Heilbronner Stimme, 10. August 2022, 11:43 Uhr  |  Update: 10. August 2022, 13:14 Uhr 

Das sind nämlich genau jene Behörden und Personen, die noch am 12. Juni 2022 den Triathleten eine herrliche Zeit im Neckar gesichert haben.

Es könnte natürlich auch sein, dass die in Heilbronn startenden Triathleten allesamt Übermenschen sind, oder vielleicht tauscht die Stadt Heilbronn auch nur jedes Mal zum Heilbronner Triathlon das Neckarwasser aus?

Fragen über Fragen …

Wie kann es z. B. sein, dass u. a. Heilbronner Stadträte wiederholt eine neue Badeanstalt im Neckar fordern und die Heilbronner Stimme darüber auch sehr gerne berichtet, ohne ihre Leser darauf hinzuweisen, dass das Baden in einer solchen Badeanstalt höchst gefährlich wäre?

Klingenäcker 

Wie heißt es so schön, „Ende gut, alles gut.“ Bereits meine Mutter, die in Sontheim aufgewachsen ist, kannte das künftige Baugebiet „Klingenäcker“. Ein paar Jahre später, wohl in den 1970er-Jahren, gab es dann auch außerhalb Sontheims, nämlich im Heilbronner Rathaus, erste Pläne, um dieses Baugebiet am südlichen Ortsrand von Sontheim zu erschließen — für eine damals noch junge „Großstadt“ wohl keine schlechte Idee.

Kaum 50 Jahre später soll es nun so weit sein, denn heute können wir in der Heilbronner Stimme (10.08.2022: 24) lesen, dass der Heilbronner Gemeinderat den Weg für die Erschließung der Sontheimer Klingenäcker frei gemacht hat.

„Die Bauarbeiten sollen noch im August [2022] beginnen. Der Abschluss der Haupterschließungsarbeiten für den ersten Bauabschnitt ist für den Oktober 2023 geplant.“ 

Heilbronner Stimme (10.08.2022: 24)

Jetzt hoffen wir einmal darauf, dass nicht wieder einmal irgendetwas dazwischenkommt. Und so könnten wohl bis 2030 die ersten Sontheimer dort auch ein Haus oder eine Wohnung beziehen, gerade einmal knapp 100 Jahre nach den ersten Träumen ihrer (Ur-) Urgroßeltern von einem Häuschen in der eigenen Heimat.

100 Jahre sind dabei noch — nach Heilbronner Verhältnissen — eine sehr kurze Zeitspanne, wenn man nur zum Beispiel an die Turmstraße in der Kernstadt denkt, und die bräuchte man nur zur Fußgängerzone deklarieren. Jene Heilbronner, die noch die wunderbaren Pläne der Stadtverwaltung von einer Hebung des Pfühlbachs kennen, die liegen wohl meist inzwischen auf dem Heilbronner Friedhof.

Film noir

Per Zufall habe ich gestern ein wahres Meisterwerk entdeckt und zwar „Le mystère Henri Pick“ (2019). Die Geschichte basiert auf einem Roman von David Foenkinos aus dem Jahr 2016. Der Regisseur des Films ist Rémi Bezançon, der das Drehbuch übrigens zusammen mit seiner Frau schrieb.

Dieser 100 Minuten lange französische Film bietet nicht nur gute Unterhaltung, sondern stellt seine US-amerikanischen Vorbilder aus den 1940er- und 1950er-Jahren mit ihrem Zynismus, welcher durch eine pessimistische Weltsicht geprägt ist, locker in den Schatten.  

Und er zitiert dabei sogar die starken Hell-Dunkel-Kontraste und die entfremdeten bis völlig verbitterten — wobei diese auch immer wieder nach Paris zurückkehren — Protagonisten, welche im deutschen Stummfilm zwischen den beiden Weltkriegen so bezeichnend waren.

Mein Fazit: Diesen Film muss man gesehen haben. Und zum Ausgleich freue ich mich bereits auf „Qu’est-ce qu’on a tous fait au Bon Dieu ?“ (2021), der sicherlich besser als der zweite Teil „Monsieur Claude 2“ (2019) ist und sogar noch besser als der erste „Qu’est-ce qu’on a fait au Bon Dieu ?“ aus dem Jahr 2014 sein soll.