Bundestagswahl 2021

Gedanken zur Bundestagswahl 5 (1)

Beitragsfoto: Pixabay

So schwierig wie dieses Mal, war es wohl bisher noch nie. Auch wenn sich manche Parteien noch auf dem letzten Drücker bemühen, dem Bürger ihre Relevanz erklären zu wollen, so hat sich in der letzten Legislaturperiode keine Partei, ob in der Opposition oder gar in der Regierung, irgendwelche Meriten erworben.

Anhand von Leistungskriterien kann man somit keine Entscheidung mehr treffen, und so bleiben einzig die Versprechen der Parteien für eine zukünftige Regierungsarbeit, wobei, außer diesen Versprechen, kaum ein ernstzunehmendes oder gar tragbares und umsetzbares Konzept der Parteien erkennbar ist.

Und aus Erfahrung wissen wir, dass keine Partei je beabsichtigt, ihre Versprechen auch umzusetzen, denn wenn diese nicht bei notwendigen Koalitionsverhandlungen einkassiert werden, werden sie spätestens im Regierungsalltag als hohle Aussagen enttarnt und, „wegen der Realität“, als nicht umsetzbar erneut in die Schublade gelegt, damit sie für den kommenden Wahlkampf wiederverwendet werden können.

So bleibt die letzte Hoffnung alleine bei den Kandidaten vor Ort, die man hoffentlich kennt und auch halbwegs einschätzen kann.

Und da sieht es zumindest „in meinem Wahlkreis“ (267) ziemlich mau aus:

Da haben wir Alexander Throm, ein Rechtsanwalt, der bereits jahrelang im Landtag saß und, nachdem er dort nicht mehr gewählt wurde, seit der letzten Wahl (2017) im Bundestag sitzt. Sein Standortvorteil ist, dass die CDU seit 1976 ohne Unterbrechung das Direktmandat im Wahlkreis gewinnt.

Dann haben wir Josip Juratovic, ein Gewerkschafter, der seit 2005 im Deutschen Bundestag sitzt, aber immer mehr den Rückhalt der eigenen Partei (SPD) verliert. So bleibt abzuwarten, ob der „Schwung“ von Olaf Scholz ausreicht, um ihm wieder den Einzug in den Bundestag zu ermöglichen.

Auch Michael Georg Link, ein Übersetzer, sitzt seit 2005, mit „einer Auszeit“, für die FDP im Deutschen Bundestag. Er hat dort, als ehemaliger Staatsminister im Auswärtigen Amt, bereits Regierungserfahrung gesammelt und seine Auszeit als Abgeordneter dazu genutzt, um bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa internationale Erfahrung zu sammeln. Man kann davon ausgehen, dass er auch dieses Mal wieder in den Bundestag einziehen wird.

Richtig gruselig wird es aber bei den Kandidaten von zwei Parteien, die jeweils die entgegengesetzten Ränder des Parteienspektrums besetzen; davon sitzt eine Kandidatin seit 2017 im Deutschen Bundestag, und man kann nur hoffen, dass dies ein singuläres Ereignis war.

Das Ganze wird aber noch von einer Regierungspartei auf Landesebene getoppt, die wohl aufgrund von „eindeutigem Fachkräftemangel“, eine Studentin ins Rennen schickt und damit signalisiert, dass es aus Parteisicht überhaupt keiner Qualifikation oder zumindest einem Quäntchen an Erfahrung bedarf, um als Volksvertreter für uns lebenswichtige Entscheidungen zu treffen.

So haben wir Bürger, genau betrachtet, kaum eine richtige Auswahl. Zumindest aber weiß ich, wen ich als Direktkandidaten wählen werde.

Und vielleicht gelingt es einem der drei wirklich ernstzunehmenden Kandidaten, mich — auf den letzten Metern des Wahlkampfes — noch zur Wahl seiner eigenen Partei zu bewegen. Beim derzeitigen Zustand dieser Parteien, eine richtige Herkulesaufgabe.

Deshalb verzichte ich dieses Mal auf eine Briefwahl, um den Parteien und Kandidaten möglichst lange eine Chance zu geben, noch zu Punkten und zu überzeugen — es geht nämlich um das Schicksal unseres Landes.

„Whatever the label on the parties, or the war cries issuing from the demagogues who lead them, the practical choice is between the plutocracy on the one side and a rabble of preposterous impossibilists on the other.“

Henry Louis Mencken, Notes on Democracy (2013 [1926]: 153)

Maskerade

28.8.02021 5 (3)

Beitragsfoto: Maskerade | © Pixabay

Entscheidungen

Das Leben ist voll davon und das ist auch gut so! Wir und unser Leben werden von Entscheidungen geprägt und bestimmt, wobei es ziemlich egal ist, ob wir uns entscheiden oder nicht. Denn, wenn wir uns nicht entscheiden, dann entscheiden andere für uns.

Optimal ist es, wenn wir uns nach dem Erhalt aller notwendigen Informationen entscheiden können. Dies ist wohl aber so gut wie nie der Fall. Deshalb müssen wir alle möglichst früh lernen, uns auch dann entscheiden zu können, wenn es nicht gerade so optimal läuft.

Heute habe ich ein paar aktive Mitbürger gebeten, sich zu einer ganz bestimmten Sache zu entscheiden und freue mich schon auf das Ergebnis — egal, wie es auch ausfallen mag.

Am 26. September 2021 dürfen sich alle deutschen Mitbürger darauf freuen, eine Entscheidung zu treffen. Ob ich mich über dieses Ergebnis freuen werde, bleibt abzuwarten.

Attraktivität

Nach der Wahl ist bekanntlich vor der Wahl. Kaum werden wir die Bundestagswahl hinter uns haben, steht auch schon die Wahl des Heilbronner Oberbürgermeisters an.

So ist es schon verwunderlich, dass sich der aktuelle Amtsträger so lange bedeckt hält, und auch erst ein weiterer Kandidat — übrigens ein Totalitarist — signalisiert hat, ggf. kandidieren zu wollen.

Vielleicht aber erleben wir auch einmal ein Novum: keiner will Heilbronner Oberbürgermeister werden, und der Gemeinderat muss den Amtsträger bitten, für weitere acht Jahre zu bleiben.

Wandel

Einmal von den üblichen Wahlkampfideen abgesehen, kann man doch feststellen, dass sich sehr viele Mitbürger in den letzten Wochen und Monaten Gedanken darüber gemacht haben, wie es weitergehen soll oder kann.

Unsere Kaufhoffiliale möchte mit einem neuen Konzept noch einmal neu durchstarten. Die Heilbronner Stimme hingegen möchte sich breiter aufstellen, und wir können schon einmal gespannt sein, was aus dem Medienunternehmen wird; dabei könnte die erweiterte Kooperation mit dem Reiseunternehmen Gross durchaus vielversprechend werden. Ich kann mir hierbei gut vorstellen, dass man bei einem Reiseantritt mit einem der Gross-Busse auch eine aktuelle Tageszeitung am Sitzplatz vorfindet.

Dass immer wieder neue Gaststätten in der Stadt hinzukommen und alte verschwinden, kann man weiterhin als normales städtisches Grundrauschen betrachten.

Was den Einzelhandel und dies besonders in unserer Heilbronner Fußgängerzone betrifft, kann man derzeit aber noch kaum eine Veränderung ausmachen. Es lässt aber hoffen, da Marktgrößen, wie Amazon, darüber nachdenken, mit eigenen Läden in den Städten vertreten zu sein. Das spricht eindeutig für das Potential der Innenstädte. Und dieses Potential sollten wir stärken und nicht schwächen.

Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass unsere Fußgängerzone nicht nur erweitert, sondern auch der dortige Aufenthalt wieder attraktiver wird, d. h. weniger Müll und Belästigungen sowie weniger Radfahrer, Autos und Lastwagen.

Dafür müssen wir die Wege von und zu den Parkhäusern besser kennzeichnen und auch attraktiver ausgestalten, d. h. dem Weg von Auto oder Fahrrad bis zu den ersten Läden und Gaststätten einen eigenen Erlebnis- bzw. Unterhaltungswert geben; dies könnte man auch mit sauberen öffentlichen Toiletten kombinieren.

Ich bin mir sicher, dass eine Fußgängerzone, die über ein Einzugsgebiet von gut 500 000 Menschen verfügt, weiterhin sehr attraktiv für die meisten Geschäfte und auch größere Konzerne ist. Und sobald sich wieder die ersten Geschäfte ansiedeln werden, auch die anderen folgen.

Geburtstag des Tages

Johann Wolfgang von Goethe


Beitragsfoto: Sülmerstraße | © Shutterstock

25.8.02021 5 (1)

Beitragsfoto: Sülmerstraße | © Shutterstock

Versprechen

Neben einem verhaltenen Wahlkampfgetöse, wobei sich die meisten Parteien inzwischen alleine noch durch ihre eigene Inkompetenz auszeichnen, marschieren die jeweiligen Parteisoldaten durch die lokalen Medien und versprechen den Bürgern einfach alles und ganz besonders das, was die Bürger gerade gerne hören.

Schon alleine von den Versprechen aus der heutigen Zeitung, müsste Heilbronn die attraktivste Großstadt aller Zeiten werden. Das Problem dabei ist, dass auch den anderen Bürgern in allen anderen Städten Deutschlands einfach alles versprochen wird. Und so werden wir nach der Wahl wieder darauf warten, bis das Füllhorn der europäischen und bundesdeutschen Subventionszahlungen über Heilbronn ausgegossen werden wird.

Dann dürfen wir uns — wenn es gerade passen sollte — erneut fragen lassen: „Welches Versprechen hätten sie denn gerne?“ Dabei gibt es in Heilbronn genügend Versprechen aus den letzten acht Jahrzehnten, die immer noch auf ihre Erfüllung warten.

Verwunderung

Heute kann man auch in der Zeitung lesen, dass sich Mitbürger darüber wundern, wie sich zumindest ein Bürgermeister und die Stadtverwaltung nicht so ganz an die Beschlüsse des Gemeinderats halten.

Ich bin hingegen überrascht, dass das zumindest Teilen unseres Gemeinderats nach all den Jahren einmal auffällt. Dabei sollte es uns Heilbronnern doch bekannt sein, dass nicht nur die Stadtverwaltung, sondern auch der Gemeinderat selbst, gerne alles verschleppt, was nicht gerade im eigenen Interesse liegt. Alternativ wird immer gerne darauf gewartet, bis es Subventionen für ein Vorhaben gibt, um es dann, den dafür entsprechenden Anforderungen gerecht, umzusetzen; ob es dabei noch für Heilbronn passt oder nicht, spielt keine Rolle.

Was mich verwundert ist, dass wir inzwischen im „Bundesstaat“ Deutschland eine Art zentralstaatliche Finanzverwaltung haben. Wir geben unser ganzes Geld nach Berlin und können froh darüber sein, wenn wir Teile davon wieder zurückerhalten!

Landesparlamente und Gemeinderäte, die nicht mehr Herr über ihre eigenen Finanzen sind, sind reine Scheinparlamente, die am Tropf einer Zentralverwaltung hängen — wollen wir das tatsächlich?!

Klaviere

Sie sind wieder da, die bunten Klaviere für jedermann. Dieses Mal sollen insgesamt sieben Klaviere bis in den Oktober hinein in der Innenstadt verfügbar sein.

Wer nicht selber Klavier spielen möchte, kann die sieben Musikinstrumente, die alle anders bemalt sind, in Heilbronn erlaufen, und wenn man Glück hat, findet sich auch jeweils ein Pianist vor Ort, der seine Umgebung verzaubert.

Inzidenz des Tages

Wir haben in Heilbronn eine Sieben-Tages-Inzidenz von 95,6. Diese steigt weiter an.

Es ist schon erstaunlich, dass die Heilbronner Stimme nicht mehr darüber berichtet. So kurz vor dem Wahltermin soll uns Heilbronnern wohl alles Negative erspart bleiben.

Geburtstag des Tages

Tim Burton